Anmelden
Kieferchirurgie · Kapitel 4: Schmerzausschaltung in der Kieferchirurgie (S.A. Rabinowitsch, S.T. Sochow)

Leitungsanästhesie am Stamm (Stammanästhesie)

Stammanästhesie im Unterkieferbereich zielt darauf ab, die Leitfähigkeit großer Nervenstämme auszuschalten. Ein Hauptbeispiel ist die Mandibularanästhesie, deren Ziel die Ausschaltung des Nervus alveolaris inferior und des Nervus lingualis direkt am Foramen mandibulae ist.

ZielBlockade des Nervus alveolaris inferior und des Nervus lingualis
Eintrittszeit5 bis 10 Minuten bei Verwendung moderner Anästhetika
KontrolleZwingende Durchführung einer Aspirationstestung vor der Injektion
DauerBis zu 1,5 Stunden (abhängig von Präparat und Vasokonstriktor)
5 Min. LesezeitFür MedizinstudierendeAktualisiert am 25.09.2026
Material vorbereitet von Redaktion von WhiteCoat Pro gemäß den Lehrmaterialien der PlattformGeprüft von Facharzt/Redakteur: Aulov A. A., Arzt für Innere Medizin · 24.09.2026

Techniken der Mandibularanästhesie

Um die Zielregion am Foramen mandibulae zu erreichen, werden in der klinischen Praxis verschiedene Zugänge angewendet. Die Wahl der Methode hängt von den anatomischen Besonderheiten des Patienten und der klinischen Situation ab.

Die Hauptwege zur Durchführung der Mandibularblockade umfassen:

  • Intraoraler Zugang. Wird von der Mundhöhle aus durchgeführt. Dies kann auf zwei Wegen erfolgen: palpatorisch (unter obligatem Ertasten anatomischer Leitstrukturen mit dem Finger) oder apodaktil (ohne Palpation, gestützt auf visuelle Orientierungspunkte).
  • Extraoraler Zugang. Erfolgt durch die Gesichtshaut in Fällen, in denen der intraorale Weg unmöglich oder erschwert ist.

Algorithmus der intraoralen Methode mit Palpation

Die palpatorische Methode erfordert ein klares Verständnis der topografischen Anatomie des Unterkieferastes und eine korrekte Handhabung durch den Behandler. Der Erfolg des Eingriffs hängt direkt von der Einhaltung der Handlungsreihenfolge ab.

Vorbereitung und Bestimmung der Orientierungspunkte:

  1. Der Patient sollte den Mund so weit wie möglich öffnen, um dem Arzt einen uneingeschränkten Zugang und eine Spannung der Weichgewebe zu ermöglichen.
  2. Der Behandler führt den Zeigefinger in die retromolare Grube des Patienten ein.
  3. In diesem Bereich muss der vordere Rand des Unterkieferastes deutlich ertastet werden – dies ist der Hauptorientierungspunkt für den anschließenden Einstich.

Positionierung der Spritze und Einstichstelle:

  • Die Spritze wird initial im Mundwinkel der Gegenseite des Unterkiefers positioniert, streng auf Höhe des zweiten Prämolaren (kleinen Backenzahns).
  • Die Einstichstelle der Kanüle befindet sich 1 cm dorsal der Nagelgliedmaße des Zeigefingers des Behandlers, welcher die retromolare Grube fixiert.
  • In der Höhe erfolgt der Einstich 1 cm oberhalb der Kauflächen der großen Backenzähne (unteren Molaren). Die Kanüle wird senkrecht bis zum Knochenkontakt eingeführt.
Überprüfen Sie Ihr Wissen zu diesem ThemaAufgaben aus dem Kursbank-Modul „Chirurgische Zahnheilkunde“ — direkte Antwort und Analyse.

Vorschieben der Kanüle und Injektionstechnik

Die Verabreichung des Lokalanästhetikums erfolgt schrittweise, während die Kanüle tiefer in das Gewebe vorgeschoben wird. Dies ermöglicht eine nacheinander folgende Ausschaltung der benötigten Nervenstämme.

Phasen der Applikation:

  1. Blockade des Nervus lingualis. Beim Vorschieben der Kanüle auf eine Tiefe von 0,75–1,5 cm gibt der Behandler die erste kleine Portion des Präparats ab – etwa 0,2 ml.
  2. Knochenkontakt. In einer Tiefe von 1,5–2 cm erreicht die Kanülenspitze die Knochenoberfläche, wo die nächste Portion der Lösung injiziert wird.
  3. Änderung des Vektors. Die Spritze wird zur Frontzahngruppe (Schneidezähnen) verlagert, wonach die Kanüle weiter in die Tiefe vorgeschoben wird, wobei sie direkt am Knochen entlanggleitet. Die Gesamteinführungstiefe erreicht in dieser Phase 2,0–2,5 cm.
  4. Hauptinjektion. Vor der Verabreichung des Hauptvolumens des Präparats wird obligat eine Aspirationstestung durchgeführt, um eine intravasale Fehllage der Kanüle auszuschließen. Nur bei negativem Aspirationsbefund wird das restliche Anästhetikum in einem Volumen von bis zu 1,8 ml injiziert.

Beurteilung der Anästhesiewirksamkeit

Die Wirkung des Präparats tritt bei der Mandibularanästhesie nicht sofort ein, weshalb der Behandler in der Lage sein muss, objektive und subjektive Anzeichen des Eintritts der Blockade zu beurteilen.

Wirkungscharakteristik:

  • Wirkungseintritt: Bei Verwendung moderner Lokalanästhetikalösungen tritt eine tiefe Anästhesie 5 bis 10 Minuten nach der Injektion ein.
  • Dauer: Die Wirkung hält bis zu 1,5 Stunden an. Die genaue Zeit hängt von der Art der gewählten Lösung und der Konzentration des darin enthaltenen Vasokonstriktors (gefäßverengenden Bestandteils) ab.
  • Subjektive Empfindungen des Patienten: Das erste Anzeichen einer erfolgreichen Blockade ist eine Empfindlichkeitsänderung in der entsprechenden Hälfte der Unterlippe. Patienten beschreiben dies als ein Gefühl ausgeprägter Taubheit, das Auftreten von lokaler Kälte, Kribbeln oder ein „Ameisenlaufen“-Gefühl.

Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema

Welche anatomischen Regionen und Zähne werden vom Nervus alveolaris inferior innerviert?

  • Unterkieferzähne – alle Zähne der entsprechenden Unterkieferhälfte.
  • Alveolarfortsatz – der Alveolarfortsatz und teilweise der Unterkieferkörper.
  • Schleimhaut – die Schleimhaut vestibulär und labial vom letzten Zahn bis zur Mittellinie sowie die Schleimhaut der Unterlippe.
  • Haut – die Haut des Kinns auf der Anästhesieseite.

Der Nervus alveolaris inferior ist der größte Ast des Nervus mandibularis. Seine intraossäre Fortsetzung nach dem Foramen mentale sorgt für die Innervierung der Schneidezähne und des Eckzahns.

Was sind die visuellen anatomischen Orientierungspunkte für die Durchführung der apodaktilen Methode der Mandibularanästhesie?

  • Pterygotandibuläre Falte (plica pterigomandibularis) – der Hauptorientierungspunkt, der medial der Crista temporalis liegt.
  • Äußerer Abhang der pterygomandibulären Falte – die konkrete Einstichstelle an der Grenze des oberen und mittleren Drittels ihrer Länge.
  • Beziehung zu den Zähnen – das vertikale Einstichniveau liegt 1 cm oberhalb der Kaufläche der unteren Molaren oder in der Mitte des Abstands zwischen den Kauflächen der oberen und unteren Molaren.

Als Orientierungspunkt dient die pterygomandibuläre Falte ohne vorherige Palpation der Knochenstrukturen.

Wie ist die Technik zur Durchführung des extraoralen Verfahrens der Mandibularanästhesie?

  • Einstichstelle – Bereich der Unterkieferbasis, 1,5 cm anterior des Unterkieferwinkels.
  • Kanülenverlauf – die Kanüle wird an der Innenseite des Unterkieferastes parallel zu dessen hinterem Rand nach oben vorgeschoben.
  • Obligatorische Bedingung – ständigen Knochenkontakt der Kanüle während des gesamten Vorschiebens aufrechtzuerhalten.
  • Vorschubtiefe – die Kanüle wird 3,5–4 cm zur Blockade des Nervus alveolaris inferior und einen weiteren Zentimeter zur Ausschaltung des Nervus lingualis vorgeschoben.
  • Dosierung – es werden 2 ml Anästhetikum injiziert.

Welche Komplikationen können bei der Durchführung der Mandibularanästhesie auftreten?

  • Muskuläre Komplikationen – Taubheitsgefühl im Rachenraum und Verletzung des Musculus pterygoideus medialis, was zur Entwicklung einer Unterkieferkontraktur führt.
  • Vaskuläre Komplikationen – Verletzung von Blutgefäßen, Bildung von Hämatomen, intravasale Applikation des Präparats und das Auftreten von Ischämiebezirken auf der Haut.
  • Neurologische Komplikationen – Neuritiden bei mechanischer Schädigung des Nervus lingualis und Nervus alveolaris inferior sowie Parese der Gesichtsmuskulatur infolge der Blockade von Ästen des Nervus facialis.
  • Mechanische Komplikationen – Bruch der Injektionskanüle bei abrupter Änderung ihrer Richtung.

Worin unterscheidet sich die Mandibularanästhesie von der Torusanästhesie nach Weisbrem?

MerkmalMandibularanästhesieTorusanästhesie nach Weisbrem
ZielpunktForamen mandibulae (foramen mandibulae)Unterkieferwulst (torus mandibulae)
Blockierte NervenNervus alveolaris inferior und Nervus lingualisNervus alveolaris inferior, Nervus lingualis und Nervus buccalis
EinstichstelleOberhalb der Kauebene der Molaren am Crista temporalisSchnittpunkt von horizontaler und vertikaler Linie an der Falte
TechnikTiefe Kanülenführung bei Verlagerung der Spritze zu den InzisivenDie Kanüle wird bis zum Knochenkontakt in eine Tiefe von 0,2 bis 2 cm vorgeschoben
Wie man es sich merkt

Einstichstelle bei der palpatorischen Methode: „1 cm nach hinten, 1 cm nach oben“ (vom Fingernagel bzw. der Kauebene der Molaren).

Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen

Warum muss vor Erreichen des Endpunkts ein Teil des Anästhetikums abgegeben werden?

In geringer Tiefe (0,75–1,5 cm) wird das Anästhetikum speziell zur Blockade des Nervus lingualis injiziert, der oberflächlicher liegt als der Nervus alveolaris inferior.

Was passiert, wenn kein Aspirationstest durchgeführt wird?

Ein Aspirationstest ist zwingend erforderlich. Ohne diesen besteht ein hohes Risiko einer intravaskulären Injektion des gesamten Volumens (bis zu 1,8 ml) des Anästhetikums, was zu systemischen toxischen Reaktionen führen kann.

Worauf merkt der Patient, dass die Anästhesie wirkt?

Das Hauptsymptom ist das Einsetzen eines Taubheitsgefühls, von Ameisenlaufen, Kälte und Kribbeln in der entsprechenden Unterlippenhälfte. Dies tritt im Durchschnitt nach 5–10 Minuten auf.

Etwas unklar? Fragen Sie die KIDer KI-Tutor hat das Material zum Thema „Leitungsanästhesie“ durchgearbeitet und erklärt es in einfachen Worten.

Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt

  • Technik der apodaktilen intraoralen Methode
  • Extraorale Methoden zur Anästhesie des Nervus alveolaris inferior
  • Auswahl des Lokalanästhetikums und der Vasokonstriktorkonzentration
  • Mögliche Komplikationen bei Ausbleiben des Aspirationstests

Arbeiten Sie das Thema komplett im Kurs „Oralchirurgie“ durch

Hier ist die Zusammenfassung. Im Kurs finden Sie alles, was in Vorlesung und Prüfung gefragt wird.

  • Vollständiges Skript zum Thema „Leitungsanästhesie“ und 866 weitere Fachseiten
  • Aufgaben und Tests nach jedem Thema – wie beim Kolloquium
  • Der KI-Tutor beantwortet Ihre Fragen zum Thema jederzeit
  • 28 Videolektionen zum Fach

Weitere Themen aus dem Kapitel „Kapitel 4: Schmerzausschaltung in der Kieferchirurgie (S.A. Rabinowitsch, S.T. Sochow)“

Das gesamte Kapitel „Kapitel 4: Schmerzausschaltung in der Kieferchirurgie (S.A. Rabinowitsch, S.T. Sochow)“

Das Material wurde von Dozenten von WhiteCoat Pro nach dem Lehrplan medizinischer Hochschulen erstellt. Es hat Bildungscharakter.