Übergang in Aponeurose und Rektusscheide
Bei Annäherung an die Medianslinie des Körpers erfährt die Struktur des Musculus obliquus externus abdominis wesentliche Veränderungen. Exakt am lateralen Rand des Musculus rectus abdominis enden ihre Muskelfaszikel, und das Gewebe geht in eine breite, flache Sehnenplatte über, die in der topographischen Anatomie als Aponeurose bezeichnet wird.
Diese kräftige Sehnenplatte zieht nach medial und beteiligt sich direkt an der Bildung der vorderen Bauchwand. Insbesondere bilden die Fasern dieser Aponeurose die vordere Wand der Rektusscheide und stellen ein stabiles fibröses Gerüst zu deren Schutz und Fixierung dar.
Bildung des Leistenbandes
Der untere Rand der Aponeurose des Musculus obliquus externus abdominis besitzt einen spezifischen Aufbau und spielt eine immense Rolle in der chirurgischen Anatomie der Leistenregion. In dieser Zone endet der Sehnenrand nicht einfach, sondern schlägt sich nach innen (in Richtung Bauchhöhle) um und verdickt sich deutlich.
Durch diesen Umschlag bildet sich das Leistenband (Lig. inguinale). Es stellt einen straff gespannten fibrösen Strang dar, der an zwei knöchernen Beckenpunkten fixiert ist:
- Lateral entspringt das Band an der Spina iliaca anterior superior (Spina iliaca anterior superior).
- Medial ist es fest am Tuberculum pubicum fixiert (Tuberculum pubicum).
Die Gesamtausdehnung des Leistenbandes beim Erwachsenen variiert zwischen 12–16 Zentimetern, was es zu einem essenziellen linearen Leitstrukturen bei operativen Eingriffen macht.
Topographie des oberflächlichen Leistenrings
Im medialen Abschnitt der Leistenregion, direkt oberhalb des Leistenbandes, weist die Aponeurose einen natürlichen Defekt auf, der als Anulus inguinalis superficialis (Anulus inguinalis superficialis) bezeichnet wird. Visuell stellt er einen spaltförmigen Raum dar.
Dieser Ring wird dadurch gebildet, dass die Sehnenfasern der Aponeurose in diesem Bereich auseinanderweichen und sogenannte Schenkel (Crura) bilden:
- Der laterale Schenkel verzieht sich nach unten und außen und ist fest am Tuberculum pubicum fixiert.
- Der mediale Schenkel verläuft näher zur Medianlinie und setzt am Symphysis pubica an.
Genau das Auseinanderweichen dieser beiden Schenkel erzeugt den Spalt des oberflächlichen Leistenrings, dessen Topographie für das Verständnis der Anatomie des Leistenkanals von kritischer Bedeutung ist.
Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema
Wo entspringt der muskuläre Teil des Musculus obliquus externus abdominis?
Der muskuläre Teil des Musculus obliquus externus abdominis entspringt an der Außenfläche des Brustkorbs. Als Ursprung dienen die acht unteren Rippen. Eine strukturelle Besonderheit ist, dass die Muskelfaszikel des Musculus obliquus externus sich mit den Faszikeln des Musculus serratus anterior abwechseln (M. serratus anterior). Die Richtung der Muskelfasern verläuft von oben nach unten und von außen nach innen.
Durch welche Strukturen wird der oberflächliche Leistenring gebildet?
Der oberflächliche Leistenring (Anulus inguinalis superficialis) wird durch das Auseinanderweichen der Fasern der Aponeurose des Musculus obliquus externus abdominis in zwei Schenkel gebildet.
Er wird durch folgende Strukturen begrenzt:
- Der mediale Schenkel (Crus mediale) – setzt an der Symphyse an.
- Der laterale Schenkel (Crus laterale) – setzt am Tuberculum pubicum an.
Nach oben hin wird der äußere Abschnitt des Rings zusätzlich durch bogenförmig verlaufende Fibrae intercrurales gestützt (Fibrae intercrurales).
Was zieht beim Mann und bei der Frau durch den oberflächlichen Leistenring?
Durch den Anulus inguinalis superficialis treten die Strukturen aus, die den Inhalt des Leistenkanals bilden:
| Geschlecht | Durchtretende Struktur |
|---|---|
| Männer | Samenstrang (funiculus spermaticus) |
| Frauen | Darmbein-Gebärmutterband (lig. teres uteri) |
Durch den oberflächlichen Ring können zudem indirekte und direkte Leistenhernien austreten.
Zum schnellen Einprägen der Ansatzstellen der Schenkel des Anulus inguinalis superficialis: Der laterale Schenkel setzt am Tuberculum lobicum an, während der mediale zur Symphyse zieht (näher zur medianen/mittleren Linie).
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Wo genau geht der muskuläre Teil in den sehnigen über?
Der Übergang der Muskelbündel des M. obliquus externus abdominis in eine breite, flache Sehne (Aponeurose) erfolgt exakt am lateralen Rand des M. rectus abdominis.
Aus welchen Strukturen wird das Leistenband gebildet?
Das Leistenband (Lig. inguinale) wird ausschließlich durch den unteren Rand der Aponeurose des M. obliquus externus abdominis gebildet, der umgeschlagen und verdickt ist.
Zwischen welchen knöchernen Strukturen ist das Leistenband gespannt?
Das Band ist zwischen der Spina iliaca anterior superior und dem Tuberculum pubicum gespannt.
Wie entsteht der Anulus inguinalis superficialis?
Er entsteht durch das Auseinanderweichen der Aponeurosenfasern in zwei Schenkel – einen lateralen und einen medialen –, zwischen denen sich ein Spalt über dem medialen Teil des Leistenbandes bildet.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Ursprungsorte der Muskelbündel von den Rippen und Verlauf ihrer Fasern
- Schichten der vorderen Rektusscheide auf verschiedenen Höhen
- Fibrae intercrurales und Lig. reflexum (Strukturen zur zusätzlichen Verstärkung des Anulus inguinalis superficialis)
- Anulus inguinalis profundus und Hinterwand des Leistenkanals
- M. obliquus internus abdominis und M. transversus abdominis (ihre Syntopie zum M. obliquus externus)
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