Topographie und äußerer Aufbau des Eierstocks
Anatomisch liegt der Eierstock direkt an der Seitenwand des kleinen Beckens. Bei einer Sichtuntersuchung lässt sich dieses Organ dank seiner spezifischen abgeflachten ovalen Form und seines charakteristischen weißlich-grauen Farbtons leicht identifizieren.
Zur leichteren Beschreibung werden in der Anatomie des Eierstocks mehrere wichtige Orientierungspunkte unterschieden. Erstens besitzt das Organ zwei klar abgegrenzte Flächen:
- die mediale Fläche (Facies medialis), die in die Beckenhöhle weist;
- die laterale Fläche (Facies lateralis), die der Beckenwand anliegt.
Zweitens werden zwei Ränder unterschieden, die den Umriss der Drüse bilden:
- der vordere oder Gekröserrand (Margo mesovaricus), mit dem das Organ am Mesovarium befestigt ist;
- der hintere Rand, der völlig frei ist.
Schließlich besitzt der Eierstock zwei Pole (Enden), die auf seine anatomischen Verbindungen zu benachbarten Strukturen hinweisen: das Tubenende (Extremitas tubaria) und das Uterusende (Extremitas uterina).
Kapsel und inneres Gewebe
Die Oberfläche der Drüse wird durch mehrere Schichten geschützt. Die äußerste Schicht wird durch das Oberflächenepithel gebildet. Unmittelbar darunter liegt die robuste Tunica albuginea des Eierstocks (Tunica albuginea ovarii), die dem Organ seine Farbe und Form verleiht.
Im Schnitt unterteilt sich das innere Gewebe des Organs klar in zwei funktionell und morphologisch unterschiedliche Zonen:
- Rindenrinde (Cortex ovarii) (Cortex ovarii) – liegt weiter außen und enthält Follikel in verschiedenen Entwicklungsstadien.
- Mark (Medulla ovarii) (Medulla ovarii) – nimmt den zentralen Teil des Organs ein und zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an Blutgefäßen und Nervenfasern aus, die die Trophik und Innervation der Drüse sicherstellen.
Follikelapparat und Gelbkörper
Während des reproduktiven Zyklus durchlaufen die Follikel in der Rinde eine Reihe aufeinanderfolgender Entwicklungsstadien. Ein vollständig gereifter, ovulationsreifer Follikel wird als reifer Follikel (Folliculus ovaricus vesiculosus) bezeichnet.
Nach der Ovulation (Freisetzung der Eizelle) bildet sich an der Stelle des geplatzten Follikels eine neue temporäre Struktur – der Gelbkörper (Corpus luteum). Je nachdem, ob eine Befruchtung stattgefunden hat, kann er sich auf einem von zwei Wegen entwickeln:
- sich zum menstruellen Gelbkörper entwickeln;
- sich in ein Gelbkörper der Schwangerschaft (Corpus luteum graviditatis) umwandeln, der über einen längeren Zeitraum erhalten bleibt.
Eierstockanhänge
Neben der eigentlichen Geschlechtsdrüse finden sich im Bereich des breiten Mutterbandes spezifische rudimentäre Gebilde, die anatomisch und embryologisch eng mit dem Eierstock verbunden sind. Dazu gehören:
- das Epoophoron (Nebeneierstock) (Epoöphoron);
- das Paroophoron (Paroöphoron).
Aus Sicht der embryonalen Entwicklung haben diese Anhänge im erwachsenen Organismus keine aktive Funktion, da sie lediglich Überreste von Mesonephrostäbchen darstellen, die während der Ausbildung des Geschlechtsapparates erhalten geblieben sind.
Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema
Welche Gefäße versorgen den Eierstock mit Blut und wo entsprungen sie?
Die Blutversorgung des Eierstocks erfolgt durch zwei Hauptarterien, die untereinander eine Anastomose bilden.
- Die Eierstockarterie (A. ovarica) entspringt der Bauchaorta auf Höhe von L1 (seltener der Nierenarterie).
- Die Eierstockäste (Rr. ovarici) entspringen der Uterusarterie (A. uterina).
Der venöse Abfluss erfolgt über den Plexus pampiniformis in die Eierstockvene (V. ovarica), die rechts in die Vena cava inferior und links in die linke Vena renalis mündet.
Welches Lymphsystem gewährleistet den Lymphabfluss aus den Eierstöcken?
Der Lymphabfluss aus den Eierstöcken erfolgt über abführende Lymphgefäße, die die Eierstockarterie begleiten. Die Lymphe fließt zu regionalen Lymphknoten, die entlang des unteren Teils der Bauchaorta und der Vena cava inferior liegen. Zwischen den Lymphplexus der Beckenorgane bestehen ausgeprägte Verbindungen (Anastomosen).
Welche Bänder fixieren den Eierstock in der Beckenhöhle?
Der Eierstock wird in der Beckenhöhle durch das Gekröse und zwei Bänder fixiert.
- Das Eierstockgekröse (Mesovarium) – fixiert das Organ an der Hinterfläche des breiten Mutterbandes.
- Das eigene Eierstockband (Lig. ovarii proprium) – verbindet das Uterusende des Eierstocks mit dem Uteruskörper.
- Das Aufhängeband des Eierstocks (Lig. suspensorium ovarii) – fixiert das Tubenende des Eierstocks am Bauchfell der lateralen Beckenwand.
Wie wird der Eierstock innerviert?
Die Innervation des Eierstocks erfolgt durch den Eierstockplexus (Plexus ovaricus) und Geflechte an der Basis des breiten Mutterbandes.
- Der Eierstockplexus (Plexus ovaricus) – wird durch Äste des abdominalen Aortenplexus und des Nierenplexus gebildet.
Die Nervenfasern des Eierstockplexus begleiten die entsprechenden Gefäße zum Eierstock.
Um sich die Pole (Enden) des Eierstocks leicht zu merken, nutzen Sie die Nachbarschaftsregel: Das obere Ende weist zum Eileiter (Tubenende – Extremitas tubaria), und das untere zieht zum Uterus selbst (Uterusende – Extremitas uterina).
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Wo genau liegt der Eierstock?
Der Eierstock liegt an der lateralen Wand des kleinen Beckens.
In welchem Teil des Eierstocks befinden sich Blutgefäße und Nerven?
Gefäße und Nerven sind in großer Zahl im zentralen Teil des Organs – dem Mark (Medulla ovarii) – konzentriert.
Womit ist der Eierstock außen bedeckt?
Das Organ ist mit einem Oberflächenepithel bedeckt, unter dem sich die dichte Tunica albuginea (Tunica albuginea ovarii) befindet.
Was entsteht an der Stelle des Follikels nach dem Ovulation?
Nach der Ovulation bildet sich an der Stelle des reifen Follikels der Gelbkörper (Corpus luteum), der entweder ein menstrueller Gelbkörper oder ein Gelbkörper der Schwangerschaft sein kann.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Histologische Stadien der Follikelentwicklung im Eierstock
- Unterschiede im Aufbau zwischen menstruellem Gelbkörper und Gelbkörper der Schwangerschaft
- Topographie der Strukturen im Bereich des breiten Mutterbandes
- Der Prozess der Umwandlung von Mesonephrostäbchen in der Embryogenese
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