Äußere Leitstrukturen und Grenzen
Auf der Handfläche lassen sich deutlich zwei Muskelwülste abgrenzen: auf der radialen Seite der Thenar (gebildet durch die Muskeln des I. Fingers), auf der ulnaren Seite der Hypothenar (Muskeln des V. Fingers). Dazwischen befindet sich eine dreieckige Hohlhandgrube, deren Spitze nach proximal weist.
Die Hautfalten der Handfläche dienen als wichtige Projektionsmarken:
- Längsfalte trennt die Hohlhandgrube vom Daumenballen.
- Quereinfaltungen (proximal und distal) kreuzen den zentralen Teil.
- Interdigitalpolster (3 Stück) sind etwa 1 cm proximal der Fingergrundfalten sichtbar.
Grenzen der Region:
- Proximal: eine Querlinie, gezogen 2 cm distal (unterhalb) der Spitze des Processus styloideus radii.
- Distal: die Hautfalten der Fingerzwischenräume.
Faszienschichten der Handfläche
Anatomisch ist die Handfläche in drei Faszienlogen unterteilt, die durch Faszien und intermuskuläre Septen begrenzt werden:
- Laterale Loge (compartimentum palmaris lateralis, Thenarloge).
- Mittlere Loge (compartimentum palmaris medius, Mesothenar).
- Mediale Loge (compartimentum palmaris medialis, Hypothenarloge).
Wände der mittleren Loge: Als zentraler Abschnitt wird sie durch vier Wände begrenzt:
- Vorderwand: Palmaraponeurose (aponeurosis palmaris).
- Hinterwand: Tiefe Faszie, welche die palmaren Interosseusmuskeln bedeckt, sowie der horizontale Teil des lateralen intermuskulären Septums.
- Lateralwand: Vertikaler Teil des lateralen intermuskulären Septums.
- Medialwand: Mediales intermuskuläres Septum.
Topographie der mittleren Loge und Infektionswege
Der proximale Teil der mittleren Loge steht in direktem Kontakt mit dem Karpaltunnel (canalis carpalis). Aus dem Kanal treten der N. medianus (n. medianus), die Sehnen der oberflächlichen und tiefen Fingerbeuger sowie die Sehne des langen Daumenbeugers in die Loge aus.
Eine entscheidende Struktur ist der subfasziale bzw. subteninöse Zellgewebsraum. Nach vorne wird er von den Sehnen der tiefen Fingerbeuger, seitlich von intermuskulären Septen und nach hinten von der tiefen Faszie sowie dem horizontalen Septum begrenzt. Die Wurmfortsätze (mm. lumbricales) isolieren den sehnenunteren Raum zuverlässig von dem weiter oberflächlich gelegenen subaponeurotischen Raum.
Kommunikationen des subteninösen Raumes (Ausbreitungswege von Eiter):
- Proximal: Über den Karpaltunnel zum Pirogow-Parona-Raum.
- Distal: Entlang der Musculi lumbricales kann Eiter in das subkutane Gewebe des Handrückens übergehen.
- Nach innen/tief: Entlang der Arteriae metacarpales palmares besteht eine mögliche Verbindung zum subaponeurotischen Raum.
Muskeln des zentralen Handflächenabschnitts
Musculi lumbricales (4 Stück) entsprringen den Sehnen der tiefen Fingerbeuger auf Höhe der proximalen Querfalte. Sie umgreifen die Köpfe der Mittelhandknochen von der radialen Seite und setzen an der dorsalen Sehnenplatte der Finger an. Ihre Funktion ist die Beugung der proximalen und Streckung der mittleren und distalen Phalangen der II.–V. Finger. Zwei radiale Muskeln werden vom N. medianus innerviert, zwei ulnare vom N. ulnaris.
Musculi interossei palmares (3 Stück) liegen im 2., 3. und 4. Intermetacarpalraum. Sie entspringen den Mittelhandknochen und adduzieren den V., IV. und II. Finger an den mittleren (III.) Finger. Die Innervation erfolgt durch den tiefen Ast des N. ulnaris.
Topographie der Thenar- und Hypothenarlogen
Thenarloge (lateral): Enthält die Muskeln, die den I. Finger steuern. Oberflächlich und lateral liegt der M. abductor pollicis brevis, tiefer der M. opponens pollicis, medial der M. flexor pollicis brevis (alle innerviert vom motorischen Ast des n. medianus). Am tiefsten, unter dem horizontalen Septum, liegt der M. adductor pollicis (innerviert durch den N. ulnaris). Zwischen den Köpfen des kurzen Beugers verläuft die Sehne des langen Daumenbeugers, eingefasst in eine Sehnenscheide (ihr blindes Ende liegt 2 cm oberhalb des Retinaculum flexorum im Pirogow-Parona-Raum).
Hypothenarloge (medial): Begrenzt durch die eigene Faszie und das mediale intermuskuläre Septum, die am V. Mittelhandknochen ansetzen. Beinhaltet die Muskeln des V. Fingers: M. abductor digiti minimi, M. opponens digiti minimi und M. flexor digiti minimi brevis.
Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema
Welche anatomischen Strukturen bilden den oberflächlichen palmaren Arterienbogen?
Der oberflächliche palmare Arterienbogen (arcus palmaris superficialis) entsteht aus einer Anastomose zwischen:
- der Ulnarisarterie (a. ulnaris), die den Hauptstamm des Bogens bildet;
- dem oberflächlichen palmaren Ast der Radialisarterie (ramus palmaris superficialis a. radialis), der an der Bildung des Bogens beteiligt ist.
Topographisch liegt der Bogen unter der Palmaraponeurose auf der gemeinsamen Sehnenscheide der Beuger. Von ihm entspringen die Arteriae digitales palmares communes.
Wie entstehen die Sehnenscheiden der Beugesehnen der II.–V. Finger?
Die Sehnenscheiden der Beugesehnen der II.–V. Finger bilden sich aus der gemeinsamen ulnaren Sehnenscheide und isolierten Fingerscheiden.
- Gemeinsame Beugersehnenscheide (vagina communis tendinum musculorum flexorum) — umschließt die Sehnen der II.–V. Finger. Beginnt proximal im Pirogow-Parona-Raum. Sie endet für den II.–IV. Finger auf Höhe der Mitte der Mittelhandknochen, während sie für den V. Finger bis zur Basis der distalen Phalanx reicht.
- Sehnenscheiden der Finger (vaginae synoviales digitorum manus) — bedecken die Sehnen der II.–IV. Finger von den Köpfen der Mittelhandknochen bis zur Basis der distalen Phalangen.
Sehnenabschnitte der II.–IV. Finger im Gewebe der mittleren Loge liegen außerhalb der Sehnenscheiden und sind nicht von einer Synovialmembran bedeckt.
Sensible Innervationszonen der Handfläche: Der N. medianus versorgt 3,5 Finger beginnend ab dem Daumen, und der N. ulnaris versorgt die verbleibenden 1,5 Finger (kleinen Finger und die Hälfte des Ringfingers).
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Steht der subaponeurotische Raum in direkter Verbindung mit dem Pirogoff-Parona-Raum?
In der Regel gibt es keine direkte Verbindung. Im proximalen Abschnitt liegen die Beugesehnen zu dicht an der Palmaraponeurose und dem Retinaculum flexorum (retinaculum mm. flexorum) an.
Wo befindet sich der Arcus palmaris profundus?
Sie ist im Gewebe des subteninösen Raumes lokalisiert. Sie wird durch die Arteria radialis und den tiefen palmaren Ast der Arteria ulnaris gebildet.
Was innerviert der R. profundus n. ulnaris an der Handfläche?
Er zieht in den subteninösen Raum und innerviert alle Interosseusmuskeln, den 3. und 4. Lumbrikalmuskel, den Adductor pollicis sowie den tiefen Kopf des Flexor pollicis brevis.
Wo sind die Beug Sehnen nicht von einer Synovialscheibe bedeckt?
Im Fettgewebe der mittleren Loge befinden sich die Abschnitte der Beugesehnen der II.–IV. Finger außerhalb der gemeinsamen Sehnenscheide aufgrund des Ansatzpunkts der Lumbrikalmuskeln.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Anatomie des Karpaltunnels (canalis carpalis) und seines Inhalts
- Pirogow-Parona-Raum: Begrenzungen und klinische Bedeutung
- Aufbau und Topographie des oberflächlichen palmaren Arterienbogens
- Sehnenscheiden der Handsehnen
- Zellgeweberäume des Thenars (medialer Abschnitt) und ihre Verbindungen
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