Topographie und äußere Struktur
Die Nieren liegen im Retroperitonealraum (retroperitonealiter). Sie befinden sich beiderseits der Wirbelsäule. Topographisch projiziert sich ihre Lage auf den Bereich vom zwölften Brustwirbel (Th12) bis zum dritten Lendenwirbel (L3). Ein wichtiges anatomisches Merkmal ist die Asymmetrie: die rechte Niere liegt normalerweise etwas tiefer als die linke.
Äußerlich gleicht das Organ einer Bohne. In seiner Anatomie werden traditionell mehrere Hauptstrukturen unterschieden:
- Flächen: Facies anterior (Vorderfläche) und Facies posterior (Hinterfläche).
- Pole (Enden): Extremitas superior (Oberpol) und Extremitas inferior (Unterpol).
- Ränder: Margo lateralis (lateraler Rand), der konvex geformt ist, und Margo medialis (medialer Rand), der konkav ist.
Am konkaven medialen Rand befindet sich das Nierenhilum — Hilum renale. Wenn man in die Tiefe des Organs vordringt, geht das Hilum in eine ausgedehnte Höhle über — den Nierensinushöhle (Sinus renalis). Im Bereich des Hilus bildet sich der sogenannte „Nierenstiel“. Durch das Hilum renale treten folgende Strukturen:
- Nierenarterie (Arteria renalis).
- Nierenvene (Vena renalis).
- Nierenbecken (Pelvis renalis).
- Lymphgefäße und Nervenstränge.
Fixierungsapparat: Nierenkapseln
Um das Organ in der korrekten anatomischen Position zu halten und es zu schützen, existiert ein System von Hüllen. Von der Parenchymseite nach außen unterscheidet man nacheinander drei Schichten:
- Faserige Kapsel (Capsula fibrosa) — liegt direkt und straff dem Orgengewebe an.
- Fettkapsel (Capsula adiposa) — umgibt das Organ und dient als dämpfendes Kissen, das es vor mechanischen Einwirkungen schützt.
- Nierenfaszie (Fascia renalis) — das äußerste Blatt, das an der Fixierung des Organs im Retroperitonealraum beteiligt ist.
Innerer Aufbau und Harnwege
Auf dem Schnitt ist das Organgewebe (Parenchym) klar in zwei Schichten unterteilt. Die äußere Schicht wird durch die Rിndensubstanz (cortex renis) repräsentiert. Der innere Teil ist das Marklager (medulla renis).
Das Mark ist in Form spezifischer Strukturen organisiert — den Nierenpyramiden (Pyramides renales). Ihre Basen sind der Rindensubstanz zugewandt, während ihre Spitzen in Richtung des Sinus renalis zeigen. Die Spitzen der Pyramiden bilden die Nierenpapillen (Papillae renales).
Das Harnableitungssystem innerhalb des Organs stellt eine aufeinanderfolgende Kaskade von Strukturen dar:
- Die Papillen (Papillae renales) münden in die kleinen Nierenkelche (Calices renales minores).
- Mehrere kleine Kelche verschmelzen zu den großen Nierenkelchen (Calices renales majores).
- Die großen Kelche vereinigen sich wiederum und bilden eine einheitliche erweiterte Höhle — das Nierenbecken (Pelvis renalis).
Die funktionelle Grundlage dieses gesamten komplexen Systems bildet das Nephron (Nephron) — die wichtigste strukturelle und funktionelle Einheit des Organs.
Blutversorgung und Innervation
Das Organ zeichnet sich durch eine extrem intensive Durchblutung aus. Das arterielle Blut fließt über die Nierenarterie (Arteria renalis) zu, welche einen großen Ast der Bauchaorta (Aorta abdominalis) darstellt.
Nach der Passage durch die Mikrozirkulation des Organs sammelt sich das venöse Blut in der Nierenvene (Vena renalis). Diese Vene leitet das Blut direkt in die untere Hohlvene (Vena cava inferior) ab.
Die nervale Regulation des Organs erfolgt über den Nierenplexus (Plexus renalis). Dieses Geflecht ist gemischt: Es enthält sowohl sympathische als auch parasympathische Nervenfasern, die den Gefäßtonus und die Organfunktion kontrollieren.
Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema
Wie ist die Syntopie der Elemente des Nierenstiels von vorne nach hinten?
Die Syntopie der Nierenstielelemente von vorne nach hinten wird durch Vene, Arterie und Nierenbecken gebildet.
- Nierenvene (Vena renalis) — das am weitesten vorne und oben gelegene Element.
- Nierenarterie (Arteria renalis) — liegt hinter der Vene, oberhalb und vor dem Nierenbecken.
- Nierenbecken (Pelvis renalis) — das am weitesten hinten gelegene Element, das in den Harnleiter übergeht.
Alle Elemente sind von Fettgewebe umgeben.
Mit welchen Organen berührt sich die Vorderfläche der rechten Niere?
Die Vorderfläche der rechten Niere berührt die Leber, das Colon und das Duodenum.
- Leber (Hepar) — liegt dem Oberpol der Niere an.
- Dickdarm (Colon) — die rechte Kolonflexur liegt lateral an.
- Zwölffingerdarm (Duodenum) — der pars descendens liegt dem Hilum und dem medialen Rand an.
Von den genannten Organen ist die Vorderfläche der Niere durch die Fascia prerenalis (Prärenalfaszie) und lockeres Bindegewebe getrennt.
Welche Segmente werden im makroskopischen Aufbau der Niere unterschieden?
Im makroskopischen Aufbau der Niere werden fünf Segmente unterschieden, die durch entsprechende Äste der Nierenarterie versorgt werden.
- Oberes Segment — wird durch die Arteria segmenti superioris versorgt.
- Oberes anteriores Segment — wird durch die Arteria segmenti anterioris superioris versorgt.
- Unteres anteriores Segment — wird durch die Arteria segmenti anterioris inferioris versorgt.
- Unteres Segment — wird durch die Arteria segmenti inferioris versorgt.
- Posteriores Segment — wird durch die Arteria segmenti posterioris versorgt.
Die ersten vier Segmente gehören zum Stromgebiet des vorderen Astes der Nierenarterie, während das posteriore Segment durch den hinteren Ast versorgt wird.
Aus welchen konkreten Nerven und Ganglien bildet sich der Nierenplexus?
Der Nierenplexus (Plexus renalis) bildet sich aus Ästen vegetativer Geflechte, Ganglien und Nerven.
Er umfasst:
- Äste des Plexus coeliacus (Zöliakusplexus);
- Äste des aortalen Bauchplexus;
- Splanchnikusnerven (Nervi splanchnici);
- Äste aus dem Ganglion aortorenale;
- Äste aus den unteren brustständigen und oberen lendenständigen Ganglien des Truncus sympatheticus;
- präganglionäre parasympathische Fasern des Nervus vagus (n. vagus).
In welche regionalen Lymphknoten erfolgt der Lymphabfluss aus den Nieren?
Der Lymphabfluss aus den Nieren erfolgt in folgende regionale Lymphknoten:
- Lnn. lumbales (Lendenlymphknoten);
- Lnn. paraaortici (aortale Lymphknoten);
- Lnn. paracavales (kavale Lymphknoten).
Das oberflächliche und das tiefe Lymphsystem der Niere verschmelzen am Nierenhilum und ziehen zu diesen regionalen Lymphknoten. Von dort fließt die Lymphe in die Cisterna chyli (cisterna chyli) ab.
Zum Merken der Reihenfolge der Nierenstielstrukturen (von vorne nach hinten im Hilum): V-A-L — Vena, Arteria, Pelvis renalis (im Text wird nur ihr Vorhandensein genannt, aber die V-A-L-Reihenfolge ist topografischer Standard).
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Auf welcher Höhe der Wirbelsäule befinden sich die Nieren?
Im Retroperitonealraum beiderseits der Wirbelsäule, zwischen dem zwölften Brustwirbel (Th12) und dem dritten Lendenwirbel (L3).
Warum liegt die rechte Niere tiefer als die linke?
Normalerweise liegt die rechte Niere etwas tiefer als die linke (in der topografischen Anatomie ist dies auf die Auflage des massiven rechten Leberlappens zurückzuführen).
Wie ist die Reihenfolge der Harnausscheidungswege innerhalb der Niere?
Der Harn gelangt von den Nierenpapillen in die Nierenkelche (Calices renales minores), weiter in die großen Nierenkelche (Calices renales majores), die zusammenfließen und das Nierenbecken bilden.
Was bildet die Spitzen der Nierenpyramiden?
Die Spitzen der Nierenpyramiden bilden die Nierenpapillen (papillae renales), die in die Nierenkelche (Calices renales minores) münden.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Histologischer Aufbau des Nephrons (nephron) und seiner Abschnitte
- Syntopie der Vorder- und Rückseite der Nieren (facies anterior et posterior)
- Verzweigung der Arteria renalis im Organgewebe
- Bildung und Zusammensetzung des Nierengeflechts (Plexus renalis)
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