Skelettotopie und räumliche Krümmungen
Der thorakale Teil der Speiseröhre ist 15–18 cm lang und projiziert sich vom Niveau Th II bis Th XI. In seiner Projektion stellt das Organ kein völlig gerades Rohr dar. Dank des nachgiebigen periaesophagealen Fettgewebes bildet es variable Krümmungen in zwei Ebenen aus.
In der Sagittalebene folgt die Speiseröhre zunächst der Krümmung der Wirbelsäule. Vom Knochenbau wird sie durch die Fascia praevertebralis und eine Fettgewebsschicht getrennt, in der die V. azygos und V. hemiazygos (v. azygos, v. hemiazygos), der Ductus thoracicus und die rechten posterioren Interkostalarterien verlaufen. Unterhalb des Niveaus von Th IV und danach auf Höhe von Th VIII–IX (zweite Sagittalkrümmung) weicht das Organ allmählich nach ventral von der Wirbelsäule ab (Abstand von 1,5–4,0 cm) und liegt dabei ventral der Aorta thoracica (aorta thoracica).
In der Frontalebene biegt die Röhre bis zu Th IV nach links ab, kehrt dann zur Medianlinie zurück und macht auf Höhe von Th VIII eine erneute Krümmung nach links.
Syntopie im oberen Mediastinum
Im oberen Mediastinum bildet die Speiseröhre den retrotrachealen Abschnitt. Sie liegt streng dorsal der Trachea, ragt jedoch aufgrund der frontalen Krümmung leicht unter deren linkem Rand hervor.
Schlüsselstrukturen und topographische Beziehungen:
- Auf Höhe der Trachearbifurkation liegt das Organ links eng der dorsorechten Oberfläche des Aortenbogens (arcus aortae) an. Die Aorta hinterlässt an der Wand eine spürbare Impression — die Aortenenge.
- Links grenzt die Speiseröhre an die initialen Segmente der Arteria carotis communis sinistra (a. carotis communis sinistra) und der Arteria subclavia sinistra (a. subclavia sinistra). Zwischen diesen großen Gefäßen verläuft der Ductus thoracicus (ductus thoracicus).
- In der Rinne zwischen Trachea und Speiseröhre verläuft auf der linken Seite der N. laryngeus recurrens sinister (n. laryngeus recurrens sinister).
Wichtiger chirurgischer Aspekt: Im periaesophagealen Fettgewebe entspringen auf Höhe der Bifurkation kurze, aber kaliberechte Arterienäste aus der Aorta. Deren versehentliche Verletzung während der Organfreilegung droht eine profuse Blutung auszulösen.
Syntopie im hinteren Mediastinum
Hier geht die Speiseröhre in das retroperikardiale Segment über. Sie steigt unter dem Aortenbogen nach kaudal ab, legt sich der Hinterfläche des linken Hauptbronchus (bronchus principalis sinister) an und wird durch feste Bindegewebsstrukturen (Ösophagotrachealbänder) an diesem fixiert.
Das Verhältnis zur absteigenden Aorta verändert sich im Verlauf: Zunächst liegt die Speiseröhre rechts des Gefäßes, kreuzt es dann (auf Höhe von Th IV–VIII) schräg und wechselt von ventral-rechts nach links. Bis zum Niveau von Th IX befindet sie sich bereits 1,0–1,5 cm links der Medianlinie.
Ventral, unterhalb der Trachearbifurkation, liegt das Organ mitsamt seiner Faszienscheide der Hinterwand des Perikards an, welches es anatomisch vom linken Vorhof trennt. Dies ist von klinischer Bedeutung: Eine Flüssigkeitsansammlung (Erguss) in der Perikardhöhle kann die Speiseröhre komprimieren und eine Dysphagie verursachen. Zudem besteht bei unsachgemäßer instrumenteller Bougierung ein hohes Risiko einer Perikardperforation.
Beziehung zur Pleura und zum Lymphsystem
Die Beziehung zur Pleura mediastinalis ist asymmetrisch. Links hat die Pleura nur auf einem kleinen Areal zwischen absteigender Aorta und Ligamentum pulmonale Kontakt mit der Fascia praesophagealis. Rechts hingegen bedeckt sie unterhalb der Lungenwurzel die Seitenwand und teilweise die Hinterwand des Organs.
Kaudal des Lungenhilus nähern sich die Pleurablätter beider Seiten dorsal der Speiseröhre an und bilden das Ligamentum interpleurale. Im supradiaphragmalen Abschnitt verwächst dieses aus zwei Blättern (anterior und posterior) bestehende Band fest mit der Fascia endothoracica und fixiert das Organ an den Zwerchfellschenkeln und den dorsokaudalen Winkeln der Pleuraspünte. Übermäßiger Zug an diesem Band bei der Mobilisation der Speiseröhre kann die Pleura mediastinalis zerreißen und einen lebensbedrohlichen beidseitigen Pneumothorax auslösen.
Das Lymphsystem des Organs wird durch ausgedehnte intramurale Kapillarnetze repräsentiert. Der Lymphabfluss verläuft zonal:
- Aus den oberen Abschnitten sammelt sich die Lymphe überwiegend in den rechten und linken paratrachealen Lymphknoten (nodi lymphatici paratracheales).
- Aus den mittleren Abschnitten in die tracheobronchialen (n.l. tracheobronchiales), Bifurkations- und prävertebralen Lymphknoten.
- Aus den unteren Abschnitten erfolgt der Abfluss direkt in den Ductus thoracicus (ductus thoracicus) sowie in Richtung Magen (kardianahe und linke Magenlymphknoten) und in die paraaortalen Lymphknoten.
Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema
Wo verläuft der rechte N. laryngeus recurrens in Bezug auf die Speiseröhre?
Der rechte n. laryngeus recurrens dexter verläuft in der rechten Ösophagotrachealrinne und liegt dabei zwischen der Trachea und der Speiseröhre. Er entspringt dem rechten Nervus vagus auf Höhe der Kreuzung mit der rechten Schlüsselbeinarterie (a. subclavia), schlingt sich von unten und hinten um diese, legt sich anschließend in die genannte Rinne und zieht nach oben zum Kehlkopf. Der Nerv ist der wichtigste motorische Nerv des Kehlkopfes und innerviert dessen Muskulatur sowie die Schleimhaut unterhalb der Stimmritze.
Welche Arterien versorgen den Brustabschnitt der Speiseröhre?
Der thorakale Ösophagusabschnitt wird durch Äste des Pars thoracica aortae und der Arteria gastrica sinistra arteriell versorgt.
- Ösophageale Aortenäste (rr. esophagei aortae) — entspringen dem thorakalen Aortenteil (pars thoracica aortae), verlaufen entlang der Speiseröhrenwände und verzweigen sich dort. Auf Höhe der Trachearbifurkation entspringen der Aorta kurze und kaliberechte Arterien.
- Linke Magenarterie (a. gastrica sinistra) — versorgt den untersten Brustabschnitt der Speiseröhre.
Welche Nerven bilden den Plexus oesophageus?
Das Ösophagusplexus (plexus oesophageus) wird durch Äste der Nervi vagi, der Trunci sympathici und der Spinalnerven gebildet.
An seiner Bildung sind beteiligt:
- Nn. vagi (nn. vagi) — der rechte und linke N. vagus geben Äste ab, welche die Grundlage des Plexus im hinteren Mediastinum bilden.
- Grenzstränge (trunci sympathici) — geben sympathische Fasern aus ihren Brustganglien ab.
- Spinalnerven — geben entsprechende Äste an den Plexus ab.
Der Plexus liegt im periaesophagealen Fettgewebe direkt auf der Speiseröhre (von der Trachearbifurkation bis zum Zwerchfell); von dort dringen Nerven in die Organdickwand ein und bilden intramurale Netze.
Welche anatomischen Engen werden bei der Speiseröhre unterschieden?
Bei der Speiseröhre werden drei anatomische Engen unterschieden.
Diese befinden sich auf folgenden Niveaus:
- Erste Enge — liegt am Übergang des Pharynx in den Ösophagus (auf Höhe des Ringknorpels) in einem Abstand von 12–15 cm ab Zahnreihe (Inzisiven).
- Zweite Enge (Aortenenge) — befindet sich im mittleren Ösophagusabschnitt an der Stelle, wo dieser dem Aortenbogen anliegt.
- Dritte Enge — befindet sich am Durchtritt der Speiseröhre durch den Hiatus oesophageus des Zwerchfells.
Wohin erfolgt der venöse Abfluss aus dem Brustabschnitt der Speiseröhre?
Der venöse Abfluss aus dem thorakalen Ösophagus erfolgt über das System der V. azygos und über die V. gastrica sinistra.
- System der V. azygos (v. azygos) — sammelt das venöse Blut aus dem mittleren Brustabschnitt der Speiseröhre.
- Linke Magenvene (v. gastrica sinistra) — gewährleistet den venösen Abfluss aus dem untersten Brustabschnitt der Speiseröhre.
Die Venen des untersten Brustabschnitts (Ösophagokardialabschnitt) sind an der Bildung portokavaler Anastomosen beteiligt, was bei Ösophagusvarizen von wichtiger klinischer Bedeutung ist.
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Wo genau verläuft der linke N. laryngeus recurrens?
Der linke N. laryngeus recurrens verläuft in einer spezialisierten Rinne zwischen dem linken Ösophagusumfang und der Trachea.
Worin besteht die klinische Gefahr der engen Anlage der Speiseröhre an das Perikard?
Bei pathologischen Flüssigkeitsansammlungen im Herzbeutel kann es zu einer mechanischen Kompression (Einengung) der Speiseröhre kommen. Zudem besteht bei einer blinden Bougierung das Risiko einer Perforation der Perikard-Hinterwand.
Warum besteht bei der Freilegung des supradiaphragmatischen Speiseröhrenabschnitts ein hohes Pneumothoraxrisiko?
Im supradiaphragmalen Abschnitt ist die Speiseröhre durch feste Bündel des doppelblättrigen Ligamentum interpleurale fest mit den Pleuraspünten verankert. Starker Zug daran während einer Operation kann zu einer Pleuraruptur mit Ausbildung eines beidseitigen Pneumothorax führen.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Aufbau des Spatium perisofageum: Topografie der Faszien und des Zellgewebes des hinteren Mediastinums.
- Innervation der Speiseröhre: Äste des N. vagus (n. vagus) und Bildung des Plexus esophageus.
- Sympathische Innervation des Ösophagusrohrs durch Äste der Trunci sympathici (truncus sympathicus).
- Detaillierte Anatomie der Blutversorgung der Speiseröhre durch Äste der Pars thoracica aortae (pars thoracica aortae).
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