Aktive und passive Körperhaltung
Zu Beginn der allgemeinen Untersuchung muss der Arzt in erster Linie visuell beurteilen, wie der Patient im Raum positioniert ist. Dieses grundlegende Merkmal vermittelt einen sofortigen Eindruck vom Schweregrad des aktuellen Zustands des Patienten.
Wenn eine Person in der Lage ist, ihre Haltung willkürlich zu verändern, sich frei bewegt und ihre Position in keiner Weise von den klinischen Symptomen der aktuellen Erkrankung abhängt, spricht man von einer aktiven Körperhaltung.
Ein völlig anderes klinisches Bild zeigt sich bei einer passiven Körperhaltung. In diesem Fall liegt eine absolute Unbeweglichkeit des Patienten vor. Kopf, Arme und Beine befinden sich ausschließlich unter dem Einfluss der Schwerkraft – sie hängen schlaff herab oder liegen unbeweglich in der Position, in der sie vom medizinischen Personal hinterlassen wurden. Ein solches Bild weist stets auf einen extrem schweren Status hin: Der Patient ist entweder bewusstlos oder leidet an einer extremen Erschöpfung (ausgeprägter Asthenie) und totaler körperlicher Schwäche.
Zwangshaltung: Hilfe bei Dyspnoe
Eine Zwangshaltung ist eine spezifische Körperposition, die der Patient völlig bewusst einnimmt, um ein einziges Ziel zu verfolgen: seine Beschwerden zu erleichtern, wie zum Beispiel unerträgliche Schmerzen zu dämpfen oder Luftnot zu lindern. Dieses Zeichen ist von besonderem Wert bei der Diagnostik von Erkrankungen des Atmungs- und Herz-Kreislauf-Systems.
- Asthmaanfall
Während eines Anfalls setzt sich der Patient in der Regel auf und stützt sich mit den Händen fest auf die Bett- oder Stuhlkante. Dieses Manöver ist erforderlich, um den Schultergürtel starr zu fixieren. Durch diese Fixierung erhält der Patient die Möglichkeit, die Atemhilfsmuskulatur voll einzusetzen, was für die Erleichterung der erschwerten Exspiration von entscheidender Bedeutung ist.
- Linksherzinsuffizienz
In diesem Fall kommt es zur Ausbildung der sogenannten Orthopnoe. Der Patient ist gezwungen, in einer sitzenden oder halbsitzenden Position mit maximal erhöhtem Kopfteil zu verharren. Der pathophysiologische Mechanismus dieser Erleichterung ist folgender: Das Verweilen in der sitzenden Position verringert schwerkraftbedingt den Zufluss venösen Blutes zum rechten Herzen. Infolgedessen nimmt die Blutstauung im kleinen Kreislauf (im Lungengewebe) plangemäß ab, und die Ausprägung der Dyspnoe sinkt spürbar. Historischer Aspekt: Bevor wirksame Diuretika (Entwässerungsmittel) im Arsenal der Ärzte zur Verfügung standen, waren Patienten mit schwerer Kreislaufinsuffizienz gezwungen, ständig in speziellen „Voltaire-Sesseln“ mit hoher Rückenlehne zu leben.
Spezifische Haltungen bei anderen Erkrankungen
Für die exsudative Perikarditis (eine anomale Flüssigkeitsansammlung in der Perikardhöhle) ist eine ganz eigene spezifische Haltung charakteristisch. Der Patient setzt sich hin, neigt sich stark nach vorne und stützt die Brust auf ein Kissen oder die Rückenlehne eines davor stehenden Stuhls. Diese Position ermöglicht es, den Druck der angesammelten Flüssigkeit zu minimieren und verschafft dem Patienten spürbare Erleichterung.
Wenn abdominaler Schmerz die Hauptursache der Beschwerden ist, hängt das Verhalten des Patienten kardinal von der Art der aufgetretenen Pathologie ab:
- Unruhiges Verhalten: Der Patient „wälzt“ sich ununterbrochen im Bett hin und her und findet buchstäblich keine Ruhe. Ein solches klinisches Bild ist klassisch für die Nierenkolik.
- Fixierte Haltung: Der Patient ermittelt durch Ausprobieren eine Position, in der der Schmerz etwas nachlässt, und versucht, völlig zu erstarren, um Schmerzimpulse nicht unnötig zu provozieren. Ein typisches Beispiel ist die Seitenlage mit stark angewinkelten und an den Bauch herangezogenen Knien bei der Entwicklung einer Peritonitis.
Klinische Schlussfolgerung
Die aufmerksame Beurteilung der Körperhaltung des Patienten in den allerersten Phasen der allgemeinen Untersuchung ist ein absolut notwendiges Verfahren zur genauen Bestimmung des Schweregrads des Zustands. Darüber hinaus dient der Charakter der eingenommenen Haltung als wichtiges und äußerst zuverlässiges Kriterium für die Durchführung der Differenzialdiagnostik zwischen verschiedenen Erkrankungen, wodurch der Spezialist die diagnostische Suche schnell in die richtige Bahn lenken kann.
Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema
Welche Zwangshaltung nimmt ein Patient mit trockener Pleuritis ein?
Bei trockener Pleuritis nimmt der Patient eine Zwangshaltung in Seitenlage auf der betroffenen Seite oder sitzend mit Neigung zur betroffenen Seite ein. Diese Haltung wird eingenommen, um die Exkursion der Lunge bzw. die Bewegungen des Brustkorbs auf der betroffenen Seite einzuschränken und die durch die Reibung der entzündeten Pleurablätter beim Atmen verursachten Schmerzen zu verringern.
Bei welcher Erkrankung nimmt der Patient die Meningealhaltung („Hundeschaukelhaltung“ bzw. „Brust Haltung“)?
Die Meningealhaltung (auch als „Hundeschaukelhaltung“ oder „Opisthotonus“ bekannt) nimmt der Patient bei Meningitis und Meningoenzephalitis ein.
Die spezifische Zwangshaltung sieht folgendermaßen aus:
- der Patient liegt auf der Seite;
- der Kopf ist nach hinten überstreckt;
- der Rumpf ist gestreckt (oder der Rücken ist durchgebogen);
- die Beine sind angewinkelt und an den Bauch oder Rumpf herangezogen.
Welche Haltung nimmt ein Patient bei einem Angina-pectoris-Anfall oder Myokardinfarkt ein?
Beim Abklingen eines Angina-pectoris-Anfalls sollte sich der Patient hinsetzen. Diese Position ist zur Vorbeugung von Synkopen während der Einnahme von Medikamenten (z. B. Nitroglycerin) erforderlich.
Informationen über eine spezifische Zwangshaltung des Patienten unmittelbar bei einem Myokardinfarkt liegen in den Quellen nicht vor.
Um sich das Verhalten des Patienten bei Bauchschmerzen leicht zu merken: „Kolik – wälzt sich, Peritonitis – erstarrt“.
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Warum stützt sich ein Patient mit einem Asthmaanfall fest mit den Händen auf die Kante des Tisches oder Bettes?
Diese Haltung ermöglicht es, den Schultergürtel starr zu fixieren. Dadurch wird die Atemhilfsmuskulatur aktiv in den Atemprozess einbezogen, was dem Patienten die erschwerte Exspiration deutlich erleichtert.
Worin besteht der pathophysiologische Mechanismus der Orthopnoe-Haltung?
Das Verweilen in der sitzenden Position mit erhöhtem Kopfteil verringert schwerkraftbedingt den Zufluss venösen Blutes zum rechten Herzen. Dies reduziert die Blutstauung im kleinen Kreislauf (in der Lunge) und senkt die Dyspnoe effektiv.
Wie unterscheidet sich das Verhalten von Patienten mit akuten Bauchschmerzen?
Das Verhalten hängt direkt von der Ursache ab. Bei einer Nierenkolik ist der Patient extrem unruhig und wälzt sich ständig hin und her, da er keine bequeme Position findet. Bei einer Peritonitis hingegen nimmt der Patient eine fixierte Haltung ein (meist in Seitenlage mit herangezogenen Knien) und versucht, völlig zu erstarren.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Pathophysiologie der Arbeit der Atemhilfsmuskulatur während eines Asthmaanfalls.
- Hämodynamische Veränderungen im kleinen Kreislauf beim Orthopnoe-Syndrom.
- Mechanismen der Entstehung akuter Schmerzen und motorischer Unruhe bei Nierenkoliken.
- Einfluss des Exsudatvolumens in der Perikardhöhle auf die Wahl der Zwangshaltung des Patienten.
Arbeiten Sie das Thema komplett im Kurs „Propädeutik“ durch
Hier ist die Zusammenfassung. Im Kurs finden Sie alles, was in Vorlesung und Prüfung gefragt wird.
- Vollständiger Leitfaden zum Thema „Körperhaltung des Patienten“ und 3.152 weitere Fachseiten
- Aufgaben und Tests nach jedem Thema – wie beim Kolloquium
- Der KI-Tutor beantwortet Ihre Fragen zum Thema jederzeit
- 113 Videolektionen zum Fach
Weitere Themen des Abschnitts „Allgemeine Untersuchung“
Das Material wurde von Dozenten von WhiteCoat Pro nach dem Lehrplan medizinischer Hochschulen erstellt. Es hat Bildungscharakter.