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Kurz gefasst. Zwei Hauptkoronararterien entspringen den Aortenklappensinus. Die rechte (RCA) versorgt den rechten Ventrikel, den hinteren Septumabschnitt, den Sinus- und AV-Knoten (in 60 %) sowie die Unterwand des linken Ventrikels (bei rechtsdominantem Typ in 85 %). Die linke (LCA) teilt sich in LAD (Ramus interventricularis anterior — HW des linken Ventrikels, vordere 2/3 des Ventrikelseptums, Apex) und LCx (Ramus circumflexus — Seitenwand des linken Ventrikels; bei linksdominantem Typ auch die Hinterwand). EKG-Lokalisierung des Infarkts: II/III/aVF — Inferiorwand (RCA), I/aVL/V5-6 — Lateralwand (LCx), V1-4 — Anteriorwand (LAD), V7-9 — Posteriorwand.
1. Allgemeine Anatomie
- Die Koronararterien entspringen den Aorten-Valsalva-Sinus.
- Rechte Koronararterie (RCA) — aus dem rechten Sinus.
- Linke Koronararterie (LCA) — aus dem linken Sinus; kurzer Stamm (LM, Left Main) 5–10 mm.
- Der nicht-koronare Sinus (posterior) gibt keine Äste ab.
- Die koronare Durchblutung des Myokards des linken Ventrikels erfolgt überwiegend in der Diastole.
- Das Myokard extrahiert bereits in Ruhe 75–80 % O₂ — eine Steigerung der Sauerstoffzufuhr ist nur über eine Koronarvasodilatation möglich.
2. Rechte Koronararterie (RCA)
- Verläuft im rechten Sulcus coronarius.
- Äste:
- — Conus-Arterie (zum Conus arteriosus des Truncus pulmonalis; in 50 % mit eigenem Abgang).
- — Sinusknotenarterie (60 %) oder aus der LCx (40 %).
- — Ramus marginalis dexter — zum rechten Ventrikel.
- — Ramus interventricularis posterior (PDA) — bei rechtsdominantem Typ.
- — Posterolaterale Äste zum linken Ventrikel (bei rechtsdominantem Typ).
- — AV-Knoten-Arterie — zu 90 % aus der RCA (über den Crux cordis).
- Versorgt: rechten Ventrikel, rechten Vorhof, hinteres Drittel des interventrikulären Septums, Sinusknoten (60 %) und AV-Knoten (90 %).
3. Linke Koronararterie (LCA)
Hauptstamm (LM)
- Kurz (5–10 mm), vom linken Sinus bis zur Bifurkation.
- Gelegentlich Trifurkation mit intermediärem Ast (Ramus intermedius).
- Eine signifikante Hauptstammstenose > 50 % ist eine Indikation für einen CABG (oder Stenting in speziellen Fällen).
Ramus interventricularis anterior (LAD)
- Verläuft im Sulcus interventricularis anterior vom LM bis zum Apex (zieht manchmal um die Herzspitze herum und greift auf die Hinterwand über).
- Äste:
- — Diagonale Äste (D1, D2) — anterolaterale Wand des linken Ventrikels.
- — Septale Äste (S1 — größerer Ast) — vordere 2/3 des interventrikulären Septums + His-Bündel und seine Schenkel.
- Versorgt: HW des linken Ventrikels, vordere 2/3 des Septums, Apex, partiell die Seitenwand des linken Ventrikels.
- „Arterie des plötzlichen Herztods“ — bei proximalem Verschluss der LAD vor den septalen Ästen.
Ramus circumflexus (LCx)
- Im linken Sulcus coronarius.
- Äste:
- — Rami marginales sinistri (OM1, OM2) — Seitenwand des linken Ventrikels.
- — Sinusknotenarterie (40 %).
- — Bei linksdominantem Typ (7 %) — PDA + posterolaterale Äste.
- Versorgt: Seitenwand des linken Ventrikels, linken Vorhof, bei linksdominantem Typ — inferoposteriore Anteile des linken Ventrikels.
4. Koronartypen
- Rechtsdominanter Typ (85 %): PDA und posterolateraler Ast stammen aus der RCA.
- Linksdominanter Typ (7–8 %): PDA stammt aus der LCx.
- Codominanter Typ (7–8 %): PDA aus der RCA, posterolaterales Segment aus der LCx.
- Wird dadurch definiert, welche Arterie die inferoposteriore Wand des linken Ventrikels versorgt.
5. Koronarvenen
- Vena cordis magna — verläuft entlang der LAD → Koronarsinus.
- Vena cordis media — im hinteren Sulcus interventricularis.
- Vena cordis parva — verläuft mit der RCA.
- Venae cordis anteriores — münden direkt in den rechten Vorhof.
- Thebesius-Venen — münden direkt in die Herzhöhlen (physiologischer Shunt).
- Der Sinus coronarius mündet in den rechten Vorhof (zwischen VCI und AV-Ostium).
6. Versorgungsgebiete — EKG-Zuordnung
| EKG-Ableitungen | Zone | Arterie |
|---|---|---|
| V1–V2 | Septum | LAD (Septaläste) |
| V3–V4 | Vorderwand | LAD |
| V5–V6, I, aVL | Seitenwand | LCx, LAD (D1) |
| II, III, aVF | Hinterwand | RCA (85 %) oder LCx (linker Dominanztyp) |
| V7–V9 | Hinterwand (Inferior/Dorsal) | RCA / LCx |
| V3R–V4R | Rechter Ventrikel | RCA proximal |
7. Physiologie der Koronardurchblutung
- Ruhedurchblutung 250 ml/min (5 % des HMV).
- Im Myokard des linken Ventrikels — fast ausschließlich diastolisch (aufgrund des hohen systolischen Drucks).
- Myokard des rechten Ventrikels — systolisch-diastolisch.
- Koronarreserve — Fähigkeit zur 4–5-fachen Erhöhung der Durchblutung unter Belastung.
- Metabolische Regulation: Adenosin (wichtigstes), NO, CO₂, H⁺.
- Neurogene Regulation: Sympathikus — β₂-Vasodilatation; Parasympathikus — schwach.
8. Atherosklerose und KHK
- Bevorzugte Plaquelokalisationen — proximale Segmente: LAD bis zum ersten diagonalen Ast, LCx bis zum ersten OM-Ast, proximale RCA.
- Eine Stenose wird hämodynamisch bedeutsam bei > 70 % (symptomatische Angina pectoris) und > 50 % am Hauptstamm (LM).
- Fraktionale Flussreserve (FFR) < 0,80 — Indikation zur Revaskularisation.
- iFR (instantaneous wave-free ratio) < 0,89 — FFR-Alternative ohne Adenosin.
9. Anomalien der Koronararterien
- High take-off, separate Abgänge der Conus-Arterie.
- Abgang aus dem gegenüberliegenden Sinus (LCA aus dem rechten Sinus, RCA aus dem linken).
- Inter arterieller Verlauf («interarterial course») — LCA zwischen Aorta und Truncus pulmonalis — Risiko des plötzlichen Herztods bei jungen Sportlern.
- ALCAPA (Abgang der LCA aus der Pulmonalarterie) — schwere Form im Kindesalter.
- Myokardbrücken («myocardial bridging») — tunnelartiger Verlauf der Arterie im Myokard; oft asymptomatisch, gelegentlich Ischämie.
- Koronarfisteln — Verbindung mit einer Herzhöhle oder der Pulmonalarterie.
10. Bildgebende Verfahren
- Koronarangiographie — invasiver Goldstandard; radialer oder femoraler Zugang.
- CT-Angiographie (CCTA) — nichtinvasive Beurteilung, hoher negativer prädiktiver Wert.
- Intrakoronärer Ultraschall (IVUS), optische Kohärenztomographie (OCT) — Plaques-Beurteilung, Stentoptimierung.
- Fraktionelle Flussreserve (FFR), iFR — funktionelle Stenosebeurteilung.
- Kardio-MRT mit Kontrastmittel — späte Kontrastmittelanreicherung (Narbengewebe nach Infarkt), Myokardviabilität.
11. Revaskularisation
- PCI (Stentimplantation) — bei den meisten KHK-Fällen; bei Hauptstammstenose, Dreigefäßerkrankung mit niedrigem SYNTAX-Score — vergleichbar mit CABG.
- CABG (Koronararterien-Bypass-Operation) — bei Dreigefäßerkrankung, Hauptstammstenose, Patienten mit Diabetes mellitus + Mehrgefäßerkrankung, niedriger Ejektionsfraktion.
- Bypässe: A. mammaria interna sinistra (LIMA) auf LAD — bestes Langzeitergebnis; A. mammaria interna dextra, A. radialis, Vena saphena magna.
12. FAQ
Warum wird die LAD als „Widow Maker“ (Witwenmacher) bezeichnet?
Ein proximaler Verschluss der LAD führt zu einem ausgedehnten Vorderwand- und Septuminfarkt, häufig mit kardiogenem Schock und hoher Mortalität.
Wie bestimmt man den Dominanztyp in der Koronarangiographie?
Anhand des Ursprungs der PDA: kommt sie aus der RCA — rechter Typ, aus der LCx — linker Typ, beteiligen sich beide — kodominanter Typ.
Was ist der SYNTAX-Score?
Ein Scoring-System zur Beurteilung der Komplexität koronarer Läsionen. < 22 — PCI bevorzugt; 23–32 — individuelle Entscheidung; > 32 — CABG besser.
Warum ist der rechte Ventrikel seltener von einem Infarkt betroffen?
Geringere Muskelmasse, systolisch-diastolische Durchblutung, reichlichere Kollateralen. Ein RV-Infarkt tritt meist bei proximalem RCA-Verschluss auf.
Was ist das „Slow-Flow/No-Reflow“-Phänomen?
Mikrozirkulationsstörung nach erfolgreicher Eröffnung der Arterie (Stentimplantation): trotz durchgängigem Hauptgefäß ist der Kontrastmittelfluss verlangsamt. Ursachen: distale Embolisation, Ödem, Mikrothrombose. Behandlung — intrakoronales Nitroprussid, Adrenalin, Verapamil.
Siehe auch: Myokardinfarkt · Angina pectoris · EKG · Aorta · Anatomie-Katalog