Wo liegt sie und wie ist sie aufgebaut?
Die obere Augenhöhlenspalte wird durch knöcherne Elemente des Keilbeins (Os sphenoidale) gebildet. Sie stellt einen Raum dar, der zwischen den kleinen Flügeln (Alae minores) und den großen Flügeln liegt.
Die kleinen Flügel bilden mit ihren Unterseiten die obere Wand der Augenhöhle (Facies orbitalis) und enden nach hinten medial in den Processus clinoideus anterior. An der Basis des kleinen Flügels befindet sich der Sehnadelkanal (Canalis opticus). Die obere Augenhöhlenspalte ist der Verbindungsweg zwischen der mittleren Schädelgrube (Fossa cranii media) und der Augenhöhle (Orbita).
Was zieht durch die Fissura orbitalis superior?
Diese Öffnung ist die Eintrittspforte für Nerven in die Augenhöhle. Durch sie verlaufen motorische Nerven, die die äußeren Augenmuskeln innervieren, sowie ein sensibler Ast:
- Nervus oculomotorius (N. oculomotorius) — III. Hirnnerv.
- Nervus trochlearis (N. trochlearis) — IV. Hirnnerv.
- Nervus abducens (N. abducens) — VI. Hirnnerv.
- Nervus ophthalmicus (N. ophthalmicus) — der erste Ast des Nervus trigeminus (V. Hirnnerv). Er ist funktionell rein sensibel (sensoria). Die peripheren Fortsätze der Zellen des Gasser-Ganglions, die in diesem Nerven verlaufen, sind an der Wahrnehmung von Schmerz, Temperatur und Berührung im Gesicht beteiligt.
Die Nerven des III., IV. und VI. Paares leiten Bewegungen des Augapfels ein, indem sie Impulse an die Muskulatur des Auges und der Augenlider senden: an den Musculus levator palpebrae superioris, die geraden und schrägen Augenmuskeln. Im Normalfall sorgen sie für konjugierte Augenbewegungen.
Neben Nervenstämmen lässt die Spalte auch Blutgefäße passieren:
- Vena ophthalmica superior (V. ophthalmica superior).
- Gelegentlich die Ramuli meningei anteriores der Arteria ophthalmica (R. meningeus anterior ex a. ophthalmica).
Topographie und Nachbarstrukturen
Die Augenhöhle steht durch den Canalis opticus und die Fissura orbitalis superior mit der Schädelhöhle in Verbindung. Durch den Canalis opticus verläuft der Sehnerv (II. Hirnnerv). Darüber hinaus hat die Augenhöhle über die Fissura orbitalis inferior Verbindungen zur Fossa pterygopalatina und Fossa infratemporalis (Fissura orbitalis inferior).
Von der Schädelhöhle aus öffnet sich die obere Augenhöhlenspalte in die mittlere Schädelgrube. In derselben Grube befinden sich weitere wichtige Öffnungen für den Austritt von Trigeminusästen: das Foramen rotundum (Foramen rotundum) für den Nervus maxillaris (zweiter Ast) und das Foramen ovale (Foramen ovale) für den Nervus mandibularis (dritter Ast).
Klinische Bedeutung
Bei der Lokalanästhesie von Geweben, die durch den II. Trigeminusast innerviert werden, kann der orbitale Zugang gewählt werden. Bei dieser Technik wird die Nadel im Bereich des inferolateralen Augenhöhlenwinkels eingeführt und an der lateralen Wand 4–5 cm nach dorsal vorgeschoben.
Bei einer Fehlablenkung der Nadel und ihrem Eindringen in die obere Augenhöhlenspalte droht eine mechanische Verletzung der Wand des Sinus cavernosus (Sinus cavernosus). In der Wand dieses Sinus verlaufen die Augenmuskelnerven in unmittelbarer Nachbarschaft zur Arteria carotis interna. Eine Verletzung des Sinus führt zu einer Sinusthrombose — einer lebensbedrohlichen Komplikation.
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Welche Hirnnerven verlassen die Schädelhöhle durch die obere Augenhöhlenspalte?
Durch sie verlaufen der III. (N. oculomotorius), IV. (N. trochlearis) und VI. (N. abducens) Hirnnerv sowie der erste Ast des V. Paares — der Nervus ophthalmicus.
Mit welchen Schädelhöhlen ist die obere Augenhöhlenspalte verbunden?
Sie verbindet die mittlere Schädelgrube mit der Augenhöhle.
Welcher Ast des Nervus trigeminus verläuft durch diese Spalte und wie lautet seine Funktion?
Durch die Spalte verläuft der erste Ast des Nervus trigeminus — der Nervus ophthalmicus (N. ophthalmicus). Er ist funktionell rein sensibel.
Welche Gefahren birgt das Vordringen der Nadel in die obere Augenhöhlenspalte bei der Anästhesie?
Dies kann eine mechanische Verletzung der Wand des Sinus cavernosus verursachen, was mit der Entwicklung einer lebensgefährlichen Komplikation — einer Sinusthrombose — einhergeht.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Mittlere Schädelgrube (Fossa cranii media)
- Nervus ophthalmicus
- Sinus cavernosus
- Os sphenoidale
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