Topographie und Verlauf
Topographisch ist der Leistenkanal in den tiefsten Abschnitten der anterolateralen Bauchwand lokalisiert. Dieses anatomische Gebilde weist einen ausgeprägten schrägen Verlauf auf. Vektorräumlich lässt er sich als lateromedial und kraniokaudal charakterisieren. Verfolgt man den Verlauf des Kanals ausgehend vom äußeren Leistenring (Anulus inguinalis superficialis), zieht er nach dorsal, kranial und lateral bis zum inneren Leistenring (Anulus inguinalis profundus).
Die Gesamtlänge dieses spaltförmigen Raumes beim Erwachsenen beträgt ungefähr 4–5 Zentimeter. Ein entscheidender Leitpunkt am Körper ist das Leistenband (Ligamentum inguinale), das zwischen der Spina iliaca anterior superior (Spina iliaca anterior superior) und dem Tuberculum pubicum gespannt ist. Der Kanal verläuft parallel zu diesem Band, etwa 1,0–1,5 cm oberhalb von dessen Niveau.
Die vier Wände des Kanals
Wie jedes röhren- oder spaltförmige Gebilde in der chirurgischen Anatomie hat der Leistenkanal vier Wände, die durch die Gewebe der Bauchwand gebildet werden:
- Vordere Wand — wird durch die Aponeurose des Musculus obliquus externus abdominis gebildet. In ihrem lateralen Teil wird diese Wand zusätzlich durch Muskelfasern des Musculus obliquus internus abdominis verstärkt.
- H Hinterwand — wird gebildet durch die Fascia transversalis (fascia transversalis). Zur Gewährleistung der Stabilität wird die Hinterwand durch die medial gelegene falx inguinalis (falx inguinalis bzw. conjoined tendon) verstärkt, die aus den verwachsenen Sehnen des M. obliquus internus abdominis und M. transversus abdominis entsteht. Darüber hinaus strahlt hier das ligamentum interfoveolare ein.
- Obere Wand (Dach) — wird durch die frei bogenförmig herabhängenden unteren Muskelränder des Musculus obliquus internus und des Musculus transversus abdominis gebildet.
- Untere Wand (Boden) — stellt das rinnenartig umgeschlagene Leistenband (Ligamentum inguinale) dar. An seinem medialen Ende, nahe dem Schambeinhöcker, geht es kontinuierlich in das Ligamentum lacunare (Ligamentum lacunare) über.
Anatomie der Leistenringe
Der Ein- und Ausgang des Kanals erfolgt über zwei anatomische Öffnungen:
Äußerer Leistenring (Anulus inguinalis superficialis) Er stellt die Austrittsstelle dar und ist ein Spalt in der Aponeurose des äußeren schrägen Bauchmuskels, der direkt über dem Tuberculum pubicum lokalisiert ist. Die Ränder dieser Öffnung bilden zwei Schenkel: einen medialen und einen lateralen (Crus mediale et laterale). Nach oben hin verflechten sich diese Schenkel und werden durch Fiber intercrurales (Fibrae intercrurales) verstärkt. Genau hier wird in der klinischen Praxis die Palpation des oberflächlichen Rings durchgeführt. Von der vorderen Kanalwand geht auf dieser Ebene die Fascia spermatica externa aus.
Innerer Leistenring (Anulus inguinalis profundus) Dient als Eingang in den Kanal und zeigt sich als ovaler Defekt in der Fascia transversalis. Die Ausmaße der Öffnung betragen orientierungsweise 2,5–3,0 cm mal 1,0–2,5 cm. Wichtigster topographischer Orientierungspunkt: Der innere Ring liegt streng lateral der Vasa epigastrica inferiora (Arteria et vena epigastricae inferiores). Die Ränder des Rings sind verdickt, und sein lateraler Rand verwächst mit dem Ligamentum interfoveolare. Von hier entspringt die Fascia spermatica interna.
> Wichtiger chirurgischer Hinweis: Bei der operativen Versorgung inkarzerierter Hernien, wenn die Notwendigkeit besteht, den inneren Leistenring zu spalten, muss der Chirurg die medial gelegenen Vasa epigastrica inferiora berücksichtigen, um deren fatale Verletzung zu vermeiden.
Inhalt und Ursprung der Hüllen
Der Inhalt des Muskel-Faszien-Spalts unterscheidet sich je nach Geschlecht grundlegend.
Beim Mann verläuft durch den Kanal der Samenstrang (Funiculus spermaticus) sowie der Musculus cremaster (Musculus cremaster). Der Samenstrang setzt sich aus einem ganzen Komplex von Strukturen zusammen:
- Ductus deferens (Ductus deferens);
- Arteria testicularis (Arteria testicularis);
- Plexus pampiniformis (Plexus pampiniformis);
- Arterie und Vene des Musculus cremaster;
- Arteria ductus deferentis;
- Lymphgefäße;
- Ramus genitalis des Nervus genitofemoralis (Ramus genitalis nervi genitofemoralis);
- sympathische und parasympathische Nervenfasern.
Bei der Frau liegt im Leistenkanal das runde Gebärmutterband (Ligamentum teres uteri), welches von einem eigenen Gefäß-Nerven-Bündel begleitet wird.
Im Prozess des embryonalen Hodentiefstands werden die Schichten der Bauchwand mitgezogen und bilden so die Hüllen des Samenstrangs:
- Äußere Samenstrangfaszie (Fascia spermatica externa) — bildet sich aus der Aponeurose des Musculus obliquus externus im Bereich des äußeren Rings.
- Musculus cremaster und seine Faszie (Musculus et fascia cremasterica) — entstehen aus den unteren Muskelfasern des Musculus obliquus internus.
- Innere Samenstrangfaszie (Fascia spermatica interna) — geht aus der Fascia transversalis (Fascia transversalis) auf Höhe des inneren Rings hervor.
Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema
Welche Nerven ziehen durch den Leistenkanal?
Durch den Leistenkanal verlaufen der Nervus ilioinguinalis, der Ramus genitalis des Nervus genitofemoralis sowie vegetative Fasern.
- Nervus ilioinguinalis (N. ilioinguinalis) — verläuft an der Vorderfläche des Kanalsinhalts, tritt aus diesem aus und wird oberflächlich, wobei er die Haut des Skrotums oder der großen Schamlippen innerviert.
- Ramus genitalis des Nervus genitofemoralis (Ramus genitalis n. genitofemoralis) — ist Bestandteil des Samenstrangs beim Mann.
- Sympathische und parasympathische Fasern — sind ebenfalls Teil des im Kanal verlaufenden Samenstrangs.
In welche Gruben an der inneren Oberfläche der Bauchwand projizieren sich der innere und der äußere Leistenring?
Der innere und der äußere Leistenring projizieren sich in die Fossa inguinalis lateralis bzw. medialis.
- Innerer Leistenring (Anulus inguinalis profundus) — projiziert sich in die Fossa inguinalis lateralis, welche lateral der Plica umbilicalis lateralis liegt.
- Äußerer Leistenring (Anulus inguinalis superficialis) — projiziert sich in die Fossa inguinalis medialis, die sich zwischen der Plica umbilicalis medialis und lateralis befindet.
Durch welche Strukturen wird der äußere Leistenring begrenzt?
Der äußere Leistenring wird durch die auseinanderstrebenden Schenkel der Aponeurose des Musculus obliquus externus abdominis und die Fibrae intercrurales begrenzt.
- Medialer Schenkel (Crus mediale) — heftet sich an die Symphysis pubica an.
- Lateraler Schenkel (Crus laterale) — setzt am Tuberculum pubicum an.
- Interkrurale Fasern (Fibrae intercrurales) — verstärken den Ring von oben.
Der Ring selbst stellt einen Spalt in der Aponeurose dar, der oberhalb des medialen Teils des Leistenbandes liegt.
Welche Arten von Leistenhernien (direkte oder indirekte) passieren den inneren Leistenring?
Den inneren Leistenring passieren ausschließlich indirekte (festsitzende) Leistenhernien.
| Hernienart | Bezug zum inneren Leistenring | Verlaufsbesonderheiten |
|---|---|---|
| Indirekte Leistenhernie | Tritt durch den inneren Leistenring ein | Verläuft durch die laterale Leistengrube und den gesamten Leistenkanal, wobei sie innerhalb des Samenstrangs liegt |
| Direkte Leistenhernie | Tritt nicht durch den Anulus profundus | Wölbt sich durch die Fossa inguinalis medialis vor und tritt direkt durch den Anulus superficialis aus |
Zur Einprägung der vier Wandabschnitte nutzen Sie die Eselsbrücke (Vorder-, Hinter-, Ober-, Unterwand): Vorderwand — Aponeurose, Hinterwand — Faszie (Fascia transversalis), Oberwand — Muskeln (herabhängende Ränder), Unterwand — Ligamentum (Ligamentum inguinale).
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Was verläuft beim Mann und bei der Frau im Leistenkanal?
Beim Mann enthält der Kanal den Funiculus spermaticus (mit Gefäßen, Nerven und Ductus deferens) und den Musculus cremaster. Bei der Frau zieht das Ligamentum teres uteri samt begleitendem neurovaskulärem Bündel hindurch.
Welche Strukturen bilden das Dach und den Boden des Leistenkanals?
Das Dach (Oberwand) wird von den bogenförmig herabhängenden unteren Rändern des Musculus obliquus internus abdominis und Musculus transversus abdominis gebildet. Den Boden (Unterwand) bildet das Ligamentum inguinale, das nach medial in das Ligamentum lacunare übergeht.
Worin liegt die chirurgische Bedeutung des Anulus inguinalis profundus?
Der Anulus profundus liegt lateral der Vasa epigastrica inferiora. Bei der Spaltung dieses Ringes im Rahmen von Inkarzerationsoperationen darf keinesfalls nach medial geschnitten werden, um diese großen Gefäße nicht zu beschädigen.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Topographie der Vasa epigastrica inferiores in Bezug auf den Anulus profundus
- Detaillierte Zusammensetzung des Funiculus spermaticus: Hämodynamik des Plexus pampiniformis und Innervation
- Entwicklung der Hodenhüllen aus Faszien und Muskeln der vorderen Bauchwand
- Rolle der Falx inguinalis bei der Verstärkung der Hinterwand
- Aufbau und Schenkel des Anulus inguinalis superficialis
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