Wie bilden sich die Lebervenen?
Das Abflusssystem beginnt auf mikroskopischer Ebene innerhalb des Leberläppchens (lobulus hepaticus):
- Innerhalb des Läppchens vermischen sich Arterien- und Venenblut in den Sinusoiden (vasa sinusoidea), die zwischen den Leberzellbalken liegen.
- Die Sinusoide münden in die Zentralvene (v. centralis).
- Beim Verlassen des Läppchens setzt sich die Zentralvene als Sublobulärvene (v. sublobularis) fort.
- Die Sublobulärvenen fließen zu größeren Sammelvenen zusammen.
- Aus den Sammelvenen bilden sich 3–4 große Stämme der Lebervenen (vv. hepaticae).
Hauptstämme
Die Anzahl der Lebervenen kann variieren, jedoch unterscheidet man meist drei konstante große Stämme:
- Rechte Lebervene (v. hepatica dextra) – aus dem rechten Leberlappen.
- Intermediäre Lebervene (v. hepatica intermedia) – aus dem quadratischen und dem geschwänzten Lappen.
- Linke Lebervene (v. hepatica sinistra) – aus dem linken Leberlappen. Vor der Mündung verbindet sie sich mit dem Ligamentum venosum (lig. venosum).
Topographie und Mündungsort
Die Lebervenen treten am Hinterrand der Leber aus dem Leberparenchym im Bereich der Sulcus venae cavae inferioris aus.
Sie münden unmittelbar unterhalb des Foramen venae cavae im Centrum tendineum des Diaphragmas in die untere Hohlvene (v. cava inferior), kurz bevor diese in den rechten Vorhof eintritt. Die Lebervenen sind die letzten Zuflüsse der unteren Hohlvene im Bauchraum.
Der Abschnitt, in dem die untere Hohlvene durch die Leber verläuft, sowie die Mündungsstelle der Lebervenen werden als zweite Leberpforte (Cavalpforte) bezeichnet.
Klinische Bedeutung
- Leberchirurgie: Das Leberparenchym ist brüchig und reißt leicht ein, aber die Gefässcheiden, insbesondere der Pfortader und der Lebervenen, halten Nahtmaterial sicher. Die Festigkeit der Bindegewebsscheiden ermöglicht das Unterbinden von Gefäßen bei Operationen.
- Verletzungsrisiko: An der Mündungsstelle der Lebervenen bildet die untere Hohlvene eine ampulläre Erweiterung. Dies birgt das Risiko von Verletzungen bei der Präparation.
- Onkologie: Beim hepatozellulären Karzinom ist die Infiltration der großen Lebergefäße ein erschwerender Faktor, der die Erkrankung in ein fortgeschrittenes Stadium (BCLC C) überführt.
Fötale Besonderheiten
Während der Embryonal- und Fötalperiode fließt ein Teil des Blutes durch die Pfortader und die Kapillaren der Leber. Dieses Blut wird in den Lebervenen (vv. hepaticae) gesammelt, die in die untere Hohlvene münden.
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Wohin münden die Lebervenen?
Sie münden nach dem Austritt aus dem Leberparenchym unmittelbar unterhalb des Foramen im Centrum tendineum des Diaphragmas in die untere Hohlvene (v. cava inferior). Dies sind die letzten Zuflüsse der unteren Hohlvene im Abdomen.
Was ist die „zweite Leberpforte“?
Dies sind die sogenannten Cavalpforten – der Bereich, in dem die untere Hohlvene durch die Leber zieht und die Lebervenen einmünden.
Warum werden bei Operationen Nähte an den Gefäßen und nicht am Lebergewebe angelegt?
Das Leberparenchym ist brüchig und reißt leicht ein. Gefäßscheiden, insbesondere der Pfortader und der Lebervenen, halten jedoch Nähte.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Untere Hohlvene (v. cava inferior)
- Pfortader der Leber (v. portae hepatis)
- Leberläppchen (lobulus hepaticus)
- Fötaler Blutkreislauf
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