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Anatomie

Koronararterien: Anatomie, Dominanz, Klinik

Redaktion von WhiteCoat Pro11. April 2026Aktualisiert am 16. September 20265 Min. Lesezeit
Inhalt · 12 Abschnitte
  1. 1. Allgemeine Anatomie
  2. 2. Rechte Koronararterie (RCA)
  3. 3. Linke Koronararterie (LCA)
  4. 4. Koronartypen
  5. 5. Koronarvenen
  6. 6. Versorgungsgebiete — EKG-Zuordnung
  7. 7. Koronarphysiologie
  8. 8. Atherosklerose und KHK
  9. 9. Koronaranomalien
  10. 10. Bildgebende Verfahren
  11. 11. Revaskularisierung
  12. 12. FAQ

Kurz gefasst. Zwei Hauptkoronararterien entspringen den Aortenklappensinus. Die rechte (RCA) versorgt den rechten Ventrikel, den hinteren Septumabschnitt, den Sinus- und AV-Knoten (in 60 %) sowie die Unterwand des linken Ventrikels (bei rechtsdominantem Typ in 85 %). Die linke (LCA) teilt sich in LAD (Ramus interventricularis anterior — HW des linken Ventrikels, vordere 2/3 des Ventrikelseptums, Apex) und LCx (Ramus circumflexus — Seitenwand des linken Ventrikels; bei linksdominantem Typ auch die Hinterwand). EKG-Lokalisierung des Infarkts: II/III/aVF — Inferiorwand (RCA), I/aVL/V5-6 — Lateralwand (LCx), V1-4 — Anteriorwand (LAD), V7-9 — Posteriorwand.

1. Allgemeine Anatomie

  • Die Koronararterien entspringen den Aorten-Valsalva-Sinus.
  • Rechte Koronararterie (RCA) — aus dem rechten Sinus.
  • Linke Koronararterie (LCA) — aus dem linken Sinus; kurzer Stamm (LM, Left Main) 5–10 mm.
  • Der nicht-koronare Sinus (posterior) gibt keine Äste ab.
  • Die koronare Durchblutung des Myokards des linken Ventrikels erfolgt überwiegend in der Diastole.
  • Das Myokard extrahiert bereits in Ruhe 75–80 % O₂ — eine Steigerung der Sauerstoffzufuhr ist nur über eine Koronarvasodilatation möglich.

2. Rechte Koronararterie (RCA)

  • Verläuft im rechten Sulcus coronarius.
  • Äste:
  • — Conus-Arterie (zum Conus arteriosus des Truncus pulmonalis; in 50 % mit eigenem Abgang).
  • — Sinusknotenarterie (60 %) oder aus der LCx (40 %).
  • — Ramus marginalis dexter — zum rechten Ventrikel.
  • — Ramus interventricularis posterior (PDA) — bei rechtsdominantem Typ.
  • — Posterolaterale Äste zum linken Ventrikel (bei rechtsdominantem Typ).
  • — AV-Knoten-Arterie — zu 90 % aus der RCA (über den Crux cordis).
  • Versorgt: rechten Ventrikel, rechten Vorhof, hinteres Drittel des interventrikulären Septums, Sinusknoten (60 %) und AV-Knoten (90 %).

3. Linke Koronararterie (LCA)

Hauptstamm (LM)

  • Kurz (5–10 mm), vom linken Sinus bis zur Bifurkation.
  • Gelegentlich Trifurkation mit intermediärem Ast (Ramus intermedius).
  • Eine signifikante Hauptstammstenose > 50 % ist eine Indikation für einen CABG (oder Stenting in speziellen Fällen).

Ramus interventricularis anterior (LAD)

  • Verläuft im Sulcus interventricularis anterior vom LM bis zum Apex (zieht manchmal um die Herzspitze herum und greift auf die Hinterwand über).
  • Äste:
  • — Diagonale Äste (D1, D2) — anterolaterale Wand des linken Ventrikels.
  • — Septale Äste (S1 — größerer Ast) — vordere 2/3 des interventrikulären Septums + His-Bündel und seine Schenkel.
  • Versorgt: HW des linken Ventrikels, vordere 2/3 des Septums, Apex, partiell die Seitenwand des linken Ventrikels.
  • „Arterie des plötzlichen Herztods“ — bei proximalem Verschluss der LAD vor den septalen Ästen.

Ramus circumflexus (LCx)

  • Im linken Sulcus coronarius.
  • Äste:
  • — Rami marginales sinistri (OM1, OM2) — Seitenwand des linken Ventrikels.
  • — Sinusknotenarterie (40 %).
  • — Bei linksdominantem Typ (7 %) — PDA + posterolaterale Äste.
  • Versorgt: Seitenwand des linken Ventrikels, linken Vorhof, bei linksdominantem Typ — inferoposteriore Anteile des linken Ventrikels.

4. Koronartypen

  • Rechtsdominanter Typ (85 %): PDA und posterolateraler Ast stammen aus der RCA.
  • Linksdominanter Typ (7–8 %): PDA stammt aus der LCx.
  • Codominanter Typ (7–8 %): PDA aus der RCA, posterolaterales Segment aus der LCx.
  • Wird dadurch definiert, welche Arterie die inferoposteriore Wand des linken Ventrikels versorgt.

5. Koronarvenen

  • Vena cordis magna — verläuft entlang der LAD → Koronarsinus.
  • Vena cordis media — im hinteren Sulcus interventricularis.
  • Vena cordis parva — verläuft mit der RCA.
  • Venae cordis anteriores — münden direkt in den rechten Vorhof.
  • Thebesius-Venen — münden direkt in die Herzhöhlen (physiologischer Shunt).
  • Der Sinus coronarius mündet in den rechten Vorhof (zwischen VCI und AV-Ostium).

6. Versorgungsgebiete — EKG-Zuordnung

EKG-AbleitungenZoneArterie
V1–V2SeptumLAD (Septaläste)
V3–V4VorderwandLAD
V5–V6, I, aVLSeitenwandLCx, LAD (D1)
II, III, aVFHinterwandRCA (85 %) oder LCx (linker Dominanztyp)
V7–V9Hinterwand (Inferior/Dorsal)RCA / LCx
V3R–V4RRechter VentrikelRCA proximal

7. Physiologie der Koronardurchblutung

  • Ruhedurchblutung 250 ml/min (5 % des HMV).
  • Im Myokard des linken Ventrikels — fast ausschließlich diastolisch (aufgrund des hohen systolischen Drucks).
  • Myokard des rechten Ventrikels — systolisch-diastolisch.
  • Koronarreserve — Fähigkeit zur 4–5-fachen Erhöhung der Durchblutung unter Belastung.
  • Metabolische Regulation: Adenosin (wichtigstes), NO, CO₂, H⁺.
  • Neurogene Regulation: Sympathikus — β₂-Vasodilatation; Parasympathikus — schwach.

8. Atherosklerose und KHK

  • Bevorzugte Plaquelokalisationen — proximale Segmente: LAD bis zum ersten diagonalen Ast, LCx bis zum ersten OM-Ast, proximale RCA.
  • Eine Stenose wird hämodynamisch bedeutsam bei > 70 % (symptomatische Angina pectoris) und > 50 % am Hauptstamm (LM).
  • Fraktionale Flussreserve (FFR) < 0,80 — Indikation zur Revaskularisation.
  • iFR (instantaneous wave-free ratio) < 0,89 — FFR-Alternative ohne Adenosin.

9. Anomalien der Koronararterien

  • High take-off, separate Abgänge der Conus-Arterie.
  • Abgang aus dem gegenüberliegenden Sinus (LCA aus dem rechten Sinus, RCA aus dem linken).
  • Inter arterieller Verlauf («interarterial course») — LCA zwischen Aorta und Truncus pulmonalis — Risiko des plötzlichen Herztods bei jungen Sportlern.
  • ALCAPA (Abgang der LCA aus der Pulmonalarterie) — schwere Form im Kindesalter.
  • Myokardbrücken («myocardial bridging») — tunnelartiger Verlauf der Arterie im Myokard; oft asymptomatisch, gelegentlich Ischämie.
  • Koronarfisteln — Verbindung mit einer Herzhöhle oder der Pulmonalarterie.

10. Bildgebende Verfahren

  • Koronarangiographie — invasiver Goldstandard; radialer oder femoraler Zugang.
  • CT-Angiographie (CCTA) — nichtinvasive Beurteilung, hoher negativer prädiktiver Wert.
  • Intrakoronärer Ultraschall (IVUS), optische Kohärenztomographie (OCT) — Plaques-Beurteilung, Stentoptimierung.
  • Fraktionelle Flussreserve (FFR), iFR — funktionelle Stenosebeurteilung.
  • Kardio-MRT mit Kontrastmittel — späte Kontrastmittelanreicherung (Narbengewebe nach Infarkt), Myokardviabilität.

11. Revaskularisation

  • PCI (Stentimplantation) — bei den meisten KHK-Fällen; bei Hauptstammstenose, Dreigefäßerkrankung mit niedrigem SYNTAX-Score — vergleichbar mit CABG.
  • CABG (Koronararterien-Bypass-Operation) — bei Dreigefäßerkrankung, Hauptstammstenose, Patienten mit Diabetes mellitus + Mehrgefäßerkrankung, niedriger Ejektionsfraktion.
  • Bypässe: A. mammaria interna sinistra (LIMA) auf LAD — bestes Langzeitergebnis; A. mammaria interna dextra, A. radialis, Vena saphena magna.

12. FAQ

Warum wird die LAD als „Widow Maker“ (Witwenmacher) bezeichnet?
Ein proximaler Verschluss der LAD führt zu einem ausgedehnten Vorderwand- und Septuminfarkt, häufig mit kardiogenem Schock und hoher Mortalität.

Wie bestimmt man den Dominanztyp in der Koronarangiographie?
Anhand des Ursprungs der PDA: kommt sie aus der RCA — rechter Typ, aus der LCx — linker Typ, beteiligen sich beide — kodominanter Typ.

Was ist der SYNTAX-Score?
Ein Scoring-System zur Beurteilung der Komplexität koronarer Läsionen. < 22 — PCI bevorzugt; 23–32 — individuelle Entscheidung; > 32 — CABG besser.

Warum ist der rechte Ventrikel seltener von einem Infarkt betroffen?
Geringere Muskelmasse, systolisch-diastolische Durchblutung, reichlichere Kollateralen. Ein RV-Infarkt tritt meist bei proximalem RCA-Verschluss auf.

Was ist das „Slow-Flow/No-Reflow“-Phänomen?
Mikrozirkulationsstörung nach erfolgreicher Eröffnung der Arterie (Stentimplantation): trotz durchgängigem Hauptgefäß ist der Kontrastmittelfluss verlangsamt. Ursachen: distale Embolisation, Ödem, Mikrothrombose. Behandlung — intrakoronales Nitroprussid, Adrenalin, Verapamil.

Siehe auch: Myokardinfarkt · Angina pectoris · EKG · Aorta · Anatomie-Katalog

Das Material hat Bildungscharakter und ersetzt keine ärztliche Beratung. Überprüfen Sie Behandlungs- und Dosierungsschemata anhand der geltenden klinischen Leitlinien.

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