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M2-Fragen Hämatologie und Onkologie

50 eigene Übungsfragen im Stil des M2 zum Fach Hämatologie und Onkologie: jeweils mit richtiger Antwort, Erklärung, warum die anderen Antworten falsch sind, und Lernziel. Kreuzen Sie im Quiz oder lesen Sie die Fragen unten, nach Themen geordnet.

Fragen50 mit Lösung
Themen11
Antworten je Frage5
Zeit≈ 75 Min.
M2 · Hämatologie und Onkologie: ÜbungsquizAntwort anklicken: Sie sehen sofort die richtige Lösung und die Erklärung. Ihr bestes Ergebnis wird in diesem Browser gespeichert.

Anämien – Diagnostik und Differenzierung

7 Fragen
1

Eine 29-jährige Frau stellt sich wegen leichter Müdigkeit vor. Das Blutbild zeigt: Hb 11,8 g/dl, MCV 68 fl, MCH 21 pg, Erythrozytenzahl 5,9 Mio/µl. Ferritin 185 µg/l (Referenz 20–200 µg/l), Transferrinsättigung 32 % (Referenz 16–45 %). Die Patientin ist asymptomatisch, die körperliche Untersuchung ist unauffällig. Welche Untersuchung führt am ehesten zur Diagnose?

  1. AHämoglobin-Elektrophorese
  2. BCoombs-Test
  3. CBestimmung des löslichen Transferrinrezeptors
  4. DKnochenmarkpunktion mit Eisenfärbung
  5. EBestimmung von Vitamin B12 und Folsäure
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Lösung: A. Hämoglobin-Elektrophorese

Die Konstellation aus deutlich erniedrigtem MCV und MCH bei normaler Erythrozytenzahl (eher erhöht) und normalem Ferritin sowie normaler Transferrinsättigung spricht gegen einen Eisenmangel und für eine Thalassämie-Minor. Der Mentzer-Index (MCV/Erythrozytenzahl) liegt hier deutlich unter 13, was typisch für eine Thalassämie ist. Die Hämoglobin-Elektrophorese zeigt bei Beta-Thalassämie-Minor ein erhöhtes HbA2 und sichert die Diagnose. Eisenmangel und Thalassämie können durch die Eisenparameter gut unterschieden werden, da bei Thalassämie die Eisenspeicher normal oder sogar erhöht sind.

  • B. Es gibt keine klinischen oder laborchemischen Hinweise auf eine Hämolyse.
  • C. Der lösliche Transferrinrezeptor dient der Unterscheidung von Eisenmangel und funktionellem Eisenmangel bei Entzündung, hier liegen aber bereits normale Eisenparameter vor.
  • D. Eine Knochenmarkpunktion ist invasiv und bei normalen Eisenparametern und V. a. Hämoglobinopathie nicht die Methode der Wahl.
  • E. Die Symptomatik und das Blutbild (Mikrozytose statt Makrozytose) sprechen nicht für einen Vitamin-B12- oder Folsäuremangel.
Lernziel: Bei mikrozytärer Anämie mit normalem Ferritin und normaler Transferrinsättigung sichert die Hämoglobin-Elektrophorese die Diagnose einer Thalassämie.
2

Ein 62-jähriger Mann stellt sich wegen Belastungsdyspnoe vor. Laborchemisch zeigt sich eine mikrozytäre, hypochrome Anämie mit Hb 9,8 g/dl, Ferritin 8 µg/l und Transferrinsättigung 6 %. Der Patient verneint Blut im Stuhl, Teerstuhl oder abdominelle Beschwerden. Die körperliche Untersuchung ist bis auf eine blasse Haut unauffällig. Welches ist der nächste diagnostische Schritt?

  1. AAbdomensonographie
  2. BOrale Eisensubstitution und klinische Kontrolle nach 4 Wochen
  3. CBestimmung von Vitamin B12 und Folsäure
  4. DKnochenmarkpunktion zur Zytologie
  5. EÖsophagogastroduodenoskopie und Koloskopie
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Lösung: E. Ösophagogastroduodenoskopie und Koloskopie

Bei jedem Erwachsenen, insbesondere Männern und postmenopausalen Frauen, mit neu diagnostizierter Eisenmangelanämie ohne offensichtliche Blutungsquelle muss ein gastrointestinaler Blutverlust durch ein Malignom oder eine andere Läsion ausgeschlossen werden, auch ohne anamnestische Blutungszeichen, da okkulte Blutungen häufig asymptomatisch sind. Die Kombination aus Ösophagogastroduodenoskopie und Koloskopie deckt die häufigsten Blutungsquellen des oberen und unteren GI-Trakts ab. Eine alleinige Substitutionstherapie ohne Ursachenabklärung würde eine zugrunde liegende maligne Erkrankung übersehen. Dieses Vorgehen entspricht der aktuellen S3-Leitlinie zur Eisenmangelanämie.

  • A. Eine Sonographie kann parenchymatöse Organe beurteilen, ist aber nicht sensitiv genug zum Nachweis von Schleimhautläsionen als Blutungsquelle.
  • B. Eine Substitution ohne vorherige Ursachenabklärung verzögert die Diagnose einer möglichen malignen Blutungsquelle.
  • C. Die mikrozytäre Anämie mit niedrigem Ferritin passt nicht zu einem B12- oder Folsäuremangel, die makrozytäre Veränderungen verursachen.
  • D. Eine Knochenmarkpunktion ist bei eindeutiger Eisenmangelkonstellation nicht indiziert.
Lernziel: Bei Eisenmangelanämie des Erwachsenen ohne offensichtliche Ursache muss eine endoskopische Abklärung des oberen und unteren Gastrointestinaltrakts zum Ausschluss einer Blutungsquelle erfolgen.
3

Eine 54-jährige Patientin mit seit Jahren bekannter rheumatoider Arthritis stellt sich mit zunehmender Müdigkeit vor. Labor: Hb 10,2 g/dl, MCV 82 fl, Ferritin 220 µg/l (Referenz 20–200 µg/l), Transferrinsättigung 12 % (Referenz 16–45 %), CRP 42 mg/l, löslicher Transferrinrezeptor erhöht. Wie ist diese Laborkonstellation am ehesten zu interpretieren?

  1. AThalassämie-Minor
  2. BHämolytische Anämie bei Autoimmunerkrankung
  3. CKlassischer Eisenmangel durch chronischen Blutverlust
  4. DVitamin-B12-Mangel durch Autoimmungastritis
  5. EFunktioneller Eisenmangel im Rahmen der chronischen Entzündung
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Lösung: E. Funktioneller Eisenmangel im Rahmen der chronischen Entzündung

Ferritin ist ein Akute-Phase-Protein und kann bei chronischer Entzündung trotz leerer Eisenspeicher normal oder erhöht sein, da Hepcidin die Eisenfreisetzung aus Makrophagen und die intestinale Resorption hemmt. Die erniedrigte Transferrinsättigung zusammen mit dem erhöhten löslichen Transferrinrezeptor, der durch Entzündung nicht beeinflusst wird, zeigt, dass trotz normalem Ferritin funktionell zu wenig Eisen für die Erythropoese verfügbar ist. Diese Konstellation ist typisch für die Anämie bei chronischer Erkrankung mit zusätzlicher funktioneller Eisenmangelkomponente. Ein löslicher Transferrinrezeptor-Ferritin-Index kann zur weiteren Differenzierung herangezogen werden.

  • A. Eine Thalassämie würde sich durch eine Mikrozytose bei meist normalen oder erhöhten Erythrozytenzahlen zeigen, hier liegt aber ein normozytäres Bild vor.
  • B. Es fehlen Hinweise auf Hämolyse wie erhöhte LDH, erniedrigtes Haptoglobin oder Retikulozytose.
  • C. Bei klassischem Eisenmangel wäre auch das Ferritin als Speicherparameter erniedrigt, hier ist es jedoch durch die Entzündung falsch hoch normalisiert.
  • D. Die normozytäre Anämie und die Eisenparameter passen nicht zu einem B12-Mangel, der eine Makrozytose verursachen würde.
Lernziel: Bei chronischer Entzündung kann Ferritin als Akute-Phase-Protein falsch normal oder erhöht sein, während der löslichen Transferrinrezeptor einen funktionellen Eisenmangel zuverlässiger anzeigt.
4

Ein 45-jähriger Patient mit chronischem Alkoholkonsum stellt sich mit Müdigkeit vor. Labor: Hb 10,4 g/dl, MCV 112 fl, Vitamin B12 im unteren Normbereich, Folsäure deutlich erniedrigt. Methylmalonsäure im Serum ist normal, Homocystein ist erhöht. Es bestehen keine Parästhesien, kein gestörter Vibrationssinn und keine Gangunsicherheit. Welche Aussage zur Interpretation dieser Befunde trifft am ehesten zu?

  1. ADie neurologische Unauffälligkeit schließt einen Folsäuremangel aus
  2. BDie normale Methylmalonsäure und das Fehlen neurologischer Ausfälle sprechen gegen einen relevanten B12-Mangel und für einen isolierten Folsäuremangel
  3. CEine normale Methylmalonsäure schließt grundsätzlich jeden Vitamin-B12-Mangel aus
  4. DDie Befundkonstellation spricht für eine isolierte perniziöse Anämie
  5. EDie erhöhte Homocysteinkonzentration beweist einen zusätzlichen Vitamin-B12-Mangel
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Lösung: B. Die normale Methylmalonsäure und das Fehlen neurologischer Ausfälle sprechen gegen einen relevanten B12-Mangel und für einen isolierten Folsäuremangel

Methylmalonsäure wird nur im Vitamin-B12-abhängigen Stoffwechselweg (Methylmalonyl-CoA-Mutase) verwertet und ist daher bei B12-Mangel spezifisch erhöht, bei isoliertem Folsäuremangel aber normal. Homocystein steigt sowohl bei B12- als auch bei Folsäuremangel an, da beide Vitamine für die Remethylierung von Homocystein zu Methionin benötigt werden, und ist daher nicht spezifisch für eine der beiden Mangelzustände. Das Fehlen neurologischer Symptome wie Parästhesien oder gestörter Vibrationsempfindung passt ebenfalls besser zum Folsäuremangel, da neurologische Schäden (funikuläre Myelose) typisch für den B12-Mangel sind. Bei chronischem Alkoholkonsum ist ein Folsäuremangel durch verminderte Zufuhr und gestörte Resorption häufig.

  • A. Ein Folsäuremangel verursacht in der Regel keine neurologischen Symptome, ihr Fehlen passt also zum Folsäuremangel und schließt ihn nicht aus.
  • C. Diese Aussage ist eine Verallgemeinerung, die im Einzelfall nicht zutreffend sein muss, hier aber insbesondere durch die normale Methylmalonsäure nicht gestützt wird.
  • D. Eine perniziöse Anämie würde eine erhöhte Methylmalonsäure sowie typischerweise neurologische Symptome zeigen, beides liegt hier nicht vor.
  • E. Homocystein ist unspezifisch erhöht bei beiden Mangelzuständen und beweist daher keinen zusätzlichen B12-Mangel.
Lernziel: Eine erhöhte Methylmalonsäure ist spezifisch für den Vitamin-B12-Mangel, während Homocystein bei B12- und Folsäuremangel gleichermaßen erhöht sein kann.
5

Eine 34-jährige Patientin stellt sich mit Abgeschlagenheit und Ikterus der Skleren vor. Labor: Hb 8,5 g/dl, Haptoglobin < 0,1 g/l (Referenz 0,3–2,0 g/l), LDH 580 U/l (Referenz < 250 U/l), indirektes Bilirubin 3,2 mg/dl, Retikulozyten 8 % (Referenz 0,5–2 %). Welche Aussage zu dieser Befundkonstellation trifft am ehesten zu?

  1. ADie Befunde sind typisch für eine renale Anämie bei chronischer Niereninsuffizienz
  2. BDie Befunde sprechen für eine gesteigerte Erythrozytenzerstörung mit kompensatorisch gesteigerter Erythropoese
  3. CDie Befunde sprechen für eine akute gastrointestinale Blutung
  4. DDie Befunde sprechen für eine isolierte Störung der Erythropoese im Knochenmark
  5. EDie Befunde sind typisch für eine Eisenmangelanämie
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Lösung: B. Die Befunde sprechen für eine gesteigerte Erythrozytenzerstörung mit kompensatorisch gesteigerter Erythropoese

Das erniedrigte Haptoglobin zeigt an, dass freies Hämoglobin aus zerfallenen Erythrozyten im Serum gebunden und abgeräumt wird, wodurch der Haptoglobinspiegel absinkt. Die erhöhte LDH stammt aus dem Zytoplasma der lysierten Erythrozyten, das erhöhte indirekte Bilirubin entsteht durch den gesteigerten Hämabbau. Die Retikulozytose zeigt, dass das Knochenmark auf den Erythrozytenverlust mit gesteigerter Neubildung reagiert, was für eine funktionstüchtige kompensatorische Erythropoese spricht. Diese vier Parameter zusammen sind die klassische Laborkonstellation der hämolytischen Anämie.

  • A. Eine renale Anämie durch Erythropoetinmangel zeigt typischerweise erniedrigte, nicht erhöhte Retikulozyten und keine Hämolysezeichen.
  • C. Eine akute Blutung würde ebenfalls zu Retikulozytose führen, jedoch ohne die Zeichen des gesteigerten Hämabbaus wie erniedrigtes Haptoglobin und erhöhtes indirektes Bilirubin.
  • D. Eine isolierte Störung der Erythropoese würde mit erniedrigten, nicht erhöhten Retikulozyten einhergehen, da das Knochenmark dann nicht adäquat reagieren kann.
  • E. Bei Eisenmangelanämie wären Haptoglobin, LDH und Bilirubin normal, da kein gesteigerter Erythrozytenabbau vorliegt.
Lernziel: Erniedrigtes Haptoglobin, erhöhte LDH, erhöhtes indirektes Bilirubin und Retikulozytose bilden gemeinsam die klassische Laborkonstellation der hämolytischen Anämie.
6

Ein 70-jähriger Patient mit bekannter chronischer lymphatischer Leukämie stellt sich mit neu aufgetretenem Ikterus und Belastungsdyspnoe vor. Labor: Hb 7,9 g/dl, LDH 620 U/l, Haptoglobin < 0,1 g/l, indirektes Bilirubin 3,8 mg/dl, Retikulozyten 9 %. Im Blutausstrich zeigen sich Sphärozyten. Welche Untersuchung bestätigt am ehesten die vermutete Diagnose?

  1. ADurchflusszytometrie auf CD55/CD59
  2. BHämoglobin-Elektrophorese
  3. COsmotische Resistenzmessung der Erythrozyten
  4. DDirekter Coombs-Test
  5. EBestimmung der Erythrozytenenzyme (Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase)
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Lösung: D. Direkter Coombs-Test

Die Kombination aus Hämolysezeichen und Sphärozyten bei einem Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie ist hochverdächtig auf eine autoimmunhämolytische Anämie, die als Komplikation lymphoproliferativer Erkrankungen häufig auftritt. Der direkte Coombs-Test (direkter Antiglobulintest) weist Autoantikörper und/oder Komplementfaktoren nachweist, die an der Erythrozytenoberfläche gebunden sind, und ist damit der entscheidende Bestätigungstest. Ein positiver direkter Coombs-Test beweist die immunologische Genese der Hämolyse und unterscheidet sie von hereditären oder mechanischen Hämolyseformen. Je nach nachgewiesenem Antikörpertyp (IgG oder Komplement) lässt sich zudem zwischen Wärme- und Kälteautoantikörpern differenzieren.

  • A. CD55/CD59 werden zur Diagnostik der paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie bestimmt, die hier klinisch nicht im Vordergrund steht.
  • B. Die Hämoglobin-Elektrophorese dient der Diagnostik von Hämoglobinopathien, nicht der autoimmunhämolytischen Anämie.
  • C. Die osmotische Resistenz ist bei hereditärer Sphärozytose vermindert, nicht aber beweisend bei sekundärer autoimmunhämolytischer Hämolyse mit erworbenen Sphärozyten.
  • E. Ein G6PD-Mangel verursacht hämolytische Krisen typischerweise nach Trigger-Exposition und wird durch Enzymaktivitätsmessung, nicht durch diese Klinik nahegelegt.
Lernziel: Der direkte Coombs-Test weist gebundene Autoantikörper oder Komplement an Erythrozyten nach und bestätigt damit die Diagnose der autoimmunhämolytischen Anämie.
7

Ein 19-jähriger Mann stellt sich mit rezidivierendem Ikterus seit der Kindheit und tastbarer Splenomegalie vor. Sein Vater hatte in der Jugend eine Splenektomie. Labor: Hb 10,8 g/dl, LDH erhöht, Haptoglobin erniedrigt, indirektes Bilirubin erhöht, Retikulozyten 7 %. Im Blutausstrich zeigen sich kleine, dicht gefärbte Erythrozyten ohne zentrale Aufhellung. Der direkte Coombs-Test ist negativ. Welche Aussage zu Diagnostik und Therapie trifft am ehesten zu?

  1. ADie Hämoglobin-Elektrophorese zeigt ein erhöhtes HbA2, die Diagnose einer Thalassämie ist gesichert
  2. BDie osmotische Resistenz der Erythrozyten ist erhöht, eine Splenektomie ist bei diesem Befund kontraindiziert
  3. CDer positive Coombs-Test bestätigt eine autoimmune Genese, eine immunsuppressive Therapie ist indiziert
  4. DEine Eisensubstitution ist die Therapie der Wahl bei dieser Befundkonstellation
  5. EDie osmotische Resistenz der Erythrozyten ist vermindert, bei rezidivierenden hämolytischen Krisen und Splenomegalie ist eine Splenektomie zu erwägen
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Lösung: E. Die osmotische Resistenz der Erythrozyten ist vermindert, bei rezidivierenden hämolytischen Krisen und Splenomegalie ist eine Splenektomie zu erwägen

Die Anamnese mit familiärer Häufung, der Blutausstrich mit Sphärozyten und der negative Coombs-Test sprechen für eine hereditäre Sphärozytose, die häufigste korpuskuläre hämolytische Anämie in Mitteleuropa und meist autosomal-dominant vererbt wird. Der zugrunde liegende Membrandefekt (z. B. Spektrin, Ankyrin) führt zu osmotisch fragilen, kugelförmigen Erythrozyten mit verminderter osmotischer Resistenz, die vorzeitig in der Milz abgebaut werden. Bei rezidivierenden hämolytischen Krisen, ausgeprägter Splenomegalie oder Wachstumsstörungen im Kindesalter ist die Splenektomie die Therapie der Wahl, da sie den Ort des Erythrozytenabbaus entfernt und die Anämie meist deutlich verbessert. Vor Splenektomie sollte wegen des erhöhten Risikos für Infektionen mit bekapselten Erreichern eine Impfung gegen Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus influenzae erfolgen.

  • A. Es liegen keine Angaben zur Hämoglobin-Elektrophorese vor, und das klinische Bild mit Sphärozyten und familiärer Häufung passt nicht zu einer Thalassämie.
  • B. Bei hereditärer Sphärozytose ist die osmotische Resistenz vermindert, nicht erhöht, und die Splenektomie ist bei entsprechender Klinik gerade indiziert, nicht kontraindiziert.
  • C. Der Coombs-Test ist in diesem Fall negativ, was gegen eine autoimmune Genese spricht und eine immunsuppressive Therapie nicht rechtfertigt.
  • D. Es besteht kein Hinweis auf einen Eisenmangel, eine Eisensubstitution ist bei hämolytischer Anämie nicht die Therapie der Wahl.
Lernziel: Die hereditäre Sphärozytose zeigt eine verminderte osmotische Resistenz der Erythrozyten, und bei rezidivierenden hämolytischen Krisen oder ausgeprägter Splenomegalie ist die Splenektomie die Therapie der Wahl.

Hämoglobinopathien

2 Fragen
8

Ein 19-jähriger Patient mit bekannter homozygoter Sichelzellkrankheit berichtet über mittlerweile fünf schmerzhafte vasookklusive Krisen innerhalb des letzten Jahres, die jeweils eine stationäre Aufnahme mit Opioidtherapie erforderten. Zwischen den Krisen ist er beschwerdefrei, Hämoglobin liegt stabil bei 8,5 g/dl. Welche Therapie ist zur Reduktion weiterer Krisen jetzt indiziert?

  1. ADauerhafte Antikoagulation mit niedermolekularem Heparin
  2. BSplenektomie zur Vermeidung funktioneller Hyposplenie
  3. CRegelmäßige Erythrozytenaustauschtransfusion alle vier Wochen
  4. DDeferasirox zur Prävention der Eisenüberladung
  5. EHydroxyurea zur Induktion von fetalem Hämoglobin
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Lösung: E. Hydroxyurea zur Induktion von fetalem Hämoglobin

Hydroxyurea ist die Therapie der Wahl bei Sichelzellpatienten mit rezidivierenden vasookklusiven Krisen (definiert als mindestens drei Krisen pro Jahr). Es induziert die Expression von fetalem Hämoglobin (HbF), das die Polymerisation von desoxygeniertem HbS und damit das Sicheln der Erythrozyten vermindert. Dadurch sinkt die Häufigkeit schmerzhafter Krisen, des akuten Thoraxsyndroms und der Transfusionsbedürftigkeit. Die Therapie erfordert regelmäßige Blutbildkontrollen wegen des myelosuppressiven Effekts.

  • A. Eine Antikoagulation hat in dieser Indikation keinen belegten Nutzen, da die Pathophysiologie primär auf Erythrozytensicheln beruht.
  • B. Eine Splenektomie ist bei funktioneller Asplenie durch wiederholte Infarzierung meist nicht mehr notwendig und senkt die Krisenfrequenz nicht.
  • C. Austauschtransfusionen sind bei akuten Komplikationen wie Schlaganfall oder akutem Thoraxsyndrom sowie zur Sekundärprophylaxe nach Schlaganfall indiziert, nicht als Erstlinientherapie bei rezidivierenden Schmerzkrisen.
  • D. Eisenchelatoren sind bei Transfusionsüberladung indiziert, nicht zur primären Prophylaxe vasookklusiver Krisen.
Lernziel: Hydroxyurea senkt durch HbF-Induktion die Frequenz vasookklusiver Krisen bei Sichelzellkrankheit und ist bei rezidivierenden Krisen Therapie der Wahl.
9

Ein 16-jähriger Patient mit bekannter Beta-Thalassämie major erhält seit dem zweiten Lebensjahr regelmäßige Erythrozytentransfusionen alle drei Wochen. Bei der Routinekontrolle zeigt sich ein Ferritin von 3.800 ng/ml, zudem berichtet er über neu aufgetretenen Durst und häufiges Wasserlassen. Welche Komplikation ist am ehesten durch die Grunderkrankung und ihre Therapie bedingt?

  1. AAkute Graft-versus-Host-Reaktion durch die Transfusionen
  2. BPosttransfusionelle Purpura durch Alloantikörper gegen Thrombozyten
  3. CSekundäre Hämochromatose mit Schädigung von Pankreas, Herz und Leber
  4. DAutoimmunthyreoiditis mit konsekutiver Hypothyreose
  5. ETransfusionsassoziierte akute Lungeninsuffizienz (TRALI)
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Lösung: C. Sekundäre Hämochromatose mit Schädigung von Pankreas, Herz und Leber

Die chronische Transfusionstherapie bei Beta-Thalassämie major führt durch die fehlende physiologische Ausscheidungsmöglichkeit von Eisen zur sekundären (transfusionsbedingten) Hämochromatose. Das stark erhöhte Ferritin spiegelt die Eisenüberladung wider, die sich in Pankreas (Diabetes mellitus, hier Polydipsie und Polyurie als Hyperglykämiezeichen), Herz (Kardiomyopathie, Rhythmusstörungen) und Leber (Fibrose, Zirrhose) manifestiert. Eine konsequente Eisenchelattherapie, etwa mit Deferasirox oder Deferoxamin, ist zur Prävention dieser Organschäden essenziell und sollte bei Ferritinwerten über etwa 1.000 ng/ml eingeleitet bzw. intensiviert werden.

  • A. Eine Graft-versus-Host-Reaktion wird durch Bestrahlung der Blutprodukte verhindert und tritt bei chronischer Transfusionstherapie praktisch nicht auf.
  • B. Diese Komplikation ist eine seltene akute Transfusionsreaktion und erklärt nicht die chronische Symptomatik.
  • D. Eine Hypothyreose kann im Rahmen der Eisenüberladung auftreten, erklärt aber nicht die beschriebene Polydipsie und Polyurie und ist nicht autoimmun bedingt.
  • E. TRALI ist eine akute, mit der Transfusion zeitlich eng verbundene Komplikation und passt nicht zum chronischen Verlauf.
Lernziel: Chronische Transfusionstherapie bei Beta-Thalassämie major führt zur sekundären Hämochromatose mit Organschäden an Pankreas, Herz und Leber, die eine Eisenchelattherapie erfordert.
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Gerinnungsstörungen

7 Fragen
10

Ein 6-jähriger Junge wird wegen eines ausgedehnten Hämatoms am Oberschenkel nach einem Sturz vorgestellt. In der Vorgeschichte sind wiederholte Gelenkeinblutungen im Kniegelenk bekannt. Die Familienanamnese ergibt, dass der Großvater mütterlicherseits an einer ähnlichen Blutungsneigung litt, die Mutter selbst ist asymptomatisch. Laborchemisch zeigt sich eine isoliert verlängerte aPTT bei normaler PTZ (Quick-Wert) und normaler Thrombozytenzahl. Welcher Mechanismus liegt der Erkrankung am ehesten zugrunde?

  1. AX-chromosomal rezessiver Mangel an Faktor VIII mit gestörter Aktivierung des intrinsischen Gerinnungswegs
  2. BX-chromosomal rezessiver Mangel an Faktor IX mit gestörter Aktivierung des extrinsischen Gerinnungswegs
  3. CErworbene Autoantikörper gegen Faktor VIII bei zugrunde liegender Autoimmunerkrankung
  4. DAutosomal dominanter Mangel an von-Willebrand-Faktor mit gestörter Thrombozytenadhäsion
  5. EAutosomal rezessiver Mangel an Protein C mit prothrombotischer Diathese
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Lösung: A. X-chromosomal rezessiver Mangel an Faktor VIII mit gestörter Aktivierung des intrinsischen Gerinnungswegs

Die Hämophilie A beruht auf einem X-chromosomal rezessiv vererbten Mangel an Faktor VIII. Dadurch ist die Aktivierung des intrinsischen Gerinnungswegs gestört, was sich laborchemisch in einer isoliert verlängerten aPTT bei normalem Quick-Wert zeigt, da der extrinsische Weg (Faktor VII) nicht betroffen ist. Das klassische Muster der Vererbung über die mütterliche Linie mit betroffenen männlichen Verwandten und asymptomatischen weiblichen Konduktorinnen sowie rezidivierende Hämarthrosen sind typisch. Die Therapie erfolgt durch Substitution von Faktor-VIII-Konzentrat, bei schweren Formen auch prophylaktisch.

  • B. Das beschreibt die Hämophilie B; zudem ist der intrinsische, nicht der extrinsische Weg betroffen.
  • C. Die typische X-chromosomale Familienanamnese spricht für eine hereditäre, nicht erworbene Form.
  • D. Das von-Willebrand-Syndrom ist meist autosomal dominant vererbt, betrifft beide Geschlechter und führt zu Schleimhautblutungen, nicht primär zu Hämarthrosen.
  • E. Ein Protein-C-Mangel führt zu Thrombophilie, nicht zu Blutungsneigung, und erklärt keine aPTT-Verlängerung.
Lernziel: Hämophilie A ist ein X-chromosomal rezessiver Faktor-VIII-Mangel mit isolierter aPTT-Verlängerung durch gestörte Aktivierung des intrinsischen Gerinnungswegs.
11

Eine 22-jährige Frau stellt sich wegen seit der Menarche bestehender starker Menstruationsblutungen und häufigem Nasenbluten vor. Die Familienanamnese ist positiv für ähnliche Blutungssymptome bei Mutter und Schwester. Laborwerte: Thrombozytenzahl 240.000/µl, aPTT leicht verlängert, Quick-Wert normal, Blutungszeit verlängert. Welche Untersuchung ist zur Sicherung der vermuteten Diagnose am aussagekräftigsten?

  1. AKnochenmarkpunktion zur Beurteilung der Megakaryopoese
  2. BFaktor-VIII-Hemmkörper-Nachweis mittels Bethesda-Assay
  3. CThrombozytenfunktionsanalyse mittels Lichttransmissionsaggregometrie auf ADP
  4. DRistocetin-Cofaktor-Aktivität und von-Willebrand-Faktor-Antigen
  5. EGenetische Testung auf Faktor-V-Leiden-Mutation
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Lösung: D. Ristocetin-Cofaktor-Aktivität und von-Willebrand-Faktor-Antigen

Das von-Willebrand-Syndrom ist die häufigste hereditäre Blutungsneigung und wird durch die Bestimmung der Ristocetin-Cofaktor-Aktivität (funktionelle Aktivität des von-Willebrand-Faktors) zusammen mit dem von-Willebrand-Faktor-Antigen gesichert. Der von-Willebrand-Faktor vermittelt die Thrombozytenadhäsion ans subendotheliale Kollagen und stabilisiert Faktor VIII im Plasma; sein Mangel oder Funktionsdefekt erklärt sowohl die verlängerte Blutungszeit als auch die leicht verlängerte aPTT durch sekundär erniedrigten Faktor VIII. Die Familienanamnese mit autosomal dominanter Vererbung und mukokutanen Blutungen passt typisch zum klinischen Bild.

  • A. Eine Knochenmarkpunktion ist bei normaler Thrombozytenzahl und klarer klinischer Konstellation nicht indiziert.
  • B. Dieser Test weist erworbene Hemmkörper gegen Faktor VIII nach, nicht den hereditären von-Willebrand-Faktor-Mangel.
  • C. Diese Untersuchung dient der Diagnostik primärer Thrombozytenfunktionsstörungen, ist aber nicht der spezifische Test für das von-Willebrand-Syndrom.
  • E. Die Faktor-V-Leiden-Mutation verursacht eine Thrombophilie, keine Blutungsneigung.
Lernziel: Das von-Willebrand-Syndrom als häufigste hereditäre Blutungsneigung wird durch Bestimmung von Ristocetin-Cofaktor-Aktivität und von-Willebrand-Faktor-Antigen diagnostisch gesichert.
12

Ein 67-jähriger Patient wird mit septischem Schock bei Urosepsis auf die Intensivstation aufgenommen. Es zeigen sich petechiale Einblutungen an beiden Unterschenkeln sowie Sickerblutungen aus Venenpunktionsstellen. Laborwerte: Thrombozyten 42.000/µl, Fibrinogen 0,9 g/l, D-Dimere stark erhöht, Quick-Wert erniedrigt, aPTT verlängert. Welche Diagnose erklärt diese Befundkonstellation am besten?

  1. AThrombotisch-thrombozytopenische Purpura
  2. BImmunthrombozytopenie (ITP)
  3. CHämolytisch-urämisches Syndrom
  4. DHeparininduzierte Thrombozytopenie Typ II
  5. EDisseminierte intravasale Gerinnung
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Lösung: E. Disseminierte intravasale Gerinnung

Die disseminierte intravasale Gerinnung (DIC) entsteht im Rahmen der Sepsis durch eine systemische Aktivierung der Gerinnungskaskade mit Verbrauch von Gerinnungsfaktoren und Thrombozyten sowie reaktiver Hyperfibrinolyse. Charakteristisch ist die Kombination aus Thrombozytopenie, erniedrigtem Fibrinogen (Verbrauchskoagulopathie), verlängertem Quick-Wert und aPTT sowie stark erhöhten D-Dimeren als Zeichen der gesteigerten Fibrinabbauaktivität. Klinisch resultiert ein paradoxes Bild aus Blutungsneigung und mikrovaskulären Thrombosen, das in fortgeschrittenen Stadien zum Multiorganversagen führen kann.

  • A. Bei TTP sind Quick-Wert und aPTT typischerweise normal, da keine generalisierte Gerinnungsfaktorverbrauch vorliegt, zudem fehlt meist der Fibrinogenabfall.
  • B. Bei ITP sind die plasmatischen Gerinnungsparameter normal, es liegt eine isolierte Thrombozytopenie vor.
  • C. Beim HUS stehen Thrombozytopenie, hämolytische Anämie und akutes Nierenversagen im Vordergrund, die plasmatische Gerinnung ist meist nicht wie hier beschrieben verändert.
  • D. HIT II verursacht eine isolierte Thrombozytopenie mit Thromboseneigung, keine kombinierte Gerinnungsstörung mit erniedrigtem Fibrinogen und verlängertem Quick-Wert.
Lernziel: Die DIC bei Sepsis zeigt die Laborkonstellation aus Thrombozytopenie, erniedrigtem Fibrinogen, verlängertem Quick-Wert und aPTT sowie stark erhöhten D-Dimeren durch Faktorenverbrauch und Hyperfibrinolyse.
13

Ein 58-jähriger Patient erhält seit sieben Tagen nach einer Hüftoperation eine prophylaktische Dosis unfraktioniertes Heparin. Am siebten Tag fällt die Thrombozytenzahl von vorher 220.000/µl auf 85.000/µl ab, zudem entwickelt der Patient eine schmerzhafte Schwellung des linken Unterschenkels. Die Dopplersonographie bestätigt eine tiefe Beinvenenthrombose. Der Anti-PF4/Heparin-Antikörper-Test fällt positiv aus. Welcher nächste Schritt ist jetzt angezeigt?

  1. AUmstellung von unfraktioniertem Heparin auf ein niedermolekulares Heparin
  2. BFortführung der Heparintherapie mit zusätzlicher Gabe von Vitamin-K-Antagonisten
  3. CGabe von Thrombozytenkonzentraten zur Anhebung der Thrombozytenzahl
  4. DDosisreduktion des unfraktionierten Heparins unter engmaschiger Thrombozytenkontrolle
  5. ESofortiges Absetzen von Heparin und Umstellung auf Argatroban
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Lösung: E. Sofortiges Absetzen von Heparin und Umstellung auf Argatroban

Bei begründetem Verdacht auf oder bestätigter heparininduzierter Thrombozytopenie Typ II muss jegliche Heparinexposition sofort beendet werden, da die Antikörper gegen den Plättchenfaktor-4-Heparin-Komplex eine massive Thrombozytenaktivierung mit paradoxem thromboembolischen Risiko auslösen, wie hier durch die tiefe Beinvenenthrombose demonstriert. Als Alternative wird auf einen nicht-heparinbasierten Antikoagulanz wie den direkten Thrombininhibitor Argatroban umgestellt, der auch bei eingeschränkter Nierenfunktion sicher einsetzbar ist. Der typische Zeitverlauf mit Thrombozytenabfall um Tag 5 bis 10 nach Heparinbeginn und der positive Antikörpertest stützen die Diagnose.

  • A. Niedermolekulare Heparine zeigen eine hohe Kreuzreaktivität mit den Antikörpern und sind bei HIT II kontraindiziert.
  • B. Vitamin-K-Antagonisten dürfen in der Akutphase der HIT II wegen des Risikos einer Kumarinnekrose nicht ohne vorherige wirksame alternative Antikoagulation eingesetzt werden, zudem muss Heparin abgesetzt werden.
  • C. Thrombozytenkonzentrate sind bei HIT II kontraindiziert, da sie das thromboembolische Risiko durch zusätzliches Substrat für die Thrombozytenaktivierung erhöhen können.
  • D. Eine bloße Dosisreduktion beseitigt die Antikörperstimulation nicht und das thromboembolische Risiko bleibt bestehen.
Lernziel: Bei heparininduzierter Thrombozytopenie Typ II muss Heparin sofort abgesetzt und durch ein alternatives Antikoagulanz wie Argatroban ersetzt werden, um Thromboembolien zu verhindern.
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Ein 76-jähriger Patient unter dauerhafter Phenprocoumon-Einnahme bei Vorhofflimmern stellt sich mit einer ausgedehnten Hämatomneigung und Nasenbluten in der Notaufnahme vor. Die Blutdruckwerte liegen bei 130/80 mmHg, die Herzfrequenz bei 88/min. Laborchemisch zeigt sich ein INR von 7,2, die aPTT ist nur gering verlängert. Es besteht keine aktive schwere Blutung. Welche Maßnahme ist die Therapie der Wahl zur raschen Normalisierung der Gerinnung?

  1. AGabe von Tranexamsäure intravenös
  2. BGabe von Prothrombinkomplex-Konzentrat (PPSB)
  3. CTransfusion von Thrombozytenkonzentrat
  4. DGabe von Protamin intravenös
  5. EInfusion von frisch gefrorenem Plasma (FFP)
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Lösung: B. Gabe von Prothrombinkomplex-Konzentrat (PPSB)

Bei symptomatischer Vitamin-K-Antagonisten-Überdosierung mit deutlich erhöhtem INR ist PPSB (Prothrombinkomplex-Konzentrat) die Therapie der Wahl, da es die Vitamin-K-abhängigen Faktoren II, VII, IX und X unmittelbar und in ausreichender Konzentration substituiert. Die Wirkung tritt innerhalb von Minuten ein und ermöglicht eine schnelle INR-Normalisierung. Ergänzend wird Vitamin K oral oder i.v. gegeben, um die Wirkung nachhaltig zu sichern, da PPSB nur eine kurze Halbwertszeit hat. FFP wirkt langsamer und enthält die Faktoren in geringerer, nicht standardisierter Konzentration.

  • A. Tranexamsäure hemmt die Fibrinolyse, behebt aber nicht den Faktorenmangel und ist hier nicht die kausale Therapie.
  • C. Eine isolierte Thrombozytopenie liegt nicht vor, das Problem ist der Faktorenmangel, nicht eine Thrombozytenfunktionsstörung.
  • D. Protamin ist das Antidot für Heparin, nicht für Vitamin-K-Antagonisten.
  • E. FFP enthält die Gerinnungsfaktoren in geringerer und weniger standardisierter Konzentration, die Wirkung tritt langsamer ein und größere Volumina sind nötig.
Lernziel: Bei symptomatischer Überdosierung von Vitamin-K-Antagonisten ist PPSB plus Vitamin K die Therapie der Wahl zur schnellen Antagonisierung.
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Eine 29-jährige Frau stellt sich mit petechialen Hautblutungen an den Unterschenkeln und gelegentlichem Zahnfleischbluten vor. Sie ist ansonsten beschwerdefrei, es bestehen keine B-Symptome. Die körperliche Untersuchung zeigt keine Splenomegalie und keine Lymphknotenvergrößerung. Das Blutbild zeigt eine Thrombozytenzahl von 18.000/µl bei normaler Leukozyten- und Erythrozytenzahl. Das Blutausstrich zeigt keine Fragmentozyten. Virusserologien (HIV, Hepatitis) sind negativ. Welche Therapie ist in dieser Situation die Therapie der ersten Wahl?

  1. AThrombozytenkonzentrat-Transfusion
  2. BOrale Glukokortikoide
  3. CSplenektomie
  4. DRituximab intravenös
  5. EThrombopoetin-Rezeptor-Agonist oral
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Lösung: B. Orale Glukokortikoide

Bei der primären Immunthrombozytopenie (ITP) ohne Blutungszeichen höheren Grades ist die Erstlinientherapie die Gabe von Glukokortikoiden (z. B. Prednisolon), die die Autoantikörperproduktion und den Thrombozytenabbau in der Milz vermindern. Die Diagnose ist eine Ausschlussdiagnose nach Exklusion anderer Thrombozytopenieursachen wie Infektionen, Medikamente oder TTP. Zweitlinientherapien wie Splenektomie, Rituximab oder TPO-Rezeptor-Agonisten kommen erst bei Therapieversagen oder Rezidiv zum Einsatz. Eine Thrombozytentransfusion ist nur bei schwerer, lebensbedrohlicher Blutung indiziert, da die transfundierten Thrombozyten ebenfalls rasch abgebaut werden.

  • A. Eine Thrombozytentransfusion ist nur bei schwerer aktiver Blutung indiziert und wirkt hier nur kurzfristig.
  • C. Die Splenektomie ist eine Zweitlinientherapie bei chronischer oder therapierefraktärer ITP, nicht Erstlinie.
  • D. Rituximab wird bei Versagen der Erstlinientherapie eingesetzt, nicht primär.
  • E. TPO-Rezeptor-Agonisten sind für die chronische, therapierefraktäre ITP vorgesehen.
Lernziel: Die Erstlinientherapie der primären ITP sind Glukokortikoide.
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Eine 34-jährige Frau wird mit Verwirrtheit, Fieber von 38,9 °C und petechialen Hautblutungen in die Notaufnahme gebracht. Laborchemisch zeigen sich eine Thrombozytenzahl von 12.000/µl, ein Hämoglobin von 7,8 g/dl, eine erhöhte LDH und zahlreiche Fragmentozyten im Blutausstrich. Die Nierenretentionswerte sind leicht erhöht, die Gerinnungsparameter (Quick, aPTT, Fibrinogen) sind normal. Die ADAMTS13-Aktivität ist stark erniedrigt. Welcher Mechanismus liegt der Erkrankung dieser Patientin zugrunde?

  1. AVerbrauchskoagulopathie durch systemische Freisetzung von Gewebethromboplastin
  2. BAutoantikörper-vermittelte Zerstörung von Thrombozyten in der Milz
  3. CHeparin-induzierte Bildung von Antikörpern gegen Plättchenfaktor 4
  4. DFehlende Spaltung ultragroßer von-Willebrand-Faktor-Multimere mit nachfolgender Mikrothrombenbildung
  5. EKomplementvermittelte Schädigung glomerulärer Endothelzellen durch Shiga-Toxin
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Lösung: D. Fehlende Spaltung ultragroßer von-Willebrand-Faktor-Multimere mit nachfolgender Mikrothrombenbildung

Bei der thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura (TTP) liegt ein schwerer Mangel der Metalloprotease ADAMTS13 vor, meist autoantikörperbedingt. Dadurch werden ultragroße von-Willebrand-Faktor-Multimere nicht gespalten und lagern sich an Thrombozyten an, was zu disseminierten Mikrothromben in kleinen Gefäßen führt. Die Folge ist die klassische Pentade aus Thrombozytopenie, hämolytischer Anämie mit Fragmentozyten, neurologischen Symptomen, Fieber und Niereninsuffizienz. Therapie der Wahl ist die Plasmapherese, die pathogene Antikörper entfernt und ADAMTS13 substituiert.

  • A. Dies beschreibt die Pathogenese der disseminierten intravasalen Gerinnung, bei der im Gegensatz zur TTP die Gerinnungsparameter pathologisch verändert sind.
  • B. Dies beschreibt den Mechanismus der ITP, bei der keine Fragmentozyten und normale Gerinnungswerte vorliegen.
  • C. Dies beschreibt den Mechanismus der Heparin-induzierten Thrombozytopenie Typ II, die eine vorausgehende Heparinexposition voraussetzt.
  • E. Dies beschreibt den Mechanismus des hämolytisch-urämischen Syndroms, das meist bei Kindern nach enterohämorrhagischer E.-coli-Infektion auftritt.
Lernziel: Der TTP liegt ein ADAMTS13-Mangel mit Akkumulation ultragroßer vWF-Multimere und konsekutiver Mikrothrombenbildung zugrunde.

Akute Leukämien

5 Fragen
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Ein 4-jähriger Junge wird vorgestellt, weil er seit zwei Wochen zunehmend blass und müde ist und sich nicht mehr zum Spielen motivieren lässt. Die Eltern berichten über wiederholtes Nasenbluten und diffuse Knochenschmerzen in den Beinen. Bei der Untersuchung finden sich eine Temperatur von 38,4 °C, eine Hepatosplenomegalie und mehrere vergrößerte zervikale Lymphknoten. Das Blutbild zeigt Hb 7,2 g/dl, Leukozyten 32.000/µl mit zahlreichen lymphatischen Blasten, Thrombozyten 41.000/µl. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?

  1. AAkute myeloische Leukämie
  2. BNon-Hodgkin-Lymphom im Stadium IV
  3. CAplastische Anämie
  4. DInfektiöse Mononukleose
  5. EAkute lymphatische Leukämie
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Lösung: E. Akute lymphatische Leukämie

Die akute lymphatische Leukämie (ALL) ist die häufigste maligne Erkrankung im Kindesalter und manifestiert sich typischerweise mit Symptomen der Knochenmarkinsuffizienz (Anämie, Thrombozytopenie mit Blutungsneigung, Infektanfälligkeit) sowie mit Organinfiltration (Hepatosplenomegalie, Lymphadenopathie, Knochenschmerzen durch Markinfiltration). Der Nachweis lymphatischer Blasten im peripheren Blut bei Panzytopenie-ähnlichem Bild ist charakteristisch. Die Diagnosesicherung erfolgt durch Knochenmarkpunktion mit Zytomorphologie, Immunphänotypisierung und Zytogenetik. Die ALL hat im Kindesalter eine sehr gute Prognose mit Heilungsraten über 85 % unter intensiver Chemotherapie.

  • A. Die AML ist im Kindesalter seltener als die ALL und zeigt meist myeloische statt lymphatische Blasten.
  • B. Ein NHL zeigt typischerweise solide Lymphommassen ohne die hier beschriebene ausgeprägte Knochenmarkinsuffizienz mit zirkulierenden Blasten.
  • C. Eine aplastische Anämie zeigt eine Panzytopenie ohne Blasten und ohne Organomegalie.
  • D. Eine infektiöse Mononukleose verursacht keine Blastenpopulation im Blutbild und keine derartige Thrombozytopenie.
Lernziel: Die ALL ist die häufigste Krebserkrankung im Kindesalter und zeigt klinisch Zeichen der Knochenmarkinsuffizienz kombiniert mit Organinfiltration und zirkulierenden lymphatischen Blasten.
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Ein 61-jähriger Mann stellt sich mit seit drei Wochen zunehmender Abgeschlagenheit, Fieberschüben bis 38,7 °C und punktförmigen Hautblutungen vor. Das Blutbild zeigt Hb 8,1 g/dl, Leukozyten 18.500/µl mit 12 % Blasten im peripheren Blutausstrich, Thrombozyten 55.000/µl. Zur definitiven Diagnosesicherung wird eine Knochenmarkpunktion durchgeführt. Welcher Befund in der Knochenmarkzytologie gilt als entscheidendes Diagnosekriterium für die akute myeloische Leukämie?

  1. ANachweis einer Myelofibrose mit vermehrter Retikulinfaserdichte
  2. BNachweis von Auer-Stäbchen in mindestens 5 % der Blasten
  3. CNachweis von mehr als 10 % Dysplasiezeichen in der erythropoetischen Reihe
  4. DBlastenanteil von mindestens 20 % der kernhaltigen Zellen im Knochenmark
  5. EBlastenanteil von mindestens 5 % der kernhaltigen Zellen im Knochenmark
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Lösung: D. Blastenanteil von mindestens 20 % der kernhaltigen Zellen im Knochenmark

Nach der WHO-Klassifikation wird die Diagnose einer akuten myeloischen Leukämie gestellt, wenn der Blastenanteil im Knochenmark (oder im peripheren Blut) mindestens 20 % der kernhaltigen Zellen beträgt. Eine Ausnahme bilden bestimmte rekurrente genetische Aberrationen (z. B. t(15;17), t(8;21), inv(16)), bei denen die Diagnose unabhängig vom Blastenanteil gestellt wird. Liegt der Blastenanteil zwischen 5 und 19 %, handelt es sich definitionsgemäß um ein myelodysplastisches Syndrom mit erhöhtem Blastenanteil, nicht um eine AML. Diese Grenze ist entscheidend für Therapieentscheidung und Prognoseeinschätzung.

  • A. Eine Myelofibrose ist charakteristisch für myeloproliferative Neoplasien wie die primäre Myelofibrose, nicht Diagnosekriterium der AML.
  • B. Auer-Stäbchen sind ein unterstützender morphologischer Hinweis auf eine myeloische Linie, aber kein alleiniges Diagnosekriterium der AML.
  • C. Dysplasiezeichen sind typisch für das myelodysplastische Syndrom, begründen aber nicht die Diagnose einer AML.
  • E. Ein Blastenanteil von 5-19 % entspricht definitionsgemäß einem myelodysplastischen Syndrom, nicht einer AML.
Lernziel: Die Diagnose der AML erfordert einen Blastenanteil von mindestens 20 % im Knochenmark oder peripheren Blut, außer bei definierenden genetischen Aberrationen.
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Eine 42-jährige Frau wird mit ausgeprägter Blutungsneigung, großflächigen Hämatomen und Zahnfleischbluten stationär aufgenommen. Das Labor zeigt eine Thrombozytenzahl von 22.000/µl, ein erniedrigtes Fibrinogen von 0,8 g/l, eine verlängerte PTT und erhöhte D-Dimere. Die Knochenmarkzytologie zeigt atypische Promyelozyten mit Auer-Stäbchen-Bündeln, zytogenetisch wird die Translokation t(15;17) mit Bildung des PML-RARA-Fusionsgens nachgewiesen. Welche Substanz ist der zentrale Bestandteil der Therapie der ersten Wahl bei dieser Erkrankung?

  1. AHydroxycarbamid
  2. BVincristin
  3. CCytarabin in Hochdosis
  4. DAll-trans-Retinsäure (ATRA)
  5. EImatinib
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Lösung: D. All-trans-Retinsäure (ATRA)

Bei der akuten Promyelozytenleukämie (APL) führt die Translokation t(15;17) zur Bildung des PML-RARA-Fusionsproteins, das die Ausdifferenzierung myeloischer Vorläuferzellen blockiert. All-trans-Retinsäure (ATRA) bindet an den Retinsäurerezeptor-Anteil des Fusionsproteins und induziert die terminale Differenzierung der malignen Promyelozyten, meist in Kombination mit Arsentrioxid. Die klinisch bedeutsame Begleitkomplikation ist die disseminierte intravasale Gerinnung durch Freisetzung prokoagulatorischer Granulainhalte, die eine engmaschige Gerinnungsüberwachung und Substitution erfordert. Die ATRA-basierte Therapie hat die Prognose der APL von einer früher sehr ungünstigen zu einer heute meist heilbaren Erkrankung verbessert.

  • A. Hydroxycarbamid wird zur zytoreduktiven Behandlung myeloproliferativer Neoplasien eingesetzt, nicht als kurative APL-Therapie.
  • B. Vincristin ist Bestandteil von Lymphom- und ALL-Protokollen, nicht die zielgerichtete Standardtherapie der APL.
  • C. Hochdosiertes Cytarabin ist Bestandteil der Induktionstherapie anderer AML-Subtypen, nicht die zentrale zielgerichtete Substanz der APL-Therapie.
  • E. Imatinib ist ein Tyrosinkinase-Inhibitor zur Behandlung der BCR-ABL-positiven CML, nicht der APL.
Lernziel: Die akute Promyelozytenleukämie mit t(15;17)/PML-RARA wird durch ATRA (meist kombiniert mit Arsentrioxid) behandelt, das die Ausdifferenzierung der blockierten Promyelozyten induziert.
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Ein 54-jähriger Patient wird mit der Erstdiagnose einer akuten lymphatischen Leukämie stationär aufgenommen. Die Leukozytenzahl beträgt 180.000/µl, die LDH ist stark erhöht. Vor Beginn der Induktionschemotherapie soll das Risiko metabolischer Komplikationen durch den raschen Zerfall der Tumorzellen minimiert werden. Welche Maßnahme ist in dieser Situation vor Chemotherapiebeginn am wichtigsten?

  1. AVorbeugende Gabe von Granulozyten-Kolonie-stimulierendem Faktor (G-CSF)
  2. BGroßzügige intravenöse Flüssigkeitszufuhr und Gabe von Rasburicase
  3. CProphylaktische Transfusion von Thrombozytenkonzentraten
  4. DEinschränkung der Flüssigkeitszufuhr zur Vermeidung einer Hyperhydratation
  5. EOrale Gabe von Allopurinol erst nach Auftreten einer Hyperurikämie
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Lösung: B. Großzügige intravenöse Flüssigkeitszufuhr und Gabe von Rasburicase

Bei hoher Tumorlast (hohe Leukozytenzahl, erhöhte LDH) besteht ein hohes Risiko für ein Tumorlysesyndrom mit Hyperurikämie, Hyperkaliämie, Hyperphosphatämie und sekundärer Hypokalzämie durch massiven Zellzerfall unter Chemotherapie. Die Prophylaxe besteht in großzügiger intravenöser Hydrierung zur Verbesserung der renalen Elimination der Zerfallsprodukte sowie in der Gabe von Rasburicase, einer rekombinanten Urat-Oxidase, die Harnsäure zu gut löslichem Allantoin abbaut. Diese Maßnahmen müssen vor oder zu Beginn der Chemotherapie eingeleitet werden, nicht erst nach Auftreten von Symptomen. Eine Flüssigkeitsrestriktion wäre hier kontraproduktiv, da sie die renale Ausscheidung der Harnsäure und Elektrolyte verschlechtert.

  • A. G-CSF stimuliert die Granulopoese und spielt bei der Prävention des Tumorlysesyndroms keine Rolle, kann die Zelllyse sogar verstärken.
  • C. Thrombozytenkonzentrate behandeln keine Zytolyseprodukte und sind beim Tumorlysesyndrom nicht die prophylaktische Maßnahme der Wahl.
  • D. Eine Flüssigkeitsrestriktion verschlechtert die renale Elimination von Harnsäure und Kalium und erhöht damit das Risiko für ein akutes Nierenversagen.
  • E. Allopurinol sollte präventiv vor Chemotherapiebeginn gegeben werden, nicht erst reaktiv bei bereits bestehender Hyperurikämie; außerdem ist bei sehr hoher Tumorlast Rasburicase dem Allopurinol vorzuziehen.
Lernziel: Bei hoher Tumorlast vor Chemotherapiebeginn verhindern intravenöse Hydrierung und Rasburicase (oder Allopurinol bei niedrigerem Risiko) das Tumorlysesyndrom.
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Eine 62-jährige Patientin befindet sich am 10. Tag nach Induktionschemotherapie bei akuter myeloischer Leukämie. Sie klagt über Schüttelfrost. Die Körpertemperatur beträgt 38,9 °C, der Blutdruck 110/70 mmHg, die Herzfrequenz 102/min. Im Differenzialblutbild zeigt sich eine absolute Neutrophilenzahl von 320/µl. Ein Fokus ist klinisch nicht erkennbar. Welches ist der nächste Schritt?

  1. AGabe von G-CSF als alleinige Sofortmaßnahme ohne Antibiotikatherapie
  2. BVerabreichung von Antipyretika und engmaschige Kontrolle ohne Antibiotikagabe
  3. CSofortiger Beginn einer empirischen intravenösen Breitspektrum-Antibiotikatherapie
  4. DAmbulante orale Antibiotikatherapie mit Amoxicillin/Clavulansäure
  5. EAbwarten der Ergebnisse der Blutkulturen vor Therapiebeginn
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Lösung: C. Sofortiger Beginn einer empirischen intravenösen Breitspektrum-Antibiotikatherapie

Bei febriler Neutropenie (Neutrophile <500/µl und Fieber ≥38,3 °C einmalig oder ≥38,0 °C über eine Stunde) handelt es sich um einen onkologischen Notfall, da eine bakterielle Sepsis innerhalb von Stunden lebensbedrohlich verlaufen kann. Leitliniengerecht muss unverzüglich, idealerweise innerhalb einer Stunde nach Erkennen, eine empirische intravenöse Breitspektrum-Antibiotikatherapie (z. B. mit einem Piperacillin/Tazobactam oder einem pseudomonaswirksamen Cephalosporin) begonnen werden, nachdem Blutkulturen abgenommen wurden. Ein Zuwarten auf die Kulturergebnisse würde die lebensrettende Therapie unnötig verzögern. Die Hochrisikokonstellation (tiefe, lang anhaltende Neutropenie nach Induktionschemotherapie) erfordert eine stationäre intravenöse Behandlung, keine ambulante orale Therapie.

  • A. G-CSF kann adjuvant erwogen werden, ersetzt aber nicht die unverzüglich notwendige antibiotische Therapie.
  • B. Fiebersenkung allein ohne antibiotische Therapie lässt eine mögliche Sepsis unbehandelt und ist potenziell lebensgefährlich.
  • D. Eine orale ambulante Therapie ist nur bei Niedrigrisikopatienten mit kurzer, milder Neutropenie vertretbar, nicht bei dieser Hochrisikokonstellation nach Induktionschemotherapie.
  • E. Ein Zuwarten auf die Blutkulturergebnisse verzögert die lebensrettende Therapie und ist bei febriler Neutropenie kontraindiziert.
Lernziel: Febrile Neutropenie erfordert die sofortige empirische intravenöse Breitspektrum-Antibiotikatherapie nach Blutkulturabnahme, ohne auf die Kulturergebnisse zu warten.

Chronische myeloproliferative Neoplasien

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Bei einem 48-jährigen Patienten wird im Rahmen einer Routineuntersuchung eine Leukozytose von 68.000/µl mit Linksverschiebung und Basophilie festgestellt. Die zytogenetische Untersuchung des Knochenmarks zeigt eine reziproke Translokation t(9;22). Welcher Mechanismus erklärt am besten die maligne Transformation bei dieser Erkrankung?

  1. APunktmutation im JAK2-Gen mit konstitutiver Aktivierung der Januskinase-2
  2. BDeletion des Tumorsuppressorgens TP53 mit Verlust der Apoptosekontrolle
  3. CPunktmutation im CALR-Gen mit aberranter Aktivierung des Thrombopoetinrezeptors
  4. DTranslokation mit Überexpression von Cyclin D1 und gesteigerter Zellzyklusprogression
  5. EEntstehung eines Fusionsgens mit konstitutiv aktiver Tyrosinkinase, die die Proliferation myeloischer Zellen antreibt
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Lösung: E. Entstehung eines Fusionsgens mit konstitutiv aktiver Tyrosinkinase, die die Proliferation myeloischer Zellen antreibt

Die Translokation t(9;22)(q34;q11) führt zur Fusion des BCR-Gens auf Chromosom 22 mit dem ABL1-Gen auf Chromosom 9, wodurch das sogenannte Philadelphia-Chromosom entsteht. Das resultierende BCR-ABL-Fusionsprotein besitzt eine konstitutiv, also dauerhaft ohne Liganden aktive Tyrosinkinaseaktivität, die über Aktivierung proliferativer Signalwege (z. B. RAS, PI3K) die unkontrollierte Proliferation myeloischer Vorläuferzellen bewirkt. Dies ist die molekulare Grundlage der chronischen myeloischen Leukämie und zugleich Zielstruktur der Therapie mit Tyrosinkinaseinhibitoren wie Imatinib, die die ATP-Bindungstasche der Kinase blockieren. JAK2-, TP53-, Cyclin-D1- und CALR-Veränderungen sind bei anderen hämatologischen Neoplasien relevant, nicht bei der klassischen CML.

  • A. Die JAK2-V617F-Mutation ist charakteristisch für Polycythaemia vera und andere MPN, nicht für die CML mit Philadelphia-Chromosom.
  • B. TP53-Deletionen spielen vor allem bei der CLL und bei der Blastenkrise prognostisch eine Rolle, sind aber nicht der primäre Mechanismus der CML.
  • C. CALR-Mutationen finden sich bei einem Teil der essentiellen Thrombozythämien und der primären Myelofibrose, nicht bei der CML.
  • D. Cyclin-D1-Überexpression durch Translokation ist charakteristisch für das Mantelzelllymphom, nicht für die CML.
Lernziel: Die CML entsteht durch das BCR-ABL-Fusionsgen des Philadelphia-Chromosoms, das eine konstitutiv aktive Tyrosinkinase codiert und Zielstruktur der Therapie mit Imatinib ist.
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Eine 57-jährige Patientin stellt sich wegen Kopfschmerzen und Juckreiz nach dem Duschen vor. Die Laborwerte zeigen: Hämoglobin 18,9 g/dl, Hämatokrit 58 %, Leukozyten 13.200/µl, Thrombozyten 520.000/µl. Der Erythropoetin-Spiegel im Serum ist erniedrigt. Eine molekulargenetische Untersuchung zeigt eine Mutation im JAK2-Gen (V617F). Wie ist diese Konstellation am besten zu interpretieren?

  1. ARelative Erythrozytose durch Volumenmangel bei Exsikkose
  2. BSekundäre Erythrozytose durch chronische Hypoxie, zum Beispiel bei Lungenerkrankung
  3. CSekundäre Erythrozytose durch paraneoplastische Erythropoetin-Produktion eines Nierenzellkarzinoms
  4. DPrimäre, Erythropoetin-unabhängige Steigerung der Erythropoese im Rahmen einer Polycythaemia vera
  5. EReaktive Thrombozytose im Rahmen eines chronischen Eisenmangels
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Lösung: D. Primäre, Erythropoetin-unabhängige Steigerung der Erythropoese im Rahmen einer Polycythaemia vera

Die Kombination aus deutlich erhöhtem Hämoglobin und Hämatokrit, Leukozytose, Thrombozytose, Pruritus aquagenicus (Juckreiz nach Wasserkontakt) und dem Nachweis der JAK2-V617F-Mutation bei gleichzeitig erniedrigtem Erythropoetin-Spiegel ist klassisch für die Polycythaemia vera. Die JAK2-Mutation führt zu einer konstitutiven Aktivierung des Erythropoetinrezeptor-Signalwegs, sodass die Erythropoese unabhängig von Erythropoetin gesteigert ist; der Körper reagiert physiologisch mit einer Suppression der endogenen Erythropoetin-Produktion. Bei sekundären Erythrozytosen durch Hypoxie oder paraneoplastische Erythropoetin-Produktion wäre der Erythropoetin-Spiegel dagegen normal bis erhöht, nicht erniedrigt. Die Trias aus erniedrigtem Erythropoetin, JAK2-Mutation und Trilinienproliferation (Erythrozytose, Leukozytose, Thrombozytose) sichert die Diagnose der primären Polyzythämie.

  • A. Eine relative Erythrozytose durch Exsikkose beträfe nur das Plasmavolumen und würde keine JAK2-Mutation oder begleitende Leukozytose/Thrombozytose erklären.
  • B. Bei sekundärer, hypoxiebedingter Erythrozytose wäre der Erythropoetin-Spiegel erhöht, nicht erniedrigt, und es fände sich keine JAK2-Mutation.
  • C. Eine paraneoplastische Erythropoetin-Produktion würde zu erhöhten, nicht erniedrigten Erythropoetin-Spiegeln führen.
  • E. Eine isolierte reaktive Thrombozytose erklärt nicht die ausgeprägte Erythrozytose, den erniedrigten Erythropoetin-Spiegel und den Nachweis der JAK2-Mutation.
Lernziel: Bei Polycythaemia vera führt die JAK2-V617F-Mutation zu Erythropoetin-unabhängiger Erythropoese mit konsekutiv erniedrigtem Serum-Erythropoetin, im Gegensatz zu sekundären Erythrozytosen mit normalem bis erhöhtem Erythropoetin.
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Bei einer 68-jährigen Patientin wird bei einer Thrombozytenzahl von 780.000/µl die Diagnose einer essentiellen Thrombozythämie gestellt. Anamnestisch bestehen ein arterieller Hypertonus und ein vor zwei Jahren erlittener ischämischer Schlaganfall. Eine JAK2-V617F-Mutation ist nachweisbar. Welche Therapie ist bei dieser Patientin indiziert?

  1. AAlleinige zytoreduktive Therapie mit Hydroxyurea ohne Thrombozytenaggregationshemmung
  2. BAlleinige Thrombozytenaggregationshemmung mit Acetylsalicylsäure ohne zytoreduktive Therapie
  3. COrale Antikoagulation mit einem Vitamin-K-Antagonisten anstelle einer Thrombozytenaggregationshemmung
  4. DThrombozytenaggregationshemmung mit Acetylsalicylsäure und zytoreduktive Therapie mit Hydroxyurea
  5. EAbwartendes Verhalten mit regelmäßigen Blutbildkontrollen ohne medikamentöse Therapie
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Lösung: D. Thrombozytenaggregationshemmung mit Acetylsalicylsäure und zytoreduktive Therapie mit Hydroxyurea

Die essentielle Thrombozythämie ist durch ein erhöhtes Risiko arterieller und venöser Thromboembolien gekennzeichnet. Die Risikostratifizierung (z. B. nach dem IPSET-thrombosis-Score) berücksichtigt Alter über 60 Jahre, vorausgegangene Thrombosen und JAK2-Mutationsstatus; diese Patientin erfüllt mit Alter, stattgehabtem Schlaganfall und JAK2-Mutation mehrere Hochrisikokriterien. Bei Hochrisikopatienten ist leitliniengerecht die Kombination aus niedrig dosierter Acetylsalicylsäure zur Thrombozytenaggregationshemmung und einer zytoreduktiven Therapie, in der Regel Hydroxyurea, indiziert, um das Rezidivrisiko für thromboembolische Ereignisse zu senken. Eine alleinige ASS-Gabe ohne Zytoreduktion wäre bei dieser Hochrisikokonstellation unzureichend, ebenso wie ein rein abwartendes Verhalten.

  • A. Hydroxyurea allein ohne ASS lässt das Risiko arterieller Mikrothrombosen und Rezidive unzureichend behandelt.
  • B. Bei Hochrisikopatienten mit stattgehabtem thromboembolischem Ereignis ist eine alleinige Thrombozytenaggregationshemmung ohne Zytoreduktion nicht ausreichend.
  • C. Eine orale Antikoagulation ersetzt nicht die Thrombozytenaggregationshemmung bei ET und ist nicht die leitliniengerechte Therapie der Wahl bei arteriellen Ereignissen.
  • E. Bei dieser Hochrisikokonstellation mit Schlaganfallanamnese ist ein abwartendes Verhalten ohne Therapie nicht vertretbar.
Lernziel: Bei Hochrisikopatienten mit essentieller Thrombozythämie (höheres Alter, Thromboseanamnese, JAK2-Mutation) ist die Kombination aus ASS und zytoreduktiver Therapie mit Hydroxyurea indiziert.
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Ein 64-jähriger Patient berichtet über zunehmende Abgeschlagenheit, Nachtschweiß und Gewichtsverlust von 8 kg in drei Monaten. Bei der körperlichen Untersuchung tastet man eine Splenomegalie mit einem Milzrand 6 cm unter dem Rippenbogen. Im Blutausstrich finden sich dakryozytäre Erythrozyten (Tränentropfenzellen) sowie unreife myeloische und erythroide Vorläuferzellen. Die Knochenmarkbiopsie zeigt eine ausgeprägte Faservermehrung. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?

  1. APrimäre Myelofibrose
  2. BHaarzell-Leukämie
  3. CPolycythaemia vera
  4. DChronische myeloische Leukämie
  5. EMyelodysplastisches Syndrom mit Ringsideroblasten
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Lösung: A. Primäre Myelofibrose

Die Kombination aus B-Symptomatik, ausgeprägter Splenomegalie, Tränentropfenzellen und einem leukoerythroblastischen Blutbild (unreife Vorläuferzellen beider Reihen im peripheren Blut) bei histologisch gesicherter Knochenmarkfibrose ist pathognomonisch für die primäre Myelofibrose. Die Fibrose des Knochenmarks führt zur extramedullären Blutbildung vor allem in der Milz, was die ausgeprägte Splenomegalie erklärt, und zur Verformung der Erythrozyten beim Durchtritt durch das fibrotische Mark, was die Tränentropfenform verursacht. Die Diagnose wird durch den Nachweis von Treibermutationen (JAK2, CALR oder MPL) in Kombination mit der charakteristischen Knochenmarkhistologie gesichert. Bei CML, Polycythaemia vera und Haarzell-Leukämie fehlt typischerweise die ausgeprägte Markfibrose mit Tränentropfenzellen in dieser Konstellation.

  • B. Die Haarzell-Leukämie zeigt charakteristische haarige Zytoplasmaausläufer der Leukämiezellen und eine Panzytopenie, nicht das hier beschriebene Bild.
  • C. Bei der Polycythaemia vera dominiert die Erythrozytose mit erhöhtem Hämatokrit, nicht die ausgeprägte Fibrose und das leukoerythroblastische Blutbild.
  • D. Bei der CML steht eine massive Leukozytose mit Linksverschiebung und Nachweis des Philadelphia-Chromosoms im Vordergrund, nicht primär die Markfibrose mit Tränentropfenzellen.
  • E. Beim MDS mit Ringsideroblasten stehen dysplastische Veränderungen der erythroiden Reihe mit Ringsideroblasten im Knochenmark im Vordergrund, nicht die ausgeprägte Faservermehrung mit Tränentropfenzellen.
Lernziel: Die primäre Myelofibrose zeigt klassischerweise Splenomegalie, Tränentropfenzellen und ein leukoerythroblastisches Blutbild bei histologisch nachgewiesener Knochenmarkfibrose.

Chronische lymphatische Leukämie und Lymphome

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Bei einem 71-jährigen Patienten wird im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung eine Lymphozytose von 42.000/µl festgestellt. Der Patient ist beschwerdefrei, es finden sich lediglich vergrößerte, nicht druckschmerzhafte zervikale Lymphknoten. Im peripheren Blutausstrich zeigen sich kleine, reife Lymphozyten sowie zahlreiche zerquetschte Kernschatten (Gumprecht-Kernschatten). Die Durchflusszytometrie zeigt eine Koexpression von CD5, CD19 und CD23 auf den klonalen B-Zellen. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?

  1. AChronische lymphatische Leukämie
  2. BHaarzell-Leukämie
  3. CReaktive Lymphozytose bei viraler Infektion
  4. DMantelzelllymphom mit leukämischer Ausschwemmung
  5. EFollikuläres Lymphom mit leukämischer Ausschwemmung
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Lösung: A. Chronische lymphatische Leukämie

Die Diagnose der chronischen lymphatischen Leukämie erfordert laut WHO-Klassifikation den Nachweis von mindestens 5.000 klonalen B-Lymphozyten pro µl im peripheren Blut mit dem charakteristischen Immunphänotyp CD5+/CD19+/CD23+ sowie schwacher Expression von Oberflächenimmunglobulin. Die Gumprecht-Kernschatten entstehen durch die mechanisch fragile Zellmembran der leukämischen Lymphozyten, die beim Ausstreichen des Blutausstrichs leicht zerstört werden, und sind ein klassischer morphologischer Hinweis. Das klinische Bild mit schmerzlosen Lymphadenopathien und meist langsamem, asymptomatischem Verlauf passt ebenfalls zur CLL. Das Mantelzelllymphom exprimiert typischerweise CD5 bei fehlendem CD23 und zusätzlich Cyclin D1, wodurch es sich immunphänotypisch von der CLL unterscheidet.

  • B. Die Haarzell-Leukämie zeigt charakteristische haarige Zytoplasmaausläufer und einen anderen Immunphänotyp (u. a. CD103, CD25), nicht das hier beschriebene CD5+/CD23+-Muster.
  • C. Eine reaktive Lymphozytose zeigt keine monoklonale B-Zell-Population mit dem charakteristischen CD5+/CD23+-Phänotyp und keine Gumprecht-Kernschatten in dieser Ausprägung.
  • D. Das Mantelzelllymphom ist zwar ebenfalls CD5-positiv, aber in der Regel CD23-negativ und zeigt eine Cyclin-D1-Überexpression, was hier fehlt.
  • E. Das follikuläre Lymphom ist typischerweise CD10-positiv und CD5-negativ, was nicht zum beschriebenen Immunphänotyp passt.
Lernziel: Die chronische lymphatische Leukämie wird durch Lymphozytose mit dem Immunphänotyp CD5+/CD19+/CD23+ und Gumprecht-Kernschatten im Blutausstrich diagnostiziert.
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Ein 27-jähriger Patient stellt sich wegen einer seit sechs Wochen bestehenden, schmerzlosen Schwellung am Hals vor. Zusätzlich berichtet er über Fieberschübe bis 38,7 °C, Nachtschweiß mit Wechsel der Bettwäsche und einen Gewichtsverlust von 7 kg in zwei Monaten. Die Lymphknotenbiopsie zeigt große, mehrkernige Zellen mit prominenten, eosinophilen Nukleolen in einem Hintergrund aus Lymphozyten, Eosinophilen und Histiozyten. Welche Diagnose wird durch diesen histologischen Befund am besten gestützt?

  1. AHodgkin-Lymphom
  2. BChronische lymphatische Leukämie mit Lymphknotenbefall
  3. CFollikuläres Lymphom
  4. DBurkitt-Lymphom
  5. EDiffus großzelliges B-Zell-Lymphom
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Lösung: A. Hodgkin-Lymphom

Die beschriebenen großen, mehrkernigen Zellen mit prominenten eosinophilen Nukleolen entsprechen den klassischen Reed-Sternberg-Zellen beziehungsweise ihren einkernigen Varianten (Hodgkin-Zellen), die in einem gemischtzelligen reaktiven Infiltrat aus Lymphozyten, Eosinophilen, Histiozyten und Plasmazellen liegen. Zusammen mit der B-Symptomatik (Fieber über 38 °C, Nachtschweiß, Gewichtsverlust über 10 % in sechs Monaten) und der schmerzlosen zervikalen Lymphknotenschwellung ist dies hochgradig typisch für ein Hodgkin-Lymphom. Nach Diagnosesicherung erfolgt die Stadieneinteilung nach der Ann-Arbor-Klassifikation, die Anzahl und Lokalisation der befallenen Lymphknotenregionen sowie Organbefall und B-Symptomatik berücksichtigt und die Therapieentscheidung maßgeblich bestimmt. Die übrigen Lymphomentitäten zeigen jeweils eine monomorphe Infiltration durch die jeweilige Tumorzellpopulation ohne Reed-Sternberg-Zellen.

  • B. Bei der CLL mit Lymphknotenbefall finden sich kleine, reife Lymphozyten, keine großen mehrkernigen Riesenzellen mit prominenten Nukleolen.
  • C. Das follikuläre Lymphom zeigt ein follikuläres Wachstumsmuster mit kleinen bis mittelgroßen Keimzentrumszellen, nicht die beschriebenen Riesenzellen.
  • D. Das Burkitt-Lymphom zeigt ein monomorphes Infiltrat mittelgroßer Zellen mit hoher Proliferationsrate und dem typischen „Sternenhimmel“-Muster, nicht Reed-Sternberg-Zellen.
  • E. Das diffus großzellige B-Zell-Lymphom zeigt eine diffuse Infiltration durch große atypische B-Zellen ohne die charakteristischen Reed-Sternberg-Zellen in einem gemischtzelligen Hintergrund.
Lernziel: Der Nachweis von Reed-Sternberg-Zellen in einem gemischtzelligen Infiltrat bei begleitender B-Symptomatik sichert die Diagnose eines Hodgkin-Lymphoms, dessen Stadium nach der Ann-Arbor-Klassifikation bestimmt wird.
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Ein 28-jähriger Mann stellt sich wegen seit drei Wochen bestehender, schmerzloser Schwellung am Hals vor. Zusätzlich berichtet er über Nachtschweiß, Fieber bis 38,6 °C und einen Gewichtsverlust von 6 kg in zwei Monaten. Bei der Untersuchung tastet man einen derben, nicht verschieblichen zervikalen Lymphknoten von 3 cm Durchmesser. Im Blutbild zeigt sich eine leichte Lymphopenie, die LDH ist grenzwertig erhöht. Welches diagnostische Vorgehen ist zur Sicherung der Diagnose am besten geeignet?

  1. AOperative Entnahme des gesamten Lymphknotens mit histologischer und immunhistochemischer Aufarbeitung
  2. BFeinnadelaspirationszytologie des Lymphknotens
  3. CKnochenmarkbiopsie aus dem Beckenkamm
  4. DSerologische Testung auf Epstein-Barr-Virus
  5. EGanzkörper-PET-CT ohne Gewebeprobe
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Lösung: A. Operative Entnahme des gesamten Lymphknotens mit histologischer und immunhistochemischer Aufarbeitung

Beim Verdacht auf ein Hodgkin-Lymphom ist die operative Exstirpation eines ganzen, möglichst repräsentativen Lymphknotens erforderlich, da nur so die Gewebearchitektur beurteilt und die typischen Hodgkin- und Reed-Sternberg-Zellen im zellulären Kontext (Infiltrat aus Lymphozyten, Eosinophilen, Histiozyten) sicher identifiziert werden können. Eine Feinnadelpunktion liefert nur wenige Zellen und keine Architektur, sodass die Diagnose unzuverlässig ist. Die Immunhistochemie (CD30, CD15, PAX5 schwach, CD20 meist negativ) sichert die Diagnose und grenzt sie von Non-Hodgkin-Lymphomen ab. Bildgebung und Laborwerte dienen dem Staging, nicht der Diagnosesicherung.

  • B. Die Feinnadelpunktion liefert zu wenig Material und zerstört die für die Diagnose entscheidende Gewebearchitektur.
  • C. Eine Knochenmarkbiopsie ist Teil des Stagings bei gesicherter Diagnose, nicht der Primärdiagnostik.
  • D. Eine EBV-Serologie kann assoziiert sein, ersichert aber nicht die Diagnose eines Hodgkin-Lymphoms.
  • E. Die PET-CT dient dem Staging, kann aber die histologische Diagnose nicht ersetzen.
Lernziel: Die Diagnose eines Hodgkin-Lymphoms erfordert zwingend die histologische Aufarbeitung eines exstirpierten Lymphknotens, da die Feinnadelpunktion die Gewebearchitektur nicht erhält.
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Eine 62-jährige Patientin wird wegen rasch wachsender zervikaler und axillärer Lymphknotenschwellungen sowie B-Symptomatik untersucht. Die Lymphknotenexstirpation zeigt diffus infiltrierende große atypische Lymphozyten mit Expression von CD20 und CD79a. Das Staging-CT zeigt Befall in mehreren Lymphknotenregionen oberhalb und unterhalb des Zwerchfells ohne Organbefall. Die Echokardiographie zeigt eine normale linksventrikuläre Ejektionsfraktion von 60 %. Welche Therapie ist bei dieser Patientin indiziert?

  1. AAlleinige Strahlentherapie der betroffenen Lymphknotenregionen
  2. BRituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin und Prednisolon (R-CHOP)
  3. CAllogene Stammzelltransplantation in erster Remission
  4. DFludarabin, Cyclophosphamid und Rituximab (FCR)
  5. EWatch-and-wait-Strategie mit regelmäßigen Kontrollen
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Lösung: B. Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin und Prednisolon (R-CHOP)

Das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL) ist das häufigste aggressive Non-Hodgkin-Lymphom und wird kurativ intendiert mit dem R-CHOP-Schema behandelt, das aus Rituximab (Anti-CD20-Antikörper) in Kombination mit Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin und Prednisolon besteht. Vor Gabe des kardiotoxischen Anthrazyklins Doxorubicin muss die linksventrikuläre Funktion echokardiographisch überprüft werden, was hier mit normwertiger Ejektionsfraktion unauffällig ist. Eine Watch-and-wait-Strategie ist nur bei indolenten Lymphomen gerechtfertigt, nicht bei aggressivem Verlauf. Die Behandlung erfolgt in der Regel über sechs Zyklen, ergänzt durch Involved-Site-Radiotherapie bei initial großer Tumormasse (Bulk).

  • A. Eine alleinige Strahlentherapie ist bei fortgeschrittenem Stadium nicht ausreichend und ersetzt nicht die systemische Chemoimmuntherapie.
  • C. Eine allogene Stammzelltransplantation ist dem Rezidiv bzw. therapierefraktären Verlauf vorbehalten, nicht der Erstlinientherapie.
  • D. FCR ist das Standardschema der chronischen lymphatischen Leukämie, nicht des DLBCL.
  • E. Eine abwartende Strategie ist beim aggressiven DLBCL nicht gerechtfertigt, da es ohne Therapie rasch progredient und lebensbedrohlich ist.
Lernziel: Das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom wird in kurativer Intention mit dem R-CHOP-Schema behandelt.
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Bei einem 55-jährigen Patienten werden multiple, seit Monaten langsam wachsende, schmerzlose Lymphknoten in mehreren Regionen festgestellt, der Allgemeinzustand ist gut. Die Lymphknotenbiopsie zeigt eine follikuläre Wachstumsstruktur mit kleinen, zentrozytisch anmutenden Zellen. Die molekulargenetische Untersuchung zeigt eine Translokation zwischen den Chromosomen 14 und 18. Welcher Mechanismus liegt dieser Translokation zugrunde?

  1. AJuxtaposition des BCL2-Gens neben den Immunglobulin-Schwerketten-Enhancer mit konsekutiver Überexpression des antiapoptotischen Proteins BCL2
  2. BFusion von BCR und ABL1 mit konstitutiv aktiver Tyrosinkinase
  3. CPunktmutation im JAK2-Gen mit konstitutiver Aktivierung der Januskinase
  4. DTranslokation des MYC-Gens unter die Kontrolle des Immunglobulin-Promotors mit gesteigerter Zellproliferation
  5. EDeletion des Tumorsuppressorgens TP53 auf Chromosom 17
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Lösung: A. Juxtaposition des BCL2-Gens neben den Immunglobulin-Schwerketten-Enhancer mit konsekutiver Überexpression des antiapoptotischen Proteins BCL2

Die Translokation t(14;18)(q32;q21) ist die charakteristische molekulare Veränderung des follikulären Lymphoms und bringt das BCL2-Gen unter die Kontrolle des Immunglobulin-Schwerketten-Enhancers auf Chromosom 14. Dies führt zu einer konstitutiven Überexpression des antiapoptotischen Proteins BCL2, wodurch die physiologische Apoptose der Keimzentrums-B-Zellen gehemmt wird und sich die Zellen pathologisch anhäufen. Das Ergebnis ist ein indolentes, langsam wachsendes Lymphom mit follikulärem Wachstumsmuster. Die MYC-Translokation t(8;14) ist dagegen typisch für das hochproliferative Burkitt-Lymphom.

  • B. Die BCR-ABL1-Fusion ist das Philadelphia-Chromosom der chronischen myeloischen Leukämie, nicht des follikulären Lymphoms.
  • C. JAK2-Mutationen sind typisch für myeloproliferative Neoplasien wie Polycythaemia vera, nicht für das follikuläre Lymphom.
  • D. Die MYC-Translokation unter den Immunglobulin-Promotor ist charakteristisch für das Burkitt-Lymphom t(8;14).
  • E. TP53-Deletionen spielen eine Rolle bei aggressiven Lymphomen und der CLL mit schlechter Prognose, nicht bei der charakteristischen Translokation des follikulären Lymphoms.
Lernziel: Die Translokation t(14;18) beim follikulären Lymphom führt über BCL2-Überexpression zur Hemmung der Apoptose.

Plasmazellerkrankungen

4 Fragen
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Eine 68-jährige Patientin stellt sich wegen seit Wochen bestehender Rückenschmerzen und zunehmender Müdigkeit vor. Laborchemisch zeigen sich ein Serumkalzium von 2,9 mmol/l, ein Kreatinin von 1,8 mg/dl (Vorwert vor drei Monaten 0,9 mg/dl) und ein Hämoglobin von 9,2 g/dl. Die Serumelektrophorese zeigt einen monoklonalen Gammopathie-Gradienten (M-Gradient) von 38 g/l in der Gammaglobulin-Fraktion. Ein konventionelles Röntgen der Wirbelsäule zeigt multiple osteolytische Herde in den Lendenwirbelkörpern. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?

  1. AMetastasierendes Mammakarzinom mit ossärer Beteiligung
  2. BPrimäre Amyloidose ohne Plasmazellneoplasie
  3. CMonoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS)
  4. DMorbus Waldenström
  5. EMultiples Myelom
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Lösung: E. Multiples Myelom

Die Patientin erfüllt mehrere der sogenannten CRAB-Kriterien, die gemeinsam mit einem signifikanten monoklonalen Paraprotein die Diagnose eines symptomatischen multiplen Myeloms sichern: Hyperkalzämie (Kalzium > 2,75 mmol/l), Niereninsuffizienz (Kreatininanstieg), Anämie (Hb < 10 g/dl) und osteolytische Knochenläsionen. Zusammen mit dem Nachweis eines hohen M-Gradienten in der Serumelektrophorese und der klonalen Plasmazellvermehrung im Knochenmark (im Fall bioptisch zu bestätigen) ist die Diagnose eines multiplen Myeloms gesichert. Bei MGUS liegt der M-Gradient unter 30 g/l und es fehlt definitionsgemäß jede Organschädigung. Die Kombination aus Anämie, Niereninsuffizienz, Hyperkalzämie und Osteolysen bei hohem Paraprotein ist pathognomonisch für das manifeste Myelom.

  • A. Ossäre Metastasen eines Mammakarzinoms würden keinen monoklonalen Immunglobulin-Peak in der Serumelektrophorese verursachen.
  • B. Eine primäre Amyloidose ohne begleitende Plasmazellneoplasie erklärt nicht den hohen monoklonalen Gammaglobulin-Peak und die Osteolysen.
  • C. Bei MGUS liegen keine CRAB-Kriterien vor und der M-Gradient ist niedriger als bei dieser Patientin.
  • D. Beim Morbus Waldenström dominiert eine IgM-Paraproteinämie mit Hyperviskositätssymptomatik, osteolytische Läsionen sind untypisch.
Lernziel: Die Diagnose des symptomatischen multiplen Myeloms stützt sich auf den Nachweis eines signifikanten Paraproteins zusammen mit mindestens einem CRAB-Kriterium.
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Bei einem 72-jährigen Patienten mit neu diagnostiziertem multiplem Myelom wird eine rasch progrediente Niereninsuffizienz festgestellt. Im 24-Stunden-Urin lassen sich große Mengen freier monoklonaler Leichtketten nachweisen, die in der Immunfixation als Kappa-Leichtketten identifiziert werden. Die Nierenbiopsie zeigt intratubuläre, eosinophile, teils fragmentierte Zylinder mit umgebender Riesenzellreaktion. Welcher Pathomechanismus erklärt am ehesten diese Nierenschädigung?

  1. AAusfällung freier Leichtketten mit Tamm-Horsfall-Protein und Obstruktion der distalen Tubuli
  2. BThrombotische Mikroangiopathie durch Komplementaktivierung in den peritubulären Kapillaren
  3. CDirekte toxische Schädigung des Tubulusepithels durch Hyperkalzämie-induzierte Vasokonstriktion
  4. DAblagerung von Amyloidfibrillen in den Glomeruli mit nephrotischem Syndrom
  5. EAblagerung von Immunkomplexen entlang der glomerulären Basalmembran mit konsekutiver Glomerulonephritis
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Lösung: A. Ausfällung freier Leichtketten mit Tamm-Horsfall-Protein und Obstruktion der distalen Tubuli

Die sogenannte Cast-Nephropathie (Myelomniere) entsteht durch die massive glomeruläre Filtration freier monoklonaler Leichtketten, die im distalen Tubulus und in der Henle-Schleife mit dem physiologisch sezernierten Tamm-Horsfall-Protein (Uromodulin) interagieren und ausfallen. Die entstehenden intratubulären Proteinzylinder obstruieren die Tubuli, lösen eine lokale Entzündungsreaktion mit mehrkernigen Riesenzellen aus und führen zu tubulärer Atrophie und interstitieller Fibrose. Dieser Mechanismus ist die häufigste Ursache der Niereninsuffizienz beim multiplen Myelom und wird durch Dehydratation, Hyperkalzämie, nephrotoxische Medikamente und Kontrastmittelgabe verstärkt. Therapeutisch stehen Flüssigkeitszufuhr, rasche Senkung der Leichtkettenproduktion durch Chemotherapie und ggf. Hochfluss-Dialyse im Vordergrund.

  • B. Eine thrombotische Mikroangiopathie ist kein charakteristischer Mechanismus der klassischen Myelomnephropathie.
  • C. Eine Hyperkalzämie kann zur Nierenschädigung beitragen, erklärt aber nicht die beschriebenen intratubulären Zylinder mit Riesenzellreaktion.
  • D. Die AL-Amyloidose kann begleitend auftreten, zeigt aber glomeruläre Amyloidablagerungen statt intratubulärer Zylinder.
  • E. Eine Immunkomplex-Glomerulonephritis ist nicht der typische Mechanismus der Myelomniere, die primär tubulär bedingt ist.
Lernziel: Die Cast-Nephropathie beim multiplen Myelom entsteht durch Ausfällung freier Leichtketten mit Tamm-Horsfall-Protein und tubuläre Obstruktion.
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Bei einer 71-jährigen Patientin wird im Rahmen einer Routineuntersuchung zufällig ein monoklonaler Peak in der Serumelektrophorese von 18 g/l entdeckt, identifiziert als IgG-Kappa. Sie ist beschwerdefrei. Laborchemisch zeigen sich ein Serumkalzium von 2,3 mmol/l, ein Kreatinin von 0,8 mg/dl und ein Hämoglobin von 13,1 g/dl. Die Knochenmarkpunktion zeigt einen Plasmazellanteil von 4 %. Das Skelett-MRT zeigt keine osteolytischen Läsionen. Welches Vorgehen ist bei dieser Patientin am angemessensten?

  1. ASofortige Strahlentherapie der Wirbelsäule
  2. BRegelmäßige klinische und laborchemische Kontrollen ohne Therapie
  3. CHochdosierte Bisphosphonat-Therapie zur Prävention von Knochenläsionen
  4. DAutologe Stammzelltransplantation nach Induktionstherapie
  5. ESofortiger Beginn einer Chemotherapie mit Bortezomib, Lenalidomid und Dexamethason
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Lösung: B. Regelmäßige klinische und laborchemische Kontrollen ohne Therapie

Die Patientin erfüllt die Kriterien einer monoklonalen Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS): Serum-M-Protein unter 30 g/l, Plasmazellanteil im Knochenmark unter 10 % und völliges Fehlen von CRAB-Kriterien beziehungsweise Endorganschäden. MGUS ist eine Präkanzerose mit einem Progressionsrisiko zum multiplen Myelom von etwa 1 % pro Jahr und erfordert keine Therapie, sondern lebenslange regelmäßige Verlaufskontrollen von Blutbild, Nierenfunktion, Kalzium und Paraprotein-Konzentration. Eine Therapieeinleitung ist erst beim Übergang in ein symptomatisches multiples Myelom mit Nachweis von CRAB-Kriterien oder definierten Biomarkern (z. B. Plasmazellanteil ≥ 60 %) indiziert.

  • A. Eine Strahlentherapie ist ohne Nachweis von Knochenläsionen nicht gerechtfertigt.
  • C. Eine Bisphosphonat-Therapie ist ohne nachgewiesene Osteolysen oder Osteoporose beim MGUS nicht indiziert.
  • D. Eine Stammzelltransplantation ist dem manifesten multiplen Myelom vorbehalten, nicht der asymptomatischen MGUS.
  • E. Eine Chemotherapie ist bei MGUS nicht indiziert, da keine Organschädigung und kein therapiebedürftiges Myelom vorliegen.
Lernziel: MGUS ist definiert durch M-Protein unter 30 g/l, Plasmazellanteil unter 10 % im Knochenmark und Fehlen von Endorganschäden und wird nur beobachtet, nicht behandelt.
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Ein 74-jähriger Mann berichtet über seit Monaten zunehmende Sehstörungen, Kopfschmerzen und episodische Nasenblutungen. Die Fundoskopie zeigt dilatierte, girlandenförmig geschlängelte Retinavenen mit multiplen Einblutungen. Laborchemisch zeigt sich eine stark erhöhte Serumviskosität, die Serumelektrophorese zeigt einen monoklonalen Peak von 42 g/l, der in der Immunfixation als IgM identifiziert wird. Die Knochenmarkbiopsie zeigt eine Infiltration durch lymphoplasmozytoide Zellen. Welche Diagnose erklärt diesen Befund am besten?

  1. AChronische lymphatische Leukämie mit monoklonaler Gammopathie
  2. BMorbus Waldenström (lymphoplasmozytisches Lymphom mit IgM-Paraproteinämie)
  3. CMultiples Myelom vom IgM-Subtyp
  4. DMonoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz vom IgM-Typ
  5. EKryoglobulinämische Vaskulitis bei chronischer Hepatitis C
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Lösung: B. Morbus Waldenström (lymphoplasmozytisches Lymphom mit IgM-Paraproteinämie)

Der Morbus Waldenström ist ein lymphoplasmozytisches Lymphom, das durch eine klonale Proliferation lymphoplasmozytoider Zellen im Knochenmark und die Sekretion großer Mengen monoklonalen IgM charakterisiert ist. Durch die hohe Molekülgröße des Pentamers IgM steigt die Serumviskosität stark an, was zum Hyperviskositätssyndrom mit Sehstörungen, Kopfschmerzen, Schleimhautblutungen und dem typischen fundoskopischen Bild geschlängelter, girlandenförmiger Retinavenen mit Einblutungen führt. Ein IgM-Peak über 30 g/l zusammen mit lymphoplasmozytärer Knochenmarkinfiltration und klinischen Hyperviskositätssymptomen sichert die Diagnose. Das multiple Myelom sezerniert praktisch nie IgM, sondern meist IgG oder IgA, sodass dieser Subtyp hier auszuschließen ist.

  • A. Die CLL zeigt eine monoklonale B-Zell-Lymphozytose mit charakteristischem Immunphänotyp, aber nicht das hier beschriebene Hyperviskositätssyndrom mit lymphoplasmozytoider Infiltration.
  • C. Das multiple Myelom sezerniert fast nie IgM, sondern typischerweise IgG oder IgA; ein IgM-Myelom ist eine extreme Rarität.
  • D. Bei IgM-MGUS liegt der Paraproteinwert niedriger und es fehlen definitionsgemäß klinische Symptome wie das Hyperviskositätssyndrom.
  • E. Eine kryoglobulinämische Vaskulitis bei Hepatitis C zeigt meist Purpura und Arthralgien, nicht das hier beschriebene monoklonale IgM mit lymphoplasmozytärer Knochenmarkinfiltration.
Lernziel: Der Morbus Waldenström ist ein lymphoplasmozytisches Lymphom mit monoklonaler IgM-Sekretion, das durch sein Hyperviskositätssyndrom charakterisiert ist.

Myelodysplastisches Syndrom

1 Fragen
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Eine 71-jährige Patientin stellt sich wegen zunehmender Müdigkeit und Belastungsdyspnoe vor. Laborchemisch zeigt sich eine makrozytäre Anämie mit Hb 8,9 g/dl, Thrombozyten 95.000/µl und Leukozyten 3.100/µl. Im Differenzialblutbild finden sich keine Blasten. Die Knochenmarkbiopsie zeigt ein normozelluläres bis leicht hyperzelluläres Mark mit dyserythropoetischen Veränderungen, Mikromegakaryozyten und Ringsideroblasten (18 % der Erythroblasten). Die Zytogenetik zeigt eine del(5q) als alleinige Aberration. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?

  1. AVitamin-B12-Mangel
  2. BChronische myeloische Leukämie
  3. CAkute myeloische Leukämie
  4. DAplastische Anämie
  5. EMyelodysplastisches Syndrom
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Lösung: E. Myelodysplastisches Syndrom

Die Kombination aus peripherer Zytopenie trotz normo- bis hyperzellulärem Knochenmark, morphologischen Dysplasiezeichen (Mikromegakaryozyten, Ringsideroblasten) und einer klonalen zytogenetischen Aberration wie del(5q) ist beweisend für ein myelodysplastisches Syndrom. Entscheidend ist die Diskrepanz zwischen peripherer Zytopenie und zellreichem Mark, die eine ineffektive Hämatopoese anzeigt. Die Blastenzahl liegt unter 20 %, sodass keine AML vorliegt. MDS mit isolierter del(5q) hat eine vergleichsweise günstige Prognose und spricht gut auf Lenalidomid an.

  • A. Ein Vitamin-B12-Mangel kann zwar Dysplasiezeichen und Zytopenien verursachen, erklärt aber nicht die klonale del(5q) und wäre durch Vitamin-B12-Substitution reversibel.
  • B. Bei CML wäre eine massive Leukozytose mit Linksverschiebung und das Philadelphia-Chromosom (BCR-ABL) typisch, keine Zytopenie.
  • C. Für die Diagnose AML ist ein Blastenanteil von mindestens 20 % im Knochenmark oder peripheren Blut erforderlich, der hier nicht vorliegt.
  • D. Bei aplastischer Anämie ist das Knochenmark hypozellulär (Fettmark), nicht hyperzellulär.
Lernziel: Ein MDS zeigt sich durch periphere Zytopenien bei normo- bis hyperzellulärem, dysplastischem Knochenmark mit klonaler zytogenetischer Aberration und weniger als 20 % Blasten.

Transfusionsmedizin

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Ein 54-jähriger Patient erhält intraoperativ ein Erythrozytenkonzentrat. Wenige Minuten nach Beginn der Transfusion entwickelt er Schüttelfrost, Fieber auf 39,2 °C, einen Blutdruckabfall auf 85/50 mmHg und dunkel gefärbten Urin. Im Blutbild zeigt sich ein deutlicher Hämoglobinabfall, laborchemisch ein Anstieg des freien Hämoglobins und ein Abfall des Haptoglobins. Was ist der nächste Schritt?

  1. ADiphenhydramin verabreichen und Transfusion fortsetzen
  2. BFurosemid verabreichen und Transfusion fortsetzen
  3. CTransfusion sofort stoppen und venösen Zugang mit NaCl 0,9 % offenhalten
  4. DTransfusionsgeschwindigkeit reduzieren und engmaschig überwachen
  5. EParacetamol intravenös verabreichen und Transfusion fortsetzen
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Lösung: C. Transfusion sofort stoppen und venösen Zugang mit NaCl 0,9 % offenhalten

Das Bild aus Fieber, Schüttelfrost, Hypotonie, Hämoglobinurie und laborchemischer Hämolyse (freies Hämoglobin erhöht, Haptoglobin erniedrigt) kurz nach Transfusionsbeginn ist typisch für eine akute hämolytische Transfusionsreaktion durch AB0-Inkompatibilität. Diese entsteht durch präformierte Isoagglutinine, die zu intravasaler Komplement-vermittelter Hämolyse führen und lebensbedrohlich sein kann (disseminierte intravasale Gerinnung, Nierenversagen). Die Transfusion muss daher sofort gestoppt werden, der venöse Zugang bleibt für die weitere Therapie (Volumengabe, Kreislaufstabilisierung) erhalten. Anschließend müssen Blutprobe und Konserve zur Bedside-Testwiederholung und Blutbank-Abklärung eingesandt werden.

  • A. Diphenhydramin ist bei allergischen Reaktionen indiziert, nicht bei hämolytischer Transfusionsreaktion, und ein Fortsetzen wäre gefährlich.
  • B. Furosemid kann späterer Bestandteil der Therapie zur Diurese sein, rechtfertigt aber keinesfalls ein Fortsetzen der inkompatiblen Transfusion.
  • D. Eine Reduktion der Geschwindigkeit ist unzureichend, bei Verdacht auf hämolytische Reaktion muss die Transfusion komplett beendet werden.
  • E. Paracetamol behandelt allenfalls Fieber bei febriler nicht-hämolytischer Reaktion, hier liegt aber eine lebensbedrohliche Hämolyse vor, die ein Fortsetzen verbietet.
Lernziel: Bei Verdacht auf akute hämolytische Transfusionsreaktion muss die Transfusion sofort gestoppt und der Zugang mit NaCl 0,9 % offengehalten werden.
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Ein 66-jähriger Patient erhält ein Erythrozytenkonzentrat bei chronischer Anämie. Etwa 90 Minuten nach Transfusionsbeginn entwickelt er akute Luftnot, eine Sauerstoffsättigung von 86 % unter Raumluft und beidseitige feinblasige Rasselgeräusche. Der Blutdruck ist mit 100/65 mmHg im Normbereich, kein Hinweis auf Flüssigkeitsüberladung. Im Röntgen-Thorax zeigen sich neue bilaterale Infiltrate, das NT-proBNP ist nicht erhöht. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?

  1. AAnaphylaktische Transfusionsreaktion
  2. BFebrile nicht-hämolytische Transfusionsreaktion
  3. CTransfusionsassoziierte Kreislaufüberlastung (TACO)
  4. DAkute hämolytische Transfusionsreaktion
  5. ETransfusionsassoziierte akute Lungeninsuffizienz (TRALI)
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Lösung: E. Transfusionsassoziierte akute Lungeninsuffizienz (TRALI)

Die akute respiratorische Insuffizienz mit Hypoxämie und neuen bilateralen Infiltraten innerhalb von 6 Stunden nach Transfusion bei fehlenden Zeichen einer Volumenüberladung (normales bis niedrig-normales NT-proBNP, keine Hypertonie) spricht für ein TRALI. Pathophysiologisch liegt meist eine Antikörper-vermittelte Aktivierung von Granulozyten in der Lungenmikrozirkulation durch im Spenderplasma enthaltene Anti-HLA- oder Anti-HNA-Antikörper zugrunde, die zu einem nichtkardiogenen Lungenödem führt. Die Therapie ist supportiv mit Sauerstoffgabe bzw. Beatmung, die Transfusion muss sofort beendet werden. Zur Abgrenzung von TACO ist das fehlende Ansprechen auf Diuretika und das normale BNP hilfreich.

  • A. Eine anaphylaktische Reaktion zeigt typischerweise Urtikaria, Bronchospasmus und Hypotonie, aber keine bilateralen Lungeninfiltrate im Röntgenbild.
  • B. Eine febrile nicht-hämolytische Transfusionsreaktion äußert sich durch Fieber und Schüttelfrost ohne Hypoxämie oder pulmonale Infiltrate.
  • C. Bei TACO wäre ein erhöhtes NT-proBNP sowie Zeichen einer Volumenüberladung (Hypertonie, Halsvenenstauung) zu erwarten.
  • D. Eine akute hämolytische Transfusionsreaktion geht mit Hämoglobinurie, Fieber und Hypotonie einher, nicht primär mit pulmonalen Infiltraten.
Lernziel: TRALI zeigt sich als akutes nichtkardiogenes Lungenödem innerhalb von 6 Stunden nach Transfusion mit normalem BNP, im Gegensatz zu TACO mit Volumenüberladung.
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Ein 68-jähriger Patient mit koronarer Herzkrankheit wird wegen gastrointestinaler Blutung stationär aufgenommen. Nach initialer Stabilisierung beträgt der Hb-Wert 7,8 g/dl. Der Patient ist beschwerdefrei, hämodynamisch stabil, ohne Angina pectoris oder Dyspnoe. Welches Vorgehen ist am ehesten indiziert?

  1. ATransfusion von Frischplasma zur Hb-Anhebung
  2. BKeine Transfusion, da Patient asymptomatisch ist
  3. CErythrozytentransfusion bei Hb unter 8 g/dl bei kardiovaskulärer Komorbidität
  4. DErythrozytentransfusion erst bei Hb unter 6 g/dl
  5. EThrombozytentransfusion zur Blutungsstillung
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Lösung: C. Erythrozytentransfusion bei Hb unter 8 g/dl bei kardiovaskulärer Komorbidität

Nach der deutschen Querschnitts-Leitlinie zur Therapie mit Blutkomponenten gilt bei Patienten mit kardiovaskulärer Vorerkrankung ein restriktiverer, aber höherer Transfusionstrigger als bei ansonsten Gesunden: Eine Transfusion ist bereits bei Hb-Werten unter 8–9 g/dl zu erwägen, da diese Patienten eine eingeschränkte Kompensationsfähigkeit für eine Anämie-bedingte Myokardischämie haben. Bei gesunden Patienten ohne Risikofaktoren kann dagegen bis Hb 6–7 g/dl restriktiv vorgegangen werden. Die Entscheidung erfolgt nicht allein anhand von Symptomen, da eine stumme Ischämie auch ohne Angina auftreten kann.

  • A. Frischplasma dient dem Ausgleich von Gerinnungsfaktoren, nicht der Anhebung des Hämoglobinwertes.
  • B. Fehlende Symptome schließen eine klinisch relevante Myokardischämie bei kardialer Vorerkrankung nicht aus, daher ist eine rein symptomorientierte Entscheidung unzureichend.
  • D. Ein Trigger von Hb unter 6 g/dl ist bei kardiovaskulärer Komorbidität zu niedrig und erhöht das Risiko einer myokardialen Ischämie.
  • E. Thrombozyten sind bei gastrointestinaler Blutung nur bei Thrombozytopenie oder Thrombozytenfunktionsstörung indiziert, nicht zur alleinigen Hb-Anhebung.
Lernziel: Bei Patienten mit kardiovaskulärer Komorbidität liegt der Transfusionstrigger höher (Hb unter 8–9 g/dl) als bei ansonsten gesunden Patienten.
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Ein 45-jähriger Patient soll nach allogener Stammzelltransplantation ein Erythrozytenkonzentrat erhalten. Welche Maßnahme ist zur Vermeidung einer transfusionsassoziierten Graft-versus-Host-Reaktion erforderlich?

  1. AVerwendung AB0-identischer Blutgruppe
  2. BLeukozytendepletion durch Filtration
  3. CErwärmung des Blutprodukts auf Körpertemperatur
  4. DWaschen der Erythrozyten mit NaCl 0,9 %
  5. EGammabestrahlung des Blutprodukts vor Transfusion
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Lösung: E. Gammabestrahlung des Blutprodukts vor Transfusion

Bei stark immunsupprimierten Patienten, insbesondere nach allogener Stammzelltransplantation, können im Blutprodukt enthaltene vitale T-Lymphozyten des Spenders beim Empfänger eine transfusionsassoziierte Graft-versus-Host-Reaktion auslösen, da das geschwächte Immunsystem diese Zellen nicht abstößt. Die Gammabestrahlung (meist mit 30 Gy) inaktiviert die proliferationsfähigen T-Lymphozyten, ohne die Funktion der Erythrozyten wesentlich zu beeinträchtigen, und ist die Standardmaßnahme zur Prävention. Die Leukozytendepletion allein reicht nicht aus, da sie die Zahl der Spenderlymphozyten nur reduziert, nicht aber ihre Proliferationsfähigkeit vollständig eliminiert.

  • A. AB0-Kompatibilität ist für jede Transfusion erforderlich, verhindert aber keine GvHD, die durch T-Lymphozyten unabhängig von der Blutgruppe vermittelt wird.
  • B. Die Leukozytenfiltration reduziert die Lymphozytenzahl, verhindert aber nicht sicher die GvHD, da restliche proliferationsfähige Zellen verbleiben können.
  • C. Eine Erwärmung dient der Vermeidung von Hypothermie bei Massivtransfusion, hat aber keinen Effekt auf die Proliferationsfähigkeit von Spenderlymphozyten.
  • D. Das Waschen entfernt Plasmaproteine und wird bei schweren allergischen Reaktionen oder IgA-Mangel eingesetzt, nicht zur GvHD-Prävention.
Lernziel: Bei stark immunsupprimierten Patienten müssen zelluläre Blutprodukte vor Transfusion gammabestrahlt werden, um eine transfusionsassoziierte Graft-versus-Host-Reaktion zu verhindern.

Antikoagulation – Pharmakologie

4 Fragen
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Ein 72-jähriger Patient mit akuter tiefer Beinvenenthrombose und fortgeschrittener Niereninsuffizienz (GFR 22 ml/min/1,73 m²) soll parenteral antikoaguliert werden. Welche Aussage zum Unterschied zwischen unfraktioniertem Heparin und niedermolekularem Heparin trifft zu?

  1. ABeide Heparine wirken Antithrombin-unabhängig durch direkte Hemmung des aktiven Zentrums von Faktor Xa
  2. BNiedermolekulares Heparin hemmt primär Thrombin (Faktor IIa) und erfordert daher eine aPTT-Kontrolle
  3. CUnfraktioniertes Heparin wirkt gleichermaßen über Faktor IIa und Xa und wird über die aPTT gesteuert, niedermolekulares Heparin wirkt vorwiegend über Faktor Xa
  4. DNiedermolekulares Heparin hat ein höheres Blutungsrisiko als unfraktioniertes Heparin bei gleicher Dosierung
  5. EUnfraktioniertes Heparin wird renal eliminiert und ist bei Niereninsuffizienz Mittel der ersten Wahl
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Lösung: C. Unfraktioniertes Heparin wirkt gleichermaßen über Faktor IIa und Xa und wird über die aPTT gesteuert, niedermolekulares Heparin wirkt vorwiegend über Faktor Xa

Unfraktioniertes Heparin bindet über eine ausreichend lange Pentasaccharid-Kette sowohl Antithrombin als auch Thrombin und verstärkt dadurch die Hemmung von Faktor IIa und Faktor Xa etwa gleich stark, weshalb die aPTT als Monitoring-Parameter dient. Niedermolekulares Heparin besteht aus kürzeren Ketten, die überwiegend nur noch die Antithrombin-vermittelte Faktor-Xa-Hemmung ermöglichen, sodass die aPTT kaum beeinflusst wird und bei Bedarf die Anti-Xa-Aktivität gemessen wird. Gerade bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz ist unfraktioniertes Heparin wegen seiner überwiegend hepatischen/retikuloendothelialen Elimination und der guten Steuerbarkeit über die aPTT vorteilhaft, da niedermolekulares Heparin bei stark eingeschränkter Nierenfunktion kumulieren kann.

  • A. Beide Heparine wirken Antithrombin-abhängig, indem sie dessen Hemmwirkung auf Gerinnungsfaktoren verstärken, nicht durch direkte Hemmung des aktiven Zentrums.
  • B. Niedermolekulares Heparin hemmt überwiegend Faktor Xa, nicht primär Thrombin, und eine aPTT-Kontrolle ist dafür nicht aussagekräftig.
  • D. Bei äquivalenter therapeutischer Dosierung hat niedermolekulares Heparin ein eher geringeres oder vergleichbares Blutungsrisiko, nicht ein höheres.
  • E. Unfraktioniertes Heparin wird überwiegend unabhängig von der Nierenfunktion eliminiert, niedermolekulares Heparin dagegen überwiegend renal, weshalb bei Niereninsuffizienz UFH bevorzugt wird.
Lernziel: Unfraktioniertes Heparin hemmt Thrombin und Faktor Xa etwa gleich stark (Monitoring über aPTT), niedermolekulares Heparin wirkt überwiegend über Faktor Xa und wird bei Niereninsuffizienz aufgrund renaler Kumulation zurückhaltend eingesetzt.
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Eine 79-jährige Patientin mit Vorhofflimmern soll zur Schlaganfallprophylaxe oral antikoaguliert werden. Sie hat eine mechanische Aortenklappenprothese, die vor zwei Jahren implantiert wurde. Welche Aussage zu Apixaban trifft zu?

  1. AApixaban ist bei mechanischen Herzklappen zugelassen, erfordert aber ein INR-Monitoring
  2. BApixaban wirkt über eine Vitamin-K-abhängige Hemmung der Faktoren II, VII, IX und X
  3. CApixaban hemmt direkt den aktivierten Faktor X und ist bei mechanischen Herzklappen kontraindiziert
  4. DApixaban hemmt direkt Thrombin und ist bei mechanischen Herzklappen Mittel der Wahl
  5. EApixaban benötigt Antithrombin als Kofaktor zur Entfaltung seiner Wirkung
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Lösung: C. Apixaban hemmt direkt den aktivierten Faktor X und ist bei mechanischen Herzklappen kontraindiziert

Apixaban gehört zur Gruppe der direkten oralen Antikoagulanzien und hemmt selektiv und direkt den aktivierten Faktor X, unabhängig von Antithrombin. Bei Patienten mit mechanischen Herzklappen sind DOAK einschließlich Apixaban kontraindiziert, da in Studien (z. B. RE-ALIGN für Dabigatran) ein erhöhtes Risiko für Klappenthrombosen und Schlaganfälle im Vergleich zu Vitamin-K-Antagonisten gezeigt wurde. Bei dieser Patientengruppe bleibt Phenprocoumon beziehungsweise Warfarin mit INR-gesteuerter Dosierung die Therapie der Wahl. Die Entscheidung zwischen DOAK und Vitamin-K-Antagonist richtet sich also wesentlich nach der Grunderkrankung und nicht nur nach dem CHA2DS2-VASc-Score.

  • A. Apixaban ist bei mechanischen Herzklappen nicht zugelassen, zudem erfordert die Substanz grundsätzlich kein routinemäßiges INR-Monitoring.
  • B. Die Vitamin-K-abhängige Hemmung mehrerer Gerinnungsfaktoren ist der Wirkmechanismus von Phenprocoumon, nicht von Apixaban.
  • D. Apixaban hemmt nicht Thrombin, sondern Faktor Xa, und ist bei mechanischen Herzklappen kontraindiziert statt Mittel der Wahl.
  • E. Apixaban wirkt direkt und Antithrombin-unabhängig, im Gegensatz zu Heparinen, die Antithrombin als Kofaktor benötigen.
Lernziel: Apixaban hemmt direkt Faktor Xa und ist bei mechanischen Herzklappen kontraindiziert, hier bleibt ein Vitamin-K-Antagonist Mittel der Wahl.
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Ein 70-jähriger Patient unter stabiler Phenprocoumon-Therapie bei Vorhofflimmern (INR-Zielbereich 2,0–3,0) erhält wegen einer Pneumonie eine Antibiotikatherapie mit Cotrimoxazol. Fünf Tage später zeigt sich ein INR-Wert von 6,8 ohne Blutungszeichen. Welcher Mechanismus erklärt am ehesten diesen Anstieg?

  1. ABeschleunigte renale Elimination von Phenprocoumon durch Cotrimoxazol
  2. BVerdrängung von Vitamin K aus der Nahrung durch Cotrimoxazol
  3. CHemmung des hepatischen Cytochrom-P450-Abbaus von Phenprocoumon durch Cotrimoxazol
  4. DDirekte Hemmung von Faktor Xa durch Cotrimoxazol
  5. EInduktion der Vitamin-K-Epoxid-Reduktase durch Cotrimoxazol
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Lösung: C. Hemmung des hepatischen Cytochrom-P450-Abbaus von Phenprocoumon durch Cotrimoxazol

Phenprocoumon hemmt die Vitamin-K-Epoxid-Reduktase in der Leber und blockiert dadurch die Carboxylierung und damit Aktivierung der Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X. Cotrimoxazol hemmt die hepatischen Cytochrom-P450-Isoenzyme (insbesondere CYP2C9), die am Abbau von Phenprocoumon beteiligt sind, wodurch dessen Plasmaspiegel und Wirkung ansteigen. Zusätzlich wird die Vitamin-K-produzierende Darmflora durch die antibiotische Wirkung reduziert, was den INR-Anstieg verstärkt. Bei gleichzeitiger Gabe interagierender Antibiotika ist daher eine engmaschige INR-Kontrolle mit Dosisanpassung erforderlich.

  • A. Eine beschleunigte Elimination würde den INR senken, nicht erhöhen, und entspricht nicht dem tatsächlichen Interaktionsmechanismus.
  • B. Cotrimoxazol verdrängt kein Vitamin K aus der Nahrung, der INR-Anstieg erklärt sich über die CYP-Hemmung und reduzierte Vitamin-K-Synthese durch Darmbakterien.
  • D. Cotrimoxazol hat keinen direkten Effekt auf Faktor Xa, dies wäre der Wirkmechanismus direkter oraler Antikoagulanzien.
  • E. Eine Induktion der Vitamin-K-Epoxid-Reduktase würde die Wirkung von Phenprocoumon abschwächen und den INR senken, nicht erhöhen.
Lernziel: Cotrimoxazol verstärkt die Wirkung von Phenprocoumon durch CYP2C9-Hemmung und reduzierte bakterielle Vitamin-K-Synthese, sodass der INR engmaschig kontrolliert werden muss.
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Ein 72-jähriger Patient wird nach einer notfallmäßigen Herzkatheteruntersuchung mit hochdosiertem unfraktioniertem Heparin intravenös antikoaguliert. Kurz nach Abschluss der Intervention entwickelt er eine ausgeprägte Blutung an der Punktionsstelle, die trotz manueller Kompression persistiert. Die aPTT ist auf über 150 Sekunden verlängert (Norm 26–36 Sekunden). Welches Medikament ist zur sofortigen Antagonisierung der Gerinnungshemmung indiziert?

  1. AVitamin K (Phytomenadion)
  2. BFresh-Frozen-Plasma
  3. CTranexamsäure
  4. DDesmopressin (DDAVP)
  5. EProtaminsulfat
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Lösung: E. Protaminsulfat

Protaminsulfat ist ein stark positiv geladenes, basisches Protein, das die negativ geladenen Sulfatgruppen des unfraktionierten Heparins komplexiert und dadurch dessen antikoagulatorische Wirkung sofort neutralisiert. Es wird langsam intravenös unter Kreislaufüberwachung verabreicht, da es selbst hypotensive und anaphylaktoide Reaktionen auslösen kann. Bei niedermolekularem Heparin wirkt Protamin nur partiell, da es vor allem die Anti-IIa-Aktivität, weniger die Anti-Xa-Aktivität antagonisiert. Die Dosierung richtet sich nach der zuletzt applizierten Heparinmenge und dem Zeitintervall seit der Gabe.

  • A. Vitamin K ist das Antidot für Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon, nicht für Heparin.
  • B. Fresh-Frozen-Plasma substituiert Gerinnungsfaktoren, antagonisiert aber nicht direkt die Heparinwirkung.
  • C. Tranexamsäure hemmt die Fibrinolyse und wirkt nicht als spezifisches Heparin-Antidot.
  • D. Desmopressin steigert die Freisetzung von Faktor VIII und von-Willebrand-Faktor, ist aber bei Heparin-Überdosierung wirkungslos.
Lernziel: Protaminsulfat antagonisiert unfraktioniertes Heparin durch Komplexbildung über elektrostatische Bindung und ist das Mittel der Wahl bei heparinbedingter Blutung.

Onkologische Grundlagen

7 Fragen
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Bei einer 61-jährigen Patientin wird im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung ohne spezifische Beschwerden ein Tumormarker-Panel bestimmt, wobei CA 125 mit 48 U/ml (Norm < 35 U/ml) leicht erhöht ist. Die gynäkologische Untersuchung und die transvaginale Sonographie sind unauffällig. Welche Aussage zur Verwendung von Tumormarkern wie CA 125 trifft zu?

  1. ACA 125 ist organspezifisch und tumorspezifisch für das Ovarialkarzinom
  2. BCA 125 eignet sich aufgrund hoher Sensitivität und Spezifität als Screening-Marker in der asymptomatischen Bevölkerung
  3. CEin normwertiger CA 125 schließt ein Ovarialkarzinom mit hoher Sicherheit aus
  4. DEin erhöhter CA-125-Wert beweist bereits ein fortgeschrittenes Ovarialkarzinom
  5. ECA 125 kann auch bei benignen Erkrankungen wie Endometriose oder Adnexitis erhöht sein und ist daher als alleiniges Screening-Instrument ungeeignet
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Lösung: E. CA 125 kann auch bei benignen Erkrankungen wie Endometriose oder Adnexitis erhöht sein und ist daher als alleiniges Screening-Instrument ungeeignet

CA 125 ist weder organ- noch tumorspezifisch: Erhöhte Werte finden sich auch bei Endometriose, Adnexitis, Leberzirrhose, Schwangerschaft und anderen benignen Zuständen, was die Spezifität deutlich einschränkt. Aufgrund der niedrigen Prävalenz des Ovarialkarzinoms in der asymptomatischen Bevölkerung ist der positive Vorhersagewert für ein Screening zu gering, weshalb CA 125 nicht als Screeningtest empfohlen wird. Tumormarker dienen vor allem der Verlaufskontrolle unter Therapie und der Rezidivdiagnostik bei bereits bekannter Tumorerkrankung. Zur Diagnosesicherung sind Bildgebung und Histologie unverzichtbar.

  • A. CA 125 ist nicht organspezifisch, da es auch bei zahlreichen gutartigen gynäkologischen und anderen Erkrankungen erhöht sein kann.
  • B. Aufgrund der geringen Spezifität und des niedrigen positiven Vorhersagewerts ist CA 125 für ein Bevölkerungsscreening nicht geeignet.
  • C. Ein normwertiger CA 125 schließt ein Ovarialkarzinom nicht aus, da die Sensitivität insbesondere in Frühstadien begrenzt ist.
  • D. Ein erhöhter Wert allein beweist keine Tumorerkrankung und erlaubt keine Aussage zum Stadium ohne weitere Diagnostik.
Lernziel: Tumormarker wie CA 125 sind wegen mangelnder Organ- und Tumorspezifität nicht zum Screening, sondern vor allem zur Verlaufs- und Rezidivkontrolle geeignet.
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Ein 64-jähriger langjähriger Raucher wird wegen zunehmender Verwirrtheit, Polyurie und Übelkeit stationär aufgenommen. Im Labor zeigt sich ein Serumcalcium von 3,4 mmol/l (Norm 2,2–2,6 mmol/l) bei supprimiertem intaktem Parathormon. Eine Röntgenaufnahme des Thorax zeigt eine zentrale Raumforderung im rechten Oberlappen, die bronchoskopisch als Plattenepithelkarzinom gesichert wird. Welcher Mechanismus erklärt am ehesten die Hyperkalzämie dieses Patienten?

  1. AAutonome Überproduktion von Parathormon durch ein begleitendes Nebenschilddrüsenadenom
  2. BSekretion eines parathormonverwandten Peptids (PTHrP) durch die Tumorzellen mit Bindung an PTH-Rezeptoren in Knochen und Niere
  3. CEktope Sekretion von Vitamin D durch Tumor-assoziierte Makrophagen
  4. DOsteolytische Knochenmetastasen mit lokaler Freisetzung von Calcium
  5. ETumorlysesyndrom mit Freisetzung intrazellulären Calciums
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Lösung: B. Sekretion eines parathormonverwandten Peptids (PTHrP) durch die Tumorzellen mit Bindung an PTH-Rezeptoren in Knochen und Niere

Plattenepithelkarzinome, insbesondere der Lunge, sezernieren häufig parathormonverwandtes Peptid (PTHrP), das an denselben Rezeptor wie Parathormon bindet und dadurch die osteoklastäre Knochenresorption sowie die renale Calciumreabsorption steigert. Dies erklärt die humorale Hyperkalzämie der Malignität (HHM), die auch ohne Knochenmetastasen auftritt. Charakteristisch ist dabei ein supprimiertes intaktes Parathormon, da die Hypercalcämie über die physiologische Rückkopplung die endogene PTH-Sekretion hemmt, während PTHrP selbst im Standard-PTH-Assay nicht erfasst wird. Therapeutisch stehen Hydrierung und Bisphosphonate beziehungsweise Denosumab im Vordergrund.

  • A. Ein begleitendes Nebenschilddrüsenadenom würde zu erhöhtem, nicht supprimiertem PTH führen.
  • C. Eine ektope Vitamin-D-Produktion ist typisch für Lymphome, nicht für Plattenepithelkarzinome.
  • D. Osteolytische Metastasen verursachen lokale Hyperkalzämie, würden aber nicht zu einem supprimierten PTH führen und sind hier nicht beschrieben.
  • E. Das Tumorlysesyndrom verursacht typischerweise eine Hypocalcämie durch Phosphatbindung, nicht eine Hyperkalzämie.
Lernziel: Die humorale Hyperkalzämie der Malignität wird häufig durch PTHrP-Sekretion von Plattenepithelkarzinomen verursacht und geht mit supprimiertem intaktem Parathormon einher.
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Bei einer 55-jährigen Patientin mit Mammakarzinom lautet der pathologische Befund nach Operation: Tumorgröße 3,2 cm im größten Durchmesser, Infiltration von drei axillären Lymphknoten, keine Fernmetastasen in der Staging-Bildgebung. Welche TNM-Klassifikation entspricht diesem Befund am ehesten?

  1. ApT4 pN1 M1
  2. BpT2 pN0 M1
  3. CpT3 pN2 M0
  4. DpT2 pN1 M0
  5. EpT1 pN0 M0
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Lösung: D. pT2 pN1 M0

Die T-Kategorie richtet sich bei Mammakarzinomen nach der Tumorgröße: T2 entspricht einer Tumorgröße zwischen 2 und 5 cm, hier 3,2 cm. Die N-Kategorie N1 beschreibt eine Metastasierung in 1–3 axilläre Lymphknoten, was den beschriebenen drei befallenen Lymphknoten entspricht. Da keine Fernmetastasen vorliegen, wird M0 vergeben. Die korrekte Kombination lautet somit pT2 pN1 M0, was die anatomische Tumorausbreitung präzise und reproduzierbar beschreibt und die Grundlage für Prognose und Therapieplanung bildet.

  • A. pT4 beschreibt eine Infiltration von Haut oder Thoraxwand, die hier nicht beschrieben ist, und M1 trifft nicht zu.
  • B. M1 würde Fernmetastasen bedeuten, die laut Staging-Bildgebung ausgeschlossen wurden.
  • C. pT3 setzt eine Tumorgröße über 5 cm voraus und pN2 einen Befall von 4–9 Lymphknoten, beides liegt hier nicht vor.
  • E. pT1 würde eine Tumorgröße bis 2 cm bedeuten und pN0 keinen Lymphknotenbefall, beides trifft hier nicht zu.
Lernziel: Die TNM-Klassifikation beim Mammakarzinom richtet sich nach Tumorgröße (T), Anzahl befallener Lymphknoten (N) und Vorliegen von Fernmetastasen (M).
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Eine 48-jährige Patientin erhält im Rahmen einer adjuvanten Chemotherapie bei Mammakarzinom ein Anthrazyklin-haltiges Schema. Vor Beginn weiterer Zyklen wird die kumulative Gesamtdosis des Anthrazyklins kontrolliert, da bei Überschreiten eines Schwellenwerts das Risiko einer irreversiblen Schädigung des Herzmuskels deutlich ansteigt. Welche Maßnahme ist am besten geeignet, diese spezifische Organtoxizität zu begrenzen?

  1. ARegelmäßige Substitution von Vitamin B12 während der gesamten Therapiedauer
  2. BProphylaktische Gabe von Amifostin vor jeder Infusion
  3. CProphylaktische Gabe von Mesna vor jeder Anthrazyklin-Infusion
  4. DHochdosierte Hydrierung mit forcierter Diurese vor jeder Infusion
  5. EBegrenzung der kumulativen Anthrazyklin-Dosis und ggf. Einsatz von Dexrazoxan als Kardioprotektivum
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Lösung: E. Begrenzung der kumulativen Anthrazyklin-Dosis und ggf. Einsatz von Dexrazoxan als Kardioprotektivum

Anthrazykline wie Doxorubicin verursachen eine dosisabhängige, kumulative Kardiotoxizität durch Bildung reaktiver Sauerstoffspezies und oxidativen Schaden an Kardiomyozyten, die bei Überschreiten der kumulativen Grenzdosis zu einer dilatativen Kardiomyopathie führen kann. Die wichtigste präventive Maßnahme ist daher die Begrenzung der kumulativen Gesamtdosis sowie die Verwendung von Dexrazoxan als Eisenchelator, der die Bildung freier Radikale reduziert und bei Hochrisikopatienten additiv eingesetzt werden kann. Vor und während der Therapie werden echokardiographische Kontrollen der linksventrikulären Ejektionsfraktion durchgeführt. Liposomale Formulierungen können das kardiotoxische Risiko zusätzlich senken.

  • A. Vitamin B12 hat keinen Stellenwert in der Prävention der Anthrazyklin-Kardiotoxizität.
  • B. Amifostin wird zur Nephroprotektion bei Cisplatin und zur Reduktion der Strahlentoxizität eingesetzt, nicht primär zur Kardioprotektion bei Anthrazyklinen.
  • C. Mesna schützt die Harnblase vor der urotoxischen Wirkung von Ifosfamid oder hochdosiertem Cyclophosphamid, nicht das Herz vor Anthrazyklinen.
  • D. Forcierte Diurese und Hydrierung dienen der Prophylaxe der Cisplatin-Nephrotoxizität, nicht der Kardioprotektion bei Anthrazyklinen.
Lernziel: Die Anthrazyklin-Kardiotoxizität ist kumulativ dosisabhängig und wird durch Dosisbegrenzung sowie Dexrazoxan-Gabe bei Hochrisikopatienten reduziert.
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Ein 52-jähriger Patient soll wegen eines Urothelkarzinoms eine Chemotherapie mit Cisplatin erhalten. Vor Beginn der Infusion wird eine ausgiebige intravenöse Flüssigkeitszufuhr mit isotoner Kochsalzlösung durchgeführt. Welches Ziel wird mit dieser Maßnahme vorrangig verfolgt?

  1. AReduktion der intratubulären Cisplatin-Konzentration zur Prävention einer Nephrotoxizität
  2. BPrävention einer anthrazyklinbedingten Kardiomyopathie
  3. CVorbeugung einer hämorrhagischen Zystitis durch toxische Metaboliten
  4. DVerminderung des Risikos einer peripheren sensomotorischen Polyneuropathie
  5. EVerhinderung einer Tumorlyse mit konsekutiver Hyperurikämie
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Lösung: A. Reduktion der intratubulären Cisplatin-Konzentration zur Prävention einer Nephrotoxizität

Cisplatin wird renal eliminiert und akkumuliert besonders im proximalen Tubulus, wo es durch Bildung reaktiver Metaboliten und oxidativen Stress zu einer dosisabhängigen, teils irreversiblen Nephrotoxizität führt. Durch großzügige Hydrierung vor und während der Infusion wird die tubuläre Cisplatin-Konzentration verdünnt und die Kontaktzeit verkürzt, wodurch das Risiko einer akuten Tubulusnekrose gesenkt wird. Zusätzlich wird häufig Mannitol oder eine forcierte Diurese eingesetzt, um die renale Ausscheidung zu beschleunigen. Die Ototoxizität von Cisplatin, die sich als Hochtonschwerhörigkeit und Tinnitus äußert, ist dagegen nicht durch Hydrierung beeinflussbar und erfordert audiometrische Kontrollen.

  • B. Eine anthrazyklinbedingte Kardiomyopathie wird durch Dosislimitierung und Dexrazoxan verhindert, nicht durch Hydrierung.
  • C. Eine hämorrhagische Zystitis ist typisch für Cyclophosphamid oder Ifosfamid und wird durch Mesna, nicht durch alleinige Hydrierung, verhindert.
  • D. Die periphere Polyneuropathie ist eine Nebenwirkung von Vincristin oder Platinderivaten bei kumulativer Dosis, wird aber nicht durch Hydrierung verhindert.
  • E. Eine Hyperurikämie durch Tumorlyse wird durch Allopurinol oder Rasburicase behandelt, nicht primär durch Hydrierung gegen Cisplatin-Nephrotoxizität.
Lernziel: Die prophylaktische Hydrierung vor Cisplatin-Gabe reduziert die tubuläre Toxinkonzentration und senkt dadurch das Risiko der dosislimitierenden Nephrotoxizität.
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Ein 29-jähriger Patient wird wegen eines fortgeschrittenen Hodgkin-Lymphoms mit einem Bleomycin-haltigen Polychemotherapieschema behandelt. Nach dem fünften Zyklus entwickelt er eine langsam progrediente Belastungsdyspnoe und einen trockenen Husten. In der hochauflösenden Computertomographie zeigen sich bibasale retikuläre Verdichtungen mit Honigwabenmuster. Welche Aussage zu dieser Komplikation trifft am ehesten zu?

  1. AEs handelt sich um eine dosislimitierende Lungenfibrose, deren Risiko mit der kumulativen Bleomycin-Gesamtdosis ansteigt
  2. BDie Veränderungen sind typisch für eine durch Vincristin verursachte interstitielle Pneumonitis
  3. CDie Befunde sprechen für eine akute Anthrazyklin-induzierte Lungenstauung bei Linksherzinsuffizienz
  4. DEs handelt sich um eine reversible, dosisunabhängige allergische Alveolitis ohne Zusammenhang mit der Chemotherapie
  5. EEs liegt am ehesten eine durch Cisplatin ausgelöste restriktive Ventilationsstörung vor
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Lösung: A. Es handelt sich um eine dosislimitierende Lungenfibrose, deren Risiko mit der kumulativen Bleomycin-Gesamtdosis ansteigt

Bleomycin verursacht über die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies und direkte Schädigung des Alveolarepithels eine dosisabhängige Lungentoxizität, die von einer Pneumonitis bis zur irreversiblen Lungenfibrose fortschreiten kann. Das Risiko steigt deutlich mit der kumulativen Gesamtdosis an, weshalb diese limitiert und die Sauerstoffzufuhr perioperativ sowie während der Anästhesie möglichst niedrig gehalten werden sollte, da hohe Sauerstoffkonzentrationen die Toxizität verstärken. Klinisch und radiologisch imponiert ein Bild ähnlich einer idiopathischen Lungenfibrose mit bibasalen retikulären Veränderungen und Honigwabenmuster. Eine regelmäßige Lungenfunktionsdiagnostik mit Bestimmung der Diffusionskapazität dient der Frühererkennung.

  • B. Vincristin verursacht typischerweise periphere Neuropathie, keine interstitielle Lungenerkrankung.
  • C. Eine Linksherzinsuffizienz würde sich radiologisch durch Lungenstauung mit Kerley-B-Linien und nicht durch ein Honigwabenmuster zeigen, zudem passt das klinische Bild nicht zu Anthrazyklinen.
  • D. Die Bleomycin-Lungenfibrose ist dosisabhängig und in fortgeschrittenem Stadium oft irreversibel, keine reversible allergische Reaktion ohne Dosisbezug.
  • E. Cisplatin ist vor allem nephro- und ototoxisch, eine primäre Lungenfibrose ist für diese Substanz nicht charakteristisch.
Lernziel: Bleomycin verursacht eine dosisabhängige, potenziell irreversible Lungenfibrose, die die kumulative Gesamtdosis limitiert und durch hohe inspiratorische Sauerstoffkonzentrationen verstärkt werden kann.
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Ein 34-jähriger Patient mit Osteosarkom erhält eine hochdosierte Chemotherapie mit einem Folsäureantagonisten. 24 Stunden nach Infusionsende wird eine Substanz verabreicht, um die Toxizität für gesunde Zellen zu begrenzen, ohne die antitumoröse Wirkung aufzuheben. Welches Enzym wird durch das verabreichte Zytostatikum primär gehemmt?

  1. ARibonukleotidreduktase
  2. BThymidylatsynthase
  3. CPurinnukleosidphosphorylase
  4. DDihydrofolatreduktase
  5. EDNA-Topoisomerase II
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Lösung: D. Dihydrofolatreduktase

Methotrexat ist ein Folsäureanalogon, das die Dihydrofolatreduktase kompetitiv und hochaffin hemmt. Dadurch wird die Regeneration von Tetrahydrofolat blockiert, das für die Synthese von Thymidin und Purinen essenziell ist, sodass die DNA-Synthese proliferierender Zellen gehemmt wird. Bei Hochdosistherapie wird nach 24–36 Stunden Folinsäure (5-Formyl-Tetrahydrofolat) als Rescue gegeben, da sie den Block distal der Dihydrofolatreduktase umgeht und so gesunde Zellen vor letaler Toxizität schützt, ohne die Tumorzellen in gleichem Maß zu retten. Der Methotrexatspiegel muss dabei engmaschig überwacht werden, um die Rescue-Dosis zu steuern.

  • A. Die Ribonukleotidreduktase ist Zielenzym von Hydroxyurea.
  • B. Die Thymidylatsynthase wird durch 5-Fluorouracil, nicht durch Methotrexat direkt gehemmt.
  • C. Die Purinnukleosidphosphorylase ist kein klassisches zytostatisches Zielenzym von Methotrexat.
  • E. Die DNA-Topoisomerase II wird durch Anthrazykline und Etoposid gehemmt.
Lernziel: Methotrexat hemmt die Dihydrofolatreduktase und blockiert damit die Folatregeneration; Folinsäure dient als Rescue zur Reduktion der Toxizität.

Häufige Fragen

Sind das echte M2-Fragen?

Nein. Es sind eigene Übungsfragen im Stil des M2 nach dem Gegenstandskatalog; Originalfragen des IMPP geben wir nicht wieder. Ein zweites, unabhängiges Modell hat jede Frage ohne Lösung beantwortet, Fragen mit strittiger Lösung wurden entfernt.

Wie nutze ich diese Fragen zu Hämatologie und Onkologie am besten?

Kreuzen Sie zuerst das Quiz, ohne die Lösungen anzusehen, und lesen Sie dann die Erklärung zu jeder falschen oder geratenen Frage. Das Lernziel unter jeder Lösung ist der Merksatz.

Sind die Fragen kostenlos?

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Weitere Fächer im M2

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