Lage und Aufbau
Der M. palmaris longus gehört zur medialen Unterarmloge (welche die am Epicondylus medialis entspringenden Muskeln enthält) und ist Teil ihrer ersten, superfiziellen Schicht. Betrachte man die Anordnung der Muskeln dieser Schicht vom medialen Rand (nahe dem Ellbogen) zum lateralen Rand (zur Mitte), liegt er an zweiter Stelle – zwischen dem M. flexor carpi ulnaris und dem M. flexor carpi radialis.
- Ursprung (origo) – Epicondylus medialis humeri (epicondylus medialis humeri). Im proximalen Unterarmabschnitt erscheinen die Muskeln der superfiziellen Schicht als ein gemeinsamer Muskelbauch. Die Trennung in eigenständige Muskeln wird distal deutlicher – an der Grenze des oberen und mittleren Unterarmdrittels.
- Ansatz (insertio) – die Sehne des Muskels verläuft in der Mittellinie unter der Fascia antebrachii und geht in die Palmaraponeurose (aponeurosis palmaris) über.
- Anatomische Variabilität (Normvariante) – dieser Muskel fehlt recht häufig.
Topographie und Nachbarstrukturen
Die Topographie des Muskels verändert sich im Verlauf von Unterarm und Hand:
- Auf Höhe des mittleren Unterarmdrittels: im Querschnitt liegt der Muskel ventral zusammen mit dem M. flexor digitorum superficialis (m. flexor digitorum superficialis), dem M. pronator teres (m. pronator teres) und dem M. flexor carpi radialis (m. flexor carpi radialis).
- Im unteren Unterarmdrittel: die Sehnen des M. palmaris longus und des M. flexor carpi radialis bilden die Grenzen des Sulcus medianus (sulcus medianus). In dieser Rinne, direkt unter der Unterarmfaszie, verläuft der Nervus medianus (n. medianus).
- An der Hand: die Sehne strahlt in die Basis der Palmaraponeurose ein. Die Aponeurose selbst stellt eine dreieckige fibröse Platte dar, deren Basis Züge zu den proximalen Phalangen der Digiti II–V abgibt. Die Septen der Aponeurose bilden fibrokanalartige Sehnenfächer für die Beugesehnen.
Blutversorgung und Innervation
- Blutversorgung (arteriae) – Arteria radialis (a. radialis) und Arteria ulnaris (a. ulnaris).
- Innervation (nervus) – Nervus medianus (n. medianus), Segmente C7–Th1 oder C8–Th1.
Welche Funktion hat er?
- Handbeugung (flexio) – der Muskel ist an der Beugung der Hand beteiligt.
- Spannung der Aponeurose (tensio) – bei Kontraktion spannt der Muskel die Palmaraponeurose an.
Klinische Bedeutung
- Äußere Landmarke (Visualisierung) – an der Vorderseite dient die Sehne des m. palmaris longus als Landmarke für den Nervus medianus an der Grenze zum Unterarm. In der Nähe sind zudem drei Querhautfalten erkennbar.
- Traumatologie (Verletzungen) – der Nervus medianus liegt im unteren Unterarmdrittel superfiziell im Sulcus medianus, weshalb dieser Bereich besonders anfällig für Verletzungen ist.
- Handpathologie (Dupuytren-Kontraktur) – die Palmaraponeurose, in die die Sehne des Muskels einstrahlt, hat klinische Bedeutung: Dupuytren-Kontraktur.
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Hat jeder Mensch einen M. palmaris longus?
Nein, dieser Muskel fehlt recht häufig. Dies gilt als normale anatomische Variante.
Als Landmarke für das Auffinden welchen Nervs dient die Sehne des Muskels?
Die Sehne des M. palmaris longus ist eine äußere visuelle Landmarke für den Nervus medianus an der Grenze zum Unterarm.
Woran setzt das distale Ende des Muskels an?
Die Sehne des Muskels geht in die Palmaraponeurose (Aponeurosis palmaris) über – eine dreieckige fibröse Platte an der Handoberfläche.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Palmaraponeurose (Aponeurosis palmaris)
- Nervus medianus (n. medianus)
- M. flexor carpi radialis
- Dupuytren-Kontraktur
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