Topographie und Verlauf der Arterie
Das Gefäß beginnt seinen Weg, indem es aus der Beckenhöhle unter dem Leistenband durch die Gefäßlücke (Lacuna vasorum) austritt. Unmittelbar danach gelangt es in den Bereich des Femoraldreiecks (Scarpa-Dreieck). Hier liegt der Stamm lateral der gleichnamigen Vene und medial des Nervus femoralis (N. femoralis). Die Arterie legt sich auf den Musculus pectineus (M. pectineus) und den Musculus adductor longus (M. adductor longus), bedeckt von der Fascia lata und dem Musculus sartorius (M. sartorius).
Weiterhin zieht das Gefäß in den Adduktorenkanal (Hunter-Kanal, Canalis adductorius). Dieser Kanal hat drei Wände:
- Medial: Musculus adductor magnus (M. adductor magnus).
- Lateral: Musculus vastus medialis (M. vastus medialis).
- Anterior: Stabile fibröse Platte (Lamina vastoadductoria).
Nach dem Passieren des Kanals verlässt das Gefäß diesen durch die untere Öffnung — den Adduktorenschlitz (Hiatus adductorius) —, gelangt in die Kniekehle und setzt sich als A. poplitea (A. poplitea) fort. Es ist wichtig zu beachten, dass der N. femoralis innerhalb des Kanals ventral und lateral der Arterie liegt, was Chirurgen bei operativen Zugängen unbedingt berücksichtigen müssen.
Superfizielle Äste
Gleich zu Beginn gehen aus dem Hauptstamm drei oberflächliche Äste ab, die die Fascia cribrosa (Fascia cribrosa) durchbohren:
- Arteria epigastrica superficialis (A. epigastrica superficialis) — zieht nach ventral und kranial an der vorderen Bauchwand zum Nabel. Sie bildet Anastomosen mit der A. epigastrica superior und inferior.
- Arteria circumflexa ilium superficialis (A. circumflexa ilium superficialis) — verläuft lateral entlang des Leistenbandes zur Spina iliaca anterior superior (Spina iliaca anterior superior) und versorgt Haut und Lymphknoten dieser Region.
- Arteriae pudendae externae (Aa. pudendae externae) — teilen sich in oberflächliche und tiefe Äste auf. Sie ziehen medial zum Skrotum bzw. zu den Labia majora sowie zur Haut des Dammes. Sie anastomosieren aktiv mit Ästen der A. pudenda interna.
Tiefe Oberschenkelarterie
Arteria profunda femoris (A. profunda femoris) — ist der größte Ast und die Hauptversorgungsquelle für die Muskulatur dieses Bereichs. Unterhalb ihres Abgangs versorgt der Hauptstamm selbst überwiegend die Haut und die Adduktoren. Sie entspringt 3–5 cm unterhalb des Leistenbandes von der dorsalen (oder dorsolateralen) Zirkumferenz des Oberschenkelstammes, verläuft in die Tiefe und steigt bis zum unteren Oberschenkeldrittel ab.
Ihre wichtigsten Äste:
- Arteria circumflexa femoris medialis (A. circumflexa femoris medialis). Verläuft nach dorsal und medial um den Oberschenkelhals. Über ihren R. acetabularis (R. acetabularis) stellt sie die kritische Blutversorgung des Oberschenkelkopfes sicher. Genau aufgrund einer Schädigung dieses Astes sind mediale Schenkelhalsfrakturen häufig mit einer schweren aseptischen Nekrose komplikationsbehaftet.
- Arteria circumflexa femoris lateralis (A. circumflexa femoris lateralis). Zieht lateral unter den Musculus rectus femoris und teilt sich in einen aufsteigenden, einen querverlaufenden und einen absteigenden Ast. Letzterer reicht bis zum Kniegelenk und beteiligt sich an der Bildung des Rete articulare genus (Rete articulare genus).
- Arteriae perforantes (Aa. perforantes). Drei kräftige Gefäße durchbohren die Sehnen nahe am Knochen und treten an der Rückseite des Oberschenkels aus. Sie versorgen die dorsale Muskelgruppe sowie den Oberschenkelknochen selbst (Aa. nutriciae femoris) und bilden eine kontinuierliche Anastomosenkette.
Absteigende Kniearterie
Arteria descendens genus (A. descendens genus) — ist der letzte und distalste Ast. Sie entspringt noch innerhalb des Adduktorenkanals. Im Gegensatz zum Hauptstamm verlässt sie den Kanal nicht durch die untere, sondern durch die vordere Öffnung in der fibrösen Platte und tritt gemeinsam mit dem Nervus saphenus (N. saphenus) am Oberschenkel aus.
Sie gibt einen subkutanen Ast (r. saphenus) für die Haut der medialen Unterschenkelfläche und Gelenkäste (rr. articulares) ab. Letztere ziehen zur medialen Seite des Kniegelenks, bilden ein isoliertes Patellarnetz (rete patellare) und gehen in das gemeinsame Kniegelenksnetz über. Bei einem langsamen Verschluss der A. poplitea (z. B. bei Atherosklerose) erweitert sich dieses Gefäß und dient als wichtigster Kollateralkreislauf.
Cruciat-Anastomose
An der Hinterfläche des Oberschenkels, auf Höhe des Trochanter minor, bildet sich die sogenannte Kreuzananastomose (anastomosis cruciata). In ihr laufen vier arterielle Quellen zusammen:
| Richtung | Arterie, die den Ast abgibt |
|---|---|
| Von kranial | Arteria glutea inferior (A. glutea inferior) |
| Von medial | Aufsteigender Ast der medialen Oberschenkel-Umschlingungsarterie |
| Von lateral | Aufsteigender Ast der lateralen Oberschenkel-Umschlingungsarterie |
| Von kaudal | Erste perforierende Arterie (A. perforans prima) |
Dieser Gefäßknoten hat eine enorme klinische Bedeutung. Wenn die A. iliaca externa oder der Anfangsteil der A. femoralis durch einen Thrombus oder eine Plaque verschlossen sind, gelangt Blut aus dem System der A. iliaca interna über die Gesäßgefäße in die Cruciat-Anastomose und von dort in die A. profunda femoris. Auf diese Weise wird die Extremität vor Ischämie bewahrt.
Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema
Welche Arterien versorgen den Oberschenkelkopf mit Blut?
Den Oberschenkelkopf versorgen Äste der Oberschenkel-Umschlingungsarterien, die Gesäßarterien sowie eine spezielle Bandarterie.
- Arteria circumflexa femoris medialis (A. circumflexa femoris medialis) — fungiert als Hauptquelle und gibt den R. acetabularis (R. acetabularis) ab.
- Arteria circumflexa femoris lateralis (A. circumflexa femoris lateralis).
- Arteriae gluteae.
- Arteriae ligamenti capitis femoris (A. lig. capitis femoris) — entspringt aus der Arteria obturatoria (A. obturatoria).
Welche Gefäße sind an der Bildung des Kniegelenknetzes (Rete articulare genus) beteiligt?
An der Bildung des Kniegelenknetzes sind Äste der A. femoralis, A. poplitea und der Tibialisarterien beteiligt.
- Arteria descendens genus (A. descendens genus) — aus der A. femoralis.
- Absteigender Ast (R. descendens) — aus der A. circumflexa femoris lateralis.
- Obere und untere Kniearterien (Aa. superiores et inferiores, mediales et laterales genus) — aus der A. poplitea.
- Vordere und hintere tibiale Rezidivarterien (Aa. recurrentes tibiales anterior et posterior) — aus der A. tibialis anterior.
- Wadenbein-Umschlingungsast (R. circumflexus fibularis) — aus der A. tibialis posterior.
Die Arteria media genus (A. media genus) zieht in das Gelenkinnere und gehört nicht zum Netz.
Welche konkreten Muskeln versorgen die perforierenden Oberschenkelarterien?
Die perforierenden Oberschenkelarterien versorgen die Muskeln der dorsalen Oberschenkelgruppe und einen Muskel der medialen Gruppe. In den Quellen werden konkret folgende Muskeln genannt:
- M. adductor magnus (m. adductor magnus).
- Musculus biceps femoris (M. biceps femoris).
Es wird zudem angegeben, dass diese Arterien die gesamte dorsale Oberschenkelmuskulatur nähren, zu der neben dem Bizeps auch der in der Klassifikation erwähnte Musculus semitendinosus gehört.
Wo verläuft die Projektionslinie der Bedarterie (Keen-Linie)?
Die Projektionslinie der Bedarterie (Keen-Linie) verläuft am vorderen Oberschenkelbereich. Sie projiziert sich entlang einer geraden Linie, die von der Mitte des Leistenbandes (Lig. inguinale) zum Epicondylus medialis femoris gezogen wird. Für eine korrekte Bestimmung dieser Projektion muss sich die untere Extremität in einer bestimmten Position befinden: Das Bein soll im Kniegelenk leicht gebeugt und nach außen abduziert sein.
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Warum kommt es bei Schenkelhalsfrakturen häufig zu einer Femurkopfnekrose?
Die Hauptversorgung des Femurkopfes erfolgt über den R. acetabularis (r. acetabularis) der A. circumflexa femoris medialis. Bei medialen Schenkelhalsfrakturen reißt dieses Gefäß ab, wodurch die Durchblutung kritisch gestört wird.
In welcher Reihenfolge sind die Strukturen im Lacuna vasorum bzw. Femurdreieck angeordnet?
Von medial nach lateral verlaufen: V. femoralis (v. femoralis), dann A. femoralis (a. femoralis), gefolgt vom R. femoralis bzw. N. femoralis (n. femoralis). Ein guter Merksatz ist das Akronym „VAN“ (Vene, Arterie, Nerv von medial nach lateral).
Wie verlässt die A. descendens genus den Adduktorenkanal?
Sie verlässt den Kanal nicht durch den Hiatus adductorius (hiatus adductorius), sondern durch die Vordere Öffnung der Lamina vastoadductoria (lamina vastoadductoria) gemeinsam mit dem N. saphenus (n. saphenus).
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Anastomosen im Bereich des Kniegelenks (Rete articulare genus)
- Plantarbogen und Arterien des Fußes
- Arterielle Netze des oberen Sprunggelenks (Rete malleolare mediale et laterale)
- „Corona mortis“ und ihre chirurgische Bedeutung
- Übersichtstabelle der arteriellen Anastomosen des Rumpfes und der Extremitäten
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