Allgemeine Transfusionsregeln
Gemäß den geltenden Vorschriften ist dem Empfänger ausschließlich blutgruppengleiches Blut zu verabreichen, das in den Antigensystemen AB0, Rhesus und Kell vollständig identisch ist. Das Konzept des „Universalspenders“ gilt in der modernen Praxis als veraltet und wird nicht mehr angewendet.
Die einzige Ausnahme wird in Notfallsituationen zugelassen, in denen die Blutgruppe des Patienten nicht ermittelt werden kann. In diesem Fall ist die Verwendung von Erythrozyten der Nullgruppe (nach AB0, Rhesus und Kell) zulässig. Vor der Transfusion von Zellkomponenten (Erythrozytenkonzentrat, Thrombozytenkonzentrat) wird zwingend ein kleines Blutbild (OAK) angeordnet.
Obligatorische Schritte vor laufe der Transfusion
Der Arzt darf sich nicht nur auf die Angaben in den medizinischen Dokumenten verlassen und ist verpflichtet, die Blutgruppe sowohl des Spenders als auch des Empfängers persönlich zu überprüfen.
Danach wird die Probe auf individuelle Kompatibilität durchgeführt:
- Auf einen Objektträger werden 2 Tropfen Empfängerserum (Plasma ohne Fibrinogen) und 1 Tropfen Spendererythrozyten gegeben.
- Trat eine Agglutination (Verklumpung der Erythrozyten) auf, ist die Transfusion strengstens untersagt.
- Das Ausbleiben einer Agglutination ermöglicht den Übergang zum nächsten Schritt.
Das Ausbleiben einer Reaktion auf dem Objektträger garantiert keine vollständige Sicherheit im Körper aufgrund von Unterschieden in Volumen, Temperatur und pH-Wert, weshalb der nächste obligatorische Schritt die biologische Probe ist.
Biologische Probe und direkte Transfusion
Die biologische Probe wird unmittelbar vor der Infusion des gesamten Blutvolumens durchgeführt.
- Dem Patienten werden ca. 10 ml Blut in 3 Minuten verabreicht.
- Die Transfusion wird gestoppt und der Zustand des Patienten 3 Minuten lang beobachtet.
- Bei Inkompatibilität tritt eine Stressreaktion auf (Veränderung von Puls, Blutdruck, Atemfrequenz, Temperaturanstieg, Schwitzen).
- Dieser Vorgang wird noch zweimal wiederholt. Die Transfusion wird nur fortgesetzt, wenn keine negativen Reaktionen auftreten.
Direkte Bluttransfusion – unmittelbare Transfusion vom Spender zum Empfänger im Spritzenverfahren. Heutzutage wird diese Methode selten angewendet. Indikationen sind Hämophilie mit anhaltender Blutung, Gerinnungsstörungen (Afibrinogenämie, akute Fibrinolyse, Thrombozytopenie) und traumatischer Schock III. Grades bei einem Blutverlust von über 25–50 % des zirkulierenden Blutvolumens (ÖZK), falls Konservenblut unwirksam ist.
In den ersten drei Spritzen wird bei der direkten Transfusion Natriumcitratlösung (2 ml einer 4%igen Lösung) verwendet, um eine Gerinnung zu verhindern, und das Blut wird langsam verabreicht (eine Spritze in 2 Minuten) – dies ist die biologische Probe bei dieser Methode.
Zum Merken des Verhältnisses bei der Objektträgerprobe: 2 Tropfen vom Patienten (er ist größer, nimmt auf), 1 Tropfen vom Spender (er gibt einen Teil ab).
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Darf man Blut übertragen und sich dabei nur an die Einträge in der Krankengeschichte orientieren?
Nein, der Arzt ist verpflichtet, die Blutgruppe von Spender und Empfänger vor jeder Transfusion eigenständig gegenzuprüfen.
Warum kann die Objektträgerprobe negativ sein, aber im Körper eine Reaktion auftreten?
Dies liegt an den unterschiedlichen Blutvolumina (Tropfen auf dem Objektträger vs. Milliliter in der Vene) sowie an Unterschieden in Temperatur und Säuregrad (pH-Wert) des Milieus.
Welche Parameter werden nach einer Bluttransfusion überwacht?
Nach 1–2 Stunden werden Puls, Blutdruck, Temperatur, Atmung und Hautfarbe beurteilt. Besonderes Augenmerk gilt der Diurese und der Urinfarbe, da freies Hämoglobin die Nieren schädigen kann.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Besonderheiten der Durchführung einer direkten Transfusion (Spendervorbereitung)
- Indikationen für die Verwendung verschiedener Blutkomponenten
- Pathogenese der Stressreaktion bei Transfusion von inkompatiblem Blut
- Ursachen für das Auftreten eines akuten Nierenversagens nach der Transfusion
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Weitere Themen des Kapitels „KAPITEL 6. BLUTTRANSFUSION“
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