Kutan-Innervationsgebiete des Nervus medianus
Der Nervus medianus hat seinen Ursprung in den Spinalnervenwurzeln C₆–C₈. Auf Handebene teilt er sich in mehrere Äste auf, von denen jeder für ein streng definiertes Hautareal zuständig ist. Es ist wichtig, diese Topographie genau zu kennen, da sie der Schlüssel zum Verständnis des klinischen Bildes bei verschiedenen Läsionen ist.
Der Hauptast der Handfläche des Nervus medianus (r. palmaris n. mediani) versorgt die radialen 2/3 der Handfläche mit Sensibilität. Weiterhin gibt der Nerv die eigentlichen palmaren Fingerkanten-/Fingernerven (nn. digitales palmares proprii) ab, die die palmare Oberfläche der folgenden Finger innervieren:
- Daumen
- Zeigefinger
- Mittelfinger
- Radiale Hälfte des Ringfingers
Darüber hinaus gehen vom Nervus medianus die gemeinsamen palmaren Fingernervem (nn. digitales palmares communes) ab, welche die Innervation des I., II. und III. Interdigitalraumes übernehmen.
Vergleich mit dem Nervus ulnaris
Zum vollständigen Verständnis der Handanatomie muss der Nervus medianus zusammen mit dem Nervus ulnaris (n. ulnaris) betrachtet werden, der aus den Wurzeln C₈–Th₁ gebildet wird. Ihre Zuständigkeitsbereiche sind klar voneinander abgegrenzt, was die Prinzipien der segmentalen Innervation anschaulich demonstriert.
Während der Nervus medianus den radialen Teil übernimmt, innerviert der palmare Ulnarisast (r. palmaris n. ulnaris) den ulnaren Teil der Handfläche. Die eigentlichen palmaren Fingernerven des Nervus ulnaris versorgen die verbleibenden Abschnitte:
- Kleinfinger (palmare Fläche)
- Ulnare Hälfte des Ringfingers
Die gemeinsamen palmaren Fingeräste des Nervus ulnaris verlaufen im IV. Interdigitalraum und vervollständigen das Innervationsbild der Hand.
Mediale und laterale Äste der Spinalnerven
Bei der Betrachtung des peripheren Nervensystems lohnt es sich, die Prinzipien der Aufteilung anderer Nerven in Äste zu erwähnen, die die Muskulatur des Rumpfes und des Rückens versorgen.
Der mediale Ast zieht zu den tiefen Strukturen. Er innerviert die tiefe Rückenmuskulatur, insbesondere die Musculi multifidi (mm. multifidi) und die Rotatoren (mm. rotatores). Nach dem Durchtritt durch die Muskelschichten dringt er in die Haut ein und wird als R. cutaneus medialis (r. cutaneus medialis) bezeichnet.
Der laterale Ast versorgt eher oberflächliche Strukturen – er innerviert die Rückenstrecker (Musculi erectores spinae). Er endet ebenfalls in der Haut und bildet den R. cutaneus lateralis (r. cutaneus lateralis).
Muskeläste des Rumpfes
Die Muskeläste (rr. musculares) der Thorakalnerven haben ein ausgedehntes Verteilungsmetamer. Sie sind für die Innervation einer Reihe von Brustkorb- und Bauchmuskeln verantwortlich.
Im Bereich des Brustkorbs innervieren sie:
- Musculi intercostales externi (mm. intercostales externi)
- Musculi intercostales interni (mm. intercostales interni)
- Musculi intercostales intimi (mm. intercostales intimi)
- Musculi subcostales (mm. subcostales)
- Musculus transversus thoracis (m. transversus thoracis)
- Musculus serratus posterior superior et inferior (m. serratus posterior superior et inferior)
Die unteren Thorakalnerven (Th₇–Th₁₂) spielen eine entscheidende Rolle bei der Innervation der vorderen Bauchwandmuskulatur, einschließlich des Musculus obliquus externus und internus abdominis (m. obliquus externus et internus abdominis), des Musculus transversus und rectus abdominis (m. transversus et rectus abdominis) sowie des Musculus pyramidalis (m. pyramidalis) und des Musculus quadratus lumborum (m. quadratus lumborum).
Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema
Aus welchen Spinalnervenwurzeln bildet sich der Nervus medianus?
Der Nervus medianus bildet sich aus dem Fasciculus lateralis und dem Fasciculus medialis des Plexus brachialis: Aus dem Fasciculus lateralis geht die radix lateralis des Nervus medianus hervor, aus dem Fasciculus medialis die radix medialis. Ursprünglich wird der Plexus brachialis durch die Ventraläste von C5–C8 und Th1 gebildet; in manchen Quellen werden für den Nervus medianus die Wurzeln C5–C6 und Th1 angegeben.
Welche Hautareale der Hand innerviert der Nervus medianus?
Der Nervus medianus innerviert die Haut der radialen 2/3 der Handfläche sowie die palmare Oberfläche und die distalen Phalangen der Dorsalseite mehrerer Finger.
Gebiete der sensiblen Innervation:
- Palmare Oberfläche – Haut des I., II., III. Fingers und der radialen Seite des IV. Fingers (einschließlich des I.–III. Interdigitalraumes).
- Dorsale Oberfläche – Haut der distalen (Nagel-)Phalangen des I., II., III. Fingers und der radialen Seite des IV. Fingers.
Welche Handmuskeln innerviert der Nervus medianus?
An der Hand innerviert der Nervus medianus die Daumenballenmuskulatur (Thenar) und einen Teil der Lumbricalmuskeln.
Dazu gehören:
- Musculus abductor pollicis brevis (m. abductor pollicis brevis).
- Musculus opponens pollicis (m. opponens pollicis).
- Musculus flexor pollicis brevis (m. flexor pollicis brevis) – nur der oberflächliche Kopf.
- 1. und 2. Musculus lumbricalis (mm. lumbricales I et II), die auf der radialen Seite liegen.
Welche Unterarmmuskeln innerviert der Nervus medianus?
Am Unterarm innerviert der Nervus medianus die Mehrzahl der Muskeln der vorderen Gruppe (Flexoren und Pronatoren), mit Ausnahme des Musculus flexor carpi ulnaris und der ulnaren Hälfte des Musculus flexor digitorum profundus.
Innervierte Muskeln:
- Musculus pronator teres (m. pronator teres).
- Musculus flexor carpi radialis (m. flexor carpi radialis).
- Musculus palmaris longus (m. palmaris longus).
- Musculus flexor digitorum superficialis (m. flexor digitorum superficialis).
- Musculus flexor digitorum profundus (m. flexor digitorum profundus) – laterale Hälfte.
- Musculus flexor pollicis longus (m. flexor pollicis longus).
- Musculus pronator quadratus (m. pronator quadratus).
Durch welchen Kanal gelangt der Nervus medianus in die Hand?
Der Nervus medianus zieht durch den Karpaltunnel (Canalis carpi) in die Hand. In dieser anatomischen Engstelle verläuft der Nerv oberflächlich im Baufettgewebe zwischen den Beugesehnen der Finger, direkt unter dem Retinaculum musculorum flexorum (Retinaculum musculorum flexorum). Distal steht dieser Kanal mit der mittleren Hohlhandloge in Verbindung, in die der Hauptstamm des Nervs austritt.
In welcher Rinne verläuft der N. medianus am Unterarm?
Am Unterarm verläuft der N. medianus in der Sulcus medianus (sulcus medianus). Er zieht in der Mitte des Unterarms zur Handfläche und liegt dabei im Raum zwischen dem M. flexor digitorum superficialis und dem M. flexor digitorum profundus (m. flexor digitorum profundus). Im unteren Drittel des Unterarms liegt der Nerv oberflächlich, was ihn bei Schnittwunden am Handgelenk anfällig macht.
Welche tiefen Rückenmuskeln werden vom medialen Ast der Spinalnerven innerviert?
Der mediale Ast der dorsalen Äste der thorakalen Spinalnerven ist gemischt und führt sowohl motorische als auch sensible Fasern. Er innerviert folgende tiefe Rückenmuskeln:
- Mm. multifidi (mm. multifidi).
- Mm. rotatores (mm. rotatores).
Nach Abgabe von Muskelästen tritt er als medialer kutaner Ast (r. cutaneus medialis) durch die Haut.
Um sich die Verteilung an den Fingern der Hand zu merken, stellen Sie sich die Zahl 3,5 vor. Der N. medianus innerviert genau dreieinhalb Finger (vom Daumen bis zur radialen Hälfte des Ringfingers), und der N. ulnaris die restlichen anderthalb (kleiner Finger und ulnare Hälfte des Ringfingers).
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Aus welchen Wurzeln bildet sich der N. medianus?
Der N. medianus entspringt den Spinalnervenwurzeln C₆, C₇ und C₈.
Welche Interdigitalräume werden von den A. palmares digitales communes des N. medianus innerviert?
Sie innervieren den I., II. und III. Interdigitalraum der Hand.
Wie ist die Innervation des Ringfingers aufgeteilt?
Der Ringfinger hat eine doppelte Innervation: Seine radiale Hälfte wird vom N. medianus und seine ulnare Hälfte vom N. ulnaris versorgt.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Motorische Innervation der Hand durch N. medianus und N. ulnaris
- Topographie und Funktionen der tiefen Rückenmuskeln (Mm. multifidi, Mm. rotatores)
- Anatomie und Innervation der vorderen Bauchwand (Th7-Th12)
- Funktionsweise der Interkostalmuskeln bei der Atmung
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