Aufbau des Unterkieferkörpers (Corpus mandibulae)
Die Grundlage des Knochen ist sein Körper, lateinisch als Corpus mandibulae bezeichnet. Anatomisch lassen sich am Körper zwei Hauptränder unterscheiden, von denen jeder seine Besonderheiten aufweist. Der Unterrand zeichnet sich durch seine Massivität und Verdickung aus — dies ist die Basis des Unterkiefers (Basis mandibulae).
An der vorderen Außenfläche des Körpers tritt exakt in der Medianlinie die Mentalvorsprung (Protuberantia mentalis) hervor. Beidseitig dieses Vorsprungs befinden sich die paarigen Tubercula mentalia (Tuberculum mentale). Wenn man sich auf der Außenfläche des Körpers nach lateral (zur Seite) bewegt, findet man das wichtige Foramen mentale (Foramen mentale). Es stellt den Endpunkt des Canalis mandibulae (Canalis mandibulae) dar, der durch das Innere des Knochens verläuft.
Innenseite des Körpers
Die Innenseite des Knochenkörpers weist ein ausgeprägtes Relief auf. Genau in der Medianlinie ragen hier zwei Spinae mentales hervor — eine obere und eine untere (Spinae mentales superior et inferior). Lateral (seitlich) von diesen Dornen befindet sich die Fossa digastrica (Fossa digastrica).
Besonderes Augenmerk ist beim Studium der Innenseite auf die Gruben zu richten. Etwas oberhalb und dorsal der Fossa digastrica liegt die Fovea sublingualis (Fovea sublingualis). Weiter kaudal und noch weiter dorsal befindet sich die größere Fovea submandibularis (Fovea submandibularis). Als visuelle und anatomische Grenze, die diese beiden Gruben zuverlässig trennt, dient eine Knochenleiste — die Linea mylohyoidea (Linea mylohyoidea).
Pars alveolaris und Zahnstrukturen
Der obere Rand des Knochenkörpers ist komplexer aufgebaut, da er der Fixierung der Zähne dient, und wird als Pars alveolaris (Pars alveolaris) bezeichnet. In Funktion und Struktur ist sie das Äquivalent zum Alveolarfortsatz des Oberkiefers. Zusammengenommen bildet dieser Teil einen gebogenen Arcus alveolaris (Arcus alveolaris).
Innerhalb dieses Bogens befinden sich Vertiefungen für die Zahnwurzeln — Zahnalveolen (Alveoli dentales). Benachbarte Alveolen werden durch knöcherne interalveoläre Septen (Septa interalveolaria) voneinander getrennt. Besitzt ein Zahn mehrere Wurzeln, finden sich innerhalb einer Alveole zusätzlich interradikuläre Septen (Septa interradicularia). Die äußere Oberfläche des Knochens ist in dieser Zone nicht glatt: Die Zahnwurzeln bilden darauf charakteristische Alveolarwülste (Juga alveolaria).
Unmittelbar hinter der Position des letzten Mahlzahns (Molars) liegt ein flaches Areal — das Trigonum retromolare (Trigonum retromolare), welches nach dorsal durch die Fossa retromolaris (Fossa retromolaris) ergänzt wird.
Unterkieferast (Ramus mandibulae)
Von der Rückseite des Knochenkörpers gehen paarige Fortsätze nach oben ab — Unterkieferäste (Ramus mandibulae). Auf der Außenfläche des Astes verläuft die schräge Linie (Linea obliqua). Auf der Innenfläche wird gelegentlich die Buccinatorkammerlinie (Linea buccinatoria) beschrieben, dieser Begriff wird jedoch in der modernen anatomischen Terminologie meist nicht mehr verwendet.
Der Punkt, an dem der Unterrand des Körpers in den Hinterrand des Astes übergeht, bildet den Angulus mandibulae (Angulus mandibulae). Dieser Winkel weist an beiden Seiten Rauigkeiten auf: Außen liegt die Tuberositas masseterica (Tuberositas masseterica) und innenseitig die Tuberositas pterygoidea (Tuberositas pterygoidea).
Fortsätze und Öffnungen des Astes
Der obere Teil des Astes endet in zwei ausgeprägten Fortsätzen. Dazwischen liegt die tiefe Incisura mandibulae (Incisura mandibulae).
- Der Processus condylaris (Processus condylaris) ist der hintere Fortsatz. Er besteht aus einem verdickten Caput mandibulae (Caput mandibulae) und einem verjüngten Collum mandibulae (Collum mandibulae). An der medialen Seite des Collum befindet sich die Fovea pterygoidea (Fovea pterygoidea).
- Der Processus coronoideus (Processus coronoideus) ist der vordere Fortsatz. Er hat eine zugespitzte Form und geht nach vorne fließend in die Crista temporalis (Crista temporalis) über.
An der medialen (inneren) Oberfläche des Astes, etwas unterhalb der Inzisur, öffnet sich das Unterkieferloch (Foramen mandibulae). Nach unten wird dieses Loch durch einen knöchernen Vorsprung begrenzt — das Unterkieferlingula (Lingula mandibulae). Genau von diesem Loch aus nimmt der Unterkieferkanal (Canalis mandibulae) seinen Ursprung, der im Knochenkörper zum Foramen mentale verläuft. Vom Lingula zieht die Mylohyoidrinne (Sulcus mylohyoideus) nach unten und vorne über die Innenfläche des Knochens.
Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema
Welche Nerven und Gefäße verlaufen im Canalis mandibulae?
- Unterkiefergefäße und -nerv (a. et n. alveolares inferiores) — verlaufen durch den Unterkieferkanal (canalis mandibulae).
- Venen — verlaufen ebenfalls im Kanal zusammen mit Arterie und Nerv.
Welche Tuberositates befinden sich im Bereich des Angulus mandibulae und welche Muskeln setzen dort an?
- Tuberositas masseterica (tuberositas masseterica) — liegt an der Außenfläche des Angulus mandibulae; an ihr setzt der M. masseter (m. masseter) an.
- Tuberositas pterygoidea (tuberositas pterygoidea) — liegt an der Innenseite des Angulus mandibulae; an ihr setzt der M. pterygoideus medialis (m. pterygoideus medialis) an.
Welcher Muskel setzt an der Fovea pterygoidea am Collum processūs condylaris an?
- An der Fovea pterygoidea am Collum processūs condylaris setzt der M. pterygoideus lateralis (m. pterygoideus lateralis) an.
Welche anatomischen Strukturen treten durch das Foramen mentale auf das Gesicht aus?
- N. mentalis (n. mentalis) — Endast des N. alveolaris inferior.
- A. mentalis (a. mentalis) — Ast der A. alveolaris inferior.
- Gleichnamige Vene — Ursprung der V. alveolaris inferior.
Zur Einprägung der Gruben an der Innenseite des Körpers dient eine räumliche Orientierung: Die Fovea sublingualis liegt oberhalb der Linea mylohyoidea, während die größere Fovea submandibularis weiter kaudal und dorsal liegt.
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Was begrenzt das Foramen mandibulae nach unten?
Das Foramen mandibulae wird nach kaudal von einem Knochenvorsprung verdeckt und begrenzt, der als Lingula mandibulae bezeichnet wird.
Welche Strukturen trennen die Zahnwurzeln in den Alveolen?
Die Alveoli dentales sind voneinander durch Septa interalveolaria getrennt, während die Wurzeln eines mehrwurzeligen Zahns innerhalb einer Alveole durch Septa interradicularia getrennt werden.
Wo liegt die Fossa digastrica?
Die Fossa digastrica befindet sich an der Innenseite des Corpus mandibulae, lateral (seitlich) von den Spinae mentales.
In welchem Fortsatz endet der Ast nach vorne?
Nach rostral endet der Unterkieferast im spitz zulaufenden Processus coronoideus, der weiter kaudal in die Crista temporalis übergeht.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Verlauf des Canalis mandibulae: vom Eingang am Ast bis zum Foramen mentale am Körper.
- Topographie und Grenzen des Trigonum retromolare und der Fossa retromolaris.
- Unterschiede zwischen Septa interalveolaria und Septa interradicularia des Arcus alveolaris.
- Lagebeziehung zwischen Tuberositas pterygoidea und Tuberositas masseterica im Bereich des Angulus mandibulae.
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