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Anatomie · Osteologie

Hüftbein und Becken

Os coxae et Pelvis

Hüftbein ist ein massiver paariger Knochen, der zusammen mit Kreuzbein und Steißbein den Gürtel der unteren Extremität bildet. Diese knöchernen Strukturen formen einen stabilen Ring — Becken —, der als Bindeglied zwischen Achsenskelett und freien unteren Extremitäten dient und zugleich die inneren Organe aufnimmt.

Verschmelzung der KnochenBeim Erwachsenen entsteht das Hüftbein durch die vollständige Verschmelzung von drei separaten Knochen.
Gemeinsames ZentrumDie Körper aller drei Knochen laufen an einem Punkt zusammen und bilden die Hüftgelenkpfanne.
Zwei AbteilungenDie Beckenhöhle wird anatomisch durch die Linea terminalis in das große und das kleine Becken unterteilt.
GeburtshilfeDie Conjugata vera des Beckeneingangs beträgt im Normbereich 11–11,5 cm.
6 Min. LesezeitFür MedizinstudierendeAktualisiert am 24.09.2026
Material vorbereitet von Redaktion von WhiteCoat Pro gemäß den Lehrmaterialien der PlattformGeprüft von Facharzt/Redakteur: Aulov A. A., Arzt für Innere Medizin · 24.09.2026

Teile des Hüftbeins

Im Laufe der Skelettenwicklung entsteht das Hüftbein (os coxae) aus drei eigenständigen Teilen, die beim Erwachsenen zu einem einheitlichen Ganzen verschmelzen.

  1. Darmbein (os ilium). Nimmt den oberen Abschnitt ein. Besteht aus einem verdickten Körper (corpus ossis ilii) und einem breiten Darmbeinflügel (ala ossis ilii). Der obere freie Rand des Flügels bildet den Darmbeinkamm (crista iliaca), der die Außen- und Innenseite trennt und Lippen für die Befestigung der Bauchmuskeln aufweist. Vorne und hinten am Flügel fallen paarige Fortsätze auf — die Darmbeinstacheln (Spinae iliacae anteriores und posteriores, superiores und inferiores). An der Innenseite befinden sich die Darmbeingrube (fossa iliaca) und die Facies auricularis (facies auricularis) zur Artikulation mit dem Kreuzbein. An der Außenseite liegen die Glutäallinien (lineae gluteae), an denen die gleichnamigen Muskeln ansetzen.
  2. Schambein (os pubis). Liegt anterior. Besteht aus dem Körper sowie dem oberen und unteren Ast. Schlüsselstrukturen: die Symphysenfläche (facies symphysialis) zur Bildung der Schambeinfuge, der Schambeinhöcker (tuberculum pubicum), der Schambeinkamm und die Eminentia iliopubica.
  3. Sitzbein (os ischii). Bildet den posterinferioren Teil. Umfasst den Körper und den Ast. Die massivste Struktur hierbei ist der Sitzbeinhöcker (tuber ischiadicum). Oberhalb davon befindet sich der Sitzbeinstachel (spina ischiadica), der die große und die kleine Sitzbeineinschnitt trennt.

Die Äste von Schambein und Sitzbein schließen sich zusammen und begrenzen das große Foramen obturatum (foramen obturatum).

Hüftgelenkpfanne

Die Verschmelzungsstelle der Körper von Darmbein, Schambein und Sitzbein stellt sich als tiefe Gelenkgrube dar. Dies ist das Acetabulum (acetabulum), das zur Artikulation mit dem Oberschenkelkopf dient.

Peripher wird die Pfanne von einem vorstehenden Rand begrenzt (limbus acetabuli). Die eigentliche Gelenkfläche ist die glatte Facies lunata (facies lunata). Im Zentrum der Vertiefung befindet sich die raue Fossa acetabuli (fossa acetabuli), und der untere Rand des Rings wird durch die Incisura acetabuli unterbrochen (incisura acetabuli).

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Das Becken als Ganzes: Aufbau und Grenzen

Zwei Hüftbeine bilden zusammen mit dem Kreuzbein und dem Steißbein das Becken (pelvis), in dessen Inneren sich die Beckenhöhle (cavitas pelvis) befindet. Anatomisch wird das Becken in zwei Abschnitte unterteilt:

  • Großes Becken (pelvis major). Wird dorsal von den unteren Lendenwirbeln und lateral von den ausladenden Darmbeinflügeln eingefasst. Eine vordere knöcherne Wand besitzt es nicht.
  • Kleines Becken (pelvis minor). Wird dorsal durch Kreuzbein und Steißbein, lateral durch die Innenseiten der Sitzbeine und ventral durch die Schambeine begrenzt.

Die Grenze zwischen ihnen bildet die Linea terminalis (linea terminalis). Sie verläuft über das Promontorium des Kreuzbeins, den oberen Rand der Schambeinfuge und die Lineae arcuatae der Darmbeine. Dieselbe Linie bildet den Beckeneingang (Apertura pelvis superior). Der Beckenausgang (Apertura pelvis inferior) wird durch das Steißbein und die Sitzbeinhöcker begrenzt.

Geburtshilfliche Maße und Geschlechtsunterschiede

Das kleine Becken hat eine enorme praktische Bedeutung in der Geburtshilfe, da es das starre knöcherne Gerüst des Geburtskanals bildet. Zur Beurteilung seiner Parameter werden mehrere Abstände gemessen:

  • Conjugata vera (conjugata vera): anterio-posteriorer Durchmesser des Beckeneingangs. Beträgt im Normbereich 11–11,5 cm.
  • Conjugata recta (conjugata recta): 9–11,5 cm.
  • Transversaler Durchmesser / Schräger Durchmesser (diameter obliqua): 12–12,5 cm.
  • Gerader Durchmesser des Ausgangs: ca. 11 cm.

Die Beckenknochen weisen ausgeprägte Geschlechtsunterschiede auf. Bei Frauen laufen die unteren Schambeinäste in einem stumpfen Winkel aufeinander zu und bilden einen breiten Schambeinbogen (arcus pubicus) von 90–100°. Beim Mann bildet die entsprechende Verbindung einen spitzen subpubischen Winkel (angulus subpubicus), der etwa 70° beträgt.

Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema

Welche anatomischen Strukturen bilden die Linea terminalis des Beckens?

Die Linea terminalis des Beckens (linea terminalis) wird durch das Promontorium des Kreuzbeins, den oberen Rand der Schambeinfuge und die Linea arcuata des Darmbeins gebildet. Diese Linie ist ein wichtiger anatomischer Orientierungspunkt, da sie als Grenze dient, die die Beckenhöhle in zwei Abschnitte unterteilt: das große Becken (pelvis major) und das kleine Becken (pelvis minor). Der Beckeneingang wird ebenfalls durch diese Linie begrenzt.

Welche knöchernen und bandhaften Strukturen begrenzen die Apertura pelvis inferior (den Beckenausgang)?

Die untere Beckenapertur (apertura pelvis inferior) wird durch folgende knöcherne und bandhafte Strukturen begrenzt:

  • Schambeinfuge (symphysis pubica) — liegt ventral zusammen mit dem unteren Rand des Schambeinbogens.
  • Unterste Äste von Sitz- und Schambein — begrenzen den Ausgang anterior und lateral.
  • Sitzbeinhöcker (tuber ischiadicum) — bilden zusammen mit den Ligamenta sacrotuberalia die lateralen Begrenzungen.
  • Steißbein (os coccygis) — begrenzt die Apertur dorsal mit seiner Spitze.

Welche Bänder verwandeln die große und die kleine Sitzbeineinschnitt in die entsprechenden Foramina ischiadica?

Die große und die kleine Sitzbeineinschnitt werden durch zwei starke Bänder, die vom Kreuzbein ausgehen, in die entsprechenden Foramina umgewandelt:

  • Ligamentum sacrospinale (lig. sacrospinale) — zieht zum Sitzbeinstachel.
  • Ligamentum sacrotuberale (lig. sacrotuberale) — setzt am Sitzbeinhöcker an.

Diese Strukturen schließen die Einschnitte des Hüftbeins ab und bilden das Foramen ischiadicum majus und minus, durch die wichtige Muskeln und neurovaskuläre Bündel verlaufen.

Anhand welcher anatomischen Merkmale (neben dem angulus subpubicus) werden die Geschlechtsunterschiede des männlichen und weiblichen Beckens bestimmt?

Die Geschlechtsunterschiede des Beckens werden anhand von Form, Größe und Knochenbau bestimmt. Das weibliche Becken ist breiter und flacher; die Darmbeinflügel stehen bei Frauen weiter auseinander und verlaufen steiler. Der Beckeneingang ist bei Frauen größer und verengt sich nach unten hin weniger. Der männliche Beckentyp ist durch eine keilförmige Form des Beckeneingangs mit Verengung zur Symphyse hin gekennzeichnet.

Welche anatomischen Strukturen befinden sich am oberen und unteren Ast des Schambeins?

Für das Schambein sind in den Quellen folgende anatomische Strukturen aufgeführt: Eminentia iliopubica (eminentia iliopubica), Facies symphysialis (facies symphysialis), Tuberculum pubicum (tuberculum pubicum), Pecten ossis pubis (pecten ossis pubis), Crista obturatoria (crista obturatoria), Sulcus obturatorius (sulcus obturatorius) sowie Tuberculum obturatorium anterius et posterius (tuberculum obturatorium anterius et posterius).

Welche Gefäße und Nerven verlaufen durch den Canalis obturatorius?

Durch den Canalis obturatorius (canalis obturatorius) verläuft das gleichnamige neurovaskuläre Bündel. Dieses umfasst:

  • Arteria obturatoria (a. obturatoria) — ein Ast der Arteria iliaca interna.
  • Vena obturatoria (v. obturatoria) — begleitet die Arterie.
  • Nervus obturatorius (n. obturatorius) — innerviert die Adduktoren.

Diese Strukturen treten an die mediale Oberschenkeloberfläche und versorgen die Adduktoren, den Musculus gracilis sowie die Haut der medialen Oberschenkelregion.

Wie man es sich merkt

Um sich die drei das Hüftbein bildenden Knochen (Darmbein, Schambein, Sitzbein) leicht zu merken, kann man sich deren räumliche Anordnung vorstellen: Das Darmbein als „Dach“ oben, das Schambein schützt von vorne, und auf dem Sitzbein sitzen wir (unten und hinten). Alle drei treffen sich exakt in der Mitte in der Hüftgelenkpfanne.

Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen

Aus welchen Knochen besteht das Hüftbein?

Sie wird durch die Verschmelzung von drei Knochen gebildet: Darmbein, Schambein und Sitzbein.

Wo befindet sich das Acetabulum?

Die Hüftgelenkpfanne befindet sich an der Außenfläche des Hüftbeins, an der Verschmelzungsstelle der Körper von Darmbein, Schambein und Sitzbein.

Worin unterscheidet sich das große Becken vom kleinen Becken?

Das große Becken ist breiter, wird von den Darmbeinschaufeln gebildet und hat keine vordere knöcherne Wand. Das kleine Becken liegt unterhalb der Linea terminalis und stellt einen geschlossenen knöchernen Ring dar.

Was ist die Conjugata vera?

Dies ist der wichtigste geburtshilfliche Durchmesser (11–11,5 cm), der den kürzesten Abstand vom Promontorium des Kreuzbeins bis zum am weitesten vorspringenden Punkt an der Hinterfläche der Schambeinfuge darstellt.

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Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt

  • Detaillierte Reliefstrukturen des Darmbeinkamm (Crista iliaca): Außen- und Innenlippe (Labium externum et internum), Zwischenlinie (Linea intermedia)
  • Gluteallinien des Darmbeins und Muskelansatzstellen
  • Topographie und funktionelle Bedeutung der großen und kleinen Ischiadikus-Inzisur (Incisura ischiadica major et minor)
  • Obturator-Foramen: Sulcus obturatorius und Tuberkel des Foramen obturatum
  • Beckenmessung in der Geburtshilfe: Methoden zur Bestimmung der Conjugata diagonalis und anatomica

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Das Material wurde von Dozenten von WhiteCoat Pro nach dem Lehrplan medizinischer Hochschulen erstellt. Es hat Bildungscharakter.