Chirurgische Behandlung und Enzymtherapie
Die Grundlage der Behandlung eitriger Erkrankungen ist der chirurgische Eingriff: Eröffnung des Herdes, radikale Entfernung von Eiter und totem Gewebe mit anschließender adäquater Drainage.
In der Komplextherapie wird die Enzymtherapie — der Einsatz von Enzym- und Antienzympräparaten — breite Anwendung finden. Eine besondere Rolle spielen Proteinasen. Sie besitzen keine direkte antimikrobielle Wirkung, verstärken (potenzieren) jedoch die Wirkung von Antibiotika erheblich. Dies geschieht durch Erhöhung der Wirkstoffkonzentration im Gewebe, Steigerung der Empfindlichkeit von Mikroorganismen gegenüber diesen sowie Spaltung bakterieller Schutzenzyme (z. B. Penicillinasen) und Toxine. Der Einsatz von Enzymen ist besonders bei Vorliegen resistenter Mikroflora indiziert.
Infusions-, Transfusions- und Ernährungstherapie
Bei schweren Verläufen wird zur Korrektur von Volumen-, Elektrolyt- und Stoffwechselstörungen eine Infusions- und Transfusionstherapie (ITT) durchgeführt. Die Entzündung geht zudem mit einer hormonellen Reaktion einher — der Ausschüttung von Cortisol und Somatotropin.
Besonderes Augenmerk wird auf eine ausgewogene Ernährung gelegt. Wenn die enterale Nahrungsaufnahme nicht möglich ist (z. B. bei Peritonitis), wird eine parenterale Ernährung verordnet, um etwa 3000 kcal/Tag sicherzustellen. Zur Deckung des Kalorienbedarfs werden Dextroselösungen und Fettemulsionen eingesetzt, als plastisches Material Proteinhydrolysate und Aminosäuregemische.
Detoxikationsmethoden
Zur Entfernung von Toxinen aus dem Körper und zur Vermeidung ihrer Resorption werden extrakorporale Detoxikationsmethoden eingesetzt:
- Lymphsorption: Durchleitung von Lymphe durch ein Sorbens. Die Methode senkt effektiv den Spiegel von Harnstoff, Kreatinin, Bilirubin und Immunkomplexen, führt jedoch zum Verlust von Lymphozyten, was die Immunität unterdrücken kann.
- Hämofiltration und Hämodialyse: Entfernung von Toxinen über halbdurchlässige Membranen unter Erhalt der geformten Blutelemente. Die Hämofiltration reinigt von einem breiteren Spektrum an Substanzen, während die Hämodialyse («Künstliche Niere») häufiger bei Niereninsuffizienz zur Elimination von Metaboliten eingesetzt wird.
Immuntherapie
Bei schwerem Verlauf der Infektion ist eine Immunmodulation unter Kontrolle von Laboratorysparametern indiziert. Bewertet werden:
- Phagozytose: Ein hoher Wert spricht für eine gute Widerstandskraft, eine Unterdrückung ist ein ungünstiges Zeichen.
- Bakterizide Serumaktivität (BSA): Norm 80–100%. Wichtig: Dieser Parameter ist nur vor Beginn der Antibiotikatherapie aussagekräftig.
- T- und B-Lymphozyten, Immunglobuline (IgG, IgA, IgM): Ihr Abfall zeugt von einer Verschlechterung des Zustands, ihr Anstieg von einer normalen Reaktion. Ein Anstieg zirkulierender Immunkomplexe (ZIK) weist auf eine Fehlsteuerung der Immunantwort hin.
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Welchen Sinn hat der Einsatz von Proteinasen bei der Behandlung eitriger Infektionen?
Proteinasen potenzieren die Wirkung von Antibiotika, erhöhen deren Konzentration im Herd, steigern die Empfindlichkeit der Flora und zerstören bakterielle Schutzenzyme und Toxine.
Welche Energiemenge muss dem Patienten bei parenteraler Ernährung zugeführt werden?
Das Zielvolumen beträgt etwa 3000 kcal pro Tag.
Warum muss die bakterizide Serumaktivität vor der Verordnung von Antibiotika bestimmt werden?
Unter der Einnahme von antibakteriellen Medikamenten wird der BSA-Wert verfälscht und spiegelt nicht die wahre Widerstandskraft des Organismus wider.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Kriterien für die Auswahl von Transfusionsmedien bei eitriger Entzündung
- Detaillierte Zusammensetzung von Nährlösungen für die parenterale Ernährung
- Mechanismen der hormonellen Reaktion auf Entzündungen
- Vergleichende Charakterisierung von humoraler und zellulärer Immunität bei Infektionen
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Das Material wurde von Dozenten von WhiteCoat Pro nach dem Lehrplan medizinischer Hochschulen erstellt. Es hat Bildungscharakter.