Allgemeine Klassifikation der Brustmuskeln
Anatomisch wird die Brustmuskulatur (mm. thoracis) je nach Herkunft und Funktion in zwei große Gruppen unterteilt:
- Oberflächliche Muskeln. Dazu gehören der große und kleine Brustmuskel, der Unterschlüsselbeimuskulkel und der vordere Sägemuskel. Stammesgeschichtlich haben sie sich zusammen mit den Armen entwickelt und sich auf den Rumpf verlagert, wodurch sie den Schultergürtel steuern.
- Tiefe (eigene) Muskeln. Dazu gehören die äußeren, inneren und innersten Zwischenrippenmuskeln, die Unterrippenmuskeln, der Querismuskel des Thorax sowie die Rippenheber. Dies ist die eigentliche Muskulatur der Brustwand, deren Hauptaufgabe darin besteht, den Atemakt zu ermöglichen.
Musculus pectoralis major
Der große Brustmuskel (m. pectoralis major) ist ein kräftiger, fächerförmiger Muskel, der einen großen Teil der vorderen Brustwand einnimmt.
Je nach Ursprungsort werden drei Teile unterschieden:
- Pars clavicularis (Schlüsselbeinteil) – entspringt der medialen Hälfte der Clavicula.
- Pars sternocostalis (Brustbein-Rippen-Teil) – entspringt der Vorderfläche des Sternums und den Knorpeln der II.–VII. Rippe.
- Pars abdominalis (Bauchteil) – entspringt der vorderen Wand der Rektusscheide (m. rectus abdominis).
Ansatz: Die Muskelfaszikel konvergieren lateral und setzen am Crista tuberculi majoris des Humerus an. Interessantes Detail: Die Sehne bildet eine doppelte U-förmige Falte, wobei die oberen Muskelfasern distaler ansetzen als die unteren.
Funktion: Bewirkt Adduktion, Innenrotation (Prononation) und Flexion des Schultergelenks. Bei fixierten Armen zieht der Muskel die Rippen nach oben und unterstützt so die tiefe Inspiration.
Innervation und Blutversorgung: Innerviert durch die Nervi pectorales medialis et lateralis (nn. pectorales medialis et lateralis, Segmente C5–Th1). Die Blutversorgung erfolgt über den Pektoralast der Arteria thoracoacromialis, die Arteria thoracica lateralis und superior sowie die vorderen Interkostaläste.
Musculus pectoralis minor
Der kleine Brustmuskel (m. pectoralis minor) hat eine dreieckige Form und liegt tiefer als der Musculus pectoralis major.
- Ursprung: Entspricht einzelnen Zacken an den vorderen Enden und Knorpeln der II.–V. Rippe.
- Ansatz: Die Sehne inseriert am Processus coracoideus der Scapula.
- Funktion: Hauptwirkung ist das Ziehen der Scapula nach unten und vorne. Ebenso wie der große Brustmuskel hebt er bei fixiertem Schulterblatt die Rippen an und dient als Atemhilfsmuskulatur.
- Innervation und Blutversorgung: Innerviert durch den Nervus pectoralis medialis (C7–Th1), gelegentlich beteiligt sich auch der Nervus pectoralis lateralis an der Innervation. Die Blutversorgung erfolgt über die Arteria thoracoacromialis und die Arteria thoracica lateralis.
Musculus subclavius
Der Musculus subclavius (m. subclavius) ist ein schmaler Muskelstreifen, der zwischen dem Schlüsselbein und der ersten Rippe verläuft.
- Ursprung: Entspringt dem knöchernen Teil der I. Rippe nahe ihrem Knorpel.
- Ansatz: Befestigt sich an der Unterfläche des mittleren Drittels der Clavicula (im gleichnamigen Sulcus — sulcus m. subclavii).
- Funktion: Führt das Schlüsselbein nach unten und medial. Die biomechanische Hauptrolle ist die Stabilisierung des Sternoklavikulargelenks bei Bewegungen des Schultergürtels.
- Innervation und Blutversorgung: Die Innervation erfolgt über den Nervus subclavius (n. subclavius, Segmente C5–C6). Die Blutversorgung erfolgt über Äste der Arteria thoracoacromialis und der Arteria thoracica superior.
Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema
Wo entspringt und inseriert der Musculus serratus anterior?
Der Musculus serratus anterior (m. serratus anterior) entspringt mit 8 bis 9 Zacken von der I.–IX. Rippe und inseriert an der Scapula.
- Ursprung – mit 8–9 Zacken von der I.–IX. Rippe (maximale Ausbildung des Muskels im Bereich des Angulus inferior der Scapula).
- Ansatz – Margo medialis und Angulus inferior der Scapula an der Vorderfläche.
Welche Funktion erfüllt der Musculus serratus anterior?
Der Musculus serratus anterior (m. serratus anterior) steuert die Bewegungen des Schulterblatts und ist am Atemakt beteiligt.
- Bewegung der Scapula – zieht das Schulterblatt nach vorne und lateral, rotiert es nach außen und oben, wodurch das Anheben des Arms über die Horizontalen ermöglicht wird.
- Fixierung – stabilisiert und fixiert das Schulterblatt beim Anheben des Arms am Brustkorb.
- Atmung – die unteren Muskelfasern wirken als kräftiger Inspirations- und Stabilisierungsmuskel.
Wie wird der Musculus serratus anterior innerviert?
Der Musculus serratus anterior (m. serratus anterior) wird durch den Nervus thoracicus longus (n. thoracicus longus) aus den Segmenten C5–C7 innerviert. Der Nerv verläuft auf der Außenfläche des Musculus serratus anterior.
Welche Arterien versorgen alle oberflächlichen Brustmuskeln mit Blut?
Die oberflächlichen Brustmuskeln werden durch folgende Arterien versorgt:
- Musculus pectoralis major (m. pectoralis major) – Rami pectorales der a. thoracoacromialis, a. thoracica lateralis, a. thoracica superior, vordere Interkostalarterien.
- Musculus pectoralis minor (m. pectoralis minor) – a. thoracoacromialis, a. thoracica lateralis.
- Musculus subclavius (m. subclavius) – a. thoracoacromialis, a. thoracica superior.
- Musculus serratus anterior (m. serratus anterior) – a. thoracodorsalis, a. thoracica lateralis, vordere Interkostalarterien.
Um sich Ursprung und Ansatz des Musculus pectoralis minor leicht zu merken, hilft die Eselsbrücke: „Der KLEINE Brustmuskel beginnt mit der KLEINEN Ziffer 2 (II.–V. Rippe) und zieht zum SCHNABEL des Schulterblatts (Processus coracoideus).“
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Wodurch beteiligen sich die oberflächlichen Brustmuskeln am Atemvorgang?
Bei fixierter oberer Extremität (z. B. wenn sich der Mensch bei Atemnot mit den Händen auf dem Tisch abstützt) verändern der M. pectoralis major und minor ihren Stützpunkt und beginnen, die Rippen nach oben zu ziehen, womit sie den Brustkorb zur Inspiration erweitern.
Wo hat der Bauchteil des Musculus pectoralis major seinen Ursprung?
Der Bauchteil (Pars abdominalis) entspringt der vorderen Wand der Rektusscheide (Musculus rectus abdominis).
Welcher Muskel stabilisiert das Sternoklavikulargelenk?
Diese Funktion wird vom Musculus subclavius (m. subclavius) ausgeübt, der das Schlüsselbein nach unten und medial zieht und es fest an das Sternum drückt.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Anatomie des Musculus serratus anterior
- Tiefe (eigene) Brustmuskeln
- Musculi intercostales externi et interni
- Musculus transversus thoracis und Musculi subcostales
- Topographie der Arteria thoracoacromialis
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