Aufbau und Begrenzungen
Die Fascia lata umgibt die Muskeln der gesamten Region und weist folgende Grenzen und Besonderheiten auf:
- Oben: verwachsen mit dem Leistenband (lig. inguinale).
- Hinten: setzt sich in die Gesäßfaszie fort.
- Unten: zieht nach unten und geht in die Unterschenkelfaszie (fascia cruris) über, die an der Vorderseite dünner und an der Hinter- sowie Medialseite verdickt ist.
- Oberfläche: Der äußere Teil zeichnet sich durch besondere Dichte aus. Die Faszie bildet isolierte Hüllen für die oberflächlichen Muskeln: den M. tensor fasciae latae (m. tensor fasciae latae), den M. sartorius (m. sartorius), den M. adductor longus (m. adductor longus) und den M. gracilis (m. gracilis).
Intermuskuläre Septen
Die Faszie gibt Septen in die Tiefe des Oberschenkels ab und schafft so isolierte Kompartimente für Muskelgruppen:
- Laterales intermuskuläres Septum (septum intermusculare femoris laterale) — eine stabile Platte an der lateralen Grenze der Region. Sie trennt die vordere und hintere Faszienloge voneinander.
- Posteriores intermuskuläres Septum (septum intermusculare femoris posterior) — bedeckt die Hinterfläche des M. adductor magnus. Es trennt die hintere Faszienloge von der medialen.
Tractus iliotibialis
An der lateralen Oberschenkeloberfläche verdickt sich die Faszie und bildet den Iliotibialtrakt (tractus iliotibialis).
- Ursprung: vom Darmbeinkamm (crista iliaca) und den Aponeurosen des M. gluteus maximus (m. gluteus maximus) sowie des M. tensor fasciae latae (m. tensor fasciae latae).
- Ansatz: anterior des lateralen Tibiakondylus (Gerdy-Tuberkel).
- Funktion: Stabilisierung des Kniegelenks in der Sagittalebene, fungiert bei Laufen und Gehen als „passiver Stabilisator“. Bei einer Kontraktur des m. tensor fasciae latae ist diese Stabilisierung gestört.
Topographie und Nachbarstrukturen
Die Fascia lata ist eng mit Gefäß-, Nerven- und Lymphstrukturen des Oberschenkels verbunden:
- Subkutaner Hiatus (hiatus saphenus) — eine Öffnung in der Faszie, in der sich die lamina cribrosa bildet. Durch sie hindurch verläuft die V. saphena magna (v. saphena magna), die in die Vena femoralis mündet, sowie Lymphgefäße. Hier mündet auch der Canalis femoralis.
- Lymphknoten: Oberflächliche Leistenlymphknoten (nodi lymphoidei inguinales superficiales) liegen oberflächlich der fascia lata und werden in superomediale, superolaterale und inferiore unterteilt. Tiefe Leistenlymphknoten befinden sich unter der Faszie an der Vorderwand der Vena femoralis.
- Nerven: Oberflächliche Äste des N. femoralis (rr. cutanei anteriores) durchbohren die Fascia lata durch die Hülle des M. sartorius und ziehen zur Haut.
- Bursae: An der Vorderseite des Knies befindet sich die Bursa subcutanea prepatellaris (bursa subcutanea prepatellaris), die einen wichtigen klinischen Orientierungspunkt darstellt und bei Fliesenlegern häufig entzündet ist.
Klinische Bedeutung
Dank ihrer Reißfestigkeit und Ausdehnung wird die breite Oberschenkelfaszie in der Chirurgie häufig als plastisches Material eingesetzt:
- Neurochirurgie: Bei einer dekompressiven Kraniektomie bei ausgeprägtem Hirnödem oder großflächigem ischämischen Insult wird ein Fasziendom in die Dura mater eingenäht. Dies ermöglicht dem ödematösen Gehirn „nach außen auszuweichen“ und verhindert einen lebensbedrohlichen Anstieg des intrakraniellen Drucks.
- Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie: Nach der Methode von M. W. Muchin wird ein Streifen der fascia lata von 3 × 10 cm Größe in Kombination mit Muskellappen des M. masseter transplantiert, um der Unterlippe bei der rekonstruktiven Plastik Mobilität zu verleihen.
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Wohin mündet der Canalis femoralis?
Der Canalis femoralis mündet in den Hiatus saphenus (hiatus saphenus) bzw. die Fossa ovalis, die sich unter der breiten Oberschenkelfaszie befindet.
Was verläuft durch die Lamina cribrosa der breiten Faszie?
Durch die Lamina cribrosa (lamina cribrosa) im Bereich der Fossa ovalis verläuft die V. saphena magna (v. saphena magna) sowie oberflächliche Lymphgefäße.
Wie trägt die Fascia lata zur Kniestabilisierung bei?
An der lateralen Oberfläche bildet sie eine kräftige Verdickung — den Iliotibialtrakt (tractus iliotibialis). Er dient beim Gehen und Laufen als passiver Stabilisator des Kniegelenks in der Sagittalebene.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Unterschenkelfaszie (fascia cruris)
- Canalis femoralis und Hiatus saphenus
- Oberschenkelmuskeln und ihre Faszienlogen
- Oberflächliche und tiefe Leistenlymphknoten
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