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EKG-Leitfaden · Grundlagen: Wellen, Intervalle, Achsen

EKG-Elektrodenplatzierung: Die korrekte Position

EKG lead positioning · Elektrodenplatzierung, EKG-Ableitung

Die EKG-Elektrodenplatzierung (ECG lead positioning) ist das Standardverfahren zur Platzierung von Elektroden an den Extremitäten und am Brustkorb zur Registrierung von 12 Ableitungen. Die Hauptregel ist die exakte Lokalisation der Brustwandelektroden V1–V6 anhand der Interkostalräume und Medianlinien, da sonst die Wellenform und die Übergangszone verzerrt werden.

5 Min. LesezeitFür Medizinstudierende und ÄrzteAktualisiert am 18.10.2026
Erstellt von Redaktion von WhiteCoat ProDie Kriterien wurden von zwei unabhängigen Gutachtern anhand von Leitlinien abgeglichen

EKG-Kriterien

  1. Elektrode V1 — 4. Interkostalraum am rechten Sternalrand
  2. Elektrode V2 — 4. Interkostalraum am linken Sternalrand
  3. Elektrode V4 — 5. Interkostalraum in der linken Medioklavikularlinie
  4. Elektrode V3 — genau in der Mitte zwischen V2 und V4
  5. Elektrode V5 — auf horizontaler Höhe von V4 in der linken vorderen Axillarlinie
  6. Elektrode V6 — auf horizontaler Höhe von V4 und V5 in der linken mittleren Axillarlinie
  7. Extremitätenelektroden: rechter Arm — rot, linker Arm — gelb, linkes Bein — grün, rechtes Bein (Erde) — schwarz
  8. Bei Frauen wird die Elektrode an der Brustwand am anatomischen Standardpunkt platziert, in der Regel unterhalb der angehobenen Brust, jedoch nicht auf dem Drüsengewebe und nicht unterhalb des geforderten Interkostalraums
Wo zu findenV1–V2 — 4. Interkostalraum; V4 — 5. Interkostalraum in der Medioklavikularlinie; V5–V6 — auf Höhe von V4
G GefahrScheinpathologie bei Elektrodenverschiebung
Aufnahmegeschwindigkeit25 mm/s (Standard)
Kalibrierung1 mV = 10 mm

Wie es im EKG aussieht

Ein korrekt angelegtes EKG liefert eine reproduzierbare Form der Komplexe in allen 12 Ableitungen, mit einem kontinuierlichen Anstieg der R-Zacke von V1 zu V5 (normale Übergangszone) und typischer Polarität der Zacken in den Extremitätenableitungen.

Brustwandelektroden (präkordial):

AbleitungLage
V14. Interkostalraum, rechter Sternalrand
V24. Interkostalraum, linker Sternalrand
V3zwischen V2 und V4
V45. Interkostalraum, linke Medioklavikularlinie
V5horizontale Höhe von V4, linke vordere Axillarlinie
V6horizontale Höhe von V4 und V5, linke mittlere Axillarlinie

Die Extremitätenelektroden werden symmetrisch an den entsprechenden Gliedmaßen platziert, in der Regel an den Handgelenken und Knöcheln. Bei Amputationen, Verbänden oder Tremor ist eine weiter proximale Position an derselben Gliedmaße zulässig; die Elektrode sollte jedoch nicht ohne Notwendigkeit auf den Rumpf verlegt werden, da dies den Ableitungsvektor, die Amplituden, die Lagetypbestimmung und gelegentlich das ST-Segement verändert; eine unstandardisierte Position ist im Befund zu vermerken. Internationale Farbcodierung (IEC): rechter Arm — rot, linker Arm — gelb, linkes Bein — grün, rechtes Bein — schwarz (Erde, unbeteiligt an der Ableitungsbildung). Bei zusätzlichen Ableitungen V7–V9 wird die Linie V4–V6 dorsal auf derselben horizontalen Ebene fortgesetzt: V7 — hintere Axillarlinie, V8 — Scapularlinie, V9 — Paravertebrallinie. Rechte Brustwandableitungen V3R–V6R — spiegelbildlich zur Position von V3–V6 rechts vom Sternum.

Mechanismus

Das EKG registriert die Potentialdifferenz zwischen den Elektroden, welche die Ausbreitung der Depolarisationswelle durch das Myokard widerspiegelt. Die Extremitätenableitungen (I, II, III, aVR, aVL, aVF) bilden die Frontalebene und bestimmen die Lagetypbestimmung. Die Brustwandableitungen (V1–V6) befinden sich in der Horizontalebene um das Herz herum und „betrachten“ nacheinander das Septum sowie die Vorder- und Seitenwand der Ventrikel. Die exakte geometrische Position der Elektrode bestimmt die Amplitude und Polarität der Zacken in dieser Ableitung, sodass eine Verschiebung der Elektrode um einen Interkostalraum oder eine Seitenverwechslung die QRS-Komplexform verändert und eine Pathologie imitieren oder maskieren kann.

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Normvarianten

Bei Kindern wird die Position der Brustwandelektroden anhand derselben anatomischen Orientierungspunkte bestimmt — durch Palpation der Interkostalräume und Medianlinien und nicht durch willkürliches Verschieben der Punkte; bei speziellen pädiatrischen Protokollen werden abweichende Ableitungen und deren Position separat vermerkt. Bei Patienten mit Emphysem oder Thoraxdeformität ist eine Korrektur anhand tastbarer Interkostalräume zulässig, mit entsprechender Angabe im Befund. Bei Frauen werden die Elektroden V3–V4 am Standardpunkt im Interkostalraum an der Brustwand platziert, meist unterhalb der angehobenen Brust — eine Verschiebung der Elektrode nach oben auf das Drüsengewebe oder nach unten über die Brustfalte verzerrt die Amplituden von R und S.

Pathologische Veränderungen (bei Anwendungsfehlern)

Eine falsche Platzierung ist kein echter Patientenbefund, erzeugt jedoch Auswertungsartefakte:

  • hohe Platzierung von V1–V2 (einen Interkostalraum höher) — Pseudo-Brugada-Muster, falsche Q-Zacke, Verzerrung der Übergangszone;
  • vertauschte Armelektroden (RA und LA) — Inversion von P, QRS und T in Ableitung I, positiver oder formuntypischer Komplex in aVR, Vertauschung der Charakteristika zwischen aVR und aVL bei erhaltenem Sinusrhythmus;
  • vertauschte Arm- und Bein-Elektroden — grobe Amplitudenverzerrung in den Extremitätenableitungen;
  • Verschiebung der V-Elektroden nach kaudal oder lateral — scheinbare Verringerung oder Erhöhung der R-Amplitude, Verzerrung der Beurteilung des R-Zacken-Wachstums.

Klinische Bedeutung und Taktik

Die korrekte Elektrodenplatzierung ist die Grundlage für eine zuverlässige Interpretation: Technikfehler können einen Infarkt, einen Block, eine Präexzitation imitieren oder eine echte Pathologie verdecken. Bei Verdacht auf ein Platzierungsartefakt sollte der Arzt das aktuelle EKG mit vorherigen Aufzeichnungen desselben Patienten vergleichen, auf typische Merkmale vertauschter Armelektroden achten (Inversion von P, QRS und T in Ableitung I bei erhaltenem Sinusrhythmus, in der Polarität ungewöhnlicher Komplex in aVR, Vertauschung zwischen aVR und aVL) und die Aufzeichnung bei Bedarf unter Kontrolle der Anlagepunkte wiederholen. Eine negative P-Wacke in aVR ist per se ein normaler Befund eines Sinusrhythmus und weist nicht auf einen Elektrodenfehler hin. Im EKG-Befund wird bei Zweifeln an der Aufnahmetechnik gesondert darauf hingewiesen, ohne eine Diagnose auf der Grundlage einer fragwürdigen Aufzeichnung zu stellen.

Häufige Fehler bei der Auswertung

  • Platzierung von V1–V2 einen Interkostalraum zu hoch — falsches Bild eines Infarkts oder Brugada-Syndroms.
  • Verwechslung von rechter und linker Armelektrode — irrtümliche Diagnose einer Dextrokardie oder Rhythmusstörung.
  • Platzierung von Extremitätenelektroden am Rumpf (bei schwerkranken Patienten, Methode nach Mason–Likar) — verändert den Lagetyp, die Amplituden und ST-T erheblich; eine solche Aufzeichnung entspricht keinem Standard-EKG und ist nur für Monitoring und Belastungstests unter obligater Dokumentation der Elektrodenposition zulässig.
  • Elektrode V4 wird auf der Rippe statt im Interkostalraum platziert — Messpunktverschiebung.
  • Fehlende Orientierung an der Medioklavikular- und Axillarlinie bei Platzierung von V5–V6 — zu niedrige oder zu hohe Amplitude.
Wie man es sich merkt

„Rot rechts, gelb links, grün ist Bein, schwarz ist Erde“ (Farben der Extremitätenelektroden nach IEC)

Überprüfen Sie sich selbstDrei Fragen auf Examens- und Akkreditierungsniveau – mit ausführlicher Erklärung.

1. In welchem Interkostalraum werden die Elektroden V1 und V2 platziert?

V1 und V2 werden im 4. Interkostalraum am rechten bzw. linken Sternalrand platziert.

2. Welches Artefakt entsteht beim Vertauschen der linken und rechten Armelektrode?

Bei vertauschten Armelektroden registriert Ableitung I ein spiegelbildliches Bild, was zu einer Inversion von P, QRS und T bei erhaltenem Sinusrhythmus führt.

3. Entlang welcher Linie wird die Elektrode V6 platziert?

V6 wird auf horizontaler Höhe von V4 und V5 in der linken mittleren Axillarlinie positioniert.

Häufig gestellte Fragen

Wie unterscheidet man ein Artefakt oder vertauschte Armelektroden von einer echten Dextrokardie?

Bei vertauschten Armelektroden sind P, QRS und T in Ableitung I invertiert, und der Komplex in aVR wird positiv oder verändert seine Form, aber der R-Zuwachs in den Brustwandableitungen (V1–V6) bleibt normal. Bei einer echten Dextrokardie ist der R-Zuwachs in den Brustwandableitungen ebenfalls gestört oder invertiert, und klinisch lässt sich dies durch die spiegelbildliche Lage des Herzens im Röntgenbild bestätigen.

Dürfen Brustwandelektroden über der Brustdrüse platziert werden?

Nein, die Elektrode wird an der Brustwand am geforderten Punkt im Interkostalraum platziert, normalerweise unter der angehobenen Brustdrüse, und nicht auf deren Gewebe oder unterhalb des gewünschten Interkostalraums — da sonst die Amplitude der R- und S-Zacken verzerrt wird.

Was passiert, wenn V1 und V2 in einem höheren Interkostalraum als normal platziert werden?

Dies kann ein Brugada-Syndrom Typ 1 oder 2, eine pathologische Q-Zacke imitieren oder die Umschlagzone verschieben, wodurch ein falsches Bild einer Ischämie oder eines Blocks erzeugt wird.

Muss die Technik der Elektrodenplatzierung bei Kindern geändert werden?

Die Anlagepunkte der Brustwandelektroden sind dieselben wie bei Erwachsenen (nach Interkostalräumen und Mittellinien) und werden durch Palpation ermittelt und nicht durch willkürliches Verschieben; bei speziellen pädiatrischen Protokollen werden zusätzliche Ableitungen separat angegeben.

Wie werden zusätzliche posteriore Ableitungen V7–V9 angelegt?

Sie werden auf derselben horizontalen Höhe wie V4–V6 platziert, indem die Linie nach dorsal fortgesetzt wird: V7 — hintere Axillarlinie, V8 — Scapularlinie, V9 — Paravertebrallinie.

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Quellen

  • AHA/ACCF/HRS-Empfehlungen zur Standardisierung und Interpretation des EKG, 2009
  • Orlov V.N. „Leitfaden der Elektrokardiographie“
  • Goldberger A.L. «Clinical Electrocardiography: A Simplified Approach»

Lehrmaterial für Medizinstudierende und Ärzte. Ersetzt weder klinische Leitlinien noch die ärztliche Untersuchung; ein EKG wird stets im klinischen Kontext interpretiert.