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M2-Fragen Nephrologie

50 eigene Übungsfragen im Stil des M2 zum Fach Nephrologie: jeweils mit richtiger Antwort, Erklärung, warum die anderen Antworten falsch sind, und Lernziel. Kreuzen Sie im Quiz oder lesen Sie die Fragen unten, nach Themen geordnet.

Fragen50 mit Lösung
Themen10
Antworten je Frage5
Zeit≈ 75 Min.
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Akute Nierenschädigung (AKI)

8 Fragen
1

Bei einer 72-jährigen Patientin wird im Rahmen eines stationären Aufenthaltes das Serumkreatinin kontrolliert. Aufnahmewert vor 36 Stunden: 0,9 mg/dl. Aktueller Wert: 1,6 mg/dl. Die Urinausscheidung liegt seit 7 Stunden bei 25 ml/h bei einem Körpergewicht von 70 kg. Welche Aussage trifft zu?

  1. AEs liegt eine akute Nierenschädigung Stadium 1 nach KDIGO vor
  2. BEs liegt keine akute Nierenschädigung vor, da der Kreatininanstieg zu langsam erfolgte
  3. CEs liegt eine akute Nierenschädigung Stadium 3 nach KDIGO vor
  4. DEs liegt eine akute Nierenschädigung Stadium 2 nach KDIGO vor
  5. EEs liegt keine akute Nierenschädigung vor, da die Urinausscheidung noch ausreichend ist
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Lösung: A. Es liegt eine akute Nierenschädigung Stadium 1 nach KDIGO vor

Die KDIGO-Kriterien definieren eine akute Nierenschädigung (AKI) als Anstieg des Serumkreatinins um ≥0,3 mg/dl innerhalb von 48 Stunden oder um das 1,5-Fache des Ausgangswerts innerhalb von 7 Tagen, oder eine Urinausscheidung <0,5 ml/kg/h über mindestens 6 Stunden. Hier liegt sowohl ein Kreatininanstieg um 0,7 mg/dl in 36 Stunden als auch eine Oligurie von 25 ml/h entsprechend 0,36 ml/kg/h über 7 Stunden vor, was beides Stadium 1 entspricht. Stadium 2 erfordert eine Kreatininverdopplung oder Oligurie über 12 Stunden, Stadium 3 eine Verdreifachung, einen Anstieg auf ≥4 mg/dl oder Dialysepflicht. Die Stadieneinteilung richtet sich nach dem jeweils schwerer wiegenden Kriterium aus Kreatinin oder Urinausscheidung.

  • B. Ein Anstieg um ≥0,3 mg/dl innerhalb von 48 Stunden erfüllt unabhängig von der Geschwindigkeit das KDIGO-Kriterium für AKI
  • C. Stadium 3 würde eine Verdreifachung des Kreatinins, einen Wert ≥4 mg/dl oder Dialysepflicht voraussetzen
  • D. Stadium 2 würde eine Kreatininverdopplung oder Oligurie über mindestens 12 Stunden voraussetzen, beides liegt hier nicht vor
  • E. 0,36 ml/kg/h über 7 Stunden erfüllt bereits das Oligurie-Kriterium für AKI Stadium 1
Lernziel: Die akute Nierenschädigung wird nach KDIGO über Kreatininanstieg und/oder Urinausscheidung definiert und gestuft, wobei das schwerer wiegende Kriterium die Stadieneinteilung bestimmt.
2

Ein 81-jähriger Patient wird aus einem Pflegeheim wegen seit drei Tagen bestehender Diarrhö und verminderter Flüssigkeitsaufnahme eingewiesen. Blutdruck 95/60 mmHg, Herzfrequenz 112/min, Schleimhäute trocken, Hautturgor vermindert. Labor: Serumkreatinin 2,1 mg/dl (Vorwert vor 2 Wochen 0,9 mg/dl), Harnstoff 98 mg/dl, Serumnatrium 148 mmol/l. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?

  1. AAkute Glomerulonephritis
  2. BAkute Tubulusnekrose
  3. CPostrenale akute Nierenschädigung
  4. DAkute interstitielle Nephritis
  5. EPrärenale akute Nierenschädigung
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Lösung: E. Prärenale akute Nierenschädigung

Die Kombination aus Hypotonie, Tachykardie, trockenen Schleimhäuten und vermindertem Hautturgor spricht für einen Volumenmangel durch die dreitägige Diarrhö. Der im Vergleich zum Kreatinin überproportional erhöhte Harnstoff (Harnstoff-Kreatinin-Verhältnis erhöht) sowie die Hypernatriämie als Zeichen des freien Wasserverlusts sind typisch für eine prärenale Nierenschädigung. Durch die verminderte renale Perfusion sinkt die glomeruläre Filtrationsrate, die tubuläre Funktion bleibt jedoch primär intakt, sodass Natrium und Wasser verstärkt rückresorbiert werden. Therapeutisch steht die Volumensubstitution im Vordergrund, worunter sich die Nierenfunktion typischerweise rasch erholt.

  • A. Eine Glomerulonephritis würde sich durch Hämaturie, Proteinurie und Zylinder im Urin zeigen, nicht durch isolierte Exsikkosezeichen
  • B. Eine akute Tubulusnekrose würde sich erst nach prolongierter Ischämie oder direkter Tubulustoxizität entwickeln und zeigt ein anderes Urinsediment
  • C. Für eine postrenale Ursache fehlen Hinweise auf Harnverhalt oder eine Harnabflussstörung
  • D. Eine interstitielle Nephritis wäre eher durch ein auslösendes Medikament, Fieber und Eosinophilie im Urin charakterisiert, nicht durch klinische Exsikkosezeichen
Lernziel: Exsikkose mit Hypotonie, Tachykardie und überproportional erhöhtem Harnstoff gegenüber Kreatinin ist typisch für eine prärenale akute Nierenschädigung.
3

Bei einem 65-jährigen Patienten mit akuter Nierenschädigung werden folgende Werte bestimmt: Serumnatrium 140 mmol/l, Serumkreatinin 3,0 mg/dl, Urinnatrium 8 mmol/l, Urinkreatinin 90 mg/dl, Urinosmolalität 650 mosmol/kg. Welche Ursache der Nierenschädigung ist anhand dieser Werte am wahrscheinlichsten?

  1. APrärenale Ursache
  2. BAkute Tubulusnekrose
  3. CAkute interstitielle Nephritis
  4. DPostrenale Obstruktion
  5. EGlomerulonephritis
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Lösung: A. Prärenale Ursache

Die fraktionelle Natriumexkretion (FENa) berechnet sich aus (Urinnatrium × Serumkreatinin) / (Serumnatrium × Urinkreatinin) × 100 und ergibt hier etwa 0,19 %, also deutlich unter 1 %. Eine niedrige FENa zusammen mit einer hohen Urinosmolalität über 500 mosmol/kg zeigt eine erhaltene tubuläre Konzentrationsfähigkeit und spricht für eine prärenale Genese mit kompensatorisch gesteigerter Natrium- und Wasserrückresorption. Bei einer akuten Tubulusnekrose wäre die FENa aufgrund des Tubulusschadens meist über 2 % und die Urinosmolalität niedrig, da die Konzentrationsfähigkeit verloren geht. Die FENa ist bei diuretischer Therapie und bereits bestehender chronischer Nierenerkrankung eingeschränkt verwertbar.

  • B. Bei einer Tubulusnekrose wäre die FENa typischerweise über 2 % und die Urinosmolalität niedrig (oft unter 350 mosmol/kg), da die tubuläre Konzentrationsfähigkeit verloren ist
  • C. Eine interstitielle Nephritis zeigt meist keine so niedrige FENa und wäre eher von Pyurie und Eosinophilurie begleitet
  • D. Eine postrenale Obstruktion lässt sich anhand von FENa und Urinosmolalität nicht sicher diagnostizieren, hierfür ist die Sonographie entscheidend
  • E. Bei einer Glomerulonephritis stehen Hämaturie und Proteinurie im Vordergrund, die FENa ist hierfür nicht das entscheidende Unterscheidungskriterium
Lernziel: Eine FENa unter 1 % bei hoher Urinosmolalität spricht für eine prärenale, eine FENa über 2 % bei niedriger Urinosmolalität für eine intrarenale (tubuläre) Ursache der akuten Nierenschädigung.
4

Ein 70-jähriger Patient mit bekannter diabetischer Nephropathie (Ausgangskreatinin 1,8 mg/dl) erhält eine Koronarangiographie mit jodhaltigem Kontrastmittel. 48 Stunden später steigt das Serumkreatinin auf 2,9 mg/dl. Über welchen Hauptmechanismus kommt es bei dieser Komplikation zur Schädigung des Nierenparenchyms?

  1. AImmunkomplexablagerung in der glomerulären Basalmembran
  2. BThrombotische Mikroangiopathie mit Fragmentozytenbildung
  3. CKristallisation des Kontrastmittels in den Tubuluslumina mit mechanischer Obstruktion
  4. DAutoimmune Vaskulitis der afferenten Arteriolen
  5. EMedulläre Vasokonstriktion mit ischämischer Tubulusschädigung und direkte tubulotoxische Wirkung
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Lösung: E. Medulläre Vasokonstriktion mit ischämischer Tubulusschädigung und direkte tubulotoxische Wirkung

Jodhaltige Kontrastmittel führen über eine Vasokonstriktion der Vasa recta zu einer relativen Hypoxie im Nierenmark, das ohnehin physiologisch nur grenzwertig oxygeniert ist. Zusätzlich entsteht durch die hohe Osmolarität und direkte zytotoxische Effekte des Kontrastmittels eine Schädigung der Tubulusepithelzellen, insbesondere im proximalen Tubulus. Reaktive Sauerstoffspezies verstärken die oxidative Schädigung zusätzlich. Risikofaktoren wie vorbestehende Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus und Volumenmangel erhöhen die Vulnerabilität, weshalb eine ausreichende Hydrierung vor und nach der Untersuchung die wichtigste präventive Maßnahme darstellt.

  • A. Immunkomplexablagerungen sind typisch für Glomerulonephritiden, nicht für die kontrastmittelinduzierte Nierenschädigung
  • B. Eine thrombotische Mikroangiopathie ist nicht der Mechanismus der Kontrastmittelnephropathie, sondern charakteristisch für andere Krankheitsbilder wie das hämolytisch-urämische Syndrom
  • C. Eine relevante Kristallisation des Kontrastmittels in den Tubuli ist beim Menschen nicht der zugrunde liegende Pathomechanismus
  • D. Eine Vaskulitis spielt bei der kontrastmittelinduzierten Nephropathie keine Rolle
Lernziel: Die kontrastmittelinduzierte Nierenschädigung entsteht durch medulläre Vasokonstriktion mit Ischämie und direkte tubulotoxische Effekte, weshalb eine adäquate Hydrierung die wichtigste Prophylaxe ist.
5

Ein 76-jähriger Patient mit bekannter benigner Prostatahyperplasie stellt sich mit seit 2 Tagen zunehmender Übelkeit und Abgeschlagenheit vor. Er berichtet, in den letzten 24 Stunden kaum Wasser gelassen zu haben. Bei der Untersuchung fällt eine prall gefüllte Harnblase mit Unterbauchvorwölbung bis zum Nabel auf. Labor: Serumkreatinin 4,2 mg/dl, Kalium 5,8 mmol/l. Welches ist der nächste diagnostische Schritt?

  1. AZystoskopie
  2. BComputertomographie des Abdomens mit Kontrastmittel
  3. CNierenbiopsie
  4. DSonographie der Nieren und der Harnblase
  5. EBestimmung der fraktionellen Natriumexkretion
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Lösung: D. Sonographie der Nieren und der Harnblase

Bei klinischem Verdacht auf eine postrenale akute Nierenschädigung mit tastbarer, prall gefüllter Harnblase ist die Sonographie der Nieren und der Harnblase die Methode der ersten Wahl, da sie schnell, nicht invasiv und ohne Strahlen- oder Kontrastmittelbelastung verfügbar ist. Sie zeigt typischerweise eine Harnstauung mit erweitertem Nierenbeckenkelchsystem beidseits sowie eine deutlich gefüllte Harnblase mit erhöhtem Restharn. Bei Bestätigung erfolgt die sofortige Entlastung mittels transurethralem oder suprapubischem Blasenkatheter, worunter sich die Nierenfunktion meist rasch bessert. Eine kontrastmittelhaltige CT ist bei bereits eingeschränkter Nierenfunktion und dringendem Verdacht auf eine einfach sonographisch zu klärende Ursache nicht indiziert.

  • A. Eine Zystoskopie ist primär diagnostisch bei unklaren Blasenbefunden und nicht der Schritt zur initialen Abklärung einer Harnstauung
  • B. Eine kontrastmittelhaltige CT ist bei akuter Nierenschädigung und hier eindeutigem klinischem Befund nicht der nächste Schritt und würde die Nierenfunktion zusätzlich belasten
  • C. Eine Nierenbiopsie ist bei postrenaler Ursache nicht indiziert und bei Harnstauung sogar kontraindiziert
  • E. Die FENa ist zur Unterscheidung prärenal versus intrarenal sinnvoll, hilft aber bei klinisch offensichtlicher postrenaler Obstruktion nicht weiter
Lernziel: Bei Verdacht auf postrenales AKI ist die Sonographie der Nieren und Harnwege der nächste Schritt zum Nachweis einer Harnstauung und zur Einleitung der Harnableitung.
6

Ein 45-jähriger Bauarbeiter wird nach vierstündiger Verschüttung unter Trümmern mit Crush-Verletzung beider Beine gerettet. Nach Dekompression zeigt sich dunkelroter Urin. Labor: Kreatinkinase 42.000 U/l, Serumkreatinin 2,8 mg/dl, Kalium 6,4 mmol/l, Urinstix positiv für Blut, mikroskopisch jedoch keine Erythrozyten im Urinsediment nachweisbar. Über welchen Mechanismus kommt es hierbei vorrangig zur Nierenschädigung?

  1. ADirekte Kompression der Nieren durch retroperitoneales Hämatom
  2. BAkute Pyelonephritis durch aufsteigende bakterielle Infektion
  3. CTubulusobstruktion durch Myoglobinzylinder und direkte tubulotoxische Wirkung des freigesetzten Myoglobins
  4. DImmunkomplexvermittelte Glomerulonephritis durch freigesetzte Muskelantigene
  5. EThrombotische Verschlüsse der Nierenarterien durch Fettembolien
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Lösung: C. Tubulusobstruktion durch Myoglobinzylinder und direkte tubulotoxische Wirkung des freigesetzten Myoglobins

Bei der Rhabdomyolyse wird aus geschädigten Muskelzellen Myoglobin in großer Menge freigesetzt, das glomerulär filtriert wird und im sauren, konzentrierten distalen Tubulus mit Tamm-Horsfall-Protein ausfällt und intratubuläre Zylinder bildet. Zusätzlich wirkt freies Eisen aus dem Myoglobin direkt zytotoxisch auf die Tubulusepithelzellen und führt über die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies zu oxidativem Stress. Die begleitende Vasokonstriktion und der oft vorbestehende Volumenmangel durch Flüssigkeitssequestration ins geschädigte Gewebe verstärken die ischämische Komponente. Der positive Urinstix auf Blut bei fehlenden Erythrozyten im Sediment ist typisch, da der Stix auch auf Myoglobin reagiert.

  • A. Eine direkte Kompression der Nieren von außen ist bei dieser Verletzungslokalisation an den Beinen nicht der Mechanismus der Nierenschädigung
  • B. Eine Pyelonephritis ist eine bakterielle Infektion und hier nicht die Ursache des akuten Nierenversagens
  • D. Eine immunkomplexvermittelte Glomerulonephritis ist bei Rhabdomyolyse nicht der pathogenetische Mechanismus
  • E. Fettembolien sind kein typischer Mechanismus der rhabdomyolyseassoziierten Nierenschädigung
Lernziel: Rhabdomyolyse führt über Myoglobinzylinderbildung, direkte tubulotoxische Eisenwirkung und renale Vasokonstriktion zur akuten Nierenschädigung.
7

Eine 68-jährige Patientin mit akuter Nierenschädigung im Rahmen einer Sepsis zeigt trotz adäquater Volumentherapie und Diuretikagabe seit 10 Stunden eine Anurie. Aktuelles Labor: Kalium 7,2 mmol/l, im EKG spitze T-Wellen, pH 7,15, Bikarbonat 10 mmol/l. Klinisch besteht eine zunehmende Dyspnoe mit beidseitigen basalen Rasselgeräuschen. Welche Maßnahme ist jetzt indiziert?

  1. ANatriumbicarbonat-Infusion als alleinige Maßnahme
  2. BKalziumgluconat intravenös als alleinige Maßnahme
  3. CFortsetzung der konservativen Volumentherapie unter engmaschiger Kontrolle
  4. DHochdosierte intravenöse Furosemidgabe
  5. ENotfallmäßige Hämodialyse
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Lösung: E. Notfallmäßige Hämodialyse

Die AEIOU-Kriterien fassen die klassischen Indikationen zur akuten Dialyse zusammen: therapierefraktäre Azidose (Acidosis), Elektrolytentgleisung insbesondere lebensbedrohliche Hyperkaliämie (Electrolytes), Intoxikation mit dialysierbaren Substanzen (Intoxication), therapierefraktäre Flüssigkeitsüberladung mit Lungenödem (Overload) und urämische Symptomatik (Uremia). Diese Patientin erfüllt gleich mehrere Kriterien: eine schwere Hyperkaliämie mit EKG-Veränderungen, eine schwere metabolische Azidose und eine beginnende pulmonale Stauung bei Anurie. Medikamentöse Maßnahmen wie Kalzium, Insulin-Glukose oder Bikarbonat können die Hyperkaliämie und Azidose nur vorübergehend überbrücken, bei dieser Konstellation mit mehreren gleichzeitigen Dialyseindikationen ist die notfallmäßige Hämodialyse die Therapie der Wahl.

  • A. Bikarbonat allein behebt weder die Hyperkaliämie noch die Flüssigkeitsüberladung und kann die Azidose bei fortbestehender Nierenschädigung nicht nachhaltig korrigieren
  • B. Kalziumgluconat stabilisiert nur vorübergehend die Herzmembran, behandelt aber nicht die zugrunde liegende Ursache und ersetzt nicht die Dialyse
  • C. Eine rein konservative Fortführung ist angesichts der vital bedrohlichen Elektrolyt- und Säure-Basen-Entgleisung sowie des beginnenden Lungenödems nicht mehr vertretbar
  • D. Bei Anurie ist eine Diuretikagabe wirkungslos und verzögert nur die notwendige Dialyse
Lernziel: Therapierefraktäre Azidose, bedrohliche Elektrolytstörungen, Intoxikationen, Flüssigkeitsüberladung und urämische Symptome (AEIOU) sind die klassischen Indikationen zur notfallmäßigen Dialyse.
8

Ein 74-jähriger Patient mit arterieller Hypertonie unter Ramipril nimmt wegen Kniegelenkschmerzen seit einer Woche zusätzlich Ibuprofen in hoher Dosierung ein. Er stellt sich mit Übelkeit und reduzierter Urinmenge vor. Labor: Serumkreatinin 2,4 mg/dl (Vorwert 1,0 mg/dl), Blutdruck 110/70 mmHg. Über welchen Mechanismus trägt die Kombination dieser beiden Medikamente am ehesten zur Nierenschädigung bei?

  1. ANSAR und ACE-Hemmer verursachen gemeinsam eine direkte toxische Schädigung der Podozyten mit nephrotischem Syndrom
  2. BProstaglandinvermittelte Dilatation der afferenten Arteriole wird durch NSAR gehemmt, während ACE-Hemmer die Angiotensin-II-vermittelte Konstriktion der efferenten Arteriole reduzieren
  3. CBeide Substanzen induzieren eine Immunkomplexablagerung in den Glomeruli mit rasch progredienter Glomerulonephritis
  4. DNSAR und ACE-Hemmer führen gemeinsam zu einer Kristallisation in den Tubuluslumina mit obstruktiver Nephropathie
  5. EBeide Substanzen verursachen eine Vaskulitis der Nierenarterien mit konsekutiver Niereninfarzierung
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Lösung: B. Prostaglandinvermittelte Dilatation der afferenten Arteriole wird durch NSAR gehemmt, während ACE-Hemmer die Angiotensin-II-vermittelte Konstriktion der efferenten Arteriole reduzieren

Bei vermindertem renalem Perfusionsdruck, etwa durch Volumenmangel oder Hypotonie, wird die glomeruläre Filtrationsrate physiologisch durch eine prostaglandinvermittelte Dilatation der afferenten Arteriole und eine Angiotensin-II-vermittelte Konstriktion der efferenten Arteriole aufrechterhalten. NSAR hemmen die Cyclooxygenase und damit die Prostaglandinsynthese, wodurch die kompensatorische Dilatation der afferenten Arteriole ausfällt. ACE-Hemmer verhindern gleichzeitig die Angiotensin-II-vermittelte Konstriktion der efferenten Arteriole. Die Kombination beider Effekte führt zu einem kritischen Abfall des glomerulären Filtrationsdrucks und damit zu einer funktionellen, meist reversiblen akuten Nierenschädigung, weshalb diese Kombination insbesondere bei älteren oder volumendepletierten Patienten vermieden werden sollte.

  • A. Eine direkte Podozytenschädigung mit nephrotischem Syndrom ist nicht der typische Mechanismus dieser Arzneimittelinteraktion
  • C. Eine Immunkomplexvermittelte Glomerulonephritis ist für diese Medikamentenkombination nicht charakteristisch
  • D. Eine Kristallisation in den Tubuluslumina ist nicht der Mechanismus der NSAR-ACE-Hemmer-Nephrotoxizität
  • E. Eine Vaskulitis der Nierenarterien ist kein bekannter Mechanismus dieser Arzneimittelinteraktion
Lernziel: NSAR und ACE-Hemmer heben die kompensatorische afferente Dilatation beziehungsweise efferente Konstriktion auf und können in Kombination, besonders bei Volumenmangel, eine funktionelle akute Nierenschädigung auslösen.

Glomerulonephritiden

7 Fragen
9

Ein 34-jähriger Mann stellt sich wegen seit drei Tagen bestehender bräunlich verfärbter Urinfarbe vor. Der Blutdruck beträgt 162/98 mmHg. Die Urinuntersuchung zeigt eine Mikrohämaturie mit dysmorphen Erythrozyten und Erythrozytenzylindern im Sediment, die Proteinausscheidung liegt bei 1,2 g/Tag. Das Serumkreatinin ist auf 1,6 mg/dl erhöht. Welches Syndrom liegt bei diesem Patienten am ehesten vor?

  1. ANephrotisches Syndrom
  2. BNephritisches Syndrom
  3. CAkute interstitielle Nephritis
  4. DHepatorenales Syndrom
  5. EPrärenales Nierenversagen
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Lösung: B. Nephritisches Syndrom

Das nephritische Syndrom ist definiert durch Hämaturie mit dysmorphen Erythrozyten und Erythrozytenzylindern, Hypertonie und meist nur milde bis moderate Proteinurie (<3,5 g/Tag), häufig begleitet von einer Einschränkung der Nierenfunktion. Erythrozytenzylinder sind pathognomonisch für eine glomeruläre Blutungsquelle und beweisen die renale Genese der Hämaturie. Die Kombination aus Hämaturie, Hypertonie und Kreatininanstieg spricht für eine entzündliche glomeruläre Schädigung mit Entzündungsreaktion und Zellproliferation im Glomerulus. Ein nephrotisches Syndrom wäre durch massive Proteinurie, Hypalbuminämie und Ödeme ohne wesentliche Hämaturie gekennzeichnet.

  • A. Hierfür wären eine Proteinurie >3,5 g/Tag, Hypalbuminämie und Ödeme typisch, nicht Erythrozytenzylinder.
  • C. Hierbei stehen meist steriles Pyurie, Eosinophilurie und ein Zusammenhang mit Medikamenteneinnahme im Vordergrund, keine Erythrozytenzylinder.
  • D. Dieses tritt bei fortgeschrittener Leberzirrhose mit Aszites auf und zeigt kein aktives Urinsediment.
  • E. Hierbei fehlen Hämaturie und Erythrozytenzylinder, die Ursache liegt außerhalb der Niere.
Lernziel: Erythrozytenzylinder und dysmorphe Erythrozyten im Urinsediment zusammen mit Hypertonie sind Leitbefunde des nephritischen Syndroms und beweisen eine glomeruläre Blutungsquelle.
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Ein 7-jähriger Junge wird vorgestellt, weil er seit zwei Tagen kaffeebraunen Urin absetzt und über Kopfschmerzen klagt. Vor drei Wochen hatte er eine eitrige Tonsillitis, die mit Penicillin behandelt wurde. Bei der Untersuchung beträgt der Blutdruck 142/92 mmHg, es bestehen periorbitale Ödeme. Laborchemisch zeigt sich ein erniedrigtes Komplement C3, der Antistreptolysin-Titer ist deutlich erhöht. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?

  1. AIgA-Nephropathie
  2. BPostinfektiöse Glomerulonephritis
  3. CMembranoproliferative Glomerulonephritis Typ II
  4. DMinimal-Change-Glomerulonephritis
  5. EHämolytisch-urämisches Syndrom
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Lösung: B. Postinfektiöse Glomerulonephritis

Die postinfektiöse (Poststreptokokken-)Glomerulonephritis tritt typischerweise 1-3 Wochen nach einer Infektion mit nephritogenen Gruppe-A-Streptokokken auf, meist nach Tonsillitis oder Hautinfektion. Charakteristisch sind eine latenzbehaftete Hämaturie, Hypertonie, periorbitale Ödeme sowie ein passager erniedrigtes Komplement C3 bei erhöhtem Antistreptolysin-Titer. Immunhistologisch finden sich subepitheliale Immunkomplex-Ablagerungen (humps) mit Komplementaktivierung. Die Erkrankung ist bei Kindern meist selbstlimitierend mit guter Prognose und erfordert vorrangig eine symptomatische Therapie.

  • A. Hierbei tritt die Hämaturie meist synchron zu einem Atemwegsinfekt auf ("synpharyngitische Hämaturie") und das Komplement ist typischerweise normal.
  • C. Diese verläuft meist chronisch progredient mit persistierend erniedrigtem C3 über Monate, nicht als akutes postinfektiöses Ereignis.
  • D. Hierbei steht eine nephrotische Proteinurie ohne Hämaturie oder Komplementerniedrigung im Vordergrund.
  • E. Hierbei stehen hämolytische Anämie, Thrombozytopenie und akutes Nierenversagen nach gastrointestinaler Infektion im Vordergrund, kein erniedrigtes C3 mit erhöhtem ASL-Titer.
Lernziel: Die Poststreptokokken-Glomerulonephritis zeigt eine Latenz von 1-3 Wochen nach Streptokokkeninfekt mit erniedrigtem C3 und erhöhtem Antistreptolysin-Titer.
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Ein 24-jähriger Student bemerkt am zweiten Tag eines grippalen Infekts mit Fieber und Halsschmerzen eine makroskopische Rotfärbung des Urins. Vorherige Episoden mit ähnlicher Symptomatik im Rahmen von Atemwegsinfekten sind anamnestisch bekannt. Der Blutdruck ist normwertig, das Serumkreatinin liegt im Referenzbereich, das Komplement C3 ist unauffällig. Welche Erkrankung ist die wahrscheinlichste Ursache dieser rezidivierenden Episoden?

  1. AAlport-Syndrom
  2. BPoststreptokokken-Glomerulonephritis
  3. CLupusnephritis
  4. DIgA-Nephropathie
  5. EMembranöse Glomerulonephritis
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Lösung: D. IgA-Nephropathie

Die IgA-Nephropathie ist weltweit die häufigste primäre Glomerulonephritis und manifestiert sich klassisch durch rezidivierende Episoden makroskopischer Hämaturie, die zeitlich eng mit Infekten der oberen Atemwege zusammenfallen (synpharyngitische Hämaturie), im Gegensatz zur Latenz von 1-3 Wochen bei der Poststreptokokken-GN. Das Komplement C3 ist bei der IgA-Nephropathie normal, da die Pathogenese über mesangiale Ablagerung von Galactose-defizientem IgA1 mit nachgeschalteter mesangialer Proliferation erfolgt, nicht über eine klassische Komplementaktivierung. Die Diagnose wird histologisch durch Nierenbiopsie mit Nachweis mesangialer IgA-Depots in der Immunfluoreszenz gesichert.

  • A. Dies ist eine hereditäre Kollagenopathie mit Innenohrschwerhörigkeit und progredienter Niereninsuffizienz, nicht episodisch rezidivierend bei Infekten.
  • B. Hierbei besteht eine Latenz von 1-3 Wochen nach Infekt und das Komplement C3 ist erniedrigt, was beides nicht zutrifft.
  • C. Hierbei wären weitere Systemzeichen eines systemischen Lupus erythematodes sowie häufig ein erniedrigtes Komplement zu erwarten.
  • E. Diese manifestiert sich typischerweise mit nephrotischem Syndrom bei Erwachsenen, nicht mit rezidivierender Infekt-assoziierter Makrohämaturie.
Lernziel: Die IgA-Nephropathie ist die häufigste primäre Glomerulonephritis und zeigt typischerweise synpharyngitische Episoden makroskopischer Hämaturie bei normalem Komplement C3.
12

Ein 61-jähriger Raucher wird mit Hämoptysen und rasch progredienter Niereninsuffizienz stationär aufgenommen. Das Serumkreatinin ist innerhalb von zwei Wochen von 0,9 mg/dl auf 4,8 mg/dl angestiegen, im Urinsediment finden sich Erythrozytenzylinder. Die Lungenbildgebung zeigt diffuse alveoläre Infiltrate. Serologisch werden Antikörper gegen die Kollagen-IV-α3-Kette nachgewiesen. Welcher Pathomechanismus liegt dieser Erkrankung zugrunde?

  1. AANCA-vermittelte Aktivierung neutrophiler Granulozyten mit pauci-immuner Vaskulitis
  2. BImmunkomplex-Ablagerung vom Typ III mit Komplementaktivierung in Glomeruli
  3. CAntikörper-vermittelte Typ-II-Hypersensitivität gegen die glomeruläre und alveoläre Basalmembran
  4. DZellvermittelte Typ-IV-Hypersensitivität mit granulomatöser Vaskulitis
  5. EIgA-vermittelte mesangiale Immunkomplexbildung
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Lösung: C. Antikörper-vermittelte Typ-II-Hypersensitivität gegen die glomeruläre und alveoläre Basalmembran

Das Goodpasture-Syndrom beruht auf einer Typ-II-Hypersensitivitätsreaktion, bei der Autoantikörper gegen die Nicht-Kollagen-Domäne der α3-Kette des Kollagen Typ IV binden, das sowohl in der glomerulären als auch in der alveolären Basalmembran vorkommt. Dies erklärt die charakteristische Kombination aus rapid-progressiver Glomerulonephritis und pulmonaler Hämorrhagie. Histologisch zeigt sich eine lineare IgG-Ablagerung entlang der Basalmembran in der Immunfluoreszenz, im Gegensatz zu den granulären Ablagerungen bei Immunkomplex-Erkrankungen. Therapeutisch sind eine rasche Immunsuppression mit Kortikosteroiden und Cyclophosphamid sowie eine Plasmapherese zur Entfernung der zirkulierenden Antikörper indiziert.

  • A. Dies beschreibt die ANCA-assoziierte Vaskulitis, bei der keine Antikörperablagerung an der Basalmembran, sondern eine pauci-immune Vaskulitis vorliegt.
  • B. Dies beschreibt den Mechanismus von Immunkomplex-Glomerulonephritiden wie der Poststreptokokken-GN, nicht des Goodpasture-Syndroms mit linearer Antikörperbindung.
  • D. Dies entspricht eher dem Mechanismus granulomatöser Erkrankungen wie der Tuberkulose, nicht der Anti-GBM-Erkrankung.
  • E. Dies entspricht dem Mechanismus der IgA-Nephropathie, nicht der Anti-GBM-Erkrankung.
Lernziel: Das Goodpasture-Syndrom ist eine Typ-II-Hypersensitivitätsreaktion mit Antikörpern gegen die α3-Kette des Kollagen Typ IV in glomerulärer und alveolärer Basalmembran.
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Ein 4-jähriger Junge wird vorgestellt, weil seine Eltern seit einer Woche eine zunehmende Schwellung der Augenlider und des Bauches bemerkt haben. Laborchemisch zeigt sich ein Serumalbumin von 1,8 g/dl, die Proteinausscheidung im Urin beträgt 4,5 g/Tag, das Serumkreatinin ist altersentsprechend normal. Eine Nierenbiopsie zeigt lichtmikroskopisch unauffällige Glomeruli, elektronenmikroskopisch jedoch eine diffuse Fusion der Podozytenfußfortsätze. Welche Therapie ist bei diesem Befund als Erstlinienbehandlung indiziert?

  1. ACyclophosphamid intravenös
  2. BACE-Hemmer als alleinige Therapie
  3. CRituximab intravenös
  4. DPlasmapherese
  5. EOrale Glukokortikoidtherapie
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Lösung: E. Orale Glukokortikoidtherapie

Die Minimal-Change-Glomerulonephritis ist die häufigste Ursache des nephrotischen Syndroms im Kindesalter und zeigt lichtmikroskopisch unauffällige Glomeruli bei elektronenmikroskopisch nachweisbarer Podozyten-Fußfortsatzfusion. Die Erstlinientherapie besteht aus oralen Glukokortikoiden, meist Prednison über 4-6 Wochen in voller Dosis mit anschließender Dosisreduktion, worauf über 90% der Kinder mit einer kompletten Remission ansprechen. Das gute Ansprechen auf Steroide ist bei Kindern mit nephrotischem Syndrom so charakteristisch, dass es ohne vorherige Biopsie als diagnostisches Kriterium für die Minimal-Change-Erkrankung gilt. Immunsuppressiva wie Cyclophosphamid oder Rituximab werden erst bei steroidabhängigem oder steroidresistentem Verlauf eingesetzt.

  • A. Dies wird erst bei häufigen Rezidiven oder Steroidabhängigkeit als steroidsparende Therapie eingesetzt, nicht initial.
  • B. ACE-Hemmer wirken antiproteinurisch, behandeln aber nicht die zugrunde liegende Erkrankung und ersetzen nicht die Steroidtherapie.
  • C. Dies ist eine Option bei therapierefraktären oder häufig rezidivierenden Verläufen, nicht als Erstlinientherapie.
  • D. Die Plasmapherese hat bei der Minimal-Change-Erkrankung keinen Stellenwert, da keine zirkulierenden pathogenen Antikörper nachgewiesen sind.
Lernziel: Die Minimal-Change-Glomerulonephritis bei Kindern wird als Erstlinientherapie mit oralen Glukokortikoiden behandelt, worauf die meisten Kinder mit Remission ansprechen.
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Ein 36-jähriger Mann mit bekannter HIV-Infektion stellt sich mit ausgeprägten Beinödemen vor. Laborchemisch zeigt sich eine Proteinurie von 9 g/Tag und ein Serumalbumin von 2,0 g/dl, das Serumkreatinin ist auf 2,1 mg/dl erhöht. In der Nierenbiopsie zeigt die Lichtmikroskopie eine segmentale Vernarbung in einem Teil der Glomeruli bei unauffälligen übrigen Glomeruli, begleitet von tubulärer Atrophie. Welche Diagnose liegt histologisch am ehesten vor?

  1. AFokal segmentale Glomerulosklerose
  2. BMembranöse Glomerulonephritis
  3. CMinimal-Change-Glomerulonephritis
  4. DMembranoproliferative Glomerulonephritis
  5. EDiffuse Lupusnephritis Klasse IV
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Lösung: A. Fokal segmentale Glomerulosklerose

Die fokal segmentale Glomerulosklerose (FSGS) ist histologisch definiert durch eine Sklerose, die nur einen Teil der Glomeruli (fokal) und innerhalb dieser nur einen Segmentanteil (segmental) betrifft, während andere Glomeruli unauffällig bleiben. Sie ist eine wichtige Ursache des nephrotischen Syndroms bei Erwachsenen und kann primär auftreten oder sekundär, etwa im Rahmen einer HIV-assoziierten Nephropathie, bei der die kollabierende Variante besonders häufig ist. Im Gegensatz zur Minimal-Change-Erkrankung zeigt die FSGS bereits lichtmikroskopisch sichtbare strukturelle Veränderungen und spricht schlechter auf Steroide an. Die Erkrankung führt häufiger zu einer progredienten Niereninsuffizienz als die Minimal-Change-Glomerulonephritis.

  • B. Hierbei zeigt sich eine diffuse Verdickung der glomerulären Basalmembran ohne fokal-segmentale Vernarbung.
  • C. Hierbei sind die Glomeruli lichtmikroskopisch durchgehend unauffällig, eine segmentale Sklerose fehlt.
  • D. Hierbei findet sich eine diffuse Verdickung und Zellvermehrung des Mesangiums, nicht eine fokal-segmentale Sklerose.
  • E. Hierbei wären zusätzlich für den Lupus typische Immunkomplexablagerungen und meist eine diffuse, nicht fokal-segmentale Beteiligung aller Glomeruli zu erwarten.
Lernziel: Die fokal segmentale Glomerulosklerose zeigt histologisch eine auf einen Teil der Glomeruli und einen Segmentanteil begrenzte Sklerose und ist bei HIV-Infektion eine wichtige sekundäre Ursache.
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Eine 29-jährige Frau mit bekanntem systemischem Lupus erythematodes stellt sich mit neu aufgetretenen Unterschenkelödemen und Schaumbildung im Urin vor. Blutdruck 148/92 mmHg. Laborwerte: Serumkreatinin 1,4 mg/dl, Urinsediment mit Erythrozytenzylindern und dysmorphen Erythrozyten, Urin-Protein-Kreatinin-Quotient 4,2 g/g. Komplement C3 und C4 sind erniedrigt, Anti-dsDNA-Antikörper deutlich erhöht. Welche Untersuchung ist der nächste entscheidende Schritt zur Sicherung der Diagnose und Therapieplanung?

  1. A24-Stunden-Blutdruckmessung
  2. BBestimmung der Anti-Phospholipid-Antikörper
  3. CNierenbiopsie mit Lichtmikroskopie, Immunfluoreszenz und Elektronenmikroskopie
  4. DWiederholung der Anti-dsDNA-Bestimmung nach vier Wochen
  5. ESonographie der Nieren zur Größenbestimmung
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Lösung: C. Nierenbiopsie mit Lichtmikroskopie, Immunfluoreszenz und Elektronenmikroskopie

Bei Verdacht auf Lupusnephritis mit aktivem Urinsediment, Proteinurie und erniedrigtem Komplement ist die Nierenbiopsie der entscheidende nächste Schritt, da sie die histologische Klasse nach der ISN/RPS-Klassifikation (I–VI) bestimmt. Die Klasse ist maßgeblich für die Wahl der Immunsuppression, insbesondere die Unterscheidung zwischen proliferativen Formen (Klasse III/IV), die eine aggressive Therapie mit Cyclophosphamid oder Mycophenolat-Mofetil erfordern, und membranösen oder mesangialen Formen. Ohne Biopsie kann die Therapieintensität nicht leitliniengerecht festgelegt werden.

  • A. Die Blutdruckmessung ist Teil der Basisdiagnostik, liefert aber keine Information zur Nierenpathologie und Therapieplanung.
  • B. Antiphospholipid-Antikörper sind für das Antiphospholipid-Syndrom relevant, nicht für die Klassifikation der Lupusnephritis.
  • D. Eine reine Verlaufskontrolle der Serologie verzögert die notwendige histologische Klassifikation und Therapieentscheidung.
  • E. Die Sonographie dient dem Ausschluss struktureller Veränderungen, ersetzt aber nicht die histologische Klassifikation.
Lernziel: Bei klinischem und serologischem Verdacht auf Lupusnephritis ist die Nierenbiopsie obligat, da die histologische ISN/RPS-Klasse die Immunsuppressionsstrategie bestimmt.
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Chronische Niereninsuffizienz

7 Fragen
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Bei einer 67-jährigen Patientin wird im Rahmen einer Routineuntersuchung ein Serumkreatinin von 1,8 mg/dl gemessen, entsprechend einer eGFR von 38 ml/min/1,73 m² nach CKD-EPI-Formel. Die Albumin-Kreatinin-Ratio im Urin beträgt 45 mg/g. Eine Kontrollmessung nach drei Monaten zeigt ein vergleichbares Ergebnis. Welchem KDIGO-Stadium der chronischen Nierenkrankheit entspricht diese eGFR?

  1. AG4
  2. BG2
  3. CG1
  4. DG3b
  5. EG3a
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Lösung: D. G3b

Nach der KDIGO-Klassifikation wird die chronische Nierenkrankheit anhand der eGFR in die Stadien G1 (≥90), G2 (60–89), G3a (45–59), G3b (30–44), G4 (15–29) und G5 (<15 ml/min/1,73 m²) eingeteilt. Eine eGFR von 38 ml/min/1,73 m², die über mindestens drei Monate bestätigt wurde, entspricht dem Stadium G3b. Die Kombination mit der Albuminurie-Kategorie (hier A2 bei 45 mg/g) ergibt das vollständige KDIGO-Risikoprofil, das für die Prognose und Therapieintensität entscheidend ist.

  • A. Stadium G4 entspricht einer eGFR von 15–29 ml/min/1,73 m², die gemessene eGFR liegt darüber.
  • B. Stadium G2 entspricht einer eGFR von 60–89 ml/min/1,73 m², was hier nicht zutrifft.
  • C. Stadium G1 entspricht einer eGFR ≥90 ml/min/1,73 m², was hier deutlich überschritten unterschritten ist.
  • E. Stadium G3a entspricht einer eGFR von 45–59 ml/min/1,73 m², die gemessene eGFR liegt darunter.
Lernziel: Die KDIGO-Stadien der chronischen Nierenkrankheit werden anhand der über mindestens drei Monate bestätigten eGFR definiert, wobei Stadium G3b einer eGFR von 30–44 ml/min/1,73 m² entspricht.
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Ein 71-jähriger Patient mit chronischer Niereninsuffizienz im Stadium G4 (eGFR 22 ml/min/1,73 m²) klagt über zunehmende Müdigkeit und Belastungsdyspnoe. Laborwerte: Hämoglobin 9,2 g/dl, MCV 91 fl, Ferritin 180 µg/l, Transferrinsättigung 28 %, Retikulozyten erniedrigt, Vitamin B12 und Folsäure im Normbereich, kein Blutverlust nachweisbar. Welcher Mechanismus erklärt am ehesten die vorliegende Anämie?

  1. AEisenmangel durch unzureichende intestinale Resorption
  2. BVerminderte renale Erythropoetin-Produktion durch Verlust funktionsfähigen Nierenparenchyms
  3. CChronischer okkulter gastrointestinaler Blutverlust
  4. DHämolyse durch urämische Toxine an der Erythrozytenmembran
  5. EKnochenmarksuppression durch sekundären Hyperparathyreoidismus
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Lösung: B. Verminderte renale Erythropoetin-Produktion durch Verlust funktionsfähigen Nierenparenchyms

Die renale Anämie bei chronischer Niereninsuffizienz entsteht in erster Linie durch die verminderte Produktion von Erythropoetin in den peritubulären Fibroblasten der Niere, die mit fortschreitendem Parenchymverlust abnimmt. Die Folge ist eine normochrome, normozytäre Anämie mit erniedrigten Retikulozyten bei normalen Eisen-, Vitamin-B12- und Folsäurewerten, wie im vorliegenden Fall. Diagnostisch und therapeutisch relevant ist der Ausschluss anderer Ursachen (Eisenmangel, Blutverlust) vor Beginn einer Therapie mit Erythropoese-stimulierenden Substanzen.

  • A. Die Transferrinsättigung und das Ferritin sprechen gegen einen relevanten Eisenmangel.
  • C. Ein gastrointestinaler Blutverlust ist klinisch nicht nachweisbar und würde eher eine mikrozytäre Anämie verursachen.
  • D. Eine urämische Hämolyse ist bei dieser Konstellation untypisch und durch die Laborwerte nicht belegt.
  • E. Der sekundäre Hyperparathyreoidismus kann die Knochenmarkfunktion beeinträchtigen, ist aber nicht der Hauptmechanismus der renalen Anämie.
Lernziel: Die renale Anämie bei chronischer Niereninsuffizienz beruht hauptsächlich auf der verminderten Erythropoetin-Synthese durch den Verlust funktionsfähigen Nierenparenchyms.
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Ein 59-jähriger Patient mit chronischer Niereninsuffizienz im Stadium G4 zeigt folgende Laborwerte: Serumcalcium 2,1 mmol/l (Referenz 2,2–2,6), Serumphosphat 1,9 mmol/l (Referenz 0,8–1,5), intaktes Parathormon 310 pg/ml (Referenz 15–65), 1,25-Dihydroxyvitamin D erniedrigt. Welcher pathophysiologische Mechanismus erklärt am besten die beschriebene Hormonkonstellation?

  1. AVermehrte intestinale Calciumresorption durch gesteigerte Calcitriol-Wirkung
  2. BAutonome, von der Calciumkonzentration unabhängige Hyperplasie eines Epithelkörperchenadenoms
  3. CVerminderte renale 1α-Hydroxylierung von Vitamin D mit konsekutiver Hypokalzämie und Phosphatretention stimulieren die Parathormonsekretion
  4. DVerminderte renale Phosphatausscheidung durch gesteigerte FGF-23-Wirkung am proximalen Tubulus
  5. EPrimäre ossäre Resistenz gegenüber Parathormon mit kompensatorischer Mehrsekretion
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Lösung: C. Verminderte renale 1α-Hydroxylierung von Vitamin D mit konsekutiver Hypokalzämie und Phosphatretention stimulieren die Parathormonsekretion

Bei fortgeschrittener chronischer Niereninsuffizienz sinkt die renale 1α-Hydroxylase-Aktivität, wodurch weniger aktives Calcitriol (1,25-Dihydroxyvitamin D) gebildet wird. Dies führt zu verminderter intestinaler Calciumresorption und Hypokalzämie, während gleichzeitig die abnehmende glomeruläre Filtration eine Phosphatretention bewirkt. Beide Faktoren, Hypokalzämie und Hyperphosphatämie, stimulieren über Calcium-Sensing-Rezeptoren und direkte Effekte die Parathormonsekretion der Nebenschilddrüsen, was den sekundären Hyperparathyreoidismus erklärt.

  • A. Die intestinale Calciumresorption ist bei Calcitriolmangel vermindert, nicht gesteigert.
  • B. Eine autonome, calciumunabhängige Sekretion beschreibt den tertiären Hyperparathyreoidismus bei langjähriger Stimulation, nicht den initialen sekundären Mechanismus.
  • D. FGF-23 fördert die renale Phosphatausscheidung und hemmt die Calcitriolsynthese, wirkt also in die gegenteilige Richtung als beschrieben.
  • E. Eine primäre Skelettresistenz gegenüber PTH ist kein etablierter Mechanismus des sekundären Hyperparathyreoidismus bei CKD.
Lernziel: Der sekundäre Hyperparathyreoidismus bei chronischer Niereninsuffizienz entsteht durch Calcitriolmangel und Phosphatretention, die gemeinsam die Parathormonsekretion stimulieren.
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Bei einem 55-jährigen Dialysepatienten werden folgende Werte bestimmt: Serumcalcium 2,3 mmol/l, Serumphosphat 2,1 mmol/l, intaktes Parathormon 620 pg/ml, alkalische Phosphatase deutlich erhöht. In der Knochenbiopsie zeigt sich eine gesteigerte Knochenumbaurate mit vermehrter Osteoklasten- und Osteoblastenaktivität sowie peritrabekulärer Fibrose. Welcher pathophysiologische Prozess liegt dieser Form der renalen Osteopathie zugrunde?

  1. AAluminiumablagerung im Knochen hemmt die Osteoblastenfunktion und führt zu einer Low-turnover-Osteopathie
  2. BErhöhtes Parathormon stimuliert über RANKL vermehrte Osteoklastenaktivität mit gesteigertem Knochenumbau (Ostitis fibrosa)
  3. CVerminderte Parathormonwirkung führt zu einer adynamen Knochenerkrankung mit supprimiertem Knochenumbau
  4. DÜberschüssiges Calcitriol führt zu einer gesteigerten ossären Mineralisation mit Osteosklerose
  5. EChronische metabolische Alkalose fördert die ossäre Calciumeinlagerung mit konsekutiver Knochenverdichtung
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Lösung: B. Erhöhtes Parathormon stimuliert über RANKL vermehrte Osteoklastenaktivität mit gesteigertem Knochenumbau (Ostitis fibrosa)

Die beschriebene Konstellation mit deutlich erhöhtem Parathormon, gesteigerter alkalischer Phosphatase und histologisch vermehrter Osteoklasten- und Osteoblastenaktivität mit peritrabekulärer Fibrose entspricht der Ostitis fibrosa, der High-turnover-Form der renalen Osteopathie. Das chronisch erhöhte Parathormon stimuliert über den RANK-RANKL-Signalweg die Osteoklastendifferenzierung und -aktivität, was zu beschleunigtem Knochenabbau und kompensatorisch gesteigerter, aber ungeordneter Knochenneubildung führt. Dies ist die klassische Folge eines unbehandelten oder lange bestehenden sekundären Hyperparathyreoidismus bei chronischer Niereninsuffizienz.

  • A. Die aluminiumassoziierte Osteopathie ist eine Low-turnover-Form und passt nicht zu dem hier erhöhten Parathormon und der gesteigerten Umbaurate.
  • C. Die adyname Knochenerkrankung ist durch niedriges, nicht erhöhtes Parathormon und supprimierten Knochenumbau charakterisiert.
  • D. Ein Calcitriolüberschuss ist bei chronischer Niereninsuffizienz untypisch, da die Calcitriolsynthese reduziert ist.
  • E. Eine metabolische Alkalose ist kein etablierter Mechanismus der renalen Osteopathie; bei CKD liegt meist eine metabolische Azidose vor.
Lernziel: Die Ostitis fibrosa als High-turnover-Form der renalen Osteopathie entsteht durch chronisch erhöhtes Parathormon, das über RANKL die Osteoklastenaktivität steigert.
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Ein 54-jähriger Patient mit bekannter diabetischer Nephropathie stellt sich zur Kontrolle vor. Blutdruck 148/92 mmHg, Serumkreatinin 1,6 mg/dl, eGFR 48 ml/min/1,73 m². Im Urin zeigt sich eine Albumin-Kreatinin-Ratio von 450 mg/g. Welche medikamentöse Maßnahme ist zur Verzögerung der Progression der Nierenerkrankung am besten geeignet?

  1. AGabe eines ACE-Hemmers
  2. BGabe eines Dihydropyridin-Kalziumantagonisten
  3. CGabe eines Betablockers
  4. DGabe eines Thiaziddiuretikums
  5. EGabe eines zentral wirksamen Alpha-2-Agonisten
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Lösung: A. Gabe eines ACE-Hemmers

ACE-Hemmer (bzw. alternativ Angiotensin-Rezeptorblocker) senken durch Dilatation des Vas efferens den intraglomerulären Druck und reduzieren dadurch die Proteinurie unabhängig vom blutdrucksenkenden Effekt. Diese Senkung des intraglomerulären Filtrationsdrucks ist der zentrale nephroprotektive Mechanismus und in zahlreichen Studien mit einer Verzögerung der Progression chronischer Nierenerkrankungen assoziiert. Laut AWMF-Leitlinie sind RAAS-Blocker bei diabetischer Nephropathie mit relevanter Albuminurie Therapie der ersten Wahl. Eine Kombination von ACE-Hemmer und ARB wird wegen erhöhtem Risiko für Hyperkaliämie und akutes Nierenversagen nicht empfohlen.

  • B. Dihydropyridin-Kalziumantagonisten dilatieren bevorzugt das Vas afferens und können die intraglomeruläre Hypertonie sogar verstärken.
  • C. Betablocker haben keinen nachgewiesenen nephroprotektiven Effekt bei diabetischer Nephropathie.
  • D. Thiaziddiuretika wirken blutdrucksenkend, haben aber keinen spezifischen antiproteinurischen Effekt über die RAAS-Hemmung.
  • E. Zentral wirksame Alpha-2-Agonisten sind reine Antihypertensiva ohne spezifische nephroprotektive Wirkung.
Lernziel: ACE-Hemmer/ARB sind durch Senkung des intraglomerulären Drucks und der Proteinurie die nephroprotektive Therapie der Wahl bei chronischer Nierenerkrankung mit Albuminurie.
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Eine 61-jährige Patientin mit Typ-2-Diabetes mellitus und diabetischer Nephropathie wird bereits mit einem ACE-Hemmer behandelt. Aktuelle Werte: HbA1c 7,8 %, eGFR 38 ml/min/1,73 m², Albumin-Kreatinin-Ratio 320 mg/g. Der Arzt möchte die Behandlung um eine Substanzklasse mit nachgewiesenem nephroprotektivem Zusatznutzen erweitern. Welcher Wirkmechanismus liegt dieser empfohlenen Substanzklasse zugrunde?

  1. ASteigerung der peripheren Insulinsensitivität über Aktivierung von PPAR-gamma
  2. BStimulation der Insulinsekretion durch Blockade von Kaliumkanälen der Beta-Zelle
  3. CVerzögerung der intestinalen Glukoseresorption durch Hemmung der Alpha-Glukosidase
  4. DHemmung der Dipeptidylpeptidase-4 mit Erhöhung des GLP-1-Spiegels
  5. EHemmung der Glukose-Rückresorption im proximalen Tubulus mit Reduktion des intraglomerulären Drucks
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Lösung: E. Hemmung der Glukose-Rückresorption im proximalen Tubulus mit Reduktion des intraglomerulären Drucks

SGLT2-Inhibitoren hemmen den Natrium-Glukose-Cotransporter 2 im proximalen Tubulus und verringern dadurch die Natriumrückresorption, was über den tubuloglomerulären Feedback-Mechanismus zu einer Vasokonstriktion des Vas afferens und Senkung des intraglomerulären Drucks führt. Dieser Effekt reduziert die Hyperfiltration und die Albuminurie unabhängig von der glykämischen Wirkung. Große Studien (z. B. DAPA-CKD, CREDENCE) belegen eine signifikante Verzögerung der Progression zur Dialysepflichtigkeit. Die aktuellen Leitlinien empfehlen SGLT2-Inhibitoren daher additiv zur RAAS-Blockade bei diabetischer Nephropathie mit Albuminurie, sofern die eGFR dies zulässt.

  • A. Glitazone wirken über PPAR-gamma auf die Insulinsensitivität, sind aber bei Niereninsuffizienz wegen Flüssigkeitsretention ungünstig.
  • B. Sulfonylharnstoffe stimulieren die Insulinsekretion, haben aber keinen nephroprotektiven Zusatzeffekt und bergen ein Hypoglykämierisiko.
  • C. Alpha-Glukosidase-Hemmer wirken nur auf die intestinale Kohlenhydratresorption ohne renale Schutzwirkung.
  • D. DPP-4-Inhibitoren wirken über GLP-1-Erhöhung rein glykämisch, ohne den nachgewiesenen intraglomerulären Drucksenkungseffekt.
Lernziel: SGLT2-Inhibitoren senken über tubuloglomerulären Feedback den intraglomerulären Druck und verzögern dadurch unabhängig von der Blutzuckersenkung die Progression der diabetischen Nephropathie.
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Ein 72-jähriger Patient mit chronischer Niereninsuffizienz (eGFR 25 ml/min/1,73 m²) entwickelt einen fieberhaften Harnwegsinfekt. Vor Verordnung eines Antibiotikums wird die Nierenfunktion berücksichtigt. Bei welcher der folgenden Substanzen ist eine Dosisreduktion in Abhängigkeit von der glomerulären Filtrationsrate am dringendsten erforderlich, um eine Kumulation mit toxischen Wirkungen zu vermeiden?

  1. ADoxycyclin
  2. BGentamicin
  3. CClindamycin
  4. DMoxifloxacin
  5. ECeftriaxon
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Lösung: B. Gentamicin

Aminoglykoside wie Gentamicin werden fast ausschließlich renal eliminiert und besitzen eine geringe therapeutische Breite mit dosis- und spiegelabhängiger Oto- und Nephrotoxizität. Bei eingeschränkter GFR kumuliert die Substanz rasch, weshalb Dosis und Dosierungsintervall anhand der Kreatinin-Clearance angepasst und Serumspiegel kontrolliert werden müssen. Ceftriaxon wird überwiegend biliär eliminiert und benötigt bei Niereninsuffizienz meist keine Anpassung, Doxycyclin wird vorwiegend hepatisch ausgeschieden. Clindamycin und Moxifloxacin werden ebenfalls überwiegend nicht-renal eliminiert und sind bei Niereninsuffizienz vergleichsweise unkritisch.

  • A. Doxycyclin wird überwiegend fäkal-biliär eliminiert und ist bei Niereninsuffizienz vergleichsweise unbedenklich.
  • C. Clindamycin wird hauptsächlich hepatisch metabolisiert und benötigt bei Niereninsuffizienz keine wesentliche Dosisanpassung.
  • D. Moxifloxacin wird überwiegend hepatisch metabolisiert und erfordert bei Niereninsuffizienz keine Dosisanpassung.
  • E. Ceftriaxon wird überwiegend biliär/fäkal ausgeschieden und erfordert bei Niereninsuffizienz in der Regel keine Dosisanpassung.
Lernziel: Aminoglykoside werden renal eliminiert und müssen bei eingeschränkter Nierenfunktion unter Spiegelkontrolle dosisangepasst werden, um Oto- und Nephrotoxizität zu vermeiden.

Elektrolyt- und Säure-Basen-Störungen

7 Fragen
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Ein 65-jähriger Patient mit chronischer Niereninsuffizienz und mangelnder Adhärenz bezüglich einer kaliumarmen Diät wird wegen Schwäche und Parästhesien in der Notaufnahme vorgestellt. Laborwerte: Serumkalium 7,2 mmol/l, Serumkreatinin 4,8 mg/dl. Im EKG zeigen sich hohe, spitze T-Wellen, eine Verbreiterung des QRS-Komplexes und ein Verlust der P-Welle. Welcher pathophysiologische Mechanismus liegt diesen EKG-Veränderungen zugrunde?

  1. AVerminderung des Ruhemembranpotentials mit verlangsamter Erregungsleitung im Myokard
  2. BVerlängerung der Repolarisationsphase durch Blockade von Kaliumkanälen
  3. CBlockade spannungsabhängiger Natriumkanäle durch zytosolische Azidose
  4. DErhöhte Automatie durch beschleunigte diastolische Depolarisation im Sinusknoten
  5. EVerkürzung der Repolarisation durch gesteigerten Kalziumeinstrom
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Lösung: A. Verminderung des Ruhemembranpotentials mit verlangsamter Erregungsleitung im Myokard

Bei Hyperkaliämie verschiebt sich das Ruhemembranpotential der Myokardzellen näher an den Schwellenwert, wodurch spannungsabhängige Natriumkanäle teilweise inaktiviert werden und die Erregungsleitungsgeschwindigkeit abnimmt. Dies äußert sich im EKG zunächst durch hohe, spitze T-Wellen (schnellere Repolarisation durch erhöhte Kaliumleitfähigkeit), bei zunehmender Kaliumkonzentration durch Verbreiterung des QRS-Komplexes und Verlust der P-Welle als Ausdruck der verlangsamten atrialen und ventrikulären Leitung. Im Extremfall droht ein sinuventrikulärer Rhythmus mit Übergang in Kammerflimmern oder Asystolie. Diese Befundkonstellation erfordert eine sofortige notfallmäßige Therapie.

  • B. Eine Verlängerung der Repolarisation durch Kaliumkanalblockade ist typisch für bestimmte Antiarrhythmika und das Long-QT-Syndrom, nicht für Hyperkaliämie.
  • C. Eine primäre Natriumkanalblockade durch Azidose beschreibt nicht den zentralen Mechanismus der kaliumbedingten EKG-Veränderungen.
  • D. Eine beschleunigte Automatie des Sinusknotens erklärt Tachyarrhythmien, nicht die beschriebene Leitungsverzögerung bei Hyperkaliämie.
  • E. Eine Verkürzung der Repolarisation durch Kalziumeinstrom ist für Hyperkalzämie charakteristisch, nicht für Hyperkaliämie.
Lernziel: Hyperkaliämie führt durch Depolarisation des Ruhemembranpotentials und verlangsamte Erregungsleitung zu hohen T-Wellen, QRS-Verbreiterung und P-Wellen-Verlust mit Risiko für maligne Arrhythmien.
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Ein 70-jähriger Dialysepatient wird mit Übelkeit und Muskelschwäche in die Notaufnahme gebracht, da die letzte Dialysesitzung ausgefallen ist. Serumkalium 7,6 mmol/l, im EKG zeigen sich breite QRS-Komplexe und fehlende P-Wellen. Welche Maßnahme sollte als erster Schritt zur Stabilisierung der Herzmembran erfolgen?

  1. AIntravenöse Gabe von Kalziumgluconat
  2. BIntravenöse Gabe von Natriumbikarbonat
  3. CInhalation eines Beta-2-Sympathomimetikums
  4. DOrale Gabe eines Kationenaustauscherharzes
  5. EIntravenöse Gabe von Insulin mit Glukose
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Lösung: A. Intravenöse Gabe von Kalziumgluconat

Bei lebensbedrohlicher Hyperkaliämie mit EKG-Veränderungen ist die intravenöse Gabe von Kalziumgluconat der erste Schritt, da Kalzium die Erregungsschwelle der Myokardzellmembran erhöht und damit innerhalb von Minuten membranstabilisierend wirkt, ohne die Kaliumkonzentration selbst zu senken. Erst danach folgen Maßnahmen, die Kalium in die Zelle verschieben (Insulin-Glukose-Infusion, Beta-2-Mimetikum) und schließlich Maßnahmen zur tatsächlichen Elimination von Kalium aus dem Körper (Dialyse, Kationenaustauscher). Die Wirkung von Kalzium ist zwar nur kurz anhaltend, überbrückt aber die Zeit bis zum Wirkungseintritt der übrigen Maßnahmen und bis zur definitiven Therapie durch Dialyse.

  • B. Natriumbikarbonat wirkt nur bei begleitender metabolischer Azidose kaliumsenkend und hat keinen direkten membranstabilisierenden Sofort-Effekt.
  • C. Beta-2-Sympathomimetika verschieben Kalium ebenfalls nur intrazellulär und wirken nicht so rasch membranstabilisierend wie Kalzium.
  • D. Kationenaustauscherharze eliminieren Kalium nur langsam über den Darm und sind für die Akuttherapie der lebensbedrohlichen Hyperkaliämie ungeeignet.
  • E. Insulin-Glukose senkt den Kaliumspiegel durch intrazelluläre Verschiebung, wirkt aber langsamer als Kalzium und schützt nicht unmittelbar die Membranerregbarkeit.
Lernziel: Bei lebensbedrohlicher Hyperkaliämie mit EKG-Veränderungen wird zuerst Kalziumgluconat intravenös gegeben, um die Myokardmembran zu stabilisieren, gefolgt von Maßnahmen zur intrazellulären Kaliumverschiebung und Elimination.
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Eine 74-jährige Patientin wird wegen Verwirrtheit stationär aufgenommen. Serumnatrium 118 mmol/l, Serumosmolalität 245 mosmol/kg, Urinosmolalität 480 mosmol/kg, Urinnatrium 65 mmol/l. Klinisch zeigt sich die Patientin euvoläm, Blutdruck 128/78 mmHg, keine Ödeme, kein Durstgefühl, normale Hautturgor. Welche Diagnose erklärt diesen Befund am besten?

  1. AGastrointestinaler Flüssigkeitsverlust durch Diarrhö
  2. BDiuretika-induzierter Volumenmangel
  3. CSyndrom der inadäquaten ADH-Sekretion
  4. DPrimäre Polydipsie
  5. ENebenniereninsuffizienz mit Mineralokortikoidmangel
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Lösung: C. Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion

Das SIADH ist charakterisiert durch eine hypotone Hyponatriämie bei inadäquat konzentriertem Urin (Urinosmolalität über 100 mosmol/kg trotz Hyponatriämie), erhöhter Urinnatriumausscheidung über 30-40 mmol/l und klinischer Euvolämie ohne Ödeme oder Zeichen eines Volumenmangels. Die exzessive ADH-Wirkung führt zu renaler Wasserretention, wodurch das Plasma trotz niedrigem Natrium nicht adäquat verdünnt werden kann. Bei Volumenmangel-bedingter Hyponatriämie (z. B. durch Diuretika oder Diarrhö) wäre entweder die Urinnatriumausscheidung erniedrigt (bei extrarenalem Verlust) oder klinische Zeichen der Hypovolämie wie Tachykardie und trockene Schleimhäute zu erwarten, die hier fehlen.

  • A. Bei gastrointestinalem Flüssigkeitsverlust wäre die Urinnatriumkonzentration kompensatorisch erniedrigt, nicht erhöht wie hier beschrieben.
  • B. Bei diuretikabedingtem Volumenmangel wären klinische Hypovolämiezeichen zu erwarten, die hier explizit fehlen; zudem passt die euvoläme Klinik nicht.
  • D. Bei primärer Polydipsie wäre der Urin maximal verdünnt mit niedriger Urinosmolalität, nicht konzentriert wie im vorliegenden Fall.
  • E. Bei Mineralokortikoidmangel bestünden meist Hyperkaliämie und Hypovolämiezeichen, die im geschilderten Fall fehlen.
Lernziel: SIADH zeigt sich durch euvoläme hypotone Hyponatriämie mit inadäquat konzentriertem Urin und erhöhter Urinnatriumausscheidung, im Gegensatz zu Volumenmangel-bedingten Formen mit klinischen Hypovolämiezeichen.
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Eine 59-jährige Patientin mit chronischem Alkoholabusus wird mit einer schweren Hyponatriämie von 108 mmol/l aufgenommen, die seit mehreren Tagen bestehen soll. Die behandelnden Ärzte korrigieren den Natriumwert innerhalb von 24 Stunden auf 132 mmol/l. Zwei Tage später entwickelt die Patientin eine progrediente Tetraparese, Dysarthrie und Bewusstseinstrübung. Welche Maßnahme hätte diese Komplikation am ehesten verhindert?

  1. ABegrenzung des Natriumanstiegs auf maximal 8 mmol/l pro 24 Stunden
  2. BZusätzliche Gabe eines Schleifendiuretikums während der Korrektur
  3. CVerwendung von hypertoner Kochsalzlösung anstelle isotoner Lösung
  4. DEinmalige Bolusgabe von 3-prozentiger Kochsalzlösung ohne Kontrollen
  5. ESchnellere Korrektur innerhalb der ersten 6 Stunden
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Lösung: A. Begrenzung des Natriumanstiegs auf maximal 8 mmol/l pro 24 Stunden

Die zentrale pontine Myelinolyse ist eine demyelinisierende Komplikation, die durch eine zu rasche Korrektur einer chronischen (länger als 48 Stunden bestehenden) Hyponatriämie entsteht, da sich die Hirnzellen osmotisch nicht schnell genug an den raschen extrazellulären Natriumanstieg anpassen können. Besonders gefährdet sind Patienten mit chronischem Alkoholabusus, Mangelernährung oder Leberinsuffizienz. Die aktuellen Empfehlungen sehen eine Korrektur von maximal 8 mmol/l pro 24 Stunden (bei Risikopatienten noch vorsichtiger) vor, um die osmotische Demyelinisierung zu vermeiden. Bei zu schneller Korrektur kann die Gabe von hypotoner Flüssigkeit oder Desmopressin die Natriumkonzentration wieder absenken und das Risiko mindern.

  • B. Ein Schleifendiuretikum kann die Wasserausscheidung fördern, verhindert aber nicht eine zu schnelle Natriumkorrektur und senkt das Risiko nicht gezielt.
  • C. Die Verwendung hypertoner statt isotoner Lösung würde den Natriumanstieg beschleunigen und das Risiko für eine zentrale pontine Myelinolyse erhöhen.
  • D. Eine unkontrollierte Bolusgabe hypertoner Kochsalzlösung ohne Kontrollen erhöht das Risiko einer Überkorrektur erheblich.
  • E. Eine schnellere Korrektur in den ersten Stunden würde das Risiko für eine osmotische Demyelinisierung weiter erhöhen statt es zu senken.
Lernziel: Bei chronischer Hyponatriämie darf die Natriumkorrektur 8 mmol/l pro 24 Stunden nicht überschreiten, um eine zentrale pontine Myelinolyse zu vermeiden.
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Ein 6-jähriger Junge fällt durch Minderwuchs und eine Gangstörung mit X-Beinen auf. Laborchemisch zeigen sich eine Glukosurie bei normalem Serumglukosewert, eine generalisierte Aminoazidurie, eine Hypophosphatämie und ein Serum-Bikarbonat von 18 mmol/l. Der Urin-pH beträgt 5,2. Welcher Pathomechanismus erklärt am ehesten das gesamte Befundmuster?

  1. AMutation des Bikarbonat-Chlorid-Austauschers in der basolateralen Membran der Sammelrohrzellen
  2. BVerminderte Expression von Aquaporin-2 im Sammelrohr
  3. CDefekt der luminalen H+-ATPase in den Sammelrohr-Hauptzellen
  4. DGlobale Transportstörung des proximalen Tubulus mit verminderter Bikarbonatrückresorption
  5. EAldosteronresistenz des distalen Tubulus
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Lösung: D. Globale Transportstörung des proximalen Tubulus mit verminderter Bikarbonatrückresorption

Beim renalen Fanconi-Syndrom liegt eine globale Funktionsstörung des proximalen Tubulus vor, die neben der Bikarbonatrückresorption auch die Rückresorption von Glukose, Aminosäuren, Phosphat und Harnsäure betrifft. Der Bikarbonatverlust führt zur proximalen RTA Typ 2; da die distale Azidifizierungsfunktion erhalten ist, kann der Urin-pH bei neuem Steady-State dennoch sauer werden. Die Phosphaturie verursacht eine hypophosphatämische Rachitis mit Wachstumsstörung und Beindeformität. Ursachen sind genetisch (z. B. Cystinose) oder erworben (Schwermetalle, Medikamente).

  • A. Dies beschreibt eine seltene Form der distalen RTA, nicht das proximale Fanconi-Muster.
  • B. Ein Aquaporin-2-Defekt verursacht einen nephrogenen Diabetes insipidus mit Polyurie, nicht die beschriebenen Befunde.
  • C. Das entspricht der distalen RTA Typ 1 und erklärt nicht die begleitende Glukosurie und Aminoazidurie.
  • E. Eine Aldosteronresistenz würde zu Hyperkaliämie und Natriumverlust führen, nicht zum beschriebenen Befundmuster.
Lernziel: Die proximale RTA Typ 2 entsteht durch eine globale proximal-tubuläre Transportstörung (Fanconi-Syndrom) mit Glukosurie, Aminoazidurie, Phosphaturie und Bikarbonatverlust.
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Ein 70-jähriger Patient mit bekannter chronischer Niereninsuffizienz (eGFR 18 ml/min/1,73 m²) wird wegen Abgeschlagenheit vorstellig. Arterielle Blutgasanalyse: pH 7,30, pCO2 30 mmHg, Bikarbonat 15 mmol/l. Serumelektrolyte: Natrium 138 mmol/l, Kalium 5,2 mmol/l, Chlorid 100 mmol/l. Welche Aussage zur Interpretation dieser Befunde trifft am ehesten zu?

  1. ADer Befund zeigt eine gemischte respiratorische und metabolische Alkalose
  2. BDie normale Anionenlücke beweist eine hyperchlorämische renale tubuläre Azidose
  3. CEs liegt eine metabolische Azidose mit erhöhter Anionenlücke durch Retention organischer Säuren vor
  4. DDie erniedrigte Anionenlücke spricht für einen gastrointestinalen Bikarbonatverlust
  5. EEs liegt eine respiratorische Alkalose als Kompensationsmechanismus vor
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Lösung: C. Es liegt eine metabolische Azidose mit erhöhter Anionenlücke durch Retention organischer Säuren vor

Die berechnete Anionenlücke [Na − (Cl + HCO3)] beträgt 138 − (100 + 15) = 23 mmol/l und ist damit deutlich erhöht (Norm ca. 8–12 mmol/l). Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz (eGFR < 20–30 ml/min) können Sulfat, Phosphat und andere organische Anionen nicht mehr ausreichend ausgeschieden werden, sodass sich eine Azidose mit erhöhter Anionenlücke entwickelt. Die respiratorische Kompensation zeigt sich am erniedrigten pCO2 (Hyperventilation). Die begleitende Hyperkaliämie passt ebenfalls zur fortgeschrittenen Niereninsuffizienz.

  • A. Der pH ist erniedrigt, es liegt definitionsgemäß eine Azidose und keine Alkalose vor.
  • B. Die errechnete Anionenlücke ist erhöht; eine normale Anionenlücke wäre typisch für die frühe Niereninsuffizienz oder RTA.
  • D. Die Anionenlücke ist in diesem Fall erhöht, nicht erniedrigt.
  • E. Der erniedrigte pCO2 ist die respiratorische Kompensation der metabolischen Azidose, keine eigenständige respiratorische Alkalose; der pH ist erniedrigt, nicht erhöht.
Lernziel: Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz entsteht durch Retention organischer Anionen eine metabolische Azidose mit erhöhter Anionenlücke.
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Eine 62-jährige Patientin mit arterieller Hypertonie nimmt seit mehreren Wochen Hydrochlorothiazid ein. Laborkontrolle: Kalium 2,9 mmol/l, Bikarbonat 31 mmol/l, arterieller pH 7,49, Chlorid 92 mmol/l. Welcher Mechanismus erklärt am ehesten die Kombination aus Hypokaliämie und metabolischer Alkalose?

  1. ADirekte Hemmung der Carboanhydrase im proximalen Tubulus mit Bikarbonatverlust
  2. BAntagonisierung des Aldosteronrezeptors in den Hauptzellen des Sammelrohrs
  3. CHemmung des Na-K-2Cl-Kotransporters in der dicken aufsteigenden Henle-Schleife
  4. DOsmotische Diurese mit begleitendem Kaliumverlust
  5. EGesteigerter distaler Natriumangebot aktiviert den epithelialen Natriumkanal mit vermehrter Kalium- und Protonensekretion
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Lösung: E. Gesteigerter distaler Natriumangebot aktiviert den epithelialen Natriumkanal mit vermehrter Kalium- und Protonensekretion

Thiazide hemmen den Na-Cl-Kotransporter (NCC) im distalen Konvolut, sodass vermehrt Natrium in das Sammelrohr gelangt. Dort wird es über den epithelialen Natriumkanal (ENaC) rückresorbiert, was elektrogen die Sekretion von Kalium und Protonen in den Hauptzellen bzw. α-Interkalarzellen fördert und zu Hypokaliämie und metabolischer Alkalose (sog. Kontraktionsalkalose plus kaliuretische Alkalose) führt. Der begleitende Volumenmangel aktiviert zusätzlich das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, was den Effekt verstärkt. Die Hypochlorämie ergibt sich aus der begleitenden Chloriduresis.

  • A. Das beschreibt den Wirkmechanismus von Acetazolamid, das im Gegensatz zu Thiaziden eine metabolische Azidose verursacht.
  • B. Dies ist der Wirkmechanismus von Spironolacton, der zu Hyperkaliämie und nicht zu Hypokaliämie führt.
  • C. Dies beschreibt den Wirkmechanismus von Schleifendiuretika, nicht von Thiaziden, auch wenn das klinische Bild ähnlich ist.
  • D. Eine osmotische Diurese (z. B. durch Mannitol) ist hier nicht die Ursache, da Thiazide keine osmotisch aktive Substanz darstellen.
Lernziel: Thiaziddiuretika verursachen durch gesteigertes distales Natriumangebot und ENaC-vermittelte Kalium-/Protonensekretion eine hypokaliämische metabolische Alkalose.

Harnwegsinfekte und interstitielle Nephritis

5 Fragen
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Eine 24-jährige Studentin stellt sich mit seit zwei Tagen bestehender Dysurie, Pollakisurie und imperativem Harndrang vor. Sie ist nicht schwanger, hat keine Vorerkrankungen und keine Flankenschmerzen. Körpertemperatur 36,7 °C. Der Urinstix zeigt Leukozyten und Nitrit positiv. Welche Therapie ist bei dieser Patientin Mittel der ersten Wahl?

  1. ACefpodoxim oral über 5 Tage
  2. BTrimethoprim/Sulfamethoxazol oral über 7 Tage
  3. CCiprofloxacin oral über 7 Tage
  4. DFosfomycin-Trometamol als orale Einmaldosis
  5. EAmoxicillin/Clavulansäure oral über 5 Tage
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Lösung: D. Fosfomycin-Trometamol als orale Einmaldosis

Bei der unkomplizierten Zystitis der prämenopausalen, nicht schwangeren Frau empfiehlt die AWMF-S3-Leitlinie als Mittel der ersten Wahl Fosfomycin-Trometamol (3 g als Einmaldosis), Nitrofurantoin oder Pivmecillinam, da diese Substanzen eine geringe Resistenzrate und ein günstiges Nebenwirkungsprofil bei minimaler Kollateralschädigung der Darmflora aufweisen. Fluorchinolone wie Ciprofloxacin sollen aufgrund ihres Nebenwirkungsprofils und zur Resistenzvermeidung nicht als Erstlinientherapie der unkomplizierten Zystitis eingesetzt werden. Eine kalkulierte Antibiotikatherapie ist bei typischer Symptomatik auch ohne Urinkultur gerechtfertigt.

  • A. Cephalosporine der dritten Generation sind aufgrund ihres breiten Wirkspektrums und der Kollateralschäden nicht Mittel der ersten Wahl bei unkomplizierter Zystitis.
  • B. Trimethoprim/Sulfamethoxazol ist aufgrund regional hoher Resistenzraten von E. coli in Deutschland nur noch Mittel der zweiten Wahl.
  • C. Fluorchinolone sind wegen Resistenzentwicklung und Nebenwirkungsprofil als Reservemittel einzustufen, nicht als Erstlinientherapie der unkomplizierten Zystitis.
  • E. Aminopenicilline mit Betalaktamase-Inhibitor sind aufgrund höherer Resistenzraten und ungünstigerer Wirksamkeit keine Erstlinienoption.
Lernziel: Bei unkomplizierter Zystitis sind Fosfomycin-Trometamol, Nitrofurantoin oder Pivmecillinam die leitliniengerechten Mittel der ersten Wahl.
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Eine 27-jährige Schwangere in der 18. Schwangerschaftswoche wird im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung untersucht. Sie hat keine Beschwerden, keine Dysurie, kein Fieber. Die Urinkultur zeigt eine Keimzahl von 10^5 KBE/ml Escherichia coli in zwei konsekutiven Proben. Wie sollte in dieser Situation verfahren werden?

  1. AAntibiotische Behandlung entsprechend dem Resistogramm einleiten
  2. BKeine Therapie, da eine asymptomatische Bakteriurie in der Schwangerschaft nicht behandlungsbedürftig ist
  3. CAbwartendes Verhalten mit erneuter Urinkultur erst im dritten Trimenon
  4. DEinmalige Instillation eines intravesikalen Antiseptikums
  5. EAusschließlich symptomatische Therapie mit Phenazopyridin bei Bedarf
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Lösung: A. Antibiotische Behandlung entsprechend dem Resistogramm einleiten

Im Gegensatz zur nicht schwangeren Frau soll eine asymptomatische Bakteriurie in der Schwangerschaft laut AWMF-S3-Leitlinie antibiotisch behandelt werden, da sie das Risiko für eine aufsteigende Pyelonephritis, Frühgeburtlichkeit und ein niedriges Geburtsgewicht signifikant erhöht. Die Diagnose erfordert den Nachweis einer signifikanten Keimzahl (≥10^5 KBE/ml) in der Regel in zwei aufeinanderfolgenden Proben bei fehlender Symptomatik. Die Auswahl des Antibiotikums richtet sich nach dem Resistogramm und der Unbedenklichkeit in der Schwangerschaft, z. B. Pivmecillinam oder bestimmte Cephalosporine, unter Vermeidung von Fluorchinolonen und Trimethoprim im ersten Trimenon.

  • B. Dieses Vorgehen gilt für nicht schwangere, prämenopausale Frauen; in der Schwangerschaft besteht wegen des erhöhten Pyelonephritis- und Frühgeburtsrisikos eine Behandlungsindikation.
  • C. Ein Zuwarten würde das Risiko einer aufsteigenden Infektion und Frühgeburtlichkeit unnötig erhöhen, die Therapie sollte sofort erfolgen.
  • D. Eine intravesikale Instillation ist bei asymptomatischer Bakteriurie nicht indiziert und kein anerkanntes Therapieverfahren.
  • E. Phenazopyridin behandelt nur Symptome der Blase und beseitigt die Bakteriurie nicht, zudem liegt hier gar keine Symptomatik vor.
Lernziel: Eine asymptomatische Bakteriurie muss in der Schwangerschaft wegen des erhöhten Risikos für Pyelonephritis und Frühgeburt antibiotisch behandelt werden.
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Ein 55-jähriger Patient erhält seit zehn Tagen Amoxicillin wegen einer Pneumonie. Er entwickelt Fieber, ein makulopapulöses Exanthon und eine Verschlechterung der Nierenfunktion mit Anstieg des Serumkreatinins von 0,9 auf 2,4 mg/dl. Im Urinsediment finden sich zahlreiche Leukozyten und zahlreiche Eosinophile, jedoch keine Erythrozytenzylinder. Die Blutuntersuchung zeigt eine periphere Eosinophilie. Welcher Pathomechanismus liegt dieser Nierenschädigung am ehesten zugrunde?

  1. AKristallinduzierte intratubuläre Obstruktion durch Medikamentenpräzipitate
  2. BThrombotische Mikroangiopathie mit Fibrinthromben in den Glomeruluskapillaren
  3. CImmunkomplexablagerung entlang der glomerulären Basalmembran mit Komplementaktivierung
  4. DDirekte tubulotoxische Schädigung durch Akkumulation des Medikaments in den proximalen Tubuluszellen
  5. ET-Zell-vermittelte Hypersensitivitätsreaktion mit Entzündungsinfiltrat im tubulointerstitiellen Raum
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Lösung: E. T-Zell-vermittelte Hypersensitivitätsreaktion mit Entzündungsinfiltrat im tubulointerstitiellen Raum

Die medikamenteninduzierte akute interstitielle Nephritis beruht überwiegend auf einer zellvermittelten (Typ-IV-ähnlichen) Hypersensitivitätsreaktion, bei der T-Lymphozyten und Eosinophile ein Infiltrat im Tubulointerstitium bilden und zu tubulärer Schädigung mit akutem Nierenversagen führen. Typische Auslöser sind Betalaktam-Antibiotika, NSAR und Protonenpumpenhemmer. Die klassische Trias aus Fieber, Exanthem und Eosinophilie findet sich nur bei einem Teil der Patienten, ist aber hinweisend; eine Eosinophilurie unterstützt die Diagnose, ist aber weder sensitiv noch spezifisch. Therapeutisch steht das sofortige Absetzen des auslösenden Medikaments im Vordergrund, bei anhaltender Niereninsuffizienz können Glukokortikoide erwogen werden.

  • A. Eine kristallinduzierte Obstruktion ist typisch für Substanzen wie Aciclovir oder Methotrexat in hoher Dosierung, nicht für das hier beschriebene allergische Bild.
  • B. Eine thrombotische Mikroangiopathie geht mit Hämolyse, Thrombozytopenie und Fragmentozyten einher, die hier nicht beschrieben sind.
  • C. Immunkomplexvermittelte Glomerulonephritiden gehen mit Erythrozytenzylindern und glomerulärer Beteiligung einher, die hier fehlen.
  • D. Eine direkte tubulotoxische Wirkung ist typisch für Aminoglykoside oder Kontrastmittel, nicht für die allergische Reaktion auf Amoxicillin mit Eosinophilie und Exanthem.
Lernziel: Die akute medikamentös-allergische interstitielle Nephritis entsteht durch eine T-Zell-vermittelte Hypersensitivitätsreaktion mit tubulointerstitiellem Infiltrat, oft begleitet von Fieber, Exanthem und Eosinophilie.
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Eine 62-jährige Patientin stellt sich mit seit Jahren rezidivierenden Spannungskopfschmerzen vor, die sie seit über 15 Jahren täglich mit einem Kombinationsanalgetikum aus Paracetamol, Acetylsalicylsäure und Koffein behandelt. Aktuell klagt sie über Flankenschmerzen und schmerzlose Makrohämaturie. Laborchemisch zeigt sich ein Kreatinin von 2,1 mg/dl, im Urinsediment finden sich nekrotische Gewebsfragmente. In der Sonographie sind beide Nieren verkleinert mit unregelmäßiger, höckeriger Kontur. Welche Komplikation liegt am wahrscheinlichsten vor?

  1. AMembranöse Glomerulonephritis
  2. BAkute Glomerulonephritis vom IgA-Typ
  3. CNierenzellkarzinom mit Einbruch ins Nierenbecken
  4. DPapillennekrose mit chronischer interstitieller Nephritis
  5. EAkute tubuläre Nekrose durch Kontrastmittel
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Lösung: D. Papillennekrose mit chronischer interstitieller Nephritis

Der langjährige Gebrauch phenacetinhaltiger oder phenacetinähnlicher Mischanalgetika führt zu einer Analgetikanephropathie mit Papillennekrosen und chronischer interstitieller Nephritis. Typisch sind kleine, höckerige Nieren, abgestoßenes nekrotisches Papillengewebe im Urin und Makrohämaturie. Pathophysiologisch kommt es durch die Kombination von Metaboliten zu einer Verminderung der medullären Durchblutung mit ischämischer Papillennekrose. Die Analgetikanephropathie erhöht zudem das Risiko für Urothelkarzinome des Nierenbeckens.

  • A. Eine membranöse Glomerulonephritis verursacht ein nephrotisches Syndrom ohne Papillennekrosen.
  • B. Eine IgA-Nephropathie zeigt ein glomeruläres Muster mit Erythrozytenzylindern, nicht nekrotisches Papillengewebe, und passt nicht zum jahrelangen Analgetikagebrauch.
  • C. Ein Nierenzellkarzinom würde sich als raumfordernde Läsion und nicht als bilaterale Schrumpfniere mit höckeriger Kontur darstellen.
  • E. Eine kontrastmittelinduzierte Nephropathie ist akut und steht in keinem Zusammenhang mit der beschriebenen Anamnese.
Lernziel: Langjähriger Mischanalgetikagebrauch kann über Papillennekrosen zu einer chronischen interstitiellen Nephritis (Analgetikanephropathie) mit erhöhtem Urothelkarzinomrisiko führen.
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Ein 68-jähriger Patient mit seit 20 Jahren bekanntem Diabetes mellitus Typ 2 und diabetischer Zystopathie stellt sich mit Fieber bis 39,2 °C, Flankenschmerz rechts und Dysurie vor. Laborchemisch zeigen sich ein CRP von 180 mg/l und eine Leukozytose von 16.000/µl. Der HbA1c liegt bei 9,8 %. In der Sonographie findet sich eine dilatierte Niere rechts mit echogenen, teils lufthaltigen Arealen im Parenchym. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?

  1. AUnkomplizierte Zystitis
  2. BChronische Pyelonephritis
  3. CEmphysematöse Pyelonephritis
  4. DNephrolithiasis mit Harnstauung
  5. EAkute Prostatitis
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Lösung: C. Emphysematöse Pyelonephritis

Die Kombination aus schlecht eingestelltem Diabetes mellitus, septischem Krankheitsbild und gasbildenden Arealen im Nierenparenchym in der Bildgebung ist pathognomonisch für eine emphysematöse Pyelonephritis. Sie entsteht durch gasbildende Erreger wie E. coli oder Klebsiella pneumoniae, die bei Hyperglykämie Glukose fermentieren. Diese lebensbedrohliche Komplikation erfordert eine sofortige antibiotische Therapie und häufig eine urologische Intervention (Drainage oder Nephrektomie). Diabetiker mit urologischen Anomalien wie der diabetischen Zystopathie sind durch Harnstauung und gestörte Blasenentleerung besonders gefährdet.

  • A. Eine unkomplizierte Zystitis verursacht kein hohes Fieber und keine Gasbildung im Nierenparenchym.
  • B. Eine chronische Pyelonephritis verläuft ohne akute septische Symptomatik und ohne Gasbildung.
  • D. Ein Konkrement allein erklärt nicht die lufthaltigen Areale im Parenchym.
  • E. Eine Prostatitis würde sich mit einer druckschmerzhaften, geschwollenen Prostata bei rektaler Untersuchung zeigen, nicht mit intraparenchymalem Gas.
Lernziel: Bei Diabetikern mit urologischer Anomalie und septischem Verlauf sowie gasbildenden Parenchymarealen in der Bildgebung muss an eine emphysematöse Pyelonephritis gedacht werden.

Nephrolithiasis

4 Fragen
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Eine 34-jährige Patientin stellt sich nachts in der Notaufnahme mit plötzlich einschießenden, wellenförmigen Flankenschmerzen rechts vor, die in die Leiste ausstrahlen. Sie ist unruhig, krümmt sich vor Schmerzen und erbricht einmalig. Der klinische Untersuchungsbefund zeigt eine klopfschmerzhafte rechte Flanke ohne Peritonismus. Die Temperatur beträgt 36,8 °C. Welche Untersuchung ist zur initialen Diagnosesicherung am besten geeignet?

  1. AAbdominelle Sonographie allein
  2. BAbdomenübersichtsaufnahme im Stehen
  3. CMagnetresonanztomographie des Abdomens
  4. DNative Niedrigdosis-Computertomographie des Abdomens
  5. EAusscheidungsurographie (i.v.-Pyelographie)
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Lösung: D. Native Niedrigdosis-Computertomographie des Abdomens

Die native Niedrigdosis-Computertomographie gilt laut aktueller S2k-Leitlinie als Methode der Wahl zur Abklärung der akuten Nephrolithiasis-Kolik, da sie nahezu alle Steinarten unabhängig von Größe und Lage mit hoher Sensitivität und Spezifität nachweist und zusätzlich Differenzialdiagnosen wie Appendizitis oder Aortenaneurysma erfasst. Die Sonographie wird meist initial als schnelle, strahlungsfreie Methode zum Nachweis einer Harnstauung eingesetzt, besitzt aber eine geringere Sensitivität für kleinere oder ureterale Steine. Die Ausscheidungsurographie ist durch das CT weitgehend verdrängt worden. Bei Schwangeren wird aus Strahlenschutzgründen primär die Sonographie, ggf. ergänzt durch MRT, eingesetzt.

  • A. Die Sonographie allein kann kleine oder ureterale Steine übersehen und liefert keine zuverlässige Information über die Steingröße.
  • B. Die Übersichtsaufnahme erfasst nur röntgendichte Steine und hat eine deutlich geringere Sensitivität als das CT.
  • C. Die MRT ist nicht die Methode der ersten Wahl, da sie zeitaufwändiger, teurer und Steine schlechter direkt darstellbar sind.
  • E. Die i.v.-Pyelographie ist invasiver, benötigt Kontrastmittel und wurde durch das Low-dose-CT weitgehend abgelöst.
Lernziel: Die native Niedrigdosis-CT ist die Bildgebung der Wahl bei akuter Nephrolithiasis-Kolik.
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Ein 55-jähriger Patient mit bekannter Gichtarthropathie und metabolischem Syndrom entwickelt rezidivierende Nierenkoliken. Die Steinanalyse nach spontanem Abgang ergibt einen radiologisch kaum sichtbaren, gelblich-braunen Stein. Der 24-Stunden-Urin zeigt einen pH-Wert von durchgehend 5,0-5,3 sowie eine erhöhte Harnsäureausscheidung. Welcher Mechanismus erklärt am besten die Steinbildung bei diesem Patienten?

  1. AAutosomal-rezessiver Defekt des renalen Aminosäuretransporters führt zu vermehrter Ausscheidung
  2. BVerminderte renale Zitratausscheidung begünstigt die Kalziumbindung an Oxalat
  3. CPersistierend saurer Urin-pH führt zur Präzipitation von Harnsäure in ihrer schwer löslichen, nicht dissoziierten Form
  4. DBakterielle Harnstoffspaltung erhöht den pH-Wert und fördert die Kristallisation
  5. EPrimärer Hyperparathyreoidismus steigert die intestinale Kalziumresorption
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Lösung: C. Persistierend saurer Urin-pH führt zur Präzipitation von Harnsäure in ihrer schwer löslichen, nicht dissoziierten Form

Harnsäure liegt im Urin als pH-abhängiges Gleichgewicht zwischen der schwer löslichen, undissoziierten Harnsäure und dem gut löslichen Urat-Anion vor. Bei einem Urin-pH unter 5,5, wie er häufig beim metabolischen Syndrom und bei Gicht vorkommt, überwiegt die schlecht lösliche Form, wodurch Harnsäure präzipitiert und Steine bildet. Diese Steine sind im Gegensatz zu kalziumhaltigen Steinen auf der Abdomenübersicht meist nicht sichtbar, da Harnsäure röntgennegativ ist. Die kausale Therapie besteht in einer Urinalkalisierung auf einen pH von 6,2-6,8, etwa mit Kaliumcitrat.

  • A. Dies beschreibt die Zystinurie, die zu Zystinsteinen und nicht zu Harnsäuresteinen führt.
  • B. Eine Hypozitraturie ist ein Risikofaktor für Kalziumoxalatsteine, nicht für Harnsäuresteine.
  • D. Dieser Mechanismus beschreibt die Entstehung von Struvitsteinen durch ureasebildende Bakterien, nicht die Harnsäuresteinbildung.
  • E. Ein Hyperparathyreoidismus begünstigt Kalziumsteine über eine Hyperkalziurie, nicht die pH-abhängige Harnsäurepräzipitation.
Lernziel: Harnsäuresteine entstehen bei persistierend saurem Urin-pH durch Präzipitation der schwer löslichen, undissoziierten Harnsäureform.
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Eine 29-jährige Patientin mit rezidivierenden Harnwegsinfekten wird mit einem großen, hirschgeweihartigen Ausgusskonkrement im Nierenbecken diagnostiziert. Der Urin-pH liegt bei 8,1, im Urinkultur wächst Proteus mirabilis. Welcher pathophysiologische Mechanismus erklärt am besten die Entstehung dieses Steintyps?

  1. AGenetisch bedingte Hyperaktivität der Xanthinoxidase steigert die Harnsäureproduktion
  2. BPrimäre Hyperoxalurie durch Enzymdefekt der Glyoxalat-Metabolisierung
  3. CTubulärer Defekt der Bicarbonatrückresorption führt zu chronischer metabolischer Azidose
  4. DBakterielle Urease spaltet Harnstoff zu Ammoniak und CO2, wodurch der Urin alkalisiert wird und Magnesiumammoniumphosphat auskristallisiert
  5. EErhöhte intestinale Oxalatresorption führt zu vermehrter renaler Oxalatausscheidung
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Lösung: D. Bakterielle Urease spaltet Harnstoff zu Ammoniak und CO2, wodurch der Urin alkalisiert wird und Magnesiumammoniumphosphat auskristallisiert

Ureasebildende Bakterien wie Proteus mirabilis, aber auch Klebsiella oder Providencia, spalten Harnstoff enzymatisch in Ammoniak und CO2. Dies führt zu einer massiven Alkalisierung des Urins auf pH-Werte über 7,2, bei denen Magnesium, Ammonium und Phosphat zu schwer löslichem Struvit auskristallisieren. Die so entstehenden Infektsteine wachsen oft rasch zu großen Ausgusssteinen (Koralliform- bzw. Hirschgeweihsteine) des Nierenbeckenkelchsystems heran. Therapeutisch steht neben der vollständigen Steinentfernung die Sanierung des Infekts im Vordergrund, da sonst ein Rezidiv droht.

  • A. Eine gesteigerte Xanthinoxidaseaktivität würde die Harnsäureproduktion erhöhen und zu Harnsäuresteinen führen.
  • B. Die primäre Hyperoxalurie ist eine seltene genetische Erkrankung, die zu rezidivierenden Kalziumoxalatsteinen führt, nicht zu Struvit.
  • C. Eine renal-tubuläre Azidose führt zu Kalziumphosphatsteinen, nicht primär zu Struvitsteinen, und erklärt nicht die Rolle von Proteus mirabilis.
  • E. Eine erhöhte Oxalatresorption erklärt Kalziumoxalatsteine, nicht die alkalische Infektsteinbildung.
Lernziel: Struvitsteine entstehen durch bakterielle Ureasespaltung von Harnstoff mit Alkalisierung des Urins und Ausfällung von Magnesiumammoniumphosphat.
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Ein 40-jähriger Patient hat erstmals einen Kalziumoxalatstein spontan abgegangen. In der Stoffwechselabklärung zeigen sich keine relevanten Grunderkrankungen, lediglich eine geringe tägliche Trinkmenge von etwa 1 Liter wird anamnestisch erhoben. Welche Maßnahme zur Rezidivprophylaxe ist bei diesem Patienten an erster Stelle empfohlen?

  1. AKomplette Eliminierung tierischen Proteins aus der Ernährung
  2. BStrikte lebenslange Reduktion der Kalziumzufuhr auf unter 400 mg täglich
  3. CSteigerung der Flüssigkeitszufuhr auf mindestens 2,5-3 Liter pro Tag mit Ziel-Urinvolumen über 2 Liter
  4. DGabe von Kaliumcitrat unabhängig vom Urin-pH bei jedem Patienten
  5. EDauertherapie mit Allopurinol zur Harnsäuresenkung
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Lösung: C. Steigerung der Flüssigkeitszufuhr auf mindestens 2,5-3 Liter pro Tag mit Ziel-Urinvolumen über 2 Liter

Die Basis jeder Steinmetaphylaxe, insbesondere bei Kalziumoxalatsteinen, ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens 2,5-3 Litern täglich, um ein Urinvolumen von über 2 Litern pro Tag zu erreichen und damit die Harnkonzentration steinbildender Substanzen zu senken. Diese Maßnahme ist bei allen Steinarten unabhängig von der Metaphylaxe-Diagnostik wirksam und senkt das Rezidivrisiko signifikant. Eine strikte Kalziumrestriktion wird nicht empfohlen, da sie paradoxerweise die oxalatbindende Wirkung von Kalzium im Darm reduziert und so die intestinale Oxalatresorption sowie das Steinrisiko erhöhen kann. Ergänzend werden eine moderate Kochsalz- und Proteinrestriktion sowie eine ausgewogene, oxalatarme Ernährung empfohlen.

  • A. Eine komplette Eliminierung tierischen Proteins ist nicht erforderlich; empfohlen wird lediglich eine moderate Reduktion.
  • B. Eine strenge Kalziumrestriktion ist nicht indiziert und kann durch verminderte intestinale Oxalatbindung das Steinrisiko sogar erhöhen.
  • D. Kaliumcitrat wird gezielt bei Hypozitraturie oder niedrigem Urin-pH eingesetzt, nicht unabhängig vom individuellen Befund bei jedem Patienten.
  • E. Allopurinol ist bei Harnsäuresteinen oder begleitender Hyperurikosurie indiziert, nicht routinemäßig bei Kalziumoxalatsteinen ohne entsprechenden Befund.
Lernziel: Die wichtigste Metaphylaxemaßnahme bei Kalziumoxalatsteinen ist eine Flüssigkeitszufuhr von mindestens 2,5-3 Litern täglich zur Erzielung eines Urinvolumens über 2 Litern.

Zystische und erbliche Nierenerkrankungen

3 Fragen
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Ein 38-jähriger Mann stellt sich zur Abklärung vor, da sein Vater im Alter von 52 Jahren dialysepflichtig wurde. Der Patient ist beschwerdefrei, der Blutdruck liegt bei 148/92 mmHg. Die Sonographie zeigt beidseits vergrößerte Nieren mit jeweils 4 Zysten pro Niere. Welches Kriterium ist für die Diagnosestellung bei positiver Familienanamnese in dieser Altersgruppe entscheidend?

  1. AMindestens 3 Zysten (unilateral oder bilateral) bei Patienten zwischen 15 und 39 Jahren
  2. BMindestens 2 Zysten pro Niere bei Patienten zwischen 40 und 59 Jahren
  3. CMindestens 2 Zysten unilateral oder bilateral bei Patienten unter 15 Jahren
  4. DMindestens 4 Zysten pro Niere bei Patienten über 60 Jahre
  5. ENachweis einer Niereninsuffizienz mit eGFR unter 60 ml/min/1,73 m²
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Lösung: A. Mindestens 3 Zysten (unilateral oder bilateral) bei Patienten zwischen 15 und 39 Jahren

Die sonographischen Diagnosekriterien der ADPKD nach den modifizierten Ravine-Kriterien (Pei-Kriterien) sind altersabhängig, da die Zystenzahl mit dem Alter zunimmt. Bei positiver Familienanamnese gilt im Alter von 15 bis 39 Jahren der Nachweis von mindestens 3 Zysten (unilateral oder bilateral) als diagnostisch. Im Alter von 40 bis 59 Jahren sind mindestens 2 Zysten pro Niere erforderlich, ab 60 Jahren mindestens 4 Zysten pro Niere. Der beschriebene Patient ist 38 Jahre alt und erfüllt mit 4 Zysten pro Niere das Kriterium der mittleren Altersgruppe sicher.

  • B. Dieses Kriterium gilt erst für die Altersgruppe 40–59 Jahre, nicht für den 38-jährigen Patienten.
  • C. Dieses Kriterium gilt nicht für diese Altersgruppe und bezieht sich auf ein zu junges Alter.
  • D. Dieses Kriterium gilt für Patienten über 60 Jahre, nicht für die Altersgruppe des Patienten.
  • E. Die Diagnose der ADPKD erfolgt primär bildgebend, nicht über den Funktionsverlust.
Lernziel: Die ADPKD-Diagnose bei familiärer Belastung stützt sich auf altersabhängige sonographische Zystenkriterien (Ravine/Pei-Kriterien).
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Eine 45-jährige Patientin mit bekannter ADPKD berichtet über plötzlich einsetzende, stärkste Kopfschmerzen mit Nackensteifigkeit und Erbrechen. Die Untersuchung zeigt eine Bewusstseinstrübung und positive Meningismuszeichen. Welche Komplikation der Grunderkrankung ist hierfür am wahrscheinlichsten verantwortlich?

  1. ASpontane Ruptur einer Nierenzyste
  2. BRuptur eines intrakraniellen Aneurysmas
  3. CAortendissektion Typ Stanford A
  4. DHypertensive Enzephalopathie
  5. EEinblutung in eine Leberzyste
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Lösung: B. Ruptur eines intrakraniellen Aneurysmas

Bei der ADPKD besteht eine erhöhte Prävalenz intrakranieller (sakkulärer) Aneurysmen von etwa 8–12 %, besonders bei positiver Familienanamnese für Aneurysmata oder Subarachnoidalblutungen. Das klinische Bild mit perakutem Vernichtungskopfschmerz, Meningismus, Erbrechen und Vigilanzminderung ist klassisch für eine Subarachnoidalblutung durch Aneurysmaruptur. Bei entsprechender Symptomatik ist eine notfallmäßige CT-Angiographie des Kopfes indiziert. Asymptomatische Risikopatienten mit ADPKD und Aneurysma-Familienanamnese sollten ein Screening per MR-Angiographie erhalten.

  • A. Eine Zystenruptur der Niere verursacht Flankenschmerz und Hämaturie, kein meningitisches Bild.
  • C. Eine Aortendissektion würde sich mit thorakalem Schmerz, nicht mit Meningismus und Kopfschmerz präsentieren.
  • D. Eine hypertensive Enzephalopathie verursacht keinen Meningismus und keinen perakuten Vernichtungskopfschmerz.
  • E. Leberzysten sind bei ADPKD häufig, verursachen aber kein meningitisches Bild mit Vernichtungskopfschmerz.
Lernziel: Patienten mit ADPKD haben ein erhöhtes Risiko für intrakranielle Aneurysmen, die bei familiärer Belastung gescreent werden sollten.
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Ein 9-jähriger Junge wird wegen rezidivierender Mikrohämaturie vorgestellt. Zusätzlich fällt eine progrediente Innenohrschwerhörigkeit auf, die Ophthalmoskopie zeigt einen Lentikonus anterior. Der mütterliche Großvater war bereits im Kindesalter dialysepflichtig geworden. Welcher Pathomechanismus liegt dieser Erkrankung am wahrscheinlichsten zugrunde?

  1. AAutoantikörper gegen die glomeruläre Basalmembran
  2. BMutation im Kollagen-Typ-IV-Gen mit Störung der glomerulären Basalmembran
  3. CMutation im Podocin-Gen mit Verlust der Schlitzmembranintegrität
  4. DAblagerung von IgA-dominanten Immunkomplexen im Mesangium
  5. EKomplementvermittelte Schädigung der Podozyten
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Lösung: B. Mutation im Kollagen-Typ-IV-Gen mit Störung der glomerulären Basalmembran

Das Alport-Syndrom wird meist X-chromosomal (COL4A5-Gen), seltener autosomal-rezessiv oder -dominant (COL4A3/COL4A4) vererbt und führt zu einer Strukturstörung des Kollagens Typ IV, einem Hauptbestandteil der glomerulären Basalmembran, der Cochlea und der Augenlinse. Die klassische Trias umfasst progrediente Innenohrschwerhörigkeit, Mikrohämaturie mit progredienter Niereninsuffizienz und okuläre Veränderungen wie den Lentikonus anterior. Die X-chromosomale Vererbung erklärt die schwerere Ausprägung bei männlichen Betroffenen und die frühe Dialysepflicht in der mütterlichen Linie. Die Diagnose wird durch Hautbiopsie (Nachweis fehlender Alpha-5-Kette) oder genetische Testung gesichert.

  • A. Dies beschreibt das Goodpasture-Syndrom, nicht das Alport-Syndrom.
  • C. Dies beschreibt die fokal-segmentale Glomerulosklerose, nicht die klassische Trias des Alport-Syndroms.
  • D. Dies beschreibt die IgA-Nephropathie, die keine Innenohrschwerhörigkeit oder Lentikonus verursacht.
  • E. Dies beschreibt atypische Verlaufsformen thrombotischer Mikroangiopathien, nicht das Alport-Syndrom.
Lernziel: Das Alport-Syndrom beruht auf einer Kollagen-Typ-IV-Mutation und zeigt die Trias Hämaturie, Innenohrschwerhörigkeit und Lentikonus.

Nierengefäßerkrankungen und Hypertonie

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Eine 29-jährige Patientin wird wegen therapieresistenter Hypertonie (Blutdruck 175/105 mmHg trotz dreifacher antihypertensiver Kombinationstherapie) untersucht. Auskultatorisch findet sich ein systolisch-diastolisches Strömungsgeräusch paraumbilikal. Die Laborwerte zeigen eine leichte Hypokaliämie. Welche Untersuchung ist zur primären Abklärung der vermuteten Ursache am besten geeignet?

  1. ACaptopril-Szintigraphie der Nieren
  2. BBestimmung von Aldosteron und Renin im Serum ohne Seitenvergleich
  3. CKonventionelle digitale Subtraktionsangiographie
  4. DFarbkodierte Duplexsonographie der Nierenarterien
  5. EBestimmung der Plasma-Reninaktivität im Seitenvergleich über Nierenvenenkatheter
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Lösung: D. Farbkodierte Duplexsonographie der Nierenarterien

Bei jungen Patientinnen mit therapieresistenter Hypertonie, abdominellem Strömungsgeräusch und Hypokaliämie (durch sekundären Hyperaldosteronismus) ist eine fibromuskuläre Dysplasie der Nierenarterien als Ursache der renovaskulären Hypertonie zu vermuten. Die farbkodierte Duplexsonographie ist als nicht-invasives, breit verfügbares Verfahren die Methode der ersten Wahl zur initialen Diagnostik einer Nierenarterienstenose und erlaubt die Beurteilung von Flussgeschwindigkeiten und Gefäßmorphologie. Bei positivem oder unklarem Befund erfolgt die weitere Abklärung mittels MR- oder CT-Angiographie. Die invasive Angiographie bleibt therapeutischen Interventionen (Angioplastie) vorbehalten.

  • A. Dieses nuklearmedizinische Verfahren hat eine geringere Sensitivität und ist kein Standard der Primärdiagnostik.
  • B. Ohne Seitenvergleich lässt sich eine einseitige Nierenarterienstenose nicht sicher nachweisen.
  • C. Dieses invasive Verfahren ist nicht die Methode der ersten Wahl zur Primärdiagnostik.
  • E. Dieses invasive Verfahren ist aufwendig und wird nicht zur Primärdiagnostik eingesetzt.
Lernziel: Die farbkodierte Duplexsonographie ist das nicht-invasive Verfahren der ersten Wahl zur Diagnostik der Nierenarterienstenose.
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Ein 54-jähriger Patient mit seit Jahren unbehandelter arterieller Hypertonie wird mit starken Kopfschmerzen und Sehstörungen in die Notaufnahme gebracht. Der Blutdruck beträgt 230/140 mmHg. Die Fundoskopie zeigt Papillenödeme und Streifenblutungen. Laborchemisch finden sich ein Serum-Kreatinin von 3,8 mg/dl, eine Thrombozytopenie und Fragmentozyten im Blutausstrich. Welche Diagnose erklärt diesen Befund am besten?

  1. AMaligne Nephrosklerose mit thrombotischer Mikroangiopathie
  2. BAkute Glomerulonephritis bei Poststreptokokkeninfektion
  3. CAkute interstitielle Nephritis durch Medikamentenallergie
  4. DAkuter Schub einer membranoproliferativen Glomerulonephritis
  5. EThrombotisch-thrombozytopenische Purpura
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Lösung: A. Maligne Nephrosklerose mit thrombotischer Mikroangiopathie

Die maligne Nephrosklerose entsteht durch eine hypertensive Krise mit Blutdruckwerten meist über 200/120 mmHg und führt über eine fibrinoide Nekrose der Arteriolen zu einer sekundären thrombotischen Mikroangiopathie mit Thrombozytopenie und Fragmentozyten (mikroangiopathische hämolytische Anämie). Typisch sind zusätzlich eine Retinopathie Grad III–IV (Papillenödem, Streifenblutungen) und ein rascher Anstieg des Serum-Kreatinins. Therapeutisch steht die kontrollierte, nicht zu rasche Blutdrucksenkung im Vordergrund, um eine zerebrale Minderperfusion zu vermeiden. Die zugrunde liegende chronische, unbehandelte Hypertonie und die hypertensive Retinopathie unterscheiden dieses Bild von primären thrombotischen Mikroangiopathien.

  • B. Eine Poststreptokokken-GN zeigt typischerweise eine vorausgehende Infektion und ein nephritisches Sediment, nicht primär eine hypertensive Krise mit Retinopathie.
  • C. Eine interstitielle Nephritis geht nicht mit malignem Hypertonus und Fragmentozyten einher.
  • D. Diese Erkrankung erklärt nicht die extreme Blutdruckentgleisung mit Retinopathie Grad III-IV als führenden Befund.
  • E. Bei der TTP steht meist keine derart extreme, lang bestehende Hypertonie mit Fundusbefund im Vordergrund.
Lernziel: Die maligne Nephrosklerose entsteht durch extreme Blutdruckentgleisung und führt über arterioläre Schädigung zu thrombotischer Mikroangiopathie und Retinopathie.
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Ein 4-jähriges Mädchen entwickelt nach einer seit 3 Tagen bestehenden blutigen Diarrhö plötzlich Blässe, Petechien und eine Oligurie. Laborchemisch zeigen sich ein Hämoglobin von 7,2 g/dl, Thrombozyten von 38.000/µl, ein Serum-Kreatinin von 2,1 mg/dl sowie Fragmentozyten im Blutausstrich. Die Stuhlkultur ist positiv für Shigatoxin-bildende E. coli. Welcher Pathomechanismus liegt dieser Nierenschädigung zugrunde?

  1. AADAMTS13-Mangel mit Akkumulation ultragroßer von-Willebrand-Faktor-Multimere
  2. BImmunkomplexablagerung in der glomerulären Basalmembran
  3. CShigatoxin-vermittelte Endothelschädigung mit Mikrothrombenbildung in den glomerulären Kapillaren
  4. DDirekte zytotoxische Invasion der Tubuluszellen durch E. coli
  5. EAutoantikörper-vermittelte Aktivierung des alternativen Komplementweges
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Lösung: C. Shigatoxin-vermittelte Endothelschädigung mit Mikrothrombenbildung in den glomerulären Kapillaren

Das typische (infektassoziierte) HUS wird durch Shigatoxin-bildende E. coli (meist Serotyp O157:H7) ausgelöst. Das Toxin bindet an Gb3-Rezeptoren auf glomerulären Endothelzellen, schädigt diese direkt und löst eine lokale Mikrothrombenbildung mit Verbrauch von Thrombozyten aus. Dies führt zur klassischen Trias aus hämolytischer Anämie mit Fragmentozyten, Thrombozytopenie und akutem Nierenversagen, meist im Anschluss an eine blutige Diarrhö bei Kleinkindern. Die Therapie ist überwiegend supportiv mit Flüssigkeits- und Elektrolytmanagement, Antibiotika sind wegen erhöhter Toxinfreisetzung kontraindiziert.

  • A. Dies beschreibt den Pathomechanismus der TTP, nicht des typischen HUS.
  • B. Dies beschreibt eine immunkomplexvermittelte Glomerulonephritis, nicht das typische HUS.
  • D. E. coli infiziert primär die Darmschleimhaut, nicht die Tubuluszellen der Niere direkt.
  • E. Dies beschreibt den Pathomechanismus des atypischen HUS, nicht des Shigatoxin-assoziierten typischen HUS.
Lernziel: Das typische HUS wird durch Shigatoxin-bildende EHEC ausgelöst, die über Endothelschädigung glomeruläre Mikrothromben verursachen.
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Eine 34-jährige Frau wird mit Verwirrtheit, Fieber (38,6 °C) und Petechien stationär aufgenommen. Die Nierenfunktion ist mit einem Serum-Kreatinin von 1,0 mg/dl normal. Laborchemisch finden sich eine Thrombozytopenie von 15.000/µl, eine Hämolyse mit Fragmentozyten und eine stark erniedrigte ADAMTS13-Aktivität von unter 5 %. Welche Erkrankung liegt am wahrscheinlichsten vor?

  1. AAtypisches hämolytisch-urämisches Syndrom
  2. BThrombotisch-thrombozytopenische Purpura
  3. CDisseminierte intravasale Gerinnung
  4. DHELLP-Syndrom
  5. ETypisches hämolytisch-urämisches Syndrom
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Lösung: B. Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura

Die thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP) wird durch einen schweren ADAMTS13-Mangel (Aktivität meist unter 10 %) verursacht, entweder autoimmun (Autoantikörper) oder hereditär. Der Mangel an dieser von-Willebrand-Faktor-spaltenden Protease führt zur Akkumulation ultragroßer VWF-Multimere, die eine disseminierte Thrombozytenaggregation mit vorrangig neurologischer Symptomatik und Fieber verursachen, während die Niere im Gegensatz zum HUS meist nur gering beteiligt ist. Die klassische Pentade (Fieber, neurologische Symptome, Thrombozytopenie, hämolytische Anämie, Niereninsuffizienz) muss nicht vollständig vorliegen. Therapie der Wahl ist der sofortige Plasmaaustausch, da die Mortalität unbehandelt sehr hoch ist.

  • A. Das atypische HUS geht mit ausgeprägter Niereninsuffizienz einher und beruht auf Komplementdysregulation, nicht auf ADAMTS13-Mangel.
  • C. Bei der DIC liegen meist eine Grunderkrankung mit Verbrauchskoagulopathie und pathologische Gerinnungsparameter vor, kein isolierter ADAMTS13-Mangel.
  • D. Das HELLP-Syndrom tritt in der Schwangerschaft auf und geht nicht mit erniedrigter ADAMTS13-Aktivität einher.
  • E. Beim typischen HUS steht die Nierenschädigung im Vordergrund, nicht primär neurologische Symptome, und ADAMTS13 ist normal.
Lernziel: Die TTP ist durch einen schweren ADAMTS13-Mangel mit vorrangig neurologischer Symptomatik und meist erhaltener Nierenfunktion vom HUS abzugrenzen.
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Ein 50-jähriger Patient mit bekannter membranöser Glomerulonephritis und nephrotischem Syndrom (Serumalbumin 1,9 g/dl, Proteinurie 7,2 g/Tag) entwickelt akut einen rechtsseitigen Flankenschmerz mit Makrohämaturie. Die Duplexsonographie zeigt eine Thrombosierung der rechten Nierenvene. Welcher Mechanismus erklärt die erhöhte Thromboseneigung bei diesem Krankheitsbild am besten?

  1. AVermehrte hepatische Synthese von Plasminogen als Gegenregulation der Hypalbuminämie
  2. BRenaler Verlust von Antithrombin III über die geschädigte glomeruläre Filtrationsbarriere
  3. CGesteigerte renale Clearance von Protein C und Protein S
  4. DDirekte prokoagulatorische Wirkung der Immunkomplexe in den Glomeruli
  5. EVerminderte Thrombozytenaggregation durch begleitende Hypoproteinämie
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Lösung: B. Renaler Verlust von Antithrombin III über die geschädigte glomeruläre Filtrationsbarriere

Beim nephrotischen Syndrom, besonders bei der membranösen Glomerulonephritis, besteht ein erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien, darunter die Nierenvenenthrombose. Ursächlich ist der massive renale Verlust gerinnungshemmender Proteine wie Antithrombin III über die geschädigte glomeruläre Filtrationsbarriere, während prokoagulatorische Faktoren wie Fibrinogen durch gesteigerte hepatische Synthese kompensatorisch ansteigen. Zusätzlich tragen eine Hämokonzentration durch Flüssigkeitsverschiebungen und eine gesteigerte Thrombozytenaggregation zur prothrombotischen Gesamtsituation bei. Das Risiko ist bei einem Serumalbumin unter 2,0–2,5 g/dl besonders hoch, sodass bei membranöser GN häufig eine prophylaktische Antikoagulation erwogen wird.

  • A. Die hepatische Plasminogensynthese spielt beim nephrotischen Syndrom keine zentrale pathogenetische Rolle für die Thromboseneigung.
  • C. Protein C und S werden nicht vermehrt renal ausgeschieden; ihr Verlust spielt eine untergeordnete Rolle gegenüber dem Antithrombin-III-Verlust.
  • D. Immunkomplexe in den Glomeruli haben keinen direkten prokoagulatorischen Effekt auf das systemische Gerinnungssystem.
  • E. Beim nephrotischen Syndrom ist die Thrombozytenaggregation gesteigert, nicht vermindert.
Lernziel: Beim nephrotischen Syndrom begünstigt der renale Verlust von Antithrombin III eine erhöhte Thromboseneigung, insbesondere die Nierenvenenthrombose.

Nierenersatztherapie und Transplantation

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Ein 52-jähriger Patient erhält 6 Monate nach Nierentransplantation eine Dauertherapie mit Tacrolimus, Mycophenolat-Mofetil und Prednisolon. Bei der Kontrolluntersuchung zeigen sich ein Blutdruck von 162/96 mmHg, ein Kreatininanstieg von 1,3 auf 1,9 mg/dl sowie neu aufgetretene Parästhesien an Händen und Füßen. Die Tacrolimus-Talspiegel liegen oberhalb des Zielbereichs. Welcher Mechanismus erklärt die renale Funktionsverschlechterung am besten?

  1. AAkute interstitielle Nephritis durch IgE-vermittelte Hypersensitivitätsreaktion
  2. BDosisabhängige Vasokonstriktion der afferenten Arteriole mit Abnahme der glomerulären Perfusion
  3. CDirekte tubuläre Zytotoxizität durch Akkumulation freier Sauerstoffradikale
  4. DImmunkomplexvermittelte membranoproliferative Glomerulonephritis im Transplantat
  5. EThrombotische Mikroangiopathie durch Komplementaktivierung
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Lösung: B. Dosisabhängige Vasokonstriktion der afferenten Arteriole mit Abnahme der glomerulären Perfusion

Calcineurin-Inhibitoren wie Tacrolimus verursachen dosisabhängig eine Vasokonstriktion der afferenten glomerulären Arteriole, wodurch die renale Perfusion und die glomeruläre Filtrationsrate abnehmen, was sich klinisch als Kreatininanstieg zeigt. Begleitend treten häufig arterielle Hypertonie und neurotoxische Nebenwirkungen wie Tremor und Parästhesien auf, die ebenfalls dosisabhängig sind. Bei erhöhten Talspiegeln ist eine Dosisreduktion mit engmaschiger Spiegelkontrolle die Therapie der Wahl. Eine chronische Calcineurin-Inhibitor-Toxizität kann zudem zu einer irreversiblen interstitiellen Fibrose führen.

  • A. Eine akute interstitielle Nephritis ist typischerweise durch Medikamentenallergien wie NSAR oder Antibiotika, nicht durch Calcineurin-Inhibitoren bedingt.
  • C. Die Nephrotoxizität der Calcineurin-Inhibitoren beruht primär auf hämodynamischen, nicht auf direkt zytotoxischen Effekten am Tubulus.
  • D. Es gibt keine Hinweise auf eine Immunkomplexablagerung, dies würde eher zu Proteinurie und spezifischer Histologie passen.
  • E. Eine thrombotische Mikroangiopathie ist eine seltenere, schwerere Komplikation und passt nicht zu diesem schleichenden dosisabhängigen Verlauf.
Lernziel: Calcineurin-Inhibitoren wie Tacrolimus wirken dosisabhängig nephrotoxisch durch Vasokonstriktion der afferenten Arteriole und erfordern regelmäßige Talspiegelkontrollen.

Tumoren der Niere und ableitenden Harnwege

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Ein 64-jähriger langjähriger Raucher mit bekannter arterieller Hypertonie und einem Body-Mass-Index von 31 kg/m² stellt sich mit seit 2 Monaten bestehender schmerzloser Makrohämaturie, einem dumpfen linksseitigen Flankenschmerz und einem unbeabsichtigten Gewichtsverlust von 6 kg vor. Die Palpation zeigt eine tastbare Resistenz im linken Oberbauch. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?

  1. APolyzystische Nierenerkrankung
  2. BRetroperitoneales Liposarkom
  3. CUrothelkarzinom des Nierenbeckens
  4. DAngiomyolipom der Niere
  5. ENierenzellkarzinom
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Lösung: E. Nierenzellkarzinom

Die klassische Trias aus Makrohämaturie, Flankenschmerz und tastbarem Tumor ist typisch für das Nierenzellkarzinom, wird allerdings heute nur noch bei etwa 10 % der Patienten in dieser vollständigen Ausprägung angetroffen, meist bei fortgeschrittener Erkrankung. Wichtige Risikofaktoren sind Rauchen, Adipositas und arterielle Hypertonie, die alle bei diesem Patienten vorliegen. Die Mehrzahl der Nierenzellkarzinome wird heute als Zufallsbefund im Rahmen einer Sonographie entdeckt, bevor sich Symptome entwickeln. Die Diagnosesicherung erfolgt durch kontrastmittelverstärkte Schnittbildgebung (CT oder MRT).

  • A. Die polyzystische Nierenerkrankung zeigt beidseitige Zysten und eine positive Familienanamnese, nicht diese Tumorsymptomatik mit Gewichtsverlust.
  • B. Ein retroperitoneales Liposarkom verursacht selten eine Makrohämaturie, da es nicht vom Nierenparenchym ausgeht.
  • C. Das Urothelkarzinom des Nierenbeckens verursacht typischerweise eine schmerzlose Makrohämaturie, aber seltener eine tastbare Raumforderung oder diese ausgeprägte B-Symptomatik.
  • D. Ein Angiomyolipom ist meist asymptomatisch oder verursacht bei Einblutung akute Schmerzen, passt aber nicht zu Gewichtsverlust und dieser Risikofaktorkonstellation.
Lernziel: Die klassische Trias des Nierenzellkarzinoms aus Makrohämaturie, Flankenschmerz und tastbarem Tumor tritt nur bei fortgeschrittener Erkrankung auf, Hauptrisikofaktoren sind Rauchen, Adipositas und Hypertonie.
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Bei einer 59-jährigen Patientin wird im Rahmen der Abklärung einer Raumforderung der rechten Niere ein Nierenzellkarzinom diagnostiziert. In der Laboruntersuchung fällt zusätzlich ein Hämoglobinwert von 19,2 g/dl bei normalem Ferritin und unauffälliger Sauerstoffsättigung auf. Welcher Mechanismus erklärt diesen Laborbefund am besten?

  1. ATumorinfiltration des Knochenmarks mit reaktiver Erythrozytose
  2. BParaneoplastische Autoimmunhämolyse mit kompensatorischer Erythropoese
  3. CEktope Erythropoetin-Produktion durch die Tumorzellen
  4. DEktope ACTH-Produktion mit konsekutiver Polyglobulie
  5. ETumorbedingte chronische Hypoxie des gesunden Nierenparenchyms
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Lösung: C. Ektope Erythropoetin-Produktion durch die Tumorzellen

Das Nierenzellkarzinom kann paraneoplastisch ektop Erythropoetin produzieren, was zu einer sekundären Polyglobulie mit erhöhtem Hämoglobin und Hämatokrit führt, obwohl die Sauerstoffsättigung normal ist und somit keine hypoxiebedingte Ursache vorliegt. Weitere typische paraneoplastische Syndrome des Nierenzellkarzinoms sind die Hyperkalzämie durch PTH-related Peptide und das Stauffer-Syndrom mit cholestatischer Hepatopathie ohne Lebermetastasen. Diese Syndrome sind wichtige klinische Hinweise und bilden sich nach kurativer Tumorresektion meist zurück. Ein normales Ferritin schließt einen Eisenmangel als Ursache einer Anämie aus und passt hier zur Polyglobulie.

  • A. Eine Knochenmarksinfiltration durch einen soliden Tumor führt typischerweise zu einer Panzytopenie, nicht zu einer Erythrozytose.
  • B. Eine Autoimmunhämolyse würde zu einer Anämie, nicht zu einem erhöhten Hämoglobin führen.
  • D. Eine ektope ACTH-Produktion würde ein Cushing-Syndrom verursachen, keine isolierte Polyglobulie.
  • E. Eine tumorbedingte Hypoxie des Restparenchyms würde ebenfalls über vermehrte körpereigene Erythropoetin-Produktion wirken, ist aber seltener die Ursache als die direkte ektope Hormonproduktion durch den Tumor selbst und würde eher bei großen, das gesamte Parenchym komprimierenden Tumoren auftreten.
Lernziel: Das Nierenzellkarzinom kann paraneoplastisch ektop Erythropoetin bilden und so eine Polyglobulie verursachen, neben Hyperkalzämie und Stauffer-Syndrom als weiteren typischen paraneoplastischen Manifestationen.
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Ein 3-jähriges Mädchen wird von den Eltern vorgestellt, weil ihnen beim Baden ein Vorwölbung des Bauches aufgefallen ist. Das Kind ist ansonsten wohlauf. Bei der Untersuchung tastet der Arzt eine glatte, nicht schmerzhafte Resistenz im linken Oberbauch, die die Mittellinie nicht überschreitet. Blutdruck 118/78 mmHg (erhöht für das Alter), keine Hämaturie. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?

  1. ARhabdomyosarkom des Retroperitoneums
  2. BNeuroblastom
  3. CPolyzystische Nierenerkrankung des Kindesalters
  4. DHepatoblastom
  5. ENephroblastom (Wilms-Tumor)
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Lösung: E. Nephroblastom (Wilms-Tumor)

Der Wilms-Tumor (Nephroblastom) ist der häufigste maligne Nierentumor im Kindesalter mit einem Erkrankungsgipfel zwischen dem 2. und 5. Lebensjahr und präsentiert sich klassisch als asymptomatischer, glatt begrenzter, die Mittellinie meist nicht überschreitender Bauchtumor, der von den Eltern oft zufällig entdeckt wird. Eine begleitende arterielle Hypertonie durch Reninfreisetzung des Tumors ist häufig, Hämaturie tritt nur bei einem Teil der Patienten auf. Die Diagnostik erfolgt primär sonographisch, gefolgt von einer Schnittbildgebung (MRT) zur Ausbreitungsdiagnostik, eine Biopsie wird wegen Aussaatgefahr meist vermieden. Die Therapie erfolgt gemäß SIOP-Protokoll meist mit präoperativer Chemotherapie und anschließender Tumornephrektomie.

  • A. Das Rhabdomyosarkom des Retroperitoneums ist deutlich seltener und zeigt meist ein diffuseres, weniger glatt begrenztes Wachstumsmuster.
  • B. Das Neuroblastom überschreitet typischerweise die Mittellinie und geht häufiger mit Allgemeinsymptomen wie Fieber und Knochenschmerzen einher.
  • C. Die polyzystische Nierenerkrankung zeigt bilaterale Zysten und eine positive Familienanamnese, kein solider unilateraler Tumor.
  • D. Das Hepatoblastom würde eine Resistenz im rechten Oberbauch mit Leberbezug verursachen, nicht links.
Lernziel: Der Wilms-Tumor ist der häufigste kindliche Nierentumor und präsentiert sich klassisch als asymptomatische, glatte, die Mittellinie meist nicht überschreitende Bauchresistenz bei Kleinkindern.

Häufige Fragen

Sind das echte M2-Fragen?

Nein. Es sind eigene Übungsfragen im Stil des M2 nach dem Gegenstandskatalog; Originalfragen des IMPP geben wir nicht wieder. Ein zweites, unabhängiges Modell hat jede Frage ohne Lösung beantwortet, Fragen mit strittiger Lösung wurden entfernt.

Wie nutze ich diese Fragen zu Nephrologie am besten?

Kreuzen Sie zuerst das Quiz, ohne die Lösungen anzusehen, und lesen Sie dann die Erklärung zu jeder falschen oder geratenen Frage. Das Lernziel unter jeder Lösung ist der Merksatz.

Sind die Fragen kostenlos?

Ja. Alle Fragen, Lösungen und Erklärungen auf dieser Seite sind kostenlos und ohne Anmeldung.

Weitere Fächer im M2

Die Fragen des M2 erstellt das IMPP. WhiteCoat Pro steht in keiner Verbindung zu diesem Institut und wird von ihm nicht empfohlen. Alle Fragen sind eigene Übungsfragen: von der Redaktion von WhiteCoat Pro mit KI-Unterstützung geschrieben und von einem zweiten, unabhängigen KI-Modell geprüft, das jede Frage ohne Lösung beantwortet; Fragen mit strittiger Lösung werden entfernt. Es sind keine echten Prüfungsfragen. Nur zu Lernzwecken, keine ärztliche Beratung.