Schizophrenie und psychotische Störungen
8 FragenEin 27-jähriger Mann wird von seiner Familie in die psychiatrische Ambulanz gebracht. Seit sechs Wochen berichtet er, dass seine Gedanken von einer fremden Macht gesteuert würden und dass er die Stimmen von drei Personen hört, die in der dritten Person über sein Handeln sprechen und kommentieren. Zudem ist er überzeugt, dass seine Gedanken über einen Chip in seinem Kopf nach außen übertragen und von Nachbarn mitgelesen werden. Vitalparameter und körperliche Untersuchung sind unauffällig, ein Drogenscreening im Urin ist negativ. Welche der genannten Symptome sind nach ICD-10 den Symptomen ersten Ranges zuzuordnen?
- AFormale Denkstörungen und Affektverflachung
- BGrandiose Wahninhalte ohne Beeinflussungserleben
- CKommentierende Stimmen und Gedankenausbreitung
- DSozialer Rückzug und Antriebsminderung
- EParathymie und Logorrhoe
Lösung anzeigen
Nach den ICD-10-Kriterien gehören dialogische oder kommentierende Stimmen (Fremdbeeinflussungserleben) sowie Gedankenausbreitung zu den Erstrangsymptomen nach Kurt Schneider, die eine hohe diagnostische Spezifität für Schizophrenie besitzen. Bereits das Vorliegen eines eindeutigen Erstrangsymptoms über mindestens einen Monat genügt zusammen mit Ausschluss organischer Ursachen für die Diagnosestellung. Zweitrangsymptome wie Affektverflachung oder Antriebsminderung sind unspezifischer und stützen die Diagnose nur zusätzlich. Die Fallvignette beschreibt klassische Erstrangsymptome: kommentierende Stimmen und das Gefühl, dass Gedanken anderen zugänglich gemacht werden.
- A. Formale Denkstörungen und Affektverflachung zählen zu den Zweitrangsymptomen, nicht zu den Erstrangsymptomen.
- B. Grandiose Wahninhalte ohne Fremdbeeinflussungserleben gelten nicht als Erstrangsymptom nach Schneider.
- D. Sozialer Rückzug und Antriebsminderung sind unspezifische Negativsymptome und kein Erstrangsymptom.
- E. Parathymie und Logorrhoe sind keine Erstrangsymptome, sondern allgemeine psychopathologische Auffälligkeiten.
Eine 24-jährige Studentin entwickelt innerhalb von zwei Wochen Verfolgungswahn und akustische Halluzinationen mit kommentierendem Charakter. Die Symptomatik besteht nun seit 18 Tagen ununterbrochen, die Patientin ist ansonsten somatisch gesund, ein Drogenscreening ist negativ. Welche Aussage zur aktuellen diagnostischen Einordnung trifft zu?
- AEs liegt bereits eine gesicherte Schizophrenie vor, da zwei Erstrangsymptome vorhanden sind
- BDie Diagnose richtet sich ausschließlich nach dem Vorhandensein von Negativsymptomen
- CDie Diagnose einer Schizophrenie kann noch nicht gestellt werden, da das Zeitkriterium von einem Monat nicht erfüllt ist
- DDa die Patientin weiblich ist, muss zunächst eine postpartale Psychose ausgeschlossen werden
- EDie Diagnose ist unabhängig von der Symptomdauer, sobald Erstrangsymptome auftreten
Lösung anzeigen
Nach ICD-10 erfordert die Diagnose einer Schizophrenie, dass die charakteristischen Symptome (hier Verfolgungswahn und kommentierende Stimmen) für mindestens einen Monat nahezu ständig vorhanden sind. Bei kürzerer Dauer, wie hier mit 18 Tagen, kann die Diagnose noch nicht formal gestellt werden; stattdessen ist von einer akuten schizophreniformen psychotischen Störung auszugehen, die bei Fortbestehen der Symptome über einen Monat in eine Schizophrenie umkodiert wird. Das Zeitkriterium dient der Abgrenzung von kurzen, oft gut remittierenden akuten Psychosen. Die Qualität der Symptome allein, auch wenn es sich um Erstrangsymptome handelt, ersetzt nicht das Zeitkriterium.
- A. Zwei Erstrangsymptome reichen für die Diagnose nicht aus, solange das Einmonatskriterium nicht erfüllt ist.
- B. Negativsymptome sind für diese diagnostische Unterscheidung nicht das entscheidende Kriterium.
- D. Eine postpartale Psychose ist in diesem Fall ohne Hinweis auf eine Entbindung klinisch nicht relevant.
- E. Das Zeitkriterium ist für die ICD-10-Diagnose der Schizophrenie ausdrücklich erforderlich.
Ein 34-jähriger Mann mit seit drei Jahren bekannter Schizophrenie wird in der psychiatrischen Tagesklinik vorgestellt. Im Gespräch wirkt er affektiv deutlich verflacht, antwortet einsilbig mit langer Latenz, zeigt kaum Mimik und hat sich seit Monaten sozial zunehmend zurückgezogen. Aktuell berichtet er weder über Wahnvorstellungen noch über Halluzinationen. Welches der genannten Merkmale ist am ehesten als Negativsymptom einzuordnen?
- AIch-Störungen im Sinne von Gedankeneingebung
- BVerfolgungswahn
- CZerfahrenes Denken mit Neologismen
- DAkustische Halluzinationen
- EAffektverflachung mit sozialem Rückzug
Lösung anzeigen
Negativsymptome der Schizophrenie umfassen Affektverflachung, Antriebsminderung, sozialen Rückzug, Alogie und Anhedonie und entstehen durch ein Defizit normaler psychischer Funktionen. Sie sind typischerweise chronisch, sprechen schlechter auf klassische Antipsychotika an und bestimmen wesentlich die Langzeitprognose und das psychosoziale Funktionsniveau. Im Gegensatz dazu zählen Halluzinationen, Wahn und formale Denkstörungen wie Zerfahrenheit zu den Positivsymptomen, die ein Zuviel an psychischer Aktivität widerspiegeln. Der beschriebene Patient zeigt mit Affektverflachung und sozialem Rückzug das klassische Bild residualer Negativsymptomatik.
- A. Ich-Störungen wie Gedankeneingebung zählen zu den Positivsymptomen.
- B. Verfolgungswahn gehört zu den Positivsymptomen.
- C. Zerfahrenes Denken mit Neologismen ist eine formale Denkstörung und wird den Positivsymptomen zugeordnet.
- D. Akustische Halluzinationen sind ein klassisches Positivsymptom.
Ein 22-jähriger Mann wird mit einer ersten psychotischen Episode mit Wahnwahrnehmungen und akustischen Halluzinationen stationär aufgenommen. Es bestehen keine relevanten Vorerkrankungen, Körpergewicht 78 kg, Nüchternglukose 92 mg/dl. Welches Medikament ist nach aktueller S3-Leitlinie zur Behandlung der Erstmanifestation am ehesten als Mittel der ersten Wahl zu empfehlen?
- AHaloperidol
- BBenzodiazepin-Monotherapie ohne Antipsychotikum
- CClozapin
- DRisperidon
- EFluphenazindecanoat
Lösung anzeigen
Bei Erstmanifestation einer Schizophrenie empfiehlt die S3-Leitlinie den Einsatz eines atypischen Antipsychotikums der zweiten Generation wie Risperidon, da diese bei vergleichbarer antipsychotischer Wirksamkeit ein günstigeres Nebenwirkungsprofil hinsichtlich extrapyramidaler Symptome aufweisen als klassische Neuroleptika. Die Dosierung sollte bei Ersterkrankten niedrig begonnen und langsam titriert werden, da Erstmanifestierte besonders empfindlich auf Nebenwirkungen reagieren. Haloperidol und andere typische Antipsychotika sind wegen des höheren EPS-Risikos nicht mehr Mittel der ersten Wahl. Clozapin ist wegen des Agranulozytoserisikos ausschließlich therapieresistenten Verläufen vorbehalten.
- A. Haloperidol als typisches Antipsychotikum hat ein höheres Risiko für extrapyramidale Nebenwirkungen und ist nicht erste Wahl bei Erstmanifestation.
- B. Eine alleinige Benzodiazepin-Therapie behandelt die psychotische Symptomatik nicht kausal und ist keine leitliniengerechte Erstlinientherapie.
- C. Clozapin ist wegen des Agranulozytoserisikos nur bei therapieresistenter Schizophrenie indiziert, nicht bei Erstmanifestation.
- E. Depotpräparate wie Fluphenazindecanoat sind eher für die Langzeittherapie bei Adhärenzproblemen vorgesehen, nicht für die Akuttherapie der Erstmanifestation.
Eine 36-jährige Patientin mit paranoider Schizophrenie wurde bereits leitliniengerecht und ausreichend lange mit zwei verschiedenen Antipsychotika in adäquater Dosierung behandelt, ohne dass eine relevante Besserung der Positivsymptomatik eintrat. Nun soll eine Therapie mit Clozapin begonnen werden. Welche Maßnahme ist vor und während der Behandlung obligat durchzuführen?
- AWöchentliche Bestimmung der Kreatinkinase zur Überwachung einer Rhabdomyolyse
- BMonatliche Spiegelbestimmung von Prolaktin zum Ausschluss einer Hyperprolaktinämie
- CRegelmäßige Kontrolle der Transaminasen als wichtigstes Sicherheitskriterium
- DRegelmäßige Kontrolle des Differentialblutbildes zur Früherkennung einer Agranulozytose
- ETägliche EKG-Kontrolle wegen des hohen Risikos für ventrikuläre Tachykardien
Lösung anzeigen
Clozapin ist bei therapieresistenter Schizophrenie (unzureichendes Ansprechen auf mindestens zwei adäquat dosierte und ausreichend lange durchgeführte Antipsychotika-Therapien) indiziert, birgt jedoch das Risiko einer potenziell lebensbedrohlichen Agranulozytose. Deshalb ist eine engmaschige Kontrolle des Differentialblutbildes vorgeschrieben: wöchentlich in den ersten 18 Wochen, danach monatlich für die Dauer der Behandlung. Bei Abfall der Leukozyten- oder Neutrophilenzahl unter festgelegte Grenzwerte muss Clozapin sofort abgesetzt werden. Diese Sicherheitsauflage ist in Deutschland gesetzlich über ein spezielles Überwachungsprogramm geregelt und Voraussetzung für die Verordnung.
- A. Eine Rhabdomyolyse ist keine typische, überwachungspflichtige Nebenwirkung von Clozapin.
- B. Eine Hyperprolaktinämie ist unter Clozapin untypisch, da es kaum D2-antagonistisch wirkt; dies ist nicht die obligate Sicherheitsmaßnahme.
- C. Transaminasenkontrollen sind sinnvoll, stellen aber nicht das entscheidende, lebenswichtige Sicherheitskriterium bei Clozapin dar.
- E. Tägliche EKG-Kontrollen sind bei Clozapin nicht vorgeschrieben; relevanter ist die hämatologische Überwachung.
Ein 45-jähriger Patient wird drei Tage nach Beginn einer Haloperidol-Therapie bei akuter Psychose mit Fieber von 39,8 °C, ausgeprägtem Muskelrigor, Bewusstseinstrübung und Tachykardie (124/min) vorgestellt. Die Kreatinkinase im Serum beträgt 4200 U/l. Welche Maßnahme hat in dieser Situation oberste Priorität?
- AOrale Gabe von Biperiden als alleinige Therapiemaßnahme
- BFortführung der bisherigen Medikation unter engmaschiger Temperaturkontrolle
- CSofortiges Absetzen des Antipsychotikums und intensivmedizinische Überwachung
- DDosiserhöhung des Haloperidols zur besseren Symptomkontrolle
- EUmstellung auf ein anderes typisches Antipsychotikum in gleicher Dosierung
Lösung anzeigen
Die Kombination aus Fieber, Rigor, Bewusstseinsstörung, Tachykardie und stark erhöhter Kreatinkinase nach Beginn einer Antipsychotikatherapie ist hochverdächtig auf ein malignes neuroleptisches Syndrom, eine seltene, aber potenziell letale Komplikation. Die wichtigste Sofortmaßnahme ist das unverzügliche Absetzen des auslösenden Antipsychotikums und die Verlegung auf eine Intensivstation zur Kühlung, Flüssigkeitssubstitution und Überwachung von Nierenfunktion und Elektrolyten. Zusätzlich kann Dantrolen oder Bromocriptin eingesetzt werden. Eine Fortführung oder Dosissteigerung des Antipsychotikums wäre lebensgefährlich, da die Symptomatik sich weiter verschlechtern würde.
- A. Biperiden behandelt extrapyramidale Symptome, nicht aber das lebensbedrohliche maligne neuroleptische Syndrom.
- B. Ein Fortführen der Medikation ohne Absetzen verzögert die notwendige Akuttherapie und gefährdet den Patienten zusätzlich.
- D. Eine Dosiserhöhung würde die lebensbedrohliche Symptomatik des malignen neuroleptischen Syndroms verstärken.
- E. Der Wechsel zu einem anderen typischen Antipsichotikum behebt die Ursache nicht und birgt das gleiche Risiko.
Ein 19-jähriger Patient erhält seit zwei Tagen Haloperidol zur Behandlung einer akuten Psychose. Er entwickelt plötzlich eine unwillkürliche Blickwendung nach oben mit Augenbewegung zur Seite sowie eine schmerzhafte Verkrampfung der Zungen- und Kaumuskulatur. Vitalparameter sind unauffällig, kein Fieber. Welches Medikament ist zur Akutbehandlung dieser Symptomatik Mittel der Wahl?
- APropranolol oral
- BBiperiden intravenös
- CValproat intravenös
- DDantrolen intravenös
- ELorazepam intravenös
Lösung anzeigen
Das beschriebene Bild mit okulogyrer Krise und Zungen-Schlund-Krampf ist eine klassische Frühdyskinesie, eine akute extrapyramidale Nebenwirkung, die typischerweise in den ersten Tagen einer Therapie mit hochpotenten typischen Antipsychotika auftritt. Mittel der Wahl zur raschen Symptomlinderung ist das Anticholinergikum Biperiden, das intravenös gegeben innerhalb von Minuten zu einer deutlichen Besserung führt, indem es das durch die Dopaminblockade gestörte cholinerg-dopaminerge Gleichgewicht in den Basalganglien wiederherstellt. Danach sollte die antipsychotische Medikation überdacht und gegebenenfalls auf ein Atypikum mit geringerem EPS-Risiko umgestellt werden.
- A. Propranolol wird eher bei Akathisie eingesetzt, nicht bei dystonen Frühdyskinesien.
- C. Valproat hat keine Indikation zur Akutbehandlung einer medikamentös induzierten Dystonie.
- D. Dantrolen ist die Therapie des malignen neuroleptischen Syndroms, nicht der Frühdyskinesie.
- E. Lorazepam kann bei Akathisie hilfreich sein, ist aber nicht das spezifische Mittel der Wahl bei Frühdyskinesie.
Eine 52-jährige Frau berichtet seit acht Monaten, dass ihr Nachbar sie systematisch überwache und ihre Post abfange. Außerhalb dieses Themas ist ihr Verhalten unauffällig, sie geht weiterhin ihrer Arbeit als Buchhalterin nach, hat keine Halluzinationen, keine formalen Denkstörungen und keine depressive oder manische Symptomatik. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?
- ASchizoaffektive Störung
- BManische Episode mit psychotischen Symptomen
- CParanoide Schizophrenie
- DWahnhafte Störung
- ESchizotype Störung
Lösung anzeigen
Die wahnhafte Störung ist durch einen oder mehrere zusammenhängende, meist gut systematisierte Wahninhalte über mindestens drei Monate charakterisiert, bei weitgehend erhaltener Persönlichkeit und Alltagsfunktion außerhalb des Wahnthemas; Halluzinationen, formale Denkstörungen oder ausgeprägte affektive Symptome fehlen. Im Gegensatz dazu erfordert die schizoaffektive Störung das gleichzeitige Auftreten eindeutiger schizophrener Symptome und einer ausgeprägten affektiven Episode (manisch oder depressiv) innerhalb desselben Krankheitsabschnitts, was hier fehlt. Die erhaltene berufliche und soziale Funktionsfähigkeit sowie das Fehlen von Erstrangsymptomen sprechen gegen eine Schizophrenie. Damit passt das klinische Bild am besten zur wahnhaften Störung.
- A. Für eine schizoaffektive Störung fehlen sowohl eindeutige schizophrene Symptome als auch eine affektive Episode.
- B. Es liegen keine Hinweise auf gehobene Stimmung, Antriebssteigerung oder andere manische Symptome vor.
- C. Gegen eine paranoide Schizophrenie sprechen das Fehlen von Halluzinationen, formalen Denkstörungen und der erhaltene psychosoziale Funktionsgrad.
- E. Eine schizotype Störung zeigt exzentrisches Verhalten und subpsychotische Auffälligkeiten ohne ausgeprägten systematisierten Wahn über Monate.
Affektive Störungen
3 FragenEine 34-jährige Patientin mit bipolarer Störung Typ I wird zur Rezidivprophylaxe auf Lithium eingestellt. Nach Aufsättigung soll der Serumspiegel kontrolliert werden. Welche Aussage zum Monitoring unter Lithium-Dauertherapie trifft zu?
- ADie Schilddrüsenfunktion muss unter Lithium nicht überwacht werden, da keine endokrine Wirkung besteht
- BEine Kontrolle der Nierenfunktion ist nur bei klinischen Intoxikationszeichen notwendig
- CDie Blutentnahme sollte 2 Stunden nach Einnahme erfolgen, um die maximale Plasmakonzentration zu erfassen
- DDer Zielspiegel zur Erhaltungstherapie liegt bei 0,6–0,8 mmol/l, bestimmt 12 Stunden nach der letzten Einnahme
- EDer Zielspiegel zur Erhaltungstherapie liegt bei 1,5–2,0 mmol/l, bestimmt unmittelbar vor der nächsten Einnahme
Lösung anzeigen
Lithium hat eine geringe therapeutische Breite, der Zielspiegel zur Phasenprophylaxe liegt bei 0,6–0,8 mmol/l. Die Blutentnahme erfolgt standardisiert 12 Stunden nach der letzten Einnahme (Talspiegel), meist morgens vor der ersten Tagesdosis. Zusätzlich müssen regelmäßig Nierenfunktion (Lithium kann eine nephrogene Diabetes insipidus und langfristig eine Niereninsuffizienz verursachen) und Schilddrüsenfunktion (Risiko einer Hypothyreose) kontrolliert werden. Diese Überwachung ist auch bei unauffälligem klinischem Befund obligat.
- A. Lithium kann eine Hypothyreose auslösen, daher ist eine regelmäßige Kontrolle der Schilddrüsenfunktion notwendig
- B. Die Nierenfunktion muss regelmäßig auch ohne Intoxikationszeichen kontrolliert werden, da Lithium nephrotoxisch wirken kann
- C. Die Spiegelbestimmung erfolgt als Talspiegel 12 Stunden nach Einnahme, nicht zum Zeitpunkt der maximalen Konzentration
- E. Dieser Spiegel liegt im toxischen Bereich und wird nicht als Erhaltungsdosis angestrebt
Ein 61-jähriger Patient unter stabiler Lithium-Dauertherapie wird wegen eines fieberhaften Infekts mit Diarrhö seit 3 Tagen zusätzlich mit Hydrochlorothiazid wegen neu aufgetretener arterieller Hypertonie behandelt. Er stellt sich mit grobschlägigem Tremor, Dysarthrie, Übelkeit und Gangunsicherheit vor. Welcher Mechanismus erklärt am ehesten die beschriebene Symptomatik?
- AGesteigerte renale Lithiumausscheidung mit konsekutivem Lithiummangel-Syndrom
- BBeschleunigte hepatische Metabolisierung von Lithium durch das Thiaziddiuretikum
- CAllergische Kreuzreaktion zwischen Lithium und Thiaziddiuretika
- DVerdrängung von Lithium aus der Plasmaproteinbindung durch das Diuretikum
- EVerminderte renale Lithium-Ausscheidung durch Natriumverlust und Exsikkose mit Lithiumkumulation
Lösung anzeigen
Lithium wird renal nahezu vollständig über denselben Transportweg wie Natrium im proximalen Tubulus rückresorbiert. Natriumverlust durch Diarrhö, Fieber und zusätzlich durch ein Thiaziddiuretikum führt zu kompensatorisch gesteigerter proximaler Natrium- und damit Lithiumrückresorption, wodurch der Lithiumspiegel ansteigt. Die beschriebenen Symptome (Tremor, Dysarthrie, Ataxie, Übelkeit) sind klassische Zeichen einer Lithiumintoxikation. Diuretika (insbesondere Thiazide), NSAR, ACE-Hemmer und Exsikkose sind die wichtigsten Risikofaktoren für eine Lithiumintoxikation.
- A. Thiaziddiuretika vermindern die renale Lithiumausscheidung, sie steigern sie nicht
- B. Lithium wird nicht hepatisch metabolisiert, sondern unverändert renal ausgeschieden
- C. Es handelt sich um eine pharmakokinetische Interaktion, keine allergische Reaktion
- D. Lithium ist nicht proteingebunden, sodass eine Verdrängung aus der Eiweißbindung nicht zutrifft
Eine 29-jährige Erstgebärende berichtet 6 Wochen nach der Entbindung über anhaltende Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Schuldgefühle gegenüber dem Kind und Schlafstörungen über nun bereits 4 Wochen. Sie äußert Zukunftsängste, jedoch keine Suizidgedanken. Welche Aussage zu Diagnose und Therapie trifft zu?
- AEs handelt sich um eine postpartale Psychose, die eine sofortige stationäre Aufnahme mit Antipsychotika erfordert
- BEs handelt sich um eine postpartale Depression, leitliniengerecht ist eine Kombination aus Psychotherapie und bei Bedarf einem stillverträglichen Antidepressivum wie Sertralin
- CBei fehlenden Suizidgedanken ist eine antidepressive Therapie kontraindiziert und ausschließlich abwartend zu verfahren
- DDie Symptomatik entspricht einem physiologischen Baby-Blues, eine spezifische Therapie ist nicht erforderlich
- EDie Diagnose einer postpartalen Depression kann erst nach vollständigem Abstillen gestellt werden
Lösung anzeigen
Eine postpartale (peripartale) Depression wird nach ICD-10/DSM-5-Kriterien diagnostiziert, wenn depressive Symptome innerhalb der ersten Wochen bis Monate nach der Entbindung auftreten und über mindestens 2 Wochen bestehen; ein Zeitraum von 4 Wochen Symptomdauer bei fehlender Spontanremission spricht klar dagegen für einen vorübergehenden Baby-Blues. Therapeutisch empfiehlt die S3-Leitlinie bei leichter bis mittelschwerer Ausprägung primär Psychotherapie, bei Bedarf ergänzt durch ein Antidepressivum mit günstigem Stillprofil wie Sertralin. Das Stillen ist in der Regel keine Kontraindikation für eine medikamentöse Behandlung, wenn ein geeignetes Präparat gewählt wird.
- A. Es fehlen psychotische Symptome wie Wahn oder Halluzinationen, die für eine postpartale Psychose charakteristisch wären
- C. Fehlende Suizidalität schließt eine indizierte antidepressive Therapie bei entsprechender Symptomschwere nicht aus
- D. Der Baby-Blues klingt typischerweise innerhalb der ersten 2 Wochen postpartal spontan ab, hier besteht die Symptomatik bereits deutlich länger
- E. Die Diagnose ist unabhängig vom Stillstatus zu stellen, ein Abstillen ist keine Voraussetzung
Angst-, Zwangs- und Belastungsstörungen
4 FragenEine 27-jährige Patientin stellt sich in der Notaufnahme vor mit plötzlich einsetzendem Herzrasen, Thoraxenge, Atemnot, Schwitzen und der Angst zu sterben. Die Symptomatik erreicht innerhalb von 10 Minuten ihr Maximum und klingt nach etwa 25 Minuten vollständig ab. Es ist die vierte solche Episode innerhalb von 4 Wochen, jeweils ohne erkennbaren Auslöser. EKG, Troponin und Schilddrüsenwerte sind unauffällig. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?
- AGeneralisierte Angststörung
- BAkutes Koronarsyndrom
- CPhäochromozytom
- DHyperthyreose
- EPanikstörung
Lösung anzeigen
Die Panikstörung ist charakterisiert durch wiederkehrende, unerwartete Panikattacken mit abruptem Beginn, Gipfel innerhalb von Minuten und einer Vielzahl vegetativer Symptome wie Tachykardie, Dyspnoe, Schwitzen und Vernichtungsangst, die spontan innerhalb von Minuten bis maximal einer Stunde wieder abklingen. Die Diagnose setzt den Ausschluss somatischer Ursachen voraus, hier durch unauffälliges EKG, Troponin und Schilddrüsenwerte bereits erfolgt. Das Fehlen eines erkennbaren Auslösers sowie die Wiederholung der Episoden sprechen für eine Panikstörung statt für eine situativ gebundene Angstreaktion.
- A. Die generalisierte Angststörung ist durch anhaltende, frei flottierende Sorgen über Monate charakterisiert, nicht durch anfallsartige Attacken
- B. Unauffälliges EKG und Troponin schließen ein akutes Koronarsyndrom bei dieser Vorstellung aus
- C. Ein Phäochromozytom wurde durch die unauffälligen kardialen und laborchemischen Befunde ausreichend unwahrscheinlich gemacht, zudem fehlt hierfür die typische Hypertonie-Angabe
- D. Die unauffälligen Schilddrüsenwerte schließen eine Hyperthyreose als Ursache der Symptomatik aus
Ein 52-jähriger Patient berichtet, er mache sich seit über 8 Monaten fast täglich übermäßige Sorgen um Gesundheit, Finanzen und Familie, ohne konkreten Anlass. Begleitend bestehen innere Unruhe, Muskelverspannungen, rasche Erschöpfbarkeit und Schlafstörungen. Panikattacken werden verneint. Welche Therapie gilt als Mittel der ersten Wahl?
- AKognitive Verhaltenstherapie und/oder ein SSRI bzw. SNRI
- BDauertherapie mit einem Benzodiazepin wie Lorazepam
- CBeta-Blocker als Monotherapie zur Symptomkontrolle
- DHochpotentes Antipsychotikum wie Haloperidol
- EPregabalin als alleinige Monotherapie ohne psychotherapeutisches Verfahren
Lösung anzeigen
Die generalisierte Angststörung ist durch anhaltende, frei flottierende Sorgen über mindestens 6 Monate mit vegetativen und muskulären Begleitsymptomen definiert. Leitliniengerechte Therapie der ersten Wahl ist die kognitive Verhaltenstherapie, alternativ oder in Kombination ein SSRI (z. B. Escitalopram) oder SNRI (z. B. Venlafaxin, Duloxetin). Benzodiazepine sind wegen Abhängigkeitspotenzial nur kurzfristig in Akutsituationen indiziert und keine Dauertherapie. Pregabalin ist eine Option bei Unverträglichkeit oder mangelndem Ansprechen, jedoch nicht Mittel der ersten Wahl.
- B. Benzodiazepine sind wegen Abhängigkeits- und Toleranzrisiko nicht zur Dauertherapie geeignet
- C. Beta-Blocker lindern nur vegetative Begleitsymptome, wirken aber nicht kausal auf die Angstsymptomatik
- D. Antipsychotika sind bei der generalisierten Angststörung nicht Mittel der ersten Wahl und mit relevanten Nebenwirkungen belastet
- E. Pregabalin ist eine Alternative bei Therapieresistenz, aber nicht die Therapie der ersten Wahl
Ein 24-jähriger Patient vermeidet seit Jahren Gruppensituationen und öffentliche Auftritte aus Angst, negativ bewertet zu werden, zu erröten oder sich zu blamieren. Er wünscht sich eigentlich mehr soziale Kontakte, leidet unter seiner Vermeidung und sucht deshalb Hilfe. Welche Aussage trifft am ehesten zu?
- ADie Gleichgültigkeit gegenüber sozialen Beziehungen spricht für eine soziale Phobie
- BDie soziale Phobie ist durch einen generalisierten Mangel an Freude an fast allen Aktivitäten definiert
- CDas beschriebene Vermeidungsverhalten ist typisch für eine schizoide Persönlichkeitsstörung
- DDer fehlende Leidensdruck ist charakteristisch für die soziale Phobie
- EDie Angst vor negativer Bewertung bei grundsätzlich vorhandenem Wunsch nach sozialen Kontakten spricht für eine soziale Phobie
Lösung anzeigen
Die soziale Phobie ist durch eine Furcht vor prüfender Betrachtung durch andere Menschen in überschaubaren sozialen Situationen gekennzeichnet, verbunden mit Vermeidungsverhalten, obwohl ein grundsätzliches Bedürfnis nach sozialen Beziehungen besteht und der Betroffene unter seiner Einschränkung leidet. Dies unterscheidet sie von der schizoiden Persönlichkeitsstörung, bei der eine primäre Gleichgültigkeit gegenüber sozialen Beziehungen und ein mangelndes Bedürfnis nach Nähe bestehen, ohne dass dies als belastend erlebt wird. Der vorhandene Leidensdruck und der Wunsch nach Kontakten sind daher ein zentrales Unterscheidungsmerkmal.
- A. Gleichgültigkeit gegenüber sozialen Kontakten ist charakteristisch für die schizoide Persönlichkeitsstörung, nicht für die soziale Phobie
- B. Ein generalisierter Interessen- und Freudeverlust beschreibt Anhedonie im Rahmen einer Depression, nicht die soziale Phobie
- C. Das beschriebene Verhalten mit vorhandenem Leidensdruck und Kontaktwunsch spricht gegen, nicht für eine schizoide Persönlichkeitsstörung
- D. Ein ausgeprägter Leidensdruck ist bei der sozialen Phobie typisch, nicht dessen Fehlen
Ein 33-jähriger Patient berichtet, er müsse sich mehrmals täglich stundenlang die Hände waschen, da ihn sonst die immer wiederkehrende Vorstellung quäle, sich mit Krankheitserregern zu kontaminieren und seine Familie zu gefährden. Er erkennt, dass sein Verhalten übertrieben ist, kann es jedoch nicht unterlassen. Welche Kombination beschreibt Symptomatik und leitliniengerechte Therapie der ersten Wahl korrekt?
- ARitualisiertes Verhalten bei einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung, Therapie mit tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie
- BWahnvorstellung bei schizophrener Psychose, Therapie mit einem Antipsychotikum der zweiten Generation
- CPhobische Vermeidung bei spezifischer Phobie, Therapie mit systematischer Desensibilisierung
- DHypochondrische Angst im Rahmen einer somatoformen Störung, Therapie mit psychodynamischer Psychotherapie
- EZwangsgedanke und Zwangshandlung bei Zwangsstörung, Therapie mit Verhaltenstherapie (Exposition mit Reaktionsverhinderung) und SSRI
Lösung anzeigen
Der sich aufdrängende Kontaminationsgedanke ist ein Zwangsgedanke, das wiederholte Händewaschen zur Angstreduktion die begleitende Zwangshandlung; die Einsicht in die Unsinnigkeit des Verhaltens bei fehlender Kontrollfähigkeit ist charakteristisch für die Zwangsstörung. Leitliniengerechte Therapie der ersten Wahl ist die kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition und Reaktionsverhinderung, bei stärkerer Symptomatik oder fehlendem Ansprechen kombiniert mit einem SSRI in meist höherer Dosierung als in der Depressionstherapie. Die erhaltene Krankheitseinsicht unterscheidet die Zwangsstörung von einer Wahnvorstellung im Rahmen einer Psychose.
- A. Eine Persönlichkeitsstörung beschreibt überdauernde Charakterzüge ohne Leidensdruck durch aufdrängende Gedanken, hier liegt klar eine Zwangsstörung vor
- B. Die erhaltene Einsicht in die Unsinnigkeit des Gedankens schließt eine Wahnvorstellung aus, zudem fehlen weitere psychotische Symptome
- C. Es fehlt ein spezifisches, extern definiertes Phobieobjekt mit Vermeidung, stattdessen bestehen aufdrängende Gedanken mit neutralisierendem Zwangsritual
- D. Es fehlt die hypochondrische Fixierung auf eine ernste Erkrankung bei sich selbst ohne Zwangsrituale zur Neutralisierung
Essstörungen
1 FragenEine 19-jährige Patientin mit Anorexia nervosa (BMI 13,8 kg/m²) wird stationär aufgenommen. Da sie seit Tagen kaum Nahrung zu sich genommen hat, soll die enterale Ernährung begonnen werden. Welcher pathophysiologische Mechanismus ist am ehesten für die gefürchtete Komplikation in den ersten Tagen der Nahrungszufuhr verantwortlich?
- AAkute Hyperglykämie mit osmotischer Diurese und konsekutiver Exsikkose
- BVermehrte Freisetzung von Schilddrüsenhormonen mit thyreotoxischer Krise
- CAkute Hyperkaliämie durch Zellzerfall mit Gefahr von Herzrhythmusstörungen
- DPlötzlicher Abfall des Kortisolspiegels mit Kreislaufversagen
- EAbrupter Anstieg der Insulinsekretion mit intrazellulärer Verschiebung von Phosphat, Kalium und Magnesium
Lösung anzeigen
Bei chronischer Mangelernährung sind die intrazellulären Speicher von Phosphat, Kalium und Magnesium trotz oft normaler Serumwerte depletiert. Die Wiederaufnahme der Kohlenhydratzufuhr führt zu einem starken Anstieg der Insulinausschüttung, die eine massive zelluläre Aufnahme von Phosphat, Kalium, Magnesium und Glukose bewirkt. Die resultierende Hypophosphatämie kann zu Herzinsuffizienz, Rhabdomyolyse und Arrhythmien führen. Prävention: langsamer, einschleichender Kalorienaufbau und Substitution von Elektrolyten vor und während der Ernährung.
- A. Eine osmotische Diurese durch Hyperglykämie ist nicht der zentrale Mechanismus des Refeeding-Syndroms.
- B. Eine thyreotoxische Krise ist keine Folge der Nahrungszufuhr bei Mangelernährung.
- C. Beim Refeeding-Syndrom kommt es typischerweise zu einer Hypokaliämie durch intrazelluläre Verschiebung, nicht zu einer Hyperkaliämie.
- D. Ein Kortisolabfall spielt beim Refeeding-Syndrom keine pathogenetische Rolle.
Suchterkrankungen
7 FragenEin 47-jähriger Mann stellt sich beim Hausarzt vor. Er berichtet, dass er seit zwei Jahren täglich Alkohol trinke, die Menge im Verlauf gesteigert habe, um die gewünschte Wirkung zu erzielen, und mehrfach erfolglos versucht habe, den Konsum zu reduzieren. Trotz einer bereits diagnostizierten Fettlebererkrankung trinke er weiter. Welches Kriterium spricht nach ICD-10 am ehesten für eine Toleranzentwicklung im Rahmen seiner Alkoholabhängigkeit?
- AFortgesetzter Konsum trotz nachgewiesener schädlicher Folgen
- BEingeengtes Verhaltensmuster auf den Substanzgebrauch
- CDosissteigerung zur Erreichung der ursprünglichen Wirkung
- DStarkes Verlangen oder Zwang, die Substanz zu konsumieren
- EVernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Substanzkonsums
Lösung anzeigen
Nach ICD-10 ist Toleranz definiert als die Notwendigkeit, zunehmend höhere Dosen einer Substanz zu konsumieren, um die ursprünglich durch niedrigere Dosen erreichte Wirkung zu erzielen. Dies ist eines der sechs ICD-10-Kriterien der Abhängigkeit (neben Kontrollverlust, Entzugssymptomen, Craving, Vernachlässigung anderer Interessen und fortgesetztem Konsum trotz schädlicher Folgen); mindestens drei Kriterien innerhalb eines Jahres begründen die Diagnose. Zur Erfassung eines problematischen Konsums im hausärztlichen Setting eignet sich der AUDIT-Fragebogen als validiertes Screening-Instrument. Die im Fall beschriebene Dosissteigerung zur Wirkungserreichung ist das klassische Beispiel für Toleranzentwicklung.
- A. Dies beschreibt das Kriterium des fortgesetzten Konsums trotz schädlicher Folgen, nicht die Toleranz.
- B. Dies entspricht dem Kriterium der Vernachlässigung bzw. Einengung des Verhaltensmusters, nicht der Toleranz.
- D. Dies beschreibt das Craving-Kriterium (starkes Verlangen), nicht die Toleranz.
- E. Dies entspricht der Vernachlässigung anderer Interessen, nicht dem Toleranzkriterium.
Ein 59-jähriger Patient mit langjährigem Alkoholabusus wird 36 Stunden nach dem letzten Konsum unruhig und desorientiert. Er sieht kleine Insekten auf der Bettdecke krabbeln, ist zeitlich und örtlich nicht orientiert, zeigt einen groben Tremor, schwitzt stark und hat eine Herzfrequenz von 128/min sowie einen Blutdruck von 172/102 mmHg. Welches ist der nächste Schritt?
- AGabe von Naloxon zur Antagonisierung der Symptomatik
- BAbwarten unter engmaschiger Beobachtung ohne medikamentöse Intervention
- CStationäre intensivmedizinische Überwachung und Gabe von Clomethiazol oder Benzodiazepinen, bei Bedarf kombiniert mit Haloperidol
- DAmbulante Entzugsbehandlung mit täglicher hausärztlicher Kontrolle
- ESofortige alleinige Gabe von Haloperidol ohne Sedativum
Lösung anzeigen
Das Vollbild mit Desorientiertheit, optischen Halluzinationen (Mikropsien/Mikrozoopsien), vegetativer Entgleisung und Tremor entspricht einem Delirium tremens, einem potenziell lebensbedrohlichen Notfall mit Letalität bei unzureichender Behandlung. Die Therapie erfolgt stationär, in der Regel intensivmedizinisch überwacht, mit Clomethiazol oder Benzodiazepinen zur Sedierung und Anfallsprophylaxe; bei ausgeprägten produktiv-psychotischen Symptomen kann zusätzlich ein Antipsychotikum wie Haloperidol gegeben werden, jedoch nie als alleinige Therapie wegen fehlender antikonvulsiver Wirkung und Senkung der Krampfschwelle. Eine ambulante Führung oder ein Abwarten ohne Therapie ist angesichts der vitalen Gefährdung kontraindiziert.
- A. Naloxon ist ein Opioidantagonist und hat beim Alkoholdelir keine Wirkung.
- B. Angesichts der vitalen Gefährdung ist ein Abwarten ohne Therapie nicht vertretbar.
- D. Ein Delirium tremens ist ein internistisch-psychiatrischer Notfall und erfordert eine stationäre, keine ambulante Behandlung.
- E. Haloperidol allein senkt die Krampfschwelle und schützt nicht vor Entzugskrämpfen, daher nie als Monotherapie.
Ein 54-jähriger Patient mit langjährigem Alkoholabusus wird somnolent, ataktisch beim Gehen und zeigt eine Blickparese mit horizontalem Nystagmus. Die Blutzuckermessung ergibt 58 mg/dl. Bevor eine Glukoseinfusion verabreicht wird, sollte zunächst welche Substanz appliziert werden, um eine lebensgefährliche Komplikation zu vermeiden?
- ACobalamin (Vitamin B12)
- BPyridoxin (Vitamin B6)
- CMagnesium
- DThiamin (Vitamin B1)
- EFolsäure
Lösung anzeigen
Die Trias aus Bewusstseinsstörung, Ataxie und Okulomotorikstörung (Nystagmus, Blickparese) ist klassisch für eine Wernicke-Enzephalopathie, die durch einen Thiaminmangel bei chronischem Alkoholismus verursacht wird, da Thiamin als Kofaktor mehrerer Enzyme des Glukosestoffwechsels (u. a. Transketolase) benötigt wird. Bei vorbestehendem Thiaminmangel verbraucht die Zufuhr von Glukose die noch vorhandenen Thiaminreserven weiter und kann eine manifeste oder bereits bestehende Wernicke-Enzephalopathie akut verschlechtern. Daher muss bei Verdacht auf Thiaminmangel immer vor oder spätestens gleichzeitig mit der Glukosegabe hochdosiertes Thiamin parenteral verabreicht werden. Unbehandelt kann die Erkrankung in ein irreversibles Korsakow-Syndrom übergehen.
- A. Ein Cobalaminmangel verursacht neurologische Störungen, ist aber nicht pathogenetisch mit der Wernicke-Enzephalopathie verknüpft.
- B. Pyridoxinmangel ist nicht die Ursache der Wernicke-Enzephalopathie.
- C. Magnesium kann bei Alkoholkranken ebenfalls erniedrigt sein, hat aber keine Priorität vor der Thiamingabe zur Vermeidung der Wernicke-Enzephalopathie.
- E. Folsäuremangel spielt bei der Alkoholanämie eine Rolle, ist aber nicht die prioritäre Substanz vor Glukosegabe bei Verdacht auf Wernicke-Enzephalopathie.
Ein 49-jähriger Patient mit Alkoholabhängigkeit berichtet seit zwei Tagen über lebhafte, bedrohliche Stimmen, die ihn beschimpfen. Er ist dabei wach, zu Person, Ort, Zeit und Situation voll orientiert, zeigt keinen Tremor, kein Schwitzen und hat normale Vitalparameter (Herzfrequenz 76/min, Blutdruck 128/82 mmHg). Welche Diagnose beschreibt diesen Zustand am besten?
- AWernicke-Enzephalopathie
- BKorsakow-Syndrom
- CAlkoholischer Entzugskrampf
- DDelirium tremens
- EAlkoholhalluzinose
Lösung anzeigen
Die Alkoholhalluzinose ist eine seltene alkoholassoziierte Psychose mit lebhaften, meist akustischen Halluzinationen (oft bedrohlich oder beschimpfend) bei vollständig erhaltenem Bewusstsein und Orientierung sowie fehlenden vegetativen Entzugszeichen. Sie unterscheidet sich dadurch grundlegend vom Delirium tremens, bei dem zusätzlich Bewusstseinsstörung, Desorientiertheit und ausgeprägte vegetative Symptome (Tachykardie, Hypertonie, Schwitzen, Tremor) bestehen. Die Behandlung erfolgt in der Regel mit Antipsychotika, da keine vitale vegetative Entgleisung vorliegt, die eine intensivmedizinische Überwachung zwingend erfordert.
- A. Die Wernicke-Enzephalopathie zeigt die Trias Bewusstseinsstörung, Ataxie und Okulomotorikstörung, nicht isolierte Halluzinationen bei klarem Bewusstsein.
- B. Das Korsakow-Syndrom ist durch amnestische Störungen mit Konfabulationen gekennzeichnet, nicht durch Halluzinationen.
- C. Ein Entzugskrampf äußert sich als generalisierter tonisch-klonischer Anfall, nicht als anhaltende Halluzinationen bei klarem Bewusstsein.
- D. Ein Delirium tremens geht mit Bewusstseinsstörung, Desorientierung und vegetativer Entgleisung einher, die hier fehlen.
Ein 33-jähriger Patient mit langjähriger Heroinabhängigkeit stellt sich mit Mydriasis, Gänsehaut, Rhinorrhö, Tränenfluss, Muskelschmerzen, Diarrhö und starkem Craving vor. Er ist wach, orientiert und kreislaufstabil. Welche Therapie ist zur langfristigen Behandlung seiner Opioidabhängigkeit am besten geeignet?
- ADisulfiram zur Aversionstherapie
- BClomethiazol nach festem Entzugsschema
- COrale Opioidsubstitution mit Methadon oder Buprenorphin im Rahmen eines Substitutionsprogramms
- DKurzzeitige Monotherapie mit einem Benzodiazepin ohne weitere Anbindung
- EHochdosierte Naloxon-Dauerinfusion zur Symptomkontrolle
Lösung anzeigen
Das beschriebene Bild mit Mydriasis, Piloerektion, Rhinorrhö, Tränenfluss, Myalgien, Diarrhö und Craving entspricht einem klassischen Opioidentzugssyndrom, das zwar sehr belastend, aber im Gegensatz zum Alkoholentzug nicht vital bedrohlich ist. Zur langfristigen Behandlung der Opioidabhängigkeit ist die Substitutionstherapie mit Methadon (vollständiger µ-Opioidrezeptor-Agonist) oder Buprenorphin (partieller Agonist) etabliert, die Entzugssymptome und Craving reduziert, die Opioidwirkung stabilisiert und das Risiko von Rückfällen, Beikonsum und Überdosierungen senkt. Die Substitution erfolgt in Deutschland im Rahmen zugelassener Substitutionsprogramme mit begleitender psychosozialer Betreuung.
- A. Disulfiram wird zur Rückfallprophylaxe bei Alkoholabhängigkeit eingesetzt, nicht bei Opioidabhängigkeit.
- B. Clomethiazol ist für den Alkoholentzug vorgesehen und beim Opioidentzug nicht die leitliniengerechte Therapie.
- D. Eine alleinige kurzzeitige Benzodiazepingabe ohne Anbindung an ein Substitutionsprogramm behandelt die Opioidabhängigkeit nicht langfristig.
- E. Naloxon ist ein reiner Opioidantagonist und würde die Entzugssymptomatik akut verstärken, nicht behandeln.
Ein 54-jähriger Patient wird stationär aufgenommen. Er berichtet, seit über 10 Jahren täglich 6-8 mg Lorazepam einzunehmen, die letzte Einnahme sei vor 36 Stunden gewesen. Er zeigt Tremor, Schwitzen, Tachykardie (Herzfrequenz 112/min) und innere Unruhe. Welche Aussage zum weiteren Vorgehen trifft am ehesten zu?
- AEine ambulante Entzugsbehandlung ohne Medikation ist bei dieser Einnahmedauer das Mittel der Wahl
- BEs besteht ein erhöhtes Risiko für generalisierte Krampfanfälle, daher sollte eine langsame, schrittweise Dosisreduktion erfolgen
- CCarbamazepin ist in dieser Situation kontraindiziert, da es das Krampfrisiko zusätzlich erhöht
- DDa keine Alkoholkomponente vorliegt, ist ein Entzugskrampfanfall nahezu ausgeschlossen
- ELorazepam sollte abrupt abgesetzt werden, da nur so die Abhängigkeit durchbrochen werden kann
Lösung anzeigen
Bei langjähriger hochdosierter Benzodiazepineinnahme besteht nach abruptem Absetzen ein relevantes Risiko für Entzugskrampfanfälle, die auch Tage nach der letzten Einnahme auftreten können. Die Therapie der Wahl ist daher die langsame, schrittweise Dosisreduktion (Ausschleichen), gegebenenfalls unter stationären Bedingungen, um vegetative Entzugssymptome und Krampfanfälle zu vermeiden. Ein abruptes Absetzen ist kontraindiziert. Bei Krampfneigung kann zusätzlich ein Antikonvulsivum wie Carbamazepin eingesetzt werden.
- A. Bei dieser Einnahmedauer und Dosis ist ein strukturierter, meist stationärer Entzug mit Ausschleichschema indiziert, kein unbegleiteter Entzug.
- C. Carbamazepin wird zur Prophylaxe von Entzugskrampfanfällen eingesetzt und ist nicht kontraindiziert.
- D. Entzugskrampfanfälle treten auch bei reiner Benzodiazepinabhängigkeit auf, unabhängig von einer Alkoholkomponente.
- E. Ein abruptes Absetzen erhöht das Risiko für schwere Entzugssymptome und Krampfanfälle erheblich und ist daher kontraindiziert.
Ein 29-jähriger Mann wird nach Kokainkonsum auf einer Party mit akut einsetzenden retrosternalen Schmerzen in die Notaufnahme gebracht. Blutdruck 168/98 mmHg, Herzfrequenz 128/min, Pupillen beidseits weit. Das EKG zeigt ST-Hebungen in den Ableitungen II, III und aVF. Welche Komplikation liegt am ehesten vor?
- ASerotonin-Syndrom
- BAkutes Nierenversagen durch Rhabdomyolyse
- CAkuter Myokardinfarkt durch kokaininduzierten Koronarspasmus
- DSpontanpneumothorax
- EHypertensive Enzephalopathie
Lösung anzeigen
Kokain blockiert die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Dopamin und führt dadurch zu ausgeprägter sympathischer Stimulation mit Tachykardie, Hypertonie und Koronarvasospasmus. Dies kann selbst bei jungen Patienten ohne vorbestehende Koronarsklerose einen Myokardinfarkt auslösen, erkennbar an den ST-Hebungen im EKG. Die Kombination aus Thoraxschmerz, sympathikotoner Symptomatik (Mydriasis, Tachykardie, Hypertonie) und ischämischem EKG-Befund nach Kokainkonsum ist klassisch für diese Komplikation. Therapeutisch sind Betablocker wegen möglicher Verstärkung des Koronarspasmus relativ kontraindiziert, Mittel der Wahl sind Benzodiazepine und Nitrate.
- A. Ein Serotonin-Syndrom zeigt sich durch Hyperthermie, Myoklonien und Hyperreflexie, nicht primär durch ST-Hebungen im EKG.
- B. Ein akutes Nierenversagen würde sich laborchemisch durch Kreatininanstieg zeigen und erklärt nicht die ST-Hebungen.
- D. Ein Pneumothorax würde sich durch einseitig abgeschwächtes Atemgeräusch und Dyspnoe zeigen, nicht durch ischämische ST-Hebungen.
- E. Eine hypertensive Enzephalopathie würde sich durch neurologische Symptome wie Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Bewusstseinstrübung zeigen, nicht durch ST-Hebungen.
Organische psychische Störungen
8 FragenEine 81-jährige Patientin wird am zweiten Tag nach einer Hüft-Operation von der Stationsschwester als auffällig gemeldet. Sie ist tagsüber mal schläfrig, mal agitiert, erkennt ihre Tochter zeitweise nicht und ist zu Zeit und Ort nicht orientiert. Die Symptomatik wechselt innerhalb von Stunden stark in ihrer Ausprägung. Laut Tochter war die Patientin vor der Operation kognitiv unauffällig. Welches Merkmal spricht am ehesten für die vorliegende Diagnose und nicht für eine Demenz?
- AAkuter Beginn und fluktuierender Verlauf der Symptomatik innerhalb von Stunden
- BBeeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses
- CAuftreten nach einem operativen Eingriff
- DDesorientierung zu Zeit und Ort
- EHöheres Lebensalter der Patientin
Lösung anzeigen
Das Delir ist definitionsgemäß durch einen akuten Beginn und einen fluktuierenden Verlauf mit Bewusstseins- und Aufmerksamkeitsstörungen charakterisiert, die sich innerhalb von Stunden bis Tagen ändern können. Die Demenz hingegen entwickelt sich schleichend über Monate bis Jahre und zeigt einen chronisch-progredienten, nicht fluktuierenden Verlauf. Gedächtnisstörungen und Desorientierung können bei beiden Erkrankungen auftreten und sind daher nicht differenzierend. Der akute, fluktuierende Beginn nach einem auslösenden Ereignis wie einer Operation ist das Schlüsselkriterium zur Abgrenzung.
- B. Gedächtnisstörungen treten sowohl beim Delir als auch bei der Demenz auf und sind daher nicht unterscheidend.
- C. Ein postoperatives Auftreten ist typisch für ein Delir, stellt aber selbst kein diagnostisches Kriterium dar, das Delir von Demenz trennt.
- D. Desorientierung findet sich ebenfalls bei beiden Krankheitsbildern und hilft nicht bei der Abgrenzung.
- E. Hohes Lebensalter ist ein Risikofaktor für beide Erkrankungen, aber kein differenzierendes Kriterium.
Ein 76-jähriger Patient wird drei Tage nach einer Oberschenkelhalsfraktur zunehmend verwirrt, unruhig und desorientiert. Er versucht, Infusionsleitungen zu entfernen und erkennt das Pflegepersonal nicht wieder. Vor dem Sturz war er laut Angehörigen kognitiv unauffällig. Welches ist der nächste sinnvolle diagnostische Schritt?
- AAusschluss somatischer Ursachen durch körperliche Untersuchung, Basislabor (inkl. Elektrolyte, Entzündungsparameter, Blutzucker) und Urinstatus
- BDurchführung einer Lumbalpunktion zum Ausschluss einer Meningitis
- CSofortige Gabe von Haloperidol zur Sedierung ohne weitere Diagnostik
- DKraniale Computertomographie als alleinige diagnostische Maßnahme
- EDirekte Verlegung in eine geschlossene gerontopsychiatrische Station
Lösung anzeigen
Das Delir ist meist multifaktoriell bedingt, bei älteren postoperativen Patienten häufig durch Infektionen (z. B. Harnwegsinfekt, Pneumonie), Elektrolytstörungen, Exsikkose, Schmerzen, Medikamentennebenwirkungen oder Hypoxie ausgelöst. Der erste Schritt ist daher immer die systematische somatische Abklärung mit körperlicher Untersuchung, Basislabor und Urinstatus, um die behandelbare Ursache zu identifizieren. Erst nach dieser Abklärung richtet sich die weitere Diagnostik (z. B. Bildgebung) nach dem klinischen Verdacht. Eine kausale Behandlung der Grunderkrankung steht im Vordergrund, eine symptomatische Sedierung ist nur als Ergänzung bei Eigen- oder Fremdgefährdung sinnvoll.
- B. Eine Lumbalpunktion ist nur bei konkretem Meningitisverdacht (z. B. Fieber, Meningismus) indiziert und keine generelle Erstmaßnahme.
- C. Eine Sedierung ohne Ursachenklärung verschleiert die Symptomatik und verzögert die notwendige kausale Diagnostik und Therapie.
- D. Eine CCT ist nur bei entsprechendem klinischen Verdacht (z. B. fokal-neurologisches Defizit, Sturz mit Kopfverletzung) indiziert, nicht routinemäßig als Erstmaßnahme.
- E. Eine Verlegung ohne vorherige somatische Abklärung verzögert die Diagnostik und Behandlung der meist internistischen Ursache.
Eine 72-jährige Patientin wird von ihrem Ehemann vorgestellt, da sie seit etwa zwei Jahren schleichend zunehmend vergesslich geworden sei. Sie verlege häufig Gegenstände, wiederhole Fragen und finde sich in der eigenen Wohnung zeitweise nicht mehr zurecht. Das Bewusstsein ist klar, es bestehen keine fokal-neurologischen Defizite. Welche Aussage zum Verlauf der wahrscheinlichsten Diagnose trifft am ehesten zu?
- AVollständige Rückbildung der Symptome nach Behandlung der Grunderkrankung
- BStufenweise Verschlechterung mit abrupten Einbrüchen nach jedem ischämischen Ereignis
- CSchleichender Beginn mit langsam progredientem Verlauf über Jahre ohne plötzliche Verschlechterungen
- DAkuter Beginn innerhalb weniger Tage mit fluktuierendem Tagesverlauf
- EEpisodischer Verlauf mit vollständig symptomfreien Intervallen zwischen den Episoden
Lösung anzeigen
Die Alzheimer-Demenz ist typischerweise durch einen schleichenden Beginn und einen langsam progredienten, kontinuierlichen Verlauf über Jahre gekennzeichnet, ohne abrupte Verschlechterungen. Führendes Frühsymptom ist die Störung des episodischen Gedächtnisses, später kommen Orientierungsstörungen, Wortfindungsstörungen und Beeinträchtigungen der Alltagskompetenz hinzu. Im Gegensatz zur vaskulären Demenz fehlen stufenweise Verschlechterungen nach zerebrovaskulären Ereignissen. Die Diagnose wird klinisch anhand des charakteristischen Verlaufs und nach Ausschluss anderer Ursachen (z. B. durch Bildgebung, Labor) gestellt.
- A. Die Alzheimer-Demenz ist eine progrediente neurodegenerative Erkrankung ohne Möglichkeit einer vollständigen Rückbildung.
- B. Ein stufenweiser Verlauf mit abrupten Verschlechterungen nach ischämischen Ereignissen ist charakteristisch für die vaskuläre Demenz, nicht für die Alzheimer-Demenz.
- D. Ein akuter Beginn mit fluktuierendem Verlauf spricht für ein Delir, nicht für eine Demenz.
- E. Ein episodischer Verlauf mit symptomfreien Intervallen ist für die Alzheimer-Demenz untypisch und eher bei anderen Erkrankungen zu finden.
Ein 68-jähriger Patient mit bekannter arterieller Hypertonie und zwei anamnestischen Schlaganfällen zeigt seit einem Jahr eine kognitive Verschlechterung, die laut Ehefrau jeweils abrupt nach den beiden Schlaganfällen eingetreten sei und seither in Schüben stufenweise fortschreite. Zwischen den Episoden blieb der Zustand jeweils über Monate stabil. In der Untersuchung finden sich eine leichte Hemiparese rechts und eine pseudobulbäre Sprechstörung. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?
- ANormaldruckhydrozephalus
- BVaskuläre Demenz
- CDemenz vom Alzheimer-Typ
- DFrontotemporale Demenz
- ELewy-Body-Demenz
Lösung anzeigen
Die vaskuläre Demenz ist typischerweise durch einen stufenweisen, fluktuierenden Verlauf mit abrupten Verschlechterungen im zeitlichen Zusammenhang mit zerebrovaskulären Ereignissen gekennzeichnet, gefolgt von Phasen relativer Stabilität. Begleitende fokal-neurologische Zeichen wie Hemiparese oder pseudobulbäre Sprechstörung sowie vaskuläre Risikofaktoren (Hypertonie, Schlaganfälle in der Anamnese) untermauern die Diagnose. Im Gegensatz dazu verläuft die Alzheimer-Demenz schleichend-progredient ohne abrupte Einbrüche und ohne fokal-neurologische Defizite. Die Bildgebung zeigt bei vaskulärer Demenz meist multiple Infarkte oder ausgedehnte Marklagerveränderungen.
- A. Der Normaldruckhydrozephalus zeigt die Trias Gangstörung, Demenz und Harninkontinenz, nicht einen schlaganfallassoziierten stufenweisen Verlauf.
- C. Die Alzheimer-Demenz zeigt einen schleichenden, kontinuierlichen Verlauf ohne fokal-neurologische Defizite, was hier nicht zutrifft.
- D. Die frontotemporale Demenz zeigt sich primär durch Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen, nicht durch einen schlaganfallassoziierten stufenweisen Verlauf.
- E. Die Lewy-Body-Demenz ist durch fluktuierende Kognition, Parkinsonismus und visuelle Halluzinationen charakterisiert, nicht durch einen schlaganfallbedingten stufenweisen Verlauf.
Bei einer 75-jährigen Patientin mit Verdacht auf eine beginnende Demenz wird der Mini-Mental-Status-Test (MMST) durchgeführt. Sie erreicht 22 von 30 Punkten. Welche Aussage zur Durchführung und Interpretation dieses Tests trifft am ehesten zu?
- AWerte unter 24 Punkten beweisen zweifelsfrei eine Demenz vom Alzheimer-Typ
- BEin Wert von 22 Punkten spricht für eine leichte kognitive Beeinträchtigung und sollte durch weiterführende neuropsychologische Testung ergänzt werden
- CDer MMST eignet sich primär zur Beurteilung von Bildungsniveau und sozialem Status des Patienten
- DDer MMST ist als alleiniger Test ausreichend, um eine Demenz sicher auszuschließen oder zu bestätigen
- EEin normaler MMST-Wert schließt eine beginnende frontotemporale Demenz sicher aus
Lösung anzeigen
Der MMST ist ein orientierendes Screeninginstrument mit einem maximalen Wert von 30 Punkten, wobei Werte von 24 bis 30 als unauffällig, 18 bis 23 als Hinweis auf eine leichte bis mittelschwere kognitive Beeinträchtigung und unter 18 Punkten als Hinweis auf eine schwere kognitive Beeinträchtigung gelten. Ein Wert von 22 Punkten liegt im Bereich der leichten kognitiven Beeinträchtigung und erfordert eine weiterführende Diagnostik, da der MMST allein keine Diagnose stellt, sondern nur orientierend ist. Er ist zudem abhängig von Bildungsniveau und kultureller Prägung und kann frontotemporale Demenzen mit vorwiegend Verhaltensauffälligkeiten in Frühstadien übersehen, da er vor allem Gedächtnis-, Orientierungs- und Sprachfunktionen prüft.
- A. Niedrige MMST-Werte sind unspezifisch und können auch bei anderen Demenzformen, Delir oder Depression auftreten, sie beweisen keine Alzheimer-Demenz.
- C. Der MMST dient der Erfassung kognitiver Funktionen, nicht der Beurteilung von Bildungsniveau oder sozialem Status, wobei das Bildungsniveau das Ergebnis beeinflussen kann.
- D. Der MMST ist nur ein Screeninginstrument und kann eine Demenzdiagnose weder sicher ausschließen noch beweisen, es braucht ergänzende Diagnostik.
- E. Der MMST erfasst vorwiegend Gedächtnis- und Orientierungsfunktionen und kann frühe frontotemporale Demenzen mit führenden Verhaltensänderungen übersehen.
Ein 74-jähriger Patient mit neu diagnostizierter leichter bis mittelschwerer Demenz vom Alzheimer-Typ soll medikamentös behandelt werden. Welcher Wirkmechanismus beschreibt am ehesten die Substanzklasse, die hier als Therapie der ersten Wahl eingesetzt wird?
- AAgonismus an Serotonin-5-HT1A-Rezeptoren im Hippocampus
- BAntagonismus am NMDA-Rezeptor mit Reduktion der glutamatergen Exzitotoxizität
- CBlockade präsynaptischer Dopamin-Wiederaufnahmetransporter
- DHemmung des Abbaus von Acetylcholin im synaptischen Spalt durch Blockade der Acetylcholinesterase
- EHemmung der Monoaminoxidase-B mit konsekutiver Erhöhung der Dopaminkonzentration
Lösung anzeigen
Cholinesterasehemmer wie Donepezil, Rivastigmin und Galantamin hemmen den enzymatischen Abbau von Acetylcholin im synaptischen Spalt, wodurch die cholinerge Neurotransmission verbessert wird. Dies gleicht den bei der Alzheimer-Demenz vorliegenden relativen cholinergen Mangel aus, der durch Degeneration cholinerger Neurone im Nucleus basalis Meynert entsteht. Sie sind gemäß S3-Leitlinie Therapie der ersten Wahl im leichten bis mittelschweren Stadium und können kognitive Funktionen und Alltagskompetenz vorübergehend verbessern oder den Abbau verzögern. Häufige Nebenwirkungen sind gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit und Diarrhö durch die cholinerge Stimulation.
- A. Dieser Mechanismus ist typisch für bestimmte Anxiolytika oder Antidepressiva, nicht für die Standardtherapie der Alzheimer-Demenz.
- B. Dies beschreibt den Wirkmechanismus von Memantin, das erst im mittelschweren bis schweren Stadium eingesetzt wird.
- C. Dieser Mechanismus betrifft eher Stimulanzien oder manche Antidepressiva und spielt in der Alzheimer-Therapie keine Rolle.
- E. Dieser Mechanismus beschreibt MAO-B-Hemmer wie Selegilin, die in der Parkinson-Therapie, nicht in der Alzheimer-Therapie eingesetzt werden.
Eine 74-jährige Patientin wird von ihrem Ehemann in die Gedächtnissprechstunde gebracht. Er berichtet, die kognitive Leistungsfähigkeit seiner Frau schwanke von Tag zu Tag erheblich, mal sei sie klar orientiert, mal völlig verwirrt. Zudem berichtet die Patientin, sie sehe seit mehreren Monaten wiederholt kleine Kinder im Wohnzimmer stehen, die real wirkten. Bei der körperlichen Untersuchung fällt ein verlangsamtes Gangbild mit kleinschrittigem Gang und ein Rigor beider Arme auf. Zusätzlich berichtet der Ehemann, dass die Patientin nachts häufig heftig um sich schlage und laut rede, während sie offenbar träume. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?
- ADemenz bei Parkinson-Krankheit
- BVaskuläre Demenz
- CDelir bei Harnwegsinfekt
- DDemenz vom Alzheimer-Typ
- EDemenz vom Lewy-Body-Typ
Lösung anzeigen
Die Kombination aus fluktuierender Kognition, komplexen visuellen Halluzinationen, Parkinsonoid und REM-Schlaf-Verhaltensstörung ist klassisch für die Lewy-Body-Demenz. Pathophysiologisch liegen kortikale und subkortikale Lewy-Körperchen (alpha-Synuclein-Aggregate) zugrunde. Wichtig ist die differenzialdiagnostische Abgrenzung zur Parkinson-Demenz: Treten die kognitiven Symptome vor oder innerhalb eines Jahres nach Beginn der motorischen Symptome auf, spricht man per Konvention für eine Lewy-Body-Demenz. Neuroleptika sollten wegen ausgeprägter Überempfindlichkeit vermieden werden.
- A. Bei der Parkinson-Demenz gehen die motorischen Symptome den kognitiven Symptomen um mehr als ein Jahr voraus, hier fehlt diese Angabe und das Vollbild passt besser zur Lewy-Body-Demenz.
- B. Bei der vaskulären Demenz wäre ein stufenweiser Verlauf mit fokal-neurologischen Defiziten und vaskulären Risikofaktoren typisch, keine fluktuierende Kognition mit Halluzinationen.
- C. Ein Delir wäre akut und durch einen auslösenden Faktor wie eine Infektion bedingt; hier besteht ein monatelanger, nicht akut aufgetretener Verlauf.
- D. Die Alzheimer-Demenz verläuft schleichend progredient ohne ausgeprägte Fluktuationen und ohne frühe Halluzinationen oder Parkinsonoid.
Ein 76-jähriger Mann stellt sich mit seiner Tochter vor. Sie berichtet, dass sich der Gang ihres Vaters seit etwa sechs Monaten verändert habe: Er gehe mit breitbasigem, kleinschrittigem Gang, als ob die Füße am Boden kleben würden. Zusätzlich sei er zunehmend vergesslich und wirke insgesamt verlangsamt in seinem Denken. Seit einigen Wochen verliere er zudem gelegentlich unwillkürlich Urin. In der zerebralen Bildgebung zeigt sich eine deutliche Erweiterung der Seitenventrikel ohne wesentliche kortikale Atrophie. Welche Diagnose erklärt die Befundkonstellation am besten?
- AAlzheimer-Demenz im fortgeschrittenen Stadium
- BCreutzfeldt-Jakob-Krankheit
- CMultiinfarktdemenz
- DNormaldruckhydrozephalus
- ESubduralhämatom
Lösung anzeigen
Die Trias aus Gangstörung, kognitiver Verschlechterung und Urininkontinenz bei ventrikulärer Erweiterung ohne entsprechende kortikale Atrophie ist typisch für den Normaldruckhydrozephalus (Hakim-Trias). Pathophysiologisch liegt eine gestörte Liquorresorption mit konsekutiver Ventrikelerweiterung bei meist normalem intraventrikulärem Druck zugrunde. Die Diagnose wird durch den Liquor-Ablasstest (Tap-Test) mit klinischer Besserung nach Entnahme von 30-50 ml Liquor erhärtet. Entscheidend ist die klinische Relevanz: Im Gegensatz zu den meisten Demenzformen ist der Normaldruckhydrozephalus durch Anlage eines ventrikuloperitonealen Shunts potenziell reversibel.
- A. Bei der Alzheimer-Demenz steht die kortikale Atrophie, insbesondere hippocampal, im Vordergrund, nicht eine isolierte Ventrikelerweiterung ohne Atrophie.
- B. Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit verläuft rasch progredient über Wochen bis Monate mit Myoklonien und typischen EEG-Veränderungen, nicht über einen schleichenden Verlauf mit dieser Trias.
- C. Bei einer Multiinfarktdemenz wären multiple ischämische Läsionen und ein stufenweiser Verlauf mit fokalen Defiziten zu erwarten, keine isolierte Ventrikelerweiterung.
- E. Ein Subduralhämatom würde sich in der Bildgebung als sichelförmige Blutansammlung zeigen, nicht als symmetrische Ventrikelerweiterung.
Persönlichkeitsstörungen
4 FragenEine 24-jährige Studentin stellt sich in der psychiatrischen Ambulanz vor. Sie berichtet, seit dem Jugendalter unter einem instabilen Bild von sich selbst und wechselnden, intensiven zwischenmenschlichen Beziehungen zu leiden, die häufig zwischen Idealisierung und völliger Abwertung des Partners schwanken. Bei Trennungssituationen reagiere sie mit starker innerer Anspannung, die sie durch Schneiden am Unterarm mit einer Rasierklinge lindere. Sie berichtet außerdem über ein chronisches Gefühl der inneren Leere und impulsive Essanfälle. Welche Therapieform ist bei dieser Störung die Behandlung der ersten Wahl?
- ADauerhafte Behandlung mit einem Stimmungsstabilisierer
- BPsychoanalytische Langzeittherapie
- CSystemische Familientherapie
- DKognitive Verhaltenstherapie mit Expositionsschwerpunkt
- EDialektisch-behaviorale Therapie
Lösung anzeigen
Das klinische Bild mit instabiler Identität, instabilen Beziehungen, Selbstverletzung zur Spannungsreduktion und chronischem Gefühl der Leere erfüllt die Kriterien einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) nach Linehan ist die störungsspezifische Psychotherapie mit der besten Evidenzlage und wird in der S3-Leitlinie als Therapie der ersten Wahl empfohlen. Sie kombiniert Elemente der Verhaltenstherapie mit Achtsamkeitsübungen und vermittelt gezielt Fertigkeiten zur Emotionsregulation und Reduktion von Selbstverletzungen. Eine medikamentöse Behandlung ist allenfalls adjuvant zur Symptomkontrolle einzelner Zielsymptome indiziert, nicht als Basistherapie.
- A. Eine dauerhafte medikamentöse Monotherapie gilt nicht als Therapie der ersten Wahl, da Psychopharmaka die Kernsymptomatik der Persönlichkeitsstörung nicht ausreichend verändern.
- B. Die psychoanalytische Langzeittherapie hat eine geringere Evidenzbasis für diese Störung als die störungsspezifischen Verfahren wie DBT.
- C. Eine systemische Familientherapie ist nicht die etablierte Standardtherapie bei erwachsenen Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung.
- D. Eine reine Expositionstherapie ist für spezifische Angststörungen konzipiert und adressiert nicht die zentralen Borderline-Symptome wie Selbstverletzung und Identitätsstörung.
Ein 29-jähriger Mann wird nach einer Körperverletzung forensisch-psychiatrisch begutachtet. Aus der Anamnese geht hervor, dass er bereits als Jugendlicher mehrfach wegen Diebstahls und Tierquälerei auffällig wurde. Im Gespräch zeigt er keine Reue über die begangene Tat, sondern rechtfertigt sein Verhalten mit der angeblichen Provokation durch das Opfer. Er berichtet, in seinem Leben bereits mehrere Arbeitsverhältnisse abrupt und ohne Vorwarnung beendet zu haben, und habe wiederholt finanzielle Verpflichtungen gegenüber Freunden nicht eingehalten. Eine Reflexion über die Konsequenzen seines Handelns für andere Menschen ist im Gespräch nicht erkennbar. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?
- AParanoide Persönlichkeitsstörung
- BBorderline-Persönlichkeitsstörung
- CDissoziale Persönlichkeitsstörung
- DNarzisstische Persönlichkeitsstörung
- EHistrionische Persönlichkeitsstörung
Lösung anzeigen
Die Kombination aus früh beginnenden Verhaltensauffälligkeiten, mangelnder Empathie, Verantwortungslosigkeit gegenüber sozialen Normen und Verpflichtungen sowie fehlender Reue nach Fehlverhalten entspricht den ICD-10-Kriterien der dissozialen Persönlichkeitsstörung. Charakteristisch ist eine deutliche Diskrepanz zwischen dem Verhalten und den geltenden sozialen Normen bei herabgesetzter Frustrationstoleranz und niedriger Schwelle für aggressives Verhalten. Die Störung muss von antisozialem Verhalten im Rahmen anderer Ursachen abgegrenzt werden und erfordert ein Muster, das bereits in Kindheit oder Adoleszenz beginnt. Eine kausale medikamentöse Therapie existiert nicht, im Vordergrund stehen psychotherapeutische und gegebenenfalls forensische Maßnahmen.
- A. Bei der paranoiden Persönlichkeitsstörung dominiert ein tiefes Misstrauen gegenüber anderen Menschen, nicht ein Muster von Normverstößen ohne Reue.
- B. Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung stehen Instabilität von Affekt, Beziehungen und Identität sowie Selbstverletzung im Vordergrund, nicht primär fehlende Reue und dissoziales Verhalten.
- D. Bei der narzissitischen Persönlichkeitsstörung dominieren Größengefühle und Bedürfnis nach Bewunderung, nicht primär dissoziales und delinquentes Verhalten.
- E. Bei der histrionischen Persönlichkeitsstörung stehen übertriebene Emotionalität und ein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit im Vordergrund, nicht Normverstöße und fehlende Reue.
Eine 33-jährige Frau wird von ihrem Hausarzt zur psychiatrischen Mitbeurteilung überwiesen. Im Gespräch fällt eine ausgeprägt theatralische Ausdrucksweise auf, sie wechselt rasch zwischen überschwänglicher Freude und Tränen. Sie berichtet, sich im Gespräch mit anderen Menschen stets unwohl zu fühlen, wenn diese nicht im Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit stehe, und kleidet sich auffällig freizügig, um Aufmerksamkeit zu erregen. Ihre Beziehungen zu anderen Menschen beschreibt sie als oberflächlich, wirkt aber im Umgang mit dem Untersucher ausgesprochen suggestibel und von dessen Meinung leicht beeinflussbar. Welche Persönlichkeitsstörung liegt am wahrscheinlichsten vor?
- AAbhängige Persönlichkeitsstörung
- BSchizotype Persönlichkeitsstörung
- CHistrionische Persönlichkeitsstörung
- DEmotional instabile Persönlichkeitsstörung
- ENarzisstische Persönlichkeitsstörung
Lösung anzeigen
Die Kombination aus übertriebener, theatralischer Emotionsausdruck, ausgeprägtem Bedürfnis, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, verführerischem Auftreten und erhöhter Suggestibilität entspricht klassisch der histrionischen Persönlichkeitsstörung. Im Gegensatz dazu steht bei der narzisstischen Persönlichkeitsstörung ein Gefühl der eigenen Großartigkeit und ein Bedürfnis nach Bewunderung im Vordergrund, nicht primär dramatisches, verführerisches Auftreten. Beide Störungen teilen ein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, unterscheiden sich aber in der Qualität: Histrionische Patienten suchen Aufmerksamkeit durch emotionale Dramatik und Suggestibilität, narzisstische Patienten durch das Betonen der eigenen Überlegenheit und Abwertung anderer. Die Abgrenzung ist für die IMPP-Prüfung klassisch relevant.
- A. Bei der abhängigen Persönlichkeitsstörung steht übermäßige Abhängigkeit von anderen bei Entscheidungen im Vordergrund, nicht ein theatralisches Auftreten.
- B. Bei der schizotypen Persönlichkeitsstörung dominieren eigentümliches Denken und sozialer Rückzug, nicht ein dramatisches, extravertiertes Verhalten.
- D. Bei der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung dominieren Impulsivität und Instabilität von Affekt und Beziehungen, nicht primär das Bedürfnis, im Mittelpunkt zu stehen.
- E. Bei der narzisstischen Persönlichkeitsstörung stehen Großartigkeitsgefühle und Anspruchsdenken im Vordergrund, nicht theatralischer Emotionsausdruck und Suggestibilität.
Ein 45-jähriger Steuerberater stellt sich vor, weil ihn Kollegen zunehmend als „schwierig im Umgang“ empfinden. Er berichtet, dass er bei der Arbeit übermäßig gewissenhaft und perfektionistisch sei, sodass Projekte wegen seines Strebens nach Perfektion häufig nicht fristgerecht fertiggestellt würden. Er halte starr an Listen und Regeln fest und könne Aufgaben nur schwer an andere delegieren, da er fürchte, diese würden nicht nach seinen Vorstellungen erledigt. Er selbst empfindet dieses Verhalten als völlig angemessen und vernünftig und leidet nicht darunter. Ein Zwangsgedanken-Zwangshandlungs-Muster im Sinne von aufdringlichen, als quälend erlebten Gedanken verneint er explizit. Welche Diagnose beschreibt den Befund am besten?
- AAutismus-Spektrum-Störung
- BAnankastische Persönlichkeitsstörung
- CZwangsstörung
- DDepressive Episode mit Zwangssymptomatik
- EGeneralisierte Angststörung
Lösung anzeigen
Charakteristisch für die anankastische (zwanghafte) Persönlichkeitsstörung ist ein überdauerndes, ich-syntones Muster aus übertriebenem Perfektionismus, Rigidität und Kontrollbedürfnis, unter dem der Betroffene selbst nicht leidet und das er als vernünftig erlebt (Ich-Syntonie). Die Zwangsstörung hingegen ist durch ich-dystone, als quälend und sinnlos erlebte Zwangsgedanken und/oder Zwangshandlungen gekennzeichnet, gegen die der Patient anzukämpfen versucht. Dieser Patient zeigt keine aufdringlichen, quälenden Gedanken, sondern ein stabiles, ihm angemessen erscheinendes Persönlichkeitsmuster, das seit dem frühen Erwachsenenalter besteht. Die Unterscheidung zwischen Ich-Syntonie (Persönlichkeitsstörung) und Ich-Dystonie (Zwangsstörung) ist das entscheidende Abgrenzungskriterium.
- A. Bei der Autismus-Spektrum-Störung stünden qualitative Einschränkungen der sozialen Interaktion und Kommunikation seit der Kindheit im Vordergrund, nicht primär Perfektionismus im Erwachsenenalter.
- C. Bei der Zwangsstörung bestehen ich-dystone, als quälend erlebte Zwangsgedanken oder -handlungen, die hier explizit verneint werden.
- D. Es gibt keine Hinweise auf eine depressive Episode mit gedrückter Stimmung, Freud- oder Interessenverlust.
- E. Bei der generalisierten Angststörung steht eine anhaltende, frei flottierende Angst und Besorgnis im Vordergrund, nicht primär Perfektionismus und Rigidität als Persönlichkeitsmerkmal.
Kinder- und Jugendpsychiatrie
3 FragenEin 8-jähriger Junge wird von seinen Eltern in der kinder- und jugendpsychiatrischen Sprechstunde vorgestellt, da die Lehrerin über anhaltende Unaufmerksamkeit im Unterricht klagt. Die Symptome bestehen bereits seit dem Kindergartenalter und zeigen sich sowohl in der Schule als auch zu Hause: Er kann sich nur kurz auf Aufgaben konzentrieren, verliert häufig Gegenstände, unterbricht andere im Gespräch und kann nicht ruhig sitzen bleiben, selbst beim gemeinsamen Essen am Tisch. Eine ausführliche testpsychologische und körperliche Abklärung ergibt keine andere Erklärung für die Symptomatik. Nach Versagen psychoedukativer und verhaltenstherapeutischer Maßnahmen entscheidet sich die Familie für eine medikamentöse Therapie. Welches Medikament ist Mittel der ersten Wahl?
- ARisperidon
- BAtomoxetin
- CMethylphenidat
- DClonidin
- ESertralin
Lösung anzeigen
Die Symptomtrias aus Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität, die seit der frühen Kindheit in mehreren Lebensbereichen (Schule und häusliches Umfeld) besteht, erfüllt die Kriterien einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Nach der S3-Leitlinie ist Methylphenidat, ein Stimulans mit Hemmung der Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme, das Medikament der ersten Wahl bei Kindern ab dem Schulalter, wenn verhaltenstherapeutische Maßnahmen allein nicht ausreichen. Es verbessert zuverlässig Aufmerksamkeit und Impulskontrolle und hat die größte Evidenzbasis unter allen ADHS-Medikamenten. Vor Therapiebeginn sind kardiale Anamnese, Größe, Gewicht und Blutdruck zu erheben, da Methylphenidat appetithemmend und sympathomimetisch wirkt.
- A. Risperidon ist ein Antipsychotikum und nicht Mittel der ersten Wahl bei ADHS, sondern allenfalls bei begleitender schwerer Aggressivität indiziert.
- B. Atomoxetin ist ein Medikament der zweiten Wahl, etwa bei Kontraindikationen gegen Stimulanzien oder Komorbidität mit Substanzmissbrauch.
- D. Clonidin wird allenfalls als Reservemittel bei begleitenden Schlafstörungen oder Tic-Störungen eingesetzt, nicht als Erstlinientherapie der ADHS.
- E. Sertralin ist ein Antidepressivum und bei der Kernsymptomatik der ADHS nicht wirksam.
Ein 3-jähriger Junge wird von seinen Eltern vorgestellt, da er im Vergleich zu Gleichaltrigen auffällig wenig Blickkontakt aufnimmt und kaum auf seinen Namen reagiert. Er spielt fast ausschließlich allein, zeigt stereotype Handbewegungen beim Spielen mit Spielzeugautos, die er stundenlang nur in einer Reihe aufstellt, statt mit ihnen zu fahren, und reagiert mit heftigem Schreien, wenn die gewohnte Tagesabfolge verändert wird. Die sprachliche Entwicklung ist deutlich verzögert, bislang spricht er nur einzelne Wörter. Die Eltern berichten, dass diese Verhaltensauffälligkeiten bereits im zweiten Lebensjahr bemerkt wurden. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?
- AAutismus-Spektrum-Störung
- BExpansive Verhaltensstörung mit oppositionellem Trotzverhalten
- CSoziale Angststörung des Kindesalters
- DReaktive Bindungsstörung
- ESpezifische Sprachentwicklungsstörung
Lösung anzeigen
Die Kombination aus qualitativ beeinträchtigter sozialer Interaktion (fehlender Blickkontakt, kein Reagieren auf den eigenen Namen), eingeschränkten, repetitiven Verhaltensmustern (Aufreihen von Spielzeugautos, Beharren auf Routinen) und verzögerter Sprachentwicklung mit Symptombeginn bereits im zweiten Lebensjahr entspricht den diagnostischen Kriterien einer Autismus-Spektrum-Störung. Charakteristisch ist, dass sich erste Auffälligkeiten meist bereits vor dem dritten Lebensjahr zeigen, oft schon im Säuglings- oder frühen Kleinkindalter. Die eingeschränkten Interessen und das starre Festhalten an Ritualen mit Unruhe bei Veränderungen sind ebenso typisch wie die stereotypen motorischen Verhaltensweisen. Die Diagnosesicherung erfolgt durch standardisierte Verfahren wie ADOS oder ADI-R im Rahmen einer interdisziplinären Entwicklungsdiagnostik.
- B. Bei oppositionellem Trotzverhalten stünden Wutausbrüche und Widerstand gegen Autoritäten im Vordergrund, nicht primär ein Defizit der sozialen Kommunikation und stereotype Interessen.
- C. Bei der sozialen Angststörung bestünde eine ausgeprägte Furcht vor Bewertung durch andere bei ansonsten unauffälliger sozialer und sprachlicher Entwicklung, nicht ein derart umfassendes Muster von Interaktions- und Kommunikationsdefiziten.
- D. Die reaktive Bindungsstörung setzt eine Vorgeschichte von Vernachlässigung oder häufigem Bezugspersonenwechsel voraus, die hier nicht beschrieben ist.
- E. Bei einer reinen Sprachentwicklungsstörung wären die sozialen Interaktionsfähigkeiten und das Spielverhalten weitgehend altersgerecht, hier liegen jedoch zusätzlich stereotype Verhaltensmuster und soziale Defizite vor.
Ein 13-jähriger Junge wird von seiner Mutter in der kinder- und jugendpsychiatrischen Sprechstunde vorgestellt. Seit etwa einem Jahr zeigt er wiederholt aggressives Verhalten: Er hat zweimal ein Feuer auf dem Nachbargrundstück gelegt, quält regelmäßig die Katze der Familie und ist letzte Woche nachts in das Gartenhaus eines Nachbarn eingebrochen. In der Schule schwänzt er häufig den Unterricht, zeigt dabei aber keine Aufmerksamkeitsdefizite und kann sich bei Dingen, die ihn interessieren, gut konzentrieren. Er zeigt kaum Reue für sein Verhalten und lügt wiederholt, um sich Vorteile zu verschaffen.
- AEmotionale Störung des Kindesalters
- BReaktive Bindungsstörung
- COppositionelle Trotzstörung
- DStörung des Sozialverhaltens
- EAufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
Lösung anzeigen
Die Störung des Sozialverhaltens (ICD-10 F91) ist durch ein wiederholtes Muster dissozialen, aggressiven oder aufsässigen Verhaltens gekennzeichnet, das grundlegende Rechte anderer oder altersentsprechende soziale Normen verletzt, etwa Brandstiftung, Tierquälerei, Einbruch und Schuleschwänzen. Im Gegensatz zur ADHS fehlen hier die Kernsymptome Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität in situationsübergreifender Form; der Junge kann sich bei Interesse durchaus konzentrieren. Die fehlende Reue und die instrumentelle Lügenhaftigkeit sprechen für eine Störung des Sozialverhaltens und nicht für eine oppositionelle Trotzstörung, die auf Widerstand gegen Autorität ohne schwere Rechtsverletzungen beschränkt ist.
- A. Emotionale Störungen äußern sich durch Angst, Trauer oder Zwänge, nicht durch dissoziales, Rechte verletzendes Verhalten.
- B. Diese entsteht durch schwere frühkindliche Vernachlässigung und zeigt sich in gestörtem Bindungsverhalten, nicht in Brandstiftung oder Einbruch.
- C. Hierbei fehlen schwere Normverletzungen wie Brandstiftung, Tierquälerei oder Einbruch, die für eine Störung des Sozialverhaltens sprechen.
- E. Es fehlen die situationsübergreifenden Kernsymptome Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität; der Junge kann sich bei Interesse konzentrieren.
Rechtliche Grundlagen und Notfallpsychiatrie
5 FragenEin 45-jähriger Patient mit bekannter paranoider Schizophrenie wird von der Polizei in die Notaufnahme gebracht. Er hatte auf offener Straße lautstark geschrien, er müsse sich „opfern, um die Welt zu retten“, und wollte von einer Brücke springen. Er ist akut psychotisch, hört Stimmen, die ihm den Sprung befehlen, und lehnt jede Behandlung sowie eine stationäre Aufnahme strikt ab. Ein gesetzlicher Betreuer besteht nicht. Es handelt sich um einen akuten Notfall ohne Zeit, ein Betreuungsgericht einzuschalten.
- AEntlassung mit Empfehlung einer ambulanten Vorstellung beim Facharzt
- BEinstweilige Anordnung einer Zwangsbehandlung durch den Hausarzt
- CFreiwillige Aufnahme nach ausführlicher Aufklärung
- DUnterbringung nach dem Landes-Psychisch-Kranken-Gesetz (PsychKG)
- EBeantragung einer Betreuung mit Aufenthaltsbestimmungsrecht beim Betreuungsgericht
Lösung anzeigen
Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung infolge einer psychischen Erkrankung und fehlender Einsicht bzw. Behandlungsbereitschaft erlaubt das jeweilige Landes-PsychKG eine sofortige, zunächst richterlich nachträglich zu bestätigende Unterbringung, da die Gefahr unmittelbar und keine Zeit für ein Betreuungsverfahren vorhanden ist. Das Betreuungsrecht (§ 1831 BGB) setzt dagegen eine bereits bestellte Betreuung mit entsprechendem Aufgabenkreis voraus und dient eher der mittel- bis langfristigen Fürsorge, nicht der akuten Notfallintervention. Da kein Betreuer existiert und akute Suizidalität vorliegt, ist die PsychKG-Unterbringung die rechtlich korrekte Sofortmaßnahme.
- A. Bei akuter Suizidalität mit konkreter Handlungsabsicht ist eine Entlassung kontraindiziert und gefährdet den Patienten.
- B. Der Hausarzt hat keine rechtliche Befugnis, eine Zwangsbehandlung eigenständig anzuordnen.
- C. Der Patient lehnt die Behandlung ab, eine freiwillige Aufnahme ist bei fehlender Einsicht nicht durchführbar.
- E. Dieses Verfahren dauert zu lange für die akute Gefahrenlage und setzt zudem das Fehlen einer sofortigen Gefahr voraus.
Ein 54-jähriger Patient mit bekannter mittelgradiger depressiver Episode stellt sich in der Notaufnahme vor, nachdem ihn seine Ehefrau überredet hat, zu kommen. Er berichtet, seit drei Tagen einen konkreten Plan zu haben, sich mit Medikamenten zu vergiften, und habe bereits einen Abschiedsbrief geschrieben, den er zu Hause versteckt hat. Er habe sich vor zwei Jahren bereits einmal suizidal verhalten. Aktuell wirkt er psychomotorisch verlangsamt, der Blickkontakt ist gemieden, Affekt deutlich gedrückt. Er gibt an, sich „erleichtert“ zu fühlen, seit er den Plan gefasst habe.
- AEinbindung der Ehefrau zur häuslichen Überwachung mit telefonischer Erreichbarkeit des Hausarztes
- BAmbulante Einleitung einer Pharmakotherapie mit Sertralin und Verlaufskontrolle in einer Woche
- CEntlassung mit zeitnaher ambulanter Wiedervorstellung innerhalb von 48 Stunden
- DSofortige stationäre Aufnahme zur Krisenintervention, notfalls gegen den Willen des Patienten
- EVerordnung von Lorazepam bedarfsweise und Entlassung nach Hause mit Empfehlung einer Psychotherapie
Lösung anzeigen
Konkrete Suizidpläne, ein verfasster Abschiedsbrief, eine frühere suizidale Handlung und ein subjektives Gefühl der Erleichterung nach Fassen des Plans sind schwerwiegende Hochrisikofaktoren für eine unmittelbar drohende Selbsttötung. In dieser Konstellation ist eine ambulante Weiterbehandlung nicht vertretbar, da die Sicherheit des Patienten nicht gewährleistet werden kann. Nach der S3-Leitlinie Unipolare Depression ist bei akuter, hochgradiger Suizidalität die sofortige stationäre Aufnahme indiziert, erforderlichenfalls auch gegen den Willen des Patienten über eine Unterbringung nach PsychKG.
- A. Eine Überwachung durch Angehörige kann die akute Gefährdung bei konkretem Plan und Abschiedsbrief nicht sicher verhindern.
- B. Eine ambulante medikamentöse Einstellung schützt nicht vor der unmittelbaren Suizidgefahr und wirkt zudem verzögert.
- C. Bei akuter Hochrisikokonstellation ist eine Entlassung, auch mit kurzfristiger Wiedervorstellung, nicht ausreichend sicher.
- E. Eine Bedarfsmedikation ohne stationäre Sicherung ist angesichts des konkreten Plans und des Abschiedsbriefs nicht ausreichend.
Eine 29-jährige Patientin wird wegen einer therapieresistenten Depression seit zwei Wochen mit Venlafaxin behandelt. Wegen anhaltender Schlafstörungen erhält sie zusätzlich seit zwei Tagen Tramadol zur Behandlung chronischer Rückenschmerzen. Sie wird somnolent und verwirrt in die Notaufnahme gebracht. Bei der Untersuchung zeigen sich eine Körpertemperatur von 38,9 °C, ein Blutdruck von 160/95 mmHg, eine Herzfrequenz von 118/min, ausgeprägter Tremor, gesteigerte Muskeleigenreflexe beidseits sowie Kloni an beiden Füßen und Myoklonien.
- ASerotoninsyndrom
- BAnticholinerges Delir
- CMalignes neuroleptisches Syndrom
- DMaligne Hyperthermie
- EAkute Alkoholentzugssymptomatik
Lösung anzeigen
Die Kombination aus zwei serotonerg wirksamen Substanzen (Venlafaxin als SNRI und Tramadol mit zusätzlicher serotonerger Komponente) führt zu einer gefährlichen Serotoninüberaktivität. Charakteristisch für das Serotoninsyndrom sind neuromuskuläre Hyperaktivität mit gesteigerten Reflexen, Kloni und Myoklonien, vegetative Instabilität mit Hyperthermie, Tachykardie und Hypertonie sowie veränderter mentaler Status. Das maligne neuroleptische Syndrom entwickelt sich dagegen typischerweise über Tage nach Gabe von Antipsychotika und zeigt eher Rigor und Hyporeflexie statt Hyperreflexie und Kloni.
- B. Hierbei stehen Mydriasis, trockene Haut und Harnverhalt im Vordergrund, nicht Hyperreflexie und Kloni.
- C. Hierfür fehlt die Einnahme von Antipsychotika, und das klinische Bild mit Hyperreflexie und Kloni statt Rigor passt nicht.
- D. Diese tritt typischerweise im Rahmen einer Vollnarkose mit Triggersubstanzen auf, nicht bei serotonerger Medikation.
- E. Es fehlt eine Alkoholanamnese mit Abhängigkeit, und das Bild passt eher zu serotonerger Medikamentenkombination.
Ein 34-jähriger Patient mit bekannter paranoider Schizophrenie wird von seiner Mitbewohnerin in die Notaufnahme gebracht, da er seit zwei Tagen „wie erstarrt“ wirke. Bei der Untersuchung verharrt er für Minuten in unbequemen Körperhaltungen, die passiv eingenommene Gliederposition bleibt bestehen (Flexibilitas cerea), er spricht nicht spontan und wiederholt teilweise automatisch die letzten Worte des Untersuchers. Vitalparameter: Temperatur 37,2 °C, Blutdruck 125/80 mmHg, Herzfrequenz 88/min.
- AIntravenöse Gabe von Lorazepam
- BOrale Gabe von Haloperidol
- COrale Gabe von Clozapin
- DElektrokonvulsionstherapie als sofortige Erstmaßnahme
- EIntramuskuläre Gabe von Biperiden
Lösung anzeigen
Die Befunde Flexibilitas cerea, Mutismus und Echolalie sind klassische Zeichen eines katatonen Syndroms. Mittel der ersten Wahl ist nach S3-Leitlinie die Gabe eines Benzodiazepins, bevorzugt Lorazepam, meist intravenös oder sublingual in ausreichend hoher Dosierung, worauf Patienten mit Katatonie charakteristisch rasch ansprechen. Hochpotente Antipsychotika wie Haloperidol sind kontraindiziert, da sie das Risiko eines malignen neuroleptischen Syndroms erhöhen und die Katatonie verschlechtern können; die EKT ist eine wirksame Reserveoption bei Therapieresistenz, aber keine Erstmaßnahme.
- B. Hochpotente Antipsychotika sind bei Katatonie relativ kontraindiziert und können die Symptomatik verschlechtern oder ein MNS begünstigen.
- C. Clozapin ist bei therapieresistenter Schizophrenie indiziert, nicht als Akuttherapie des katatonen Syndroms.
- D. Die EKT ist bei Therapieresistenz gegenüber Benzodiazepinen eine wirksame Option, aber nicht die sofortige Erstmaßnahme.
- E. Biperiden wirkt gegen extrapyramidale Symptome, ist aber beim katatonen Syndrom nicht die Therapie der ersten Wahl.
Eine 46-jährige Lehrerin stellt sich wegen seit vier Monaten bestehenden Einschlaf- und Durchschlafstörungen vor. Sie benötigt im Schnitt 60 Minuten zum Einschlafen, wacht mehrfach nachts auf und fühlt sich tagsüber erschöpft und reizbar. Eine organische Ursache sowie eine depressive oder Angststörung wurden ausgeschlossen. Sie berichtet, abends häufig noch am Laptop zu arbeiten und tagsüber unregelmäßig Kaffee zu trinken, auch am späten Nachmittag. Bisher hat sie keine Behandlung erhalten.
- AOrale Gabe von Diphenhydramin zur Nacht
- BOrale Gabe von Mirtazapin in niedriger Dosierung zur Nacht
- COrale Gabe von Zolpidem zur Nacht
- DKognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I)
- EOrale Gabe von Melatonin retardiert
Lösung anzeigen
Bei chronischer Insomnie ohne zugrundeliegende organische oder psychiatrische Ursache empfiehlt die S3-Leitlinie Insomnie die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie als Therapie der ersten Wahl, da sie Schlafhygiene, Stimuluskontrolle und Schlafrestriktion kombiniert und nachhaltiger wirkt als eine medikamentöse Behandlung. Pharmakotherapeutika wie Z-Substanzen sollten wegen Abhängigkeitspotenzials nur kurzfristig und erst nach Ausschöpfung nichtmedikamentöser Maßnahmen eingesetzt werden. Die Patientin zeigt zudem leicht korrigierbare Schlafhygienefehler wie abendliche Bildschirmnutzung und späten Koffeinkonsum, die primär durch verhaltenstherapeutische Maßnahmen adressiert werden sollten.
- A. Diphenhydramin wird wegen anticholinerger Nebenwirkungen und fehlender Zulassungsvorteile nicht als Therapie der ersten Wahl empfohlen.
- B. Mirtazapin ist primär ein Antidepressivum und nicht die leitliniengerechte Erstlinientherapie einer isolierten Insomnie ohne Depression.
- C. Z-Substanzen sind wegen Abhängigkeitsrisikos nur als kurzfristige Option nach Ausschöpfen nichtmedikamentöser Maßnahmen vorgesehen.
- E. Melatonin hat nur eine begrenzte Evidenz bei chronischer Insomnie und ersetzt nicht die verhaltenstherapeutische Erstlinientherapie.
Häufige Fragen
Sind das echte M2-Fragen?
Nein. Es sind eigene Übungsfragen im Stil des M2 nach dem Gegenstandskatalog; Originalfragen des IMPP geben wir nicht wieder. Ein zweites, unabhängiges Modell hat jede Frage ohne Lösung beantwortet, Fragen mit strittiger Lösung wurden entfernt.
Wie nutze ich diese Fragen zu Psychiatrie am besten?
Kreuzen Sie zuerst das Quiz, ohne die Lösungen anzusehen, und lesen Sie dann die Erklärung zu jeder falschen oder geratenen Frage. Das Lernziel unter jeder Lösung ist der Merksatz.
Sind die Fragen kostenlos?
Ja. Alle Fragen, Lösungen und Erklärungen auf dieser Seite sind kostenlos und ohne Anmeldung.
Weitere Fächer im M2
Die Fragen des M2 erstellt das IMPP. WhiteCoat Pro steht in keiner Verbindung zu diesem Institut und wird von ihm nicht empfohlen. Alle Fragen sind eigene Übungsfragen: von der Redaktion von WhiteCoat Pro mit KI-Unterstützung geschrieben und von einem zweiten, unabhängigen KI-Modell geprüft, das jede Frage ohne Lösung beantwortet; Fragen mit strittiger Lösung werden entfernt. Es sind keine echten Prüfungsfragen. Nur zu Lernzwecken, keine ärztliche Beratung.