Empfohlene Anästhesieverfahren
In der klinischen Routine liegt die Priorität auf Techniken, die maximale Patientensicherheit und Komfort für den Behandler gewährleisten. Intraorale Methoden sowie die Applikation des Anästhetikums am Vorderand des Unterkieferastes gelten als am zuverlässigsten.
Unter den intraoralen Leitungsanästhesien des Nervus alveolaris inferior zeigen folgende Techniken die höchste Effizienz:
- Gow-Gates-Anästhesie (Gow-Gates) — wird ausschließlich unter der Voraussetzung angewendet, dass der Patient den Mund frei öffnen kann.
- Anästhesie nach P.M. Egorov — erfordert ebenfalls eine uneingeschränkte Mundöffnung zur korrekten Durchführung.
- Vazirani-Akinosi-Anästhesie (Vazirani-Akinosi) — ist die Methode der Wahl in klinischen Situationen, in denen die Mundöffnung des Patienten eingeschränkt ist.
Warum sind intraorale Methoden (Gow-Gates) dem submandibulären Zugang vorzuziehen?
Um den Wert der Gow-Gates-Anästhesie zu verstehen, müssen die Nachteile alternativer extraoraler Zugänge betrachtet werden. Der submandibuläre Zugang wurde historisch bei erschwerter Mundöffnung empfohlen. Technisch bedeutet dies das Vorschieben der Kanüle in ständigem Kontakt mit der Innenseite des Unterkieferastes, bis der Nervus alveolaris inferior erreicht ist. Dieser Ansatz ist jedoch mit einigen ernsthaften Problemen verbunden.
Erstens stößt der Behandler häufig auf technische Schwierigkeiten. Einen zuverlässigen Knochenkontakt der Kanüle herzustellen ist bei Kindern sowie bei adipösen Patienten mit kurzem Hals aufgrund des Verlusts anatomischer Orientierungspunkte extrem unpraktisch und schwierig. Zweitens kommt es bei Patienten mit ausgeprägter Tuberositas an der Innenseite des Unterkieferastes (im Bereich des Muskelansatzes) zu einer unkontrollierten Ablenkung oder Deviation der Kanüle.
Die bedeutendste und unvermeidliche Komplikation des submandibulären Zugangs ist die Verletzung des Musculus pterygoideus medialis. Die Schädigung dieser Struktur ist die Hauptursache für die Entstehung eines Trismus — der Kiefersperre oder starken Bewegungseinschränkung des Kiefers. Das Ergebnis ist eine paradoxe Situation: Eine Methode, die bei eingeschränkter Mundöffnung angewendet wird, schafft selbst zusätzliche Ursachen, die diese Einschränkung aufrechterhalten.
Gefahren des Zugangs am hinteren Rand des Unterkieferasts
Eine weitere historische Variante — der Zugang am hinteren Rand des Unterkieferastes — veranschaulicht ebenfalls die Vorteile sicherer intraoraler Techniken. Bei Verwendung dieses posterioren Zugangs verläuft die Kanülenbahn unweigerlich durch das Weichgewebe der Glandula parotidea.
Dieser anatomische Bereich birgt kritische Strukturen:
- Die Arteria carotis externa.
- Äste des Nervus facialis.
Das Risiko einer Verletzung dieser Elemente ist beim posterioren Zugang extrem hoch. Beschädigt die Kanüle Äste des Nervus facialis, entwickelt der Patient rasch eine schwerwiegende Komplikation — eine Kontraktur der Gesichtsmuskulatur. Genau wegen dieser enormen Risiken und der Schwere möglicher Folgen hat sich dieses Anästhesieverfahren in der modernen klinischen Praxis nicht durchgesetzt und ist zuverlässigen intraoralen Blockaden wie der Gow-Gates-Methode gewichen.
Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema
Welche intraoralen und extraoralen anatomischen Orientierungspunkte gibt es für den Einstich bei der Gow-Gates-Anästhesie?
Als intraorale und extraorale anatomische Orientierungspunkte für den Einstich dienen der Collum mandibulae, der Tragus und die Spatium pterygomandibulare.
- Extraorale Orientierungspunkte — der Zeigefinger wird vor dem Tragus oder im äußeren Gehörgang platziert, um die Bewegung des Gelenkfortsatzes zu palpieren.
- Intraorale Orientierungspunkte — der Einstich erfolgt in die spamaulgebundene Vertiefung (pterygomandibulärer Raum), medial der Sehne des Musculus temporalis. Der primäre anatomische Orientierungspunkt ist der Collum mandibulae.
Welche Äste des Nervus mandibularis werden bei der Gow-Gates-Anästhesie blockiert?
Bei der Gow-Gates-Anästhesie werden mit einer Injektion blockiert:
- Nervus alveolaris inferior;
- Nervus lingualis;
- Nervus mylohyoideus;
- Nervus auriculotemporalis;
- Nervus buccalis — in 65–75 % der Fälle.
Wie beschreibt sich die Kanülenführungstechnik bei der Vazirani-Akinosi-Anästhesie?
Bei der Vazirani-Akinosi-Anästhesie wird ein intraoraler Zugang bei geschlossenem Kiefer verwendet. Die Kanüle wird vom Vorderrand des Unterkieferastes aus eingeführt. Die Methode wird zur Blockade des Nervus alveolaris inferior und anderer sensibler Äste des Nervus mandibularis bei Trismus angewendet.
Welche spezifischen Komplikationen können direkt während der Durchführung der Gow-Gates-Anästhesie auftreten?
Bei der Durchführung der Gow-Gates-Anästhesie treten lokale postinjektionsbedingte Komplikationen äußerst selten auf. Zu den möglichen Komplikationen gehören:
- Hämatom;
- eingeschränkte Mundöffnung (Trismus).
Als Merkhilfe für die Indikationen: Gow-Gates und Egorov mögen „geöffnete Türen“ (freie Mundöffnung), während Vazirani-Akinosi in der „Enge“ arbeitet (bei eingeschränkter Mundöffnung).
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
In welchen Fällen ist die Gow-Gates-Anästhesie indiziert?
Sie wird als eine der effektivsten intraoralen Methoden zur Blockade des Nervus alveolaris inferior unter der Bedingung einer freien Mundöffnung des Patienten eingesetzt.
Was tun, wenn der Patient den Mund nicht öffnen kann?
In einer solchen Situation sind die Techniken nach Gow-Gates und Egorov nicht geeignet. Es wird empfohlen, die intraorale Blockade nach Vazirani-Akinosi zu verwenden.
Warum wird der submandibuläre Anästhesiezugang heute selten genutzt?
Er verletzt unweigerlich den Musculus pterygoideus medialis, was zu einem Trismus führt, und ist zudem bei Kindern und Patienten mit kurzem Hals technisch schwierig.
Welche Gefahren birgt der Zugang am hinteren Rand des Unterkieferastes?
Das Durchtreten der Kanüle durch die Glandula parotidea birgt ein hohes Risiko einer Schädigung der Arteria carotis externa und der Äste des Nervus facialis, was zu einer Kontraktur der Gesichtsmuskulatur führt.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Topografische Anatomie des Unterkieferastes und des Vorderrands
- Technik der Leitungsanästhesie nach P.M. Egorov
- Technik der Vazirani-Akinosi-Anästhesie bei Trismus
- Entstehungsmechanismus der Gesichtsmuskulaturkontraktur bei Verletzung von Gesichtsnervästen
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