Allgemeine Klassifikation der Muskeln der oberen Extremität
Das gesamte Muskelsystem der oberen Extremität des Menschen wird üblicherweise in zwei große topografische Gruppen unterteilt:
- Muskeln des Schultergürtels — ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Knochen des Schultergürtels, wie Schlüsselbein und Schulterblatt, mit dem Rumpf zu verbinden sowie das Schultergelenk zu steuern.
- Muskeln der freien oberen Extremität — diese Gruppe ist für die direkten Bewegungen von Schulter, Unterarm und Hand im Raum verantwortlich.
Unmittelbar zum Schultergürtel (mm. cinguli membri superioris) gehören 6 Muskeln, deren koordiniertes Zusammenspiel es dem Schultergelenk ermöglicht, komplexeste biomechanische Aufgaben zu erfüllen. Dazu gehören:
- Deltoidmuskel (m. deltoideus)
- Obergrätenmuskel (m. supraspinatus)
- Untergrätenmuskel (m. infraspinatus)
- Kleine runde Muskel (m. teres minor)
- Große runde Muskel (m. teres major)
- Unterschulterblattmuskel (m. subscapularis)
Deltoidmuskel (m. deltoideus)
Dies ist ein großer, oberflächlich gelegener Muskel, der die abgerundete Kontur der Schulter bildet.
Anatomische Landmarken:
- Ursprungsorte (O): Die Muskelbündel entspringen am lateralen Drittel des Schlüsselbeins, dem Akromion und der Spina scapulae.
- Ansatzort (I): Die Fasern konvergieren und heften sich fest an die Tuberositas deltoidea des Humerus (tuberositas deltoidea humeri).
Funktionelle Besonderheiten (A): Der Muskel hat einen komplexen Aufbau und seine Bündel können sowohl isoliert als auch gemeinsam arbeiten. Bei einer Gesamtkontraktion führt er die Schulter ab (im Umfang von bis zu 60°). Die vorderen Bündel sind für die Flexion und Innenrotation (Pronation) der Schulter verantwortlich, während die hinteren Bündel die entgegengesetzte Aufgabe erfüllen – sie strecken die Schulter und rotieren sie nach außen (Supination).
Blutversorgung und Innervation: Die Gewebeversorgung erfolgt durch die A. circumflexa humeri posterior (a. circumflexa humeri posterior) und die A. thoracoacromialis (a. thoracoacromialis). Die Steuerung erfolgt durch den N. axillaris — n. axillaris (Segmente C₅–C₆).
Klinische Besonderheit: Zur Reduzierung der Reibung zwischen der inneren Muskelfläche und dem Tuberculum majus des Humerus befindet sich eine synoviale Bursa subdeltoidea (bursa subdeltoidea).
Obergrätenmuskel (m. supraspinatus)
Ein wichtiges Element des Muskelapparats des Schulterblatts, das unter dem Trapeziusmuskel verborgen ist.
- Ursprung (O): füllt die gleichnamige Grube des Schulterblatts (fossa supraspinata scapulae) aus.
- Ansatz (I): Die Sehne setzt an der oberen Facette des Tuberculum majus humeri an (tuberculum majus humeri).
- Biomechanik (A): Er fungiert als Synergist des Deltoidmuskels und ist der Initiator der Schulterabduktion (verantwortlich für die ersten 15–20° der Bewegung). Darüber hinaus liegt er eng am Gelenk an und stabilisiert es.
- Innervation (N): N. suprascapularis, n. suprascapularis (C₅–C₆).
- Blutversorgung (V): A. suprascapularis (a. suprascapularis) und A. circumflexa scapulae (a. circumflexa scapulae).
Klinisch ist dieser Muskel von äußerster Wichtigkeit, da er Teil der Rotatorenmanschette der Schulter ist – einer Struktur, die in der Sportmedizin und Traumatologie am häufigsten Verletzungen und degenerativen Veränderungen ausgesetzt ist.
Untergrätenmuskel (m. infraspinatus)
Ein breiter, flacher Muskel, der den Großteil der hinteren Fläche des Schulterblatts unterhalb dessen Gratausläufers einnimmt.
- Ursprung (O): entspringt an den Wänden der Fossa infraspinata des Schulterblatts (fossa infraspinata scapulae).
- Ansatz (I): heftet sich an die mittlere Facette des Tuberculum majus humeri an (tuberculum majus humeri).
- Funktion (A): ist ein kraftvoller Außenrotator (rotiert die Schulter nach außen). Die besondere Rolle des Muskel besteht darin, dass er bei der Kontraktion die Kapsel des Schultergelenks zurückzieht und so wirksam verhindert, dass sie bei aktiven Bewegungen zwischen den Gelenkflächen eingeklemmt wird.
- Innervation (N): Wird ebenso wie der Musculus supraspinatus vom N. suprascapularis innerviert — n. suprascapularis (C₅–C₆).
- Blutversorgung (V): erhält arterielles Blut von der a. circumflexa scapulae und der a. suprascapularis.
Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema
Wo entspringt und wo setzt der Musculus teres minor an?
Der Musculus teres minor (m. teres minor) entspringt am oberen Teil des lateralen Randes des Schulterblatts. Der Muskel liegt im Infraspinatusfach, ist von der Infraspinatusfaszie bedeckt, und sein Oberrand grenzt an den Unterrand des Musculus infraspinatus. Er setzt am Tuberculum majus des Humerus an, genauer gesagt strahlt er in dessen untere Facette ein und liegt dabei unterhalb der Sehne des Musculus infraspinatus.
Welche Funktionen erfüllt der Unterschulterblattmuskel?
Der Musculus subscapularis (m. subscapularis) erfüllt die Funktionen der Innenrotation der Schulter, des Absenkens des erhobenen Armes, der Adduktion der Schulter sowie der Bewegung der Schulter von vorne nach hinten. Darüber hinaus sorgt er als Teil der Rotatorenmanschette für die dynamische Stabilisierung des Schultergelenks und die Rotation des Humeruskopfes. Das tiefe Sehnenbündel des Muskels bildet den Boden der Bizepssehnenanscheide und trägt zu deren Stabilität bei, während die oberflächlichen Fasern das Dach des Sulcus intertubercularis bilden.
Welche Muskeln bilden die Rotatorenmanschette der Schulter?
Die Rotatorenmanschette der Schulter wird durch einen komplexen Muskelkomplex gebildet, deren Sehnen in die Gelenkkapsel des Schultergelenks einstrahlen und an den Tuberkeln des Humerus ansetzen. Sie umfasst:
- Unterschulterblattmuskel (m. subscapularis)
- Obergrätenmuskel (m. supraspinatus)
- Untergrätenmuskel (m. infraspinatus)
- Kleine runde Muskel (m. teres minor)
Diese Muskeln gewährleisten die dynamische Stabilisierung des Gelenks und die Rotation des Humeruskopfes.
Wodurch wird der Musculus teres major mit Blut versorgt und innerviert?
Der Musculus teres major (m. teres major) wird vom N. thoracodorsalis innerviert (Segmente C5–C8), der aus dem hinteren Faszikel des Plexus brachialis hervorgeht. Angaben zu den Blutgefäßen, die die Ernährung dieses Muskels sicherstellen, fehlen in den Quellen. Zusammen mit dem Musculus latissimus dorsi und dem Musculus subscapularis ist er an der Innenrotation der Schulter, der Adduktion der Schulter und dem Absenken des erhobenen Arms beteiligt.
Zwei „Supraspinatus-“ (Ober- und Untergrätenmuskel), zwei „Teres-“ (große und kleine runde Muskeln), das Deltoid und der Subscapularis — so lassen sich alle 6 Muskeln des Schultergürtels leicht merken.
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Welche Muskeln initiieren die Abduktion des Armes?
Den Abduktionsprozess beginnt der Musculus supraspinatus (er sorgt für die ersten 15–20 Grad), wonach sich der Musculus deltoideus aktiv einschaltet und die Abduktion auf bis zu 60 Grad bringt.
Welche Struktur schützt die Gelenkkapsel vor Einklemmung?
Diese Funktion wird vom Musculus infraspinatus übernommen. Bei Bewegungen zieht er die Kapsel des Schultergelenks zurück und verhindert so, dass sie zwischen den Knochen eingeklemmt wird.
Aus welchen Segmenten des Rückenmarks erhalten die besprochenen Muskeln ihre Innervation?
Der Deltoid-, Obergräten- und Untergrätenmuskel werden durch Äste des Plexus brachialis innerviert, deren Fasern aus den Segmenten C₅–C₆ stammen.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Anatomie des Musculus teres minor
- Anatomie des Musculus teres major
- Topografie und Funktionen des Musculus subscapularis
- Aufbau und Biomechanik der Rotatorenmanschette
- Blutversorgung des Schultergelenks und Anastomosen des Schulterblattkreises
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