Anmelden
Allgemeinchirurgie

Cholelithiasis und akute Cholezystitis: Diagnostik, Komplikationen und Cholezystektomie

Redaktion von WhiteCoat Pro11. April 2026Aktualisiert am 16. September 20264 Min. Lesezeit
Inhalt · 10 Abschnitte
  1. 1. Epidemiologie und Risikofaktoren
  2. 2. Pathogenese der Steinbildung
  3. 3. Krankheitsformen
  4. 4. Klinisches Bild
  5. 5. Diagnostik
  6. 6. Schweregradklassifikation der akuten Cholezystitis (TG18)
  7. 7. Behandlung
  8. 8. Komplikationen
  9. 9. Postoperativer Verlauf und Komplikationen
  10. 10. FAQ

In Kürze. Cholelithiasis ist die Bildung von Steinen in der Gallenblase und/oder den Gallenwegen. 80 % der Steine sind Cholesterinsteine. Klinik: von asymptomatischer Steinträgerin bzw. asymptomatischem Steinträger bis hin zu Gallenkoliken, akuter Cholezystitis, Choledocholithiasis mit mechanischem Ikterus. Diagnostik – Ultraschall. Therapie – laparoskopische Cholezystektomie. Bei akuter Cholezystitis gemäß TG18 – innerhalb der ersten 72 Std.

1. Epidemiologie und Risikofaktoren

Gallensteinleiden (Cholelithiasis) tritt bei 10–15 % der erwachsenen Bevölkerung in den Industrien Ländern auf. Geschlechterverhältnis F:M = 2–3:1. Altersgipfel — 40–60 Jahre.

Klassische Risikofaktoren («6F»-Regel): Female (weiblich), Forty (vierzig), Fertile (gebärfähig / Multipara), Fat (übergewichtig), Fair (helläugig/hellhäutig), Family history (familiäre Vorbelastung). Zusätzlich: rascher Gewichtsverlust, parenterale Ernährung, Östrogeneinnahme, Diabetes mellitus, Zirrhose, Morbus Crohn mit Ileumresektion.

2. Pathogenese der Steinbildung

Cholesterinsteine (80 %)

Bedingungen für die Entstehung: Übersättigung der Galle mit Cholesterin (bei verminderter Synthese von Gallensäuren oder Phospholipiden), Gallenstase in der Gallenblase, Motilitätsstörung der Gallenblase, Nukleation um Mucin oder Kalziumsalze.

Pigmentsteine (20 %)

  • Schwarze Steine — bei hämolytischen Anämien, Zirrhose (↑ unkonjugiertes Bilirubin).
  • Braune Steine — bei Gallenwegsinfektionen (parasitär, bakteriell), häufiger in den Gallengängen.

3. Krankheitsformen

  • Asymptomatische Cholelithiasis (Gallensteinleiden ohne Klinik) — 60–80 % der Patienten.
  • Chronische kalkulöse Cholezystitis — «latente» Kolik, Dyspepsie nach fettem Essen.
  • Gallenkolik — Schmerzanfall ohne Entzündung.
  • Akute Cholezystitis — Entzündung der Gallenblasenwand: katarrhalisch, phlegmonös, gangränös.
  • Choledocholithiasis — Stein im Ductus choledochus → obstruktiver Ikterus, Cholangitis.
  • Biliäre Pankreatitis — Stein in der Ampulla Vateri mit Abflussstörung des Pankreassekrets.
  • Mirizzi-Syndrom — Kompression des Ductus hepaticus communis durch einen Stein im Gallenblasenhals.

4. Klinisches Bild

Gallenkolik

  • Intensive Schmerzen im rechten Oberbauch / Epigastrium, Ausstrahlung in die rechte Skapula, Schulter.
  • Auslöser — fette, frittierte Speisen.
  • Dauer 30 Minuten bis 6 Stunden.
  • Übelkeit, Erbrechen ohne Linderung.
  • Temperatur normal (im Gegensatz zur akuten Cholezystitis).

Akute Cholezystitis

  • Anhaltende (> 6 h) Schmerzen im rechten Oberbauch.
  • Fieber, Leukozytose, ↑ CRP.
  • Murphy-Zeichen: Unterbrechung der Inspiration bei Palpation im Projektionspunkt der Gallenblase.
  • Ortner-Zeichen (Schmerz beim Klopfen auf den rechten Rippenbogen), Boas-Zeichen.
  • Möglich sind Ikterus (bei begleitender Choledocholithiasis), peritoneale Reizerscheinungen bei Perforation.

5. Diagnostik

MethodeRolle
AbdomensonographieMethode der Wahl: Sensitivität > 95 % für Gallensteine; Zeichen der akuten Cholezystitis — Wandverdickung > 4 mm, perivaskuläre/periveszikale Flüssigkeit, sonografisches Murphy-Zeichen
Kleines BlutbildLeukozytose, Linksverschiebung
Biochemie↑ Bilirubin, alkalische Phosphatase (AP), GGT — Verdacht auf Choledocholithiasis; ↑ Amylase — biliäre Pankreatitis
MRCPNicht-invasive Bildgebung der Gallengänge — bei Verdacht auf Choledocholithiasis
ERCPDiagnostisch + therapeutisch (Papillosphinkterotomie, Steinentfernung)
CTBei Komplikationen (Empyem, Perforation), Diagnostik einer Gangrän

6. Schweregradklassifikation der akuten Cholezystitis (TG18)

SchweregradKriterien
Grad I (leicht)Keine Organfunktionsstörung, keine ausgeprägte lokale Entzündung
Grad II (mittel)Leukozyten > 18 ×10⁹/l, tastbarer Tumor im rechten Oberbauch, Beschwerden > 72 h, lokale Komplikationen (periveszikaler Abszess, Gangrän)
Grad III (schwer)Organdysfunktion: kardiovaskulär, neurologisch, pulmonal, renal, hepatisch, hämatologisch

7. Behandlung

Elektive Cholezystektomie

Indikationen: symptomatisches Gallensteinleiden (Koliken, Dyspepsie), anamnestische Komplikationen, Porzellangallenblase (Karzinomrisiko), Polypen > 10 mm, Kombination mit Diabetes mellitus, Organtransplantation.

Methode der Wahl — laparoskopische Cholezystektomie: 4 Trokare, Konversion zur offenen Operation < 5 %. Vorteile: geringe Traumatisierung, kurzer stationärer Aufenthalt (1–2 Tage), rasche Rehabilitation.

Taktik bei akuter Cholezystitis

  • Hospitalisierung, Nahrungskarenz, Infusionstherapie.
  • Breitspektrum-Antibiotikatherapie: Ceftriaxon + Metronidazol, Piperacillin/Tazobactam.
  • Schmerztherapie (NSAR, bei starken Schmerzen – Tramadol).
  • Frühzeitige laparoskopische Cholezystektomie innerhalb der ersten 72 Std. – Standard bei Grad I–II.
  • Bei Grad III oder Kontraindikationen gegen den Eingriff – sonografisch gesteuerte perkutane Cholezystostomie als „Bridge“ zur elektiven Operation.

Choledocholithiasis

  1. ERCP mit Papillosphinkterotomie und Steinextraktion.
  2. Danach – elektive Cholezystektomie (während desselben oder bei den nächsten stationären Aufenthalten).
  3. Alternative: „Rendez-vous“-Verfahren – intraoperative Cholangiographie mit Steinentfernung in einer Sitzung.

8. Komplikationen

  • Gallenblasenempyem – Eiteransammlung.
  • Gangränöse Cholezystitis mit Perforation → gallige Peritonitis.
  • Cholezystenterische Fistel (mit dem Duodenum) → Gallensteinileus (Bouveret-Syndrom).
  • Cholangitis (Charcot-Trias: Schmerz im rechten Oberbauch, Ikterus, Fieber; Reynolds-Pentade fügt Hypotonie und Bewusstseinsstörung hinzu).
  • Akute biliäre Pankreatitis.
  • Mirizzi-Syndrom (Typ I–V nach McSherry).
  • Gallenblasenkarzinom (5- bis 10-faches Risiko bei „Porzellan-Gallenblase“, langjähriger Lithiasis).

9. Postoperativer Zeitraum und Komplikationen

  • Frühkomplikationen: Blutung, Gallennekrose/Galleleckage, Verletzung des Ductus choledochus (0,1–0,5 %).
  • Spätkomplikationen: Postcholezystektomiesyndrom – Dyspepsie, Diarrhoe, Schmerz im rechten Oberbauch; Ursachen – residuale Choledocholithiasis, Stenose der Papilla Vateri, funktionelle Störungen.

10. FAQ

Muss ein asymptomatischer Steinträger operiert werden?
Nein, in den meisten Fällen. Indikationen für eine elektive Operation: Steine > 3 cm, Polypen > 10 mm, „Porzellan-Gallenblase“, Diabetes mellitus, Immunsuppression, geplante Transplantation.

Können Steine aufgelöst werden?
Nur Cholesterinsteine (< 1,5 cm) bei Patienten mit erhaltene Gallenblasenfunktion durch Präparate der Ursodesoxycholsäure. Erfolg – 30–60 %, Kurdauer – 6–12 Monate. Nach Absetzen – hohe Rezidivrate.

Was ist besser – Laparoskopie oder offene Operation?
Laparoskopie in 95 % der Fälle. Offen – bei schwierigen anatomischen Besonderheiten, vorausgegangenen ausgedehnten Operationen, bei Konversion.

Wie unterscheidet man eine Kolik von einer akuten Cholezystitis?
Eine Kolik klingt innerhalb von 6 Stunden ohne Fieber ab. Bei akuter Cholezystitis dauert der Schmerz > 6 Std. + Fieber + Leukozytose + Sonographiebefunde.

Wann ist eine ERCP indiziert?
Bei bestätigter oder hochgradig verdächtiger Choledocholithiasis (Duktuserweiterung > 7 mm, Bilirubin > 40 µmol/l, Stein in der MRCP), Cholangitis.

Siehe auch: Akutes Abdomen · Peritonitis · Bauchwandhernien · Akute Pankreatitis · Chirurgischer Katalog · Klinische Scores

Das Material hat Bildungscharakter und ersetzt keine ärztliche Beratung. Überprüfen Sie Behandlungs- und Dosierungsschemata anhand der geltenden klinischen Leitlinien.

Arbeiten Sie das Thema im Kurs „Allgemeine Chirurgie“ vollständig durch

Hier ist die Zusammenfassung. Im Kurs finden Sie alles, was in Vorlesung und Prüfung gefragt wird.

  • 3.335 Seiten Skripte zu allen Themen
  • Aufgaben und Tests nach jedem Thema – wie beim Kolloquium
  • Der KI-Tutor beantwortet Ihre Fragen zum Thema jederzeit
  • 70 Videolektionen zum Fach

Pro Thema auf der Plattform

Lesen Sie auch