Grenzen und äußere Orientierungspunkte
Diese Region lässt sich recht einfach bestimmen. Die obere Grenze verläuft auf einer horizontalen Linie 4 cm unterhalb der Ellenbeuge, und die untere 2 cm über der Spitze des Processus styloideus radii. Seitlich ist die Region von der dorsalen Unterarmseite durch vertikale Linien getrennt, die die Epicondyli humeri mit den entsprechenden Processus styloidei verbinden.
An der Oberfläche der Hand lassen sich wichtige Landmarken leicht tasten: der A. radialis und ulnaris entsprechende Furchen, der dichte Muskelbauch des M. brachioradialis (m. brachioradialis) sowie im unteren Drittel des Unterarms die unter der Haut konturierten Sehnen des M. flexor carpi radialis und des M. palmaris longus.
Oberflächliche Schichten und Faszien
Die Haut ist hier dünn, darunter liegt lockeres und geschichtetes subkutanes Fettgewebe. In ihm verlaufen die wichtigsten oberflächlichen Venen des Arms: lateral die v. cephalica und medial die v. basilica. Sie werden von Hautnerven begleitet, die die Sensibilität gewährleisten.
Die Fascia superficialis ist sehr schwach ausgebildet. Wichtiger klinischer Aspekt: Der Hautlappen lässt sich mitsamt dem Fettgewebe auf großer Strecke äußerst leicht von tiefer gelegenen Geweben ablösen. Dies erinnert vom Verletzungsmechanismus her an Skalpierungswunden der Kopfschwarte.
Die Fascia propria (fascia antebrachii) ist ungleichmäßig aufgebaut: Im oberen Teil ist sie straff und glänzend, während sie sich zum Handgelenk hin stark ausdünnt. Medial ist sie fest mit der Ulna verwachsen, während sie zum Radius hin die vordere und hintere intermuskuläre Septen abgibt. Dadurch werden drei isolierte Faszienlogen gebildet: die anteriore, posteriore und laterale.
Muskelschichten der Vordertagloge
Unter der eigenen Fascia propria verbirgt sich ein massiver Komplex aus Beugern und Pronatoren, der in vier Schichten gruppiert ist. Fast alle Muskeln der ersten (oberflächlichen) Schicht entspringen am Epicondylus medialis humeri und erscheinen oben als ein einziger Muskelbauch.
| Schicht | Muskelzusammensetzung |
|---|---|
| Erste | M. flexor carpi ulnaris, M. palmaris longus, M. flexor carpi radialis, M. pronator teres |
| Zweite | M. flexor digitorum superficialis (breiter Muskel unter der ersten Schicht) |
| Dritte | M. flexor digitorum profundus, M. flexor pollicis longus |
| Vierte | M. pronator quadratus (liegt nur im unteren Drittel) |
In der lateralen Faszienloge liegen lediglich zwei Muskeln — der M. brachioradialis und der M. supinator. Im Verlauf des M. supinator zieht der R. profundus n. radialis, was bei Operationen unbedingt berücksichtigt werden muss.
Pirogoff-Parona-Raum
Dies ist ein kritisch wichtiger tiefer Raum der vorderen Loge, der zwischen der dritten und vierten Muskelschicht liegt. Nach hinten wird er durch die Membrana interossea und den M. pronator quadratus begrenzt, nach vorne durch die Muskeln der dritten Schicht, seitlich durch das intermuskuläre Septum und die Verwachsung der Faszie mit der Ulna.
Der Raum hat ein beachtliches Volumen — er kann 100 bis 300 ml Eiter oder Blut aufnehmen. Das Hauptmerkmal ist, dass er keine untere Wand besitzt und direkt in den Karpaltunnel (canalis carpi) übergeht. Aus diesem Grund breiten sich Eiterprozesse von der Hand leicht nach oben auf den Unterarm aus. Nach oben oder hinten breitet sich die Infektion selten aus, jedoch ist ein Durchbruch in die dorsale Loge über eine natürliche Öffnung in der Membrana interossea möglich, wo die A. interossea anterior verläuft.
Zur Einprägung der Reihenfolge der Muskeln der ersten Schicht vom ulnaren zum radialen Rand: M. flexor carpi ulnaris, M. palmaris longus, M. flexor carpi radialis, M. pronator teres.
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Wohin kann sich Eiter aus dem Pirogoff-Parona-Raum ausbreiten?
In erster Linie breiten sich eitrige Prozesse distal durch den Karpaltunnel auf die Hohlhandfläche aus. Auch ein Übergang in die dorsale Unterarmloge entlang der A. interossea anterior ist möglich.
Worin liegt die Besonderheit der Blutversorgung der vorderen Unterarmregion?
Hier verlaufen drei große Arterien (A. radialis, A. ulnaris und A. interossea anterior), die ein dichtes Netz von Muskelanastomosen bilden. Dank dessen kann die A. radialis bei Herzoperationen sicher als Bypass verwendet werden.
Welcher Muskel der vorderen Unterarmloge kann in der Norm fehlen?
Der M. palmaris longus, der zur ersten Muskelschicht gehört, fehlt bei Menschen häufig als anatomische Normvariante.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Projektionslinien der Hauptgefäße und -nerven des Unterarms
- Syntopie tiefer Strukturen und Bifurkation der A. brachialis
- Topographie und Inhalt der lateralen Faszienloge
- Besonderheiten des Verlaufs des N. radialis und seines tiefen Astes
- Anatomie und Inhalt des Karpaltunnels
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