Lage und Abschnitte
Das Rektum beginnt am Colon sigmoideum auf Höhe des 3. Sakralwirbels und endet am Anus. Entgegen seinem Namen verläuft es keineswegs völlig geradlinig. Im Verlauf bildet der Darm zwei ausgeprägte Krümmungen:
- Kreuzbeinbiegung (Flexura sacralis) — folgt der konkaven Krümmung des Kreuzbeins;
- Dammbiegung (anorektale Krümmung) (Flexura anorectalis) — verläuft nach dorsal (hinten).
Der Durchmesser des Organs ist ungleichmäßig. Anatomisch wird der Darm in zwei Hauptteile unterteilt: den pelvinen Teil und den perinealen Teil (Canalis analis — Analkanal). Im pelvinen Teil erweitert sich der Darm erheblich und bildet die Rektumampulle (Ampulla recti). Genau diese Ampulle dient als physiologisches Reservoir für die Ansammlung von Fäzes, wonach sich der Darm beim Übergang in den Analkanal wieder verengt.
Wandstruktur: Schleimhaut
Die Schleimhaut (Tunica mucosa) des Rektums weist einige grundlegende Unterschiede zum Dünndarm auf. Sie besitzt keinerlei Zotten, enthält jedoch eine große Anzahl von Darmkrypten (Glandulae intestinales).
Das Relief der Schleimhaut verändert sich je nach Abschnitt:
- Im pelvinen Teil bildet sie Querfalten (Plicae transversales recti).
- Im Bereich des Analkanals bilden sich Längserhebungen — die Analpolypen (columnae anales). Zwischen diesen Säulen befinden sich Vertiefungen, die als Analsinus (sinus anales) bezeichnet werden.
Auch die Epithelbekleidung verändert sich von kranial nach kaudal. In den oberen Abschnitten ist die Schleimhaut mit einem einschichtigen Zylinderepithel bedeckt. Weiter unten geht dieses in ein mehrschichtiges plattes, verhorntes Epithel über, und im untersten Bereich, im Bereich der Analhaut, wird das Epithel zu einem mehrschichtigen platten, verhornten Epithel.
Muskelschicht und Schließmuskeln
Die Muskelschicht (Tunica muscularis) des Rektums verliert die für den Dickdarm typischen Merkmale. Die longitudinale Muskelschicht ist hier gleichmäßig verteilt und wird zu einer geschlossenen Schicht — Muskeltaunien (Taeniae) fehlen.
Die zirkuläre Schicht der Muskulatur verdickt sich im Bereich des Analkanals erheblich und bildet den Schließmuskelapparat:
- Innerer Analsphinkter (M. sphincter ani internus) — besteht aus glatter Muskulatur und kontrahiert sich unwillkürlich (unterliegt nicht derwillentlichen Kontrolle).
- Äußerer Analsphinkter (M. sphincter ani externus) — wird durch skeletalmuskuläres (quergestreiftes) Muskelgewebe gebildet und ist ein willkürlicher Sphinkter (unterliegt der willentlichen Kontrolle).
Bezug zum Peritoneum
Die Peritonealbedeckung des Rektums verändert sich entlang seines Verlaufs, was für das Verständnis von Beckeninfektionen und chirurgischen Zugängen von entscheidender Bedeutung ist:
- Der obere Abschnitt ist intraperitoneal von einer Serosa bedeckt (ventral und seitlich).
- Der mittlere Abschnitt ist mesoperitoneal bedeckt (nur ventral).
- Der untere Abschnitt ist vollständig frei von Peritoneum, d. h. er liegt sub- bzw. extraperitoneal.
Blutversorgung und Innervation
Das Rektum weist eine reichliche Blutversorgung auf, die durch drei Arterienpaare aus unterschiedlichen Gefäßprovinzen gewährleistet wird:
- Obere Rektumarterie (A. rectalis superior) — ein Ast der Arteria mesenterica inferior.
- Mittlere Rektumarterien (Aa. rectales mediae) — entspringen der Arteria iliaca interna.
- Untere Rektumarterien (Aa. rectales inferiores) — Äste der Arteria pudenda interna.
Der venöse Abfluss erfolgt über den venösen Plexus des Rektums. Dies ist eine kritische Zone, da sich hier portokavale Anastomosen (Verbindungen zwischen dem Pfortadersystem und den Hohlvenen) bilden.
Die Innervation des Organs erfolgt über das vegetative Nervensystem. Sympathische Fasern stammen aus dem Plexus hypogastricus (Plexus hypogastricus), während die parasympathische Innervation durch Äste der Nervi splanchnici pelvici erfolgt.
Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema
Welche Lymphknoten leiten die Lymphe aus dem Rektum ab?
Der Lymphabfluss aus dem Rektum erfolgt in die viszeralen Lymphknoten des kleinen Beckens und der Bauchhöhle. Dazu gehören:
- Obere Rektumlymphknoten (Nodi lymphoidei rectales superiores) — gehören zur Gruppe der untersten mesenterialen Lymphknoten.
- Perirektale / anorektale Lymphknoten (Nodi lymphoidei...) — gehören zu den viszeralen (organbezogenen) Beckenlymphknoten.
Welche Venen bilden den rektalen Venenplexus?
Der rektale Venenplexus (Plexus venosus rectalis) steht über Abflusswege mit dem Pfortader- und dem unteren Hohlvenensystem in Verbindung:
- Obere Rektumvene (V. rectalis superior) — entspringt dem rektalen Venenplexus und geht in die untere Mesenterialvene (V. mesenterica inferior) über.
- Mittlere Rektumvene (V. rectalis media) — mündet in die Vena iliaca interna (V. iliaca interna).
- Untere Rektumvene (V. rectalis inferior) — leitet das Blut über die Vena pudenda interna (V. pudenda interna) in die Vena iliaca interna ab.
Um sich die Blutungsquellen (Arterien) leicht zu merken, nutzen Sie die Etagenregel: Obere – vom Verdauungstrakt (untere Mesenterialarterie), Mittlere – vom Becken (innere Iliakalarterie), Untere – vom Damm (innere Schamarterie).
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Gibt es im Rektum Muskeltaunien (Taeniae) und Haustren?
Nein, im Gegensatz zum Colon ist die longitudinale Muskelschicht hier durchgehend, weshalb keine Taenien und Haustren vorhanden sind.
Worin unterscheidet sich der innere Sphinkter vom äußeren?
Der innere Analsphinkter besteht aus glatter Muskulatur und ist unwillkürlich. Der äußere wird aus quergestreifter Muskulatur gebildet und wird bewusst kontrolliert (willkürlich).
Was sind Analsinus?
Dies sind Vertiefungen in der Schleimhaut des Analkanals, die zwischen den longitudinalen Erhebungen – den Analsäulen – liegen.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Der Mechanismus der portokavalen Anastomosen des Rektumplexus
- Topographie der Rektumampulle und ihre Syntopie (Nachbarorgane)
- Der histologische Epithelübergang im Analkanal
- Sympathische und parasympathische Regulation des Defäkationsakts
- Faszien und Faszienräume um das Rektum
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