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Propädeutik · Allgemeine Untersuchung

Allgemeine Untersuchung des Patienten

Inspectio

Die allgemeine Untersuchung ist die allererste und grundlegendste objektive Untersuchungsmethode des Patienten. Die Korrektheit des gesamten weiteren diagnostischen Vorgehens hängt davon ab, wie sorgfältig sie durchgeführt wird.

HauptfertigkeitBeobachtungsgabe und klinischer Blick für verschiedene Pathologien
BeleuchtungSeitenlicht eignet sich am besten zur Beurteilung von Pulsationen und Körperrelief
Häufiger FehlerEine Untersuchung ohne vollständige Entkleidung führt zum Übersehen der Diagnose
AlgorithmusEine strikte Abfolge von 7 obligatorischen Schritten
5 Min. LesezeitFür MedizinstudierendeAktualisiert am 24.09.2026
Material vorbereitet von Redaktion von WhiteCoat Pro gemäß den Lehrmaterialien der PlattformGeprüft von Facharzt/Redakteur: Aulov A. A., Arzt für Innere Medizin · 24.09.2026

Einleitung: Ärztliche Rolle und Einflussfaktoren

Der Erfolg der allgemeinen Untersuchung hängt direkt von der Persönlichkeit des Arztes ab. Zu den wichtigsten persönlichen Eigenschaften einer Fachkraft in dieser Phase gehören extreme Beobachtungsgabe und professionelle Akribie.

Ebenso wichtig ist die gesammelte klinische Erfahrung. Der Arzt benötigt den sogenannten „klinischen Blick“ – die Fähigkeit, visuelle Manifestationen von Pathologien schnell zu erkennen, die sich nur durch die regelmäßige Untersuchung einer großen Anzahl von Patienten herausbildet.

Komfortbedingungen für den Patienten

Die Objektivität der erhobenen Daten hängt maßgeblich davon ab, wie wohl sich der untersuchte Patient fühlt. Der Arzt ist verpflichtet, einige Grundregeln für die Organisation des Prozesses einzuhalten:

  • Temperaturregime: Der Raum, in dem die Untersuchung stattfindet, muss warm sein.
  • Respekt vor dem Patienten: Es ist unbedingt zu vermeiden, dass der Patient über längere Zeit vollständig entkleidet bleibt, um psychisches und physisches Unbehagen zu verhindern.
  • Bequemlichkeit: Während der Untersuchung müssen unbequeme Haltungen vermieden werden, die den Patienten ermüden oder das natürliche Bild verfälschen könnten.
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Technische Bedingungen: Licht und Körperentkleidung

Ein entscheidender technischer Parameter ist die richtige Beleuchtung. Im Behandlungszimmer muss für eine ausreichende Lichtstärke gesorgt werden, wobei jedoch die Besonderheiten verschiedener Lichtquellen zu beachten sind:

  1. Künstliches Licht oder Abendlicht: Weist einen wesentlichen Nachteil auf, da es die Gelbfärbung (Icterus) von Haut und Sklera optisch kaschieren kann.
  2. Seitenbeleuchtung: Wird gezielt eingesetzt, um Reliefveränderungen sichtbar zu machen. Bei diesem Lichteinfall lassen sich Konturen innerer Organe, pathologische Formationen und verschiedene Pulsationen deutlich besser abgrenzen.

Die zweite Grundregel ist die vollständige Entkleidung des Körpers. Der Patient muss sich komplett entkleiden. Das Risiko bei Nichtbeachtung dieser Regel sind schwere diagnostische Fehler. Ein klassisches Praxisbeispiel: Der Arzt sucht möglicherweise erfolglos nach der Ursache eines unklaren Fiebers, weil er schlichtweg eine Wundrose (Erysipel) am Bein übersehen hat, da der Patient Hose oder Socken nicht ausgezogen hatte.

Altersbeurteilung und Untersuchungsalgorithmus

Die Untersuchung beinhaltet stets eine visuelle Altersbeurteilung. Der Arzt gleicht das äußere Erscheinungsbild des Patienten mit dessen tatsächlichem chronologischen Alter ab. Die klinische Bedeutung dieses Abgleichs ist enorm: Sieht der Patient optisch deutlich älter aus als er ist, sollte die Fachkraft umgehend den Verdacht auf schwere chronische Pathologien hegen, die für ein fortgeschritteneres Alter typisch sind.

Der Algorithmus der allgemeinen Untersuchung selbst ist streng strukturiert und umfasst 7 aufeinanderfolgende Elemente:

  1. Beurteilung des Bewusstseinszustands.
  2. Bestimmung der Körperhaltung des Patienten.
  3. Beurteilung des Körperbaus (Konstitution).
  4. Untersuchung des Gesichtsausdrucks.
  5. Typologische Beurteilung der höheren Nerventätigkeit.
  6. Messung der Körpertemperatur.
  7. Erhebung anthropometrischer Daten.

Wichtiger Hinweis: Die detaillierte Inspektion der Haut wird vom Arzt zwar gleichzeitig mit der allgemeinen Untersuchung durchgeführt, in der Krankengeschichte jedoch stets beschrieben und in einen separaten, eigenständigen Abschnitt ausgelagert.

Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema

Welche Arten der Körperhaltung werden bei der allgemeinen Untersuchung unterschieden?

Bei der allgemeinen Untersuchung werden drei Arten der Körperhaltung des Patienten unterschieden.

  • Aktiv: Der Patient wechselt seine Position beliebig, die Haltung ist unabhängig von den Krankheitssymptomen (typisch für die Frühstadien vieler Krankheiten).
  • Passiv: Völlige Bewegungslosigkeit, Kopf und Extremitäten hängen unter der Schwerkraft herab; weist auf einen bewusstlosen Zustand (z. B. urämisches Koma) oder einen extremen Grad der Kachexie hin.
  • Zwangshaltung: Wird bewusst eingenommen, um Symptome zu erleichtern (Schmerzen oder Atemnot zu lindern). Zum Beispiel sitzend mit Fixierung des Schultergürtels bei einem Asthma-bronchiale-Anfall, halbsitzend (Orthopnoe) bei Linksherzinsuffizienz oder auf der erkrankten Seite liegend bei Pleuritis und Paranephritis.

Welche Hauptkonstitutionstypen (Körperbautypen) muss der Arzt bestimmen?

Bei der Untersuchung unterscheidet der Arzt drei Hauptkonstitutionstypen:

  • Asthenisch: Überwiegen der Längsausdehnung, verlängerte schmale Extremitäten, schwache Muskulatur, schmaler und flacher Thorax, spitzer Epigastrikuswinkel.
  • Normosthenisch: Proportionales Verhältnis der Hauptkörpermaße, regelmässiger Bau des Skelett- und Muskelsystems, rechter Epigastrikuswinkel.
  • Hypersthenisch: Breiter Thorax mit fast horizontal verlaufenden Rippen, stumpfer Epigastrikuswinkel.

Einigen Klassifikationen zufolge werden zudem der asthenoide, thorakale, muskuläre, digestive und unbestimmte Typ unterschieden.

Welche Grade der Bewusstseinstrübung werden bei der Beurteilung des Patientenzustands unterschieden?

Man unterscheidet folgende Stadien der Bewusstseinstrübung:

  • Stupor (Erstarrung): Die Fähigkeit, Fragen zu beantworten, ist erhalten, aber die Antworten sind nicht ausreichend sinnvoll.
  • Benommenheit: Die Wahrnehmungsschwelle ist erhöht, die psychischen Prozesse sind verlangsamt, die Orientierung ist gestört. Je nach Ausprägung kann sie mäßig oder tief sein.
  • Sopor: Ein tiefes Stadium der Benommenheit; Reaktionen auf Ansprache fehlen, bleiben jedoch auf Schmerzreize erhalten.
  • Koma: Vollständiger Verlust von Bewusstsein und Reaktionen, Störung der Regulation vitaler Funktionen. Unterteilt in mäßiges, tiefes, übermssiges (bzw. terminales) Koma.

Welche konkreten Indikatoren werden bei der Erhebung anthropometrischer Daten gemessen?

Bei der Erhebung anthropometrischer Daten werden folgende Parameter gemessen:

  • Größe: Wird in Zentimetern gemessen, dient zur Berechnung des Idealfastgewichts und des Proportionalitätsindex.
  • Gewicht (Körpermasse): Wird in Kilogramm bewertet.
  • Body-Mass-Index (BMI): Wird bei jedem Besuch berechnet.
  • Taillenumfang: Wird zusammen mit dem BMI gemessen.
  • Brustumfang: Wird zur Berechnung des Proportionalitätsindex und zur Bestimmung des Konstitutionstyps herangezogen.
Wie man es sich merkt

Verwenden Sie zur Merkhilfe der 7 Algorithmus-Schritte das Akronym SPT-LN-TA: Bewusstsein (Sostojanie), Haltung (Polozhenie), Körperbau (Teloslozhenie) — Gesicht (Litso), Nervensystem (Nervnaja sistema) — Temperatur (Temperatura), Anthropometrie (Antropometrija).

Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen

Warum wird bei der Suche nach Ikterus von künstlicher Beleuchtung abgeraten?

Abend- oder künstliches Licht weist ein spezifisches Spektrum auf, das die Gelbfärbung (Icterus) von Haut und Sklera maskiert, wodurch der Arzt dieses wichtige Symptom übersehen kann.

Wozu dient die Schräglichtbeleuchtung?

Seitenbeleuchtung erzeugt Schatten, wodurch das Relief der Körperoberfläche besser hervortreten kann: Konturen innerer Organe, Raumforderungen und Gefäßpulsationen.

Warum muss der Patient komplett entkleidet werden, wenn er nur über Fieber klagt?

Ohne vollständige Entkleidung ist das Risiko eines diagnostischen Fehlers hoch. So kann beispielsweise eine Wundrose (Erysipel) an der unteren Extremität übersehen werden, die in Wirklichkeit die eigentliche Ursache des Fiebers ist.

In welchem Abschnitt der Krankengeschichte wird der Hautstatus beschrieben?

Obwohl die Haut im Rahmen der allgemeinen körperlichen Untersuchung inspiziert wird, werden diese Befunde in der Krankengeschichte in einem völlig separaten Abschnitt dokumentiert.

Etwas unklar? Fragen Sie die KIDer KI-Tutor hat das Material zum Thema „Allgemeiner Status“ durchgearbeitet und erklärt es in einfachen Worten.

Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt

  • Kriterien zur Beurteilung des Bewusstseinszustands
  • Arten der Lagerung des Patienten im Bett
  • Körpertypen (Konstitutionstypen) und ihre Merkmale
  • Methodik der Erhebung anthropometrischer Daten
  • Beurteilung der höheren Nerventätigkeit bei der Inspektion

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Das Material wurde von Dozenten von WhiteCoat Pro nach dem Lehrplan medizinischer Hochschulen erstellt. Es hat Bildungscharakter.