Grenzen und Schichtenbau
Die topographischen Grenzen der Parotis-Masseter-Region (regio parotideomasseterica) werden durch folgende Orientierungspunkte definiert:
- Kranial: Jochbogen.
- Kaudal: Unterrand des Unterkiefers.
- Anterior: Eine Linie entlang des Vorderrands des Musculus masseter.
- Posterior: Processus mastoideus und Musculus sternocleidomastoideus (SCM).
Die Haut in diesem Bereich ist dünn (bei Männern behaart). Die Subkutis ist von dichten Bindegewebszügen durchsetzt, die die Haut fest mit der Fascia propria — der fascia parotideomasseterica — verbinden. Diese Faszie bildet eine robuste Loge (Kapsel) für die Speicheldrüse.
Auf der Außenseite des Musculus masseter (m. masseter) verlaufende wichtige anatomische Strukturen ziehen in Querrichtung. Ursprünglich liegen sie in einer Faszienspalte und treten dann in das Unterhautfettgewebe aus. Zu diesem Komplex gehören der Ductus parotideus (ductus parotideus), die Arteria et vena transversa faciei (a. et v. transversa faciei) sowie die Rami buccales des Nervus facialis (rr. buccales n. facialis).
Glandula parotidea
Glandula parotidea (glandula parotis) — eine massive Struktur, die die Fossa retromandibularis (fossa retromandibularis) ausfüllt.
Ihr tiefer Teil reicht nach medial bis zum Fettgewebe des vorderen Spatium parapharyngeum und erreicht die Rachenwand. Der untere Fortsatz zieht zur Innenseite des Unterkieferwinkels, wo er durch einen kräftigen Faszienspalt von der Glandula submandibularis getrennt ist. Der superfazielle Teil der Drüse hat die Form eines Dreiecks, dessen Basis zum Jochbogen gerichtet ist. Sie liegt direkt auf der Außenseite des Musculus masseter.
Der Ausführungsgang (ductus parotideus) verläuft horizontal 1,5–2,0 cm unterhalb des Jochbogens. Er durchbohrt den Musculus buccinator (m. buccinator) und mündet an der Schleimhaut der Wange im Mundvorhof. Topographischer Orientierungspunkt der Mündung: Höhe des Interdentalraums zwischen dem ersten und zweiten oberen Molaren.
Faszienkapsel und Eiterausbreitung
Die Drüsenkapsel wird durch eine Spaltung der Fascia propria der lateralen Gesichtsregion gebildet. Klinisch von entscheidender Bedeutung ist, dass sie ungleichmäßig entwickelt ist:
- Dichte (gut entwickelte) Abschnitte: Außenfläche, Vorderseite (grenzt an den Unterkieferast, m. masseter und m. pterygoideus medialis), Rückseite und Unterfläche.
- Schwache (schlecht entwickelte) Abschnitte: Oberseite (grenzt an den äußeren Gehörgang) und Innenseite (pars profunda, dem vorderen Parapharyngealraum zugewandt).
Klinische Bedeutung: Bei einer eiternden Entzündung (Parotitis) sucht sich der Eiter den Weg des geringsten Widerstands. Er bricht durch die Schwachstellen der Kapsel in den Parapharyngealraum (zur Rachenwand) oder in den äußeren Gehörgang durch. Statistik zufolge kommt es viermal häufiger zu einem Eiterdurchbruch in diese tiefen Bereiche als nach außen durch den dichten Teil der Kapsel.
Tiefe Strukturen und Spatium massetericomandibulare
In der Tiefe der Parotis selbst verläuft ein komplexes Gefäß- und Nervensystem. Hier befinden sich der Nervus facialis (n. facialis), der einen Plexus bildet, sowie der Nervus auriculotemporalis (n. auriculotemporalis). An Gefäßen sind dies die Arteria carotis externa (a. carotis externa) mit ihren Endästen und die Vena retromandibularis (v. retromandibularis). Zudem liegen im Drüsenparenchym und auf der Faszie tiefe und oberflächliche Lymphknoten.
Tiefer als die Drüse liegt das Spatium massetericomandibulare (spatium masticatoriomandibulare). Es befindet sich zwischen dem Musculus masseter und dem Unterkieferast. Der Raum ist mit lockerem Fettgewebe gefüllt und enthält die Arteria, Vena und der Nervus massetericus (a., v. et n. massetericae), die aus der infratemporalen Region kommen. Nach oben steht dieser Raum mit der Außenseite des Musculus temporalis (unter dem Jochbogen) in Verbindung.
Hinter dem Unterkieferast bildet sich die Vena retromandibularis. Sie entsteht durch den Zusammenschluss von Drüsenvenen, den Venae temporales superficiales, mediae et profundae sowie der Vena maxillaris und Vena transversa faciei. Tiefer als der Venenstamm verläuft schräg-vertikal die Arteria carotis externa. Auf Höhe des Unterkieferhalses teilt sie sich in die Arteria temporalis superficialis und die Arteria maxillaris auf.
Zur Einprägung der Strukturen im Inneren der Glandula parotidea wird das Akronym P.A.V.E.N. verwendet, welches hilft, die dort verlaufenden Nerven (Nervus facialis, Nervus auriculotemporalis), die Arteria carotis externa mit ihren Ästen, die Vena retromandibularis und die Lymphknoten nicht zu vergessen.
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Wohin mündet der Ausführungsgang der Glandula parotidea?
Der Gang (ductus parotideus) durchbohrt den Musculus buccinator und mündet auf der Schleimhaut im Mundvorhof auf Höhe des Zwischenraums zwischen dem ersten und zweiten oberen Molaren.
Warum tritt Eiter bei einer Parotitis selten nach außen aus?
Die äußere Wand der Faszienkapsel ist sehr dicht. Eiter bricht viermal häufiger durch die schwachen Kapselabschnitte durch — nach kranial in den äußeren Gehörgang oder nach medial in den Parapharyngealraum.
Was befindet sich im Spatium massetericomandibulare?
Der Raum zwischen dem Musculus masseter und dem Unterkieferast ist mit lockerem Fettgewebe gefüllt, in dem die Arteria, Vena und der Nervus massetericus (a., v. et n. massetericae) verlaufen.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Topographie und Verzweigung des Nervus facialis im Parenchym der Glandula parotidea.
- Entstehung und Zuflüsse der Vena retromandibularis (v. retromandibularis).
- Bifurkation der Arteria carotis externa und Verlauf ihrer Endäste.
- Verbindung des Spatium massetericomandibulare mit den Logen der Schläfenregion.
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