Grundregel der Thoraxchirurgie
In der operativen Thoraxchirurgie gilt ein unverbrüchliches Gesetz: Jeder Eingriff, der Lungengewebe betrifft, muss mit der Anlage eines Drainagesystems abgeschlossen werden. Die Hauptbedingung ist, dass die Drainagen strikt vor dem Beginn des Wundverschlusses der Brustwand durch den Chirurgen gelegt werden. Dies gewährleistet die Dichtigkeit des Systems und die ordnungsgemäße Funktion der Pleurahöhle in der postoperativen Phase. Die Wahl der Methode, der Anzahl der Schläuche und ihres Saugmodus hängt direkt vom Ausmaß der durchgeführten Resektion ab.
Drainage nach Pneumonektomie
Die Pneumonektomie (vollständige Entfernung der Lunge) erfordert einen spezifischen Ansatz zur Evakuierung des Inhalts.
- Anzahl und Typ: Es wird genau eine Ventildrainage gelegt. Oft arbeitet diese im passiven Abflussmodus oder wird intermittierend durch eine Klemme verschlossen.
- Lokalisation: Der Schlauch wird im 8. Interkostalraum strikt an der hinteren Axillarlinie ausgeleitet.
- Technische Ausstattung: Das äußere Ende des Drainageschlauch muss in ein spezielles Gefäß eingetaucht werden, das mit Antiseptikum gefüllt ist.
- Ventilkonstruktion: In der klinischen Praxis kann der Ventilmechanismus mit einfachen Mitteln hergestellt werden. Hierfür wird beispielsweise erfolgreich ein gewöhnlicher Finger eines chirurgischen Gummihandschuhs verwendet, an dessen Ende ein kleiner Einschnitt vorgenommen wird.
Das Hauptziel einer solchen passiven Drainage besteht in der strengen Kontrolle des sich ansammelnden Exsudats und, was von entscheidender Bedeutung ist, in der Aufrechterhaltung der korrekten Position (Lage) der Mediastinalorgane.
Drainage nach partieller Lungenresektion
Partielle Resektionen wie die Lobektomie (Entfernung eines Lungenlappens) oder Segmentektomie (Entfernung eines Segments) verändern die Taktik des Pleurahöhlenmanagements grundlegend. Der verbleibende Teil der Lunge muss sich entfalten können, weshalb ein völlig anderer Modus zur Evakuierung von Luft und Flüssigkeit erforderlich ist.
- Anzahl der Schläuche: In diesem Fall werden zwei Drainagen gelegt. Eine zwingende Anforderung an diese ist das Vorhandensein mehrerer Seitenöffnungen zur maximalen Erfassung des Sekrets.
- Topographie der Anlage:
- Die erste Drainage wird entlang der hinteren Pleurahöhlenwand platziert.
- Die zweite Drainage wird entlang der vorderen Wand positioniert.
- Arbeitsmodus: Im Gegensatz zur Pneumonektomie wird hier ausschließlich ein System zur kontinuierlichen aktiven Absaugung (Aspiration) verwendet.
Das Schema mit zwei aktiven Schläuchen ermöglicht eine schnellstmögliche und effiziente Evakuierung sowohl von Luft als auch von angesammelter Flüssigkeit, wodurch die Entfaltung des verbleibenden Lungengewebes sichergestellt wird.
Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema
Welche Anforderungen werden an die Konstruktion von Drainageschläuchen gestellt, die nach einer partiellen Lungenresektion eingelegt werden?
Nach einer partiellen Lungenresektion (Lobektomie oder Segmentektomie) werden Drainageschläuche mit mehreren Seitenöffnungen verwendet. Es ist die Anlage von zwei solchen Drainagen erforderlich: eine wird entlang der hinteren Wand der Pleurahöhle platziert, die andere entlang der vorderen Wand. Beide Drainagen werden obligatorisch an ein System zur kontinuierlichen aktiven Absaugung für eine effiziente Aspiration angeschlossen.
Welche chirurgischen Instrumente gehören zu einem Standardset für die Pleuradrainage?
Für die Anlage einer Pleuradrainage werden ein Skalpell, ein breiter Trokar und der Drainageschlauch selbst verwendet. Mit dem Skalpell wird ein Hautschnitt vorgenommen, wonach der Interkostalraum mit dem breiten Trokar punktiert wird. Der Drainageschlauch wird direkt durch die Trokarhülse eingeführt, welche anschließend entfernt wird. Zur Fixierung des Schlauchs an der Haut werden Nahtmaterial oder Heftpflasterstreifen verwendet.
Worin besteht die klassische Technik der Pleuradrainage nach Bülau?
Die klassische Technik der passiven Drainage nach Bülau besteht in der Verwendung eines Unterwasserventils, das den Rückfluss von Luft oder Flüssigkeit in die Pleurahöhle verhindert.
- Ventil – auf das Ende des Drainageschlauchs wird ein Gummihandschuhfinger mit eingeschnittenem Ende gesteckt.
- Antiseptische Barriere – der Schlauch mit dem Ventil wird in ein Gefäß mit antiseptischer Lösung eingetaucht.
Der Wirkmechanismus beruht darauf, dass das Ventil Eiter und Luft ungehindert nach außen entweichen lässt, während es sich beim Einatmen, wenn Unterdruck erzeugt wird, kollabiert und hermetisch schließt.
Welche intraoperativen Komplikationen können direkt während der Drainagenanlage in die Pleurahöhle auftreten?
Direkt bei der Punktion der Brustwand zum Zugang in die Pleurahöhle können folgende intraoperative Komplikationen auftreten:
- Verletzung innerer Organe – Risiko der Traumatisierung von Lunge, Zwerchfell, Leber, Milz oder Magen bei fehlerhafter Einführung des Instruments.
- Verletzung des Neurovaskulärbündels – tritt bei falscher Wahl des Punktionspunkts auf (nicht am Oberrand der darunter liegenden Rippe).
- Pneumothorax oder Pyopneumothorax – entwickelt sich bei Eindringen von Athmosphärenluft in die Höhle infolge von Systemundichtigkeit.
Was sind die objektiven klinischen und röntgenologischen Kriterien für die Entfernung einer Pleuradrainage?
In den Quellen sind Kriterien für die Entfernung der Pleuradrainage für bestimmte klinische Situationen aufgeführt.
Bei Pneumothorax bei Kindern:
- kein Luftaustritt über mehr als 24 Stunden;
- Lungenentfaltung im Röntgenbild.
Bei Hämothorax bei Erwachsenen:
- kein Luftverlust;
- keine röntgenologischen Zeichen eines koagulierten Hämothorax;
- Exsudationsvolumen von weniger als 200 ml/24h.
Zur schnellen Einprägung der Anzahl der Drainagen: „Ganze Lunge entfernt (1 Organ) – wir legen 1 Drainage zur Kontrolle. Teil entfernt (Gewebe verbleibt) – wir legen 2 Drainagen (vorne und hinten) zur aktiven Unterstützung“.
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
In welche Lösung muss der Schlauch bei der Anlage einer Ventildrainage eingetaucht werden?
Der Schlauch wird obligatorisch in ein mit Antiseptikum gefülltes Gefäß eingetaucht.
Was ist die genaue Lokalisation der einzigen Drainage nach einer Pneumonektomie?
Sie wird im 8. Interkostalraum an der hinteren Axillarlinie platziert.
Welcher Saugmodus des Drainagesystems ist nach Lobektomie und Segmentektomie indiziert?
Beide gelegten Drainagen müssen an ein System zur kontinuierlichen aktiven Absaugung (Aspiration) angeschlossen werden.
Aus welchen Materialien lässt sich ein einfachstes Ventil für eine Drainage herstellen?
Es kann ein Finger eines Gummihandschuhs mit eingeschnittenem Ende verwendet werden.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Anatomische Leitstrukturen: Interkostalräume und Axillarlinien
- Physiologie der Mediastinallage nach Lungenentfernung
- Mechanik der kontinuierlichen aktiven Absaugung (Aspiration)
- Unterschiede zwischen Exsudat und Luft in der Pleurahöhle
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