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Anatomie

Plexus brachialis: Astschema, Innervation und Klinik

Redaktion von WhiteCoat Pro11. April 2026Aktualisiert am 16. September 20265 Min. Lesezeit
Inhalt · 12 Abschnitte
  1. 1. Gesamtschema
  2. 2. Radices und Trunci
  3. 3. Divisiones und Fasciculi
  4. 4. Äste des supraclavikulären Teils
  5. 5. Äste des infraclavikulären Teils
  6. 6. Terminalnerven und Innervation
  7. 7. Erb-Duchenne-Lähmung (obere Läsion)
  8. 8. Klumpke-Lähmung (untere Läsion)
  9. 9. Isolierte Neuropathien
  10. 10. Nervus thoracicus longus und Scapula alata
  11. 11. Diagnostik und Bildgebung
  12. 12. FAQ

Auf den Punkt gebracht. Der Plexus brachialis ist das größte Nervengeflecht der oberen Extremität, gebildet aus den Rami anteriores von C5-T1. Schema „Radices → Trunci → Divisiones → Fasciculi → Rami“: 3 Trunci (superior C5-C6, medius C7, inferior C8-T1), jeweils 2 Divisiones (anterior und posterior), 3 Fasciculi (lateralis, medialis, posterior), Hauptnerven (N. musculocutaneus, N. axillaris, N. radialis, N. medianus, N. ulnaris). Klinisch: Erb-Duchenne-Lähmung (C5-C6, „Trägersmpf-Handstellung“), Klumpke-Lähmung (C8-T1, „Klauehand“), Horner-Syndrom bei Beteiligung sympathischer Fasern von T1. Eselsbrücke für die Fasciculi: „Real Texans Drink Cold Beer“ (Roots-Trunks-Divisions-Cords-Branches).

1. Gesamtschema

  • Ursprung – Rami anteriores der Spinalnerven C5-T1.
  • Verlässt den Raum zwischen Musculus scalenus anterior und medius (Scalenuslücke).
  • Verläuft über die 1. Rippe und die Arteria subclavia, zieht dann in die Fossa axillaris.
  • Besteht aus 5 Ebenen: Radices → Trunci → Divisiones anteriores/posteriores → Fasciculi → Terminaläste.

2. Radices und Trunci

TruncusRadices
Superior (Truncus superior)C5 + C6
Medius (Truncus medius)C7
Inferior (Truncus inferior)C8 + T1

3. Divisiones und Fasciculi

  • Jeder Truncus teilt sich in eine Divisio anterior und posterior.
  • Divisiones anteriores von Truncus superior und medius → Fasciculus lateralis.
  • Divisio anterior von Truncus inferior → Fasciculus medialis.
  • Divisiones posteriores aller drei Trunci → Fasciculus posterior.
  • Die Fasciculi liegen um die Arteria axillaris: Fasciculus lateralis lateral, Fasciculus medialis medial, Fasciculus posterior dorsal.

4. Äste des supraclavikulären Teils

  • Nervus dorsalis scapulae (C5) – M. levator scapulae, Mm. rhomboidei.
  • Nervus thoracicus longus (C5-C7) – M. serratus anterior; dessen Läsion führt zu einer „Scapula alata“.
  • Nervus subclavius (C5-C6).
  • Nervus suprascapularis (C5-C6, aus dem Truncus superior) – M. supraspinatus, M. infraspinatus (Rotatorenmanschette).

5. Äste des infraclavikulären Teils

Fasciculus lateralis

  • Nervus pectoralis lateralis (C5-C7) – M. pectoralis major.
  • Nervus musculocutaneus (C5-C7) – M. biceps brachii, M. coracobrachialis, M. brachialis; Sensibilität der lateralen Unterarmseite.
  • Lateraler Strang des Nervus medianus.

Fasciculus medialis

  • Nervus pectoralis medialis (C8-T1) – M. pectoralis minor + Anteile des M. pectoralis major.
  • Nervus cutaneus brachii medialis (T1).
  • Nervus cutaneus antebrachii medialis (C8-T1).
  • Medialer Strang des Nervus medianus.
  • Nervus ulnaris (C8-T1).

Fasciculus posterior

  • Nervus subscapularis superior (C5-C6) – M. subscapularis.
  • Nervus thoracodorsalis (C6-C8) – M. latissimus dorsi.
  • Nervus subscapularis inferior (C5-C6) – M. subscapularis + M. teres major.
  • Nervus axillaris (C5-C6) – M. deltoideus, M. teres minor; Sensibilität über dem Musculus deltoideus.
  • Nervus radialis (C5-T1) – sämtliche Extensoren von Arm und Unterarm, Teilaspekte der Sensibilität am Handrücken.

6. Terminalnerven und Innervation

NervSegmenteMotorikSensibilität
Nervus musculocutaneusC5-C7Flexoren des Arms (Bizeps, M. brachialis)Laterale Unterarmregion
Nervus axillarisC5-C6M. deltoideus, M. teres minorÜber dem Deltoidalkopf („Epaulettenregion“)
Nervus radialisC5-T1Triceps, Extensoren von Handwurzel und FingernDorsalseite von Oberarm/Unterarm, Handrücken (Fingern I–III teilweise)
N. medianusC6-T1Die meisten Unterarmbeuger, Pronatoren, ThenarmuskulaturPalmarseite der Finger I–III und der Hälfte von Finger IV
N. ulnarisC8-T1Mm. interossei, Hypothenarmuskulatur, Anteile von M. flexor carpi ulnaris und M. flexor digitorum profundusFinger V und Hälfte von Finger IV, medialer Handrand

7. Erb-Duchenne-Lähmung (oberer Typ)

  • Läsion von C5–C6 (oberer Trunk).
  • Ursache: Geburtstrauma (Zug am Kopf des Neugeborenen nach unten), Motorradunfall (Arm nach oben, Kopf zur Seite).
  • Ausgefallene Funktionen: Armabduktion (M. deltoideus), Außenrotation (M. supraspinatus, M. infraspinatus), Unterarmbeugung (M. biceps brachii, M. brachialis), Supination.
  • «Trinkgeldbediensteten-Hand» (Erb-Zeichen): Arm adduziert und innenrotiert, Unterarm streckgestreckt und proniert.
  • Sensibilität — gestört an der lateralen Oberarm- und Unterarmseite.

8. Klumpke-Lähmung (unterer Typ)

  • Läsion von C8–T1 (unterer Trunk).
  • Ursache: Geburtstrauma (Zug an der oberen Extremität nach oben), Kompression durch Pancoast-Tumor (Lungenspitze), Halsrippe.
  • Ausfall: kleine Handmuskeln (Mm. interossei, Thenar, Hypothenar), lange Fingerbeuger.
  • «Krallenhand»-Hellung (Kombination aus Ulnaris- und partieller Medianuslähmung).
  • Sensibilität — gestört an der medialen Unterarm- und Handseite.
  • Bei Beteiligung des Sympathikus von T1 — Horner-Syndrom (Miosis, Ptosis, Anhidrose, Enophthalmus).

9. Isolierte Neuropathien

  • N. radialis — «Saturday-night palsy» (Kompression in der Sulcus-n.-radialis-Rinne des Humerus): Fallhand (drop wrist), Unfähigkeit zur Hand- und Fingerextension.
  • N. medianus — Karpaltunnelsyndrom: Taubheit und Schmerzen in den Fingern I–III, nächtliches Erwachen, positive Phalen- und Tinel-Zeichen; Thenaratrophie.
  • N. ulnaris — Sulcus-ulnaris-Syndrom (Kubitaltunnelsyndrom): Taubheit des V. und der Hälfte des IV. Fingers, Krallenhand, Schwäche der Adduktion des I. Fingers (Froment-Zeichen).
  • N. musculocutaneus — selten isoliert; Schwäche der Unterarmbeugung, ↓ Bizepsreflex.
  • N. axillaris — bei Schulterluxation oder Fraktur des chirurgischen Humerushalses; Abduktionsschwäche, Anästhesie über dem M. deltoideus.

10. Langer Thoraxnerv und abstehende Skapula (Scapula alata)

  • Läsion — bei Mastektomie mit axillärer Disektion, schweren Belastungen, Traumen.
  • Schwäche des M. serratus anterior → Skapula steht bei Druck mit der Hand gegen die Wand von der Thoraxwand ab.
  • Zusätzlich — Schwäche beim Heben des Arms über die Horizontale.
  • Erholt sich oft innerhalb von 6–12 Monaten.

11. Diagnostik und Bildgebung

  • Klinische Untersuchung — Beurteilung der Muskelkraft (MRC 0–5), der Sensibilität, der Reflexe.
  • ENMG + Nadel-EMG — Läsionslokalisation, Differenzierung prä- und postganglionärer Läsionen (wichtig für die chirurgische Therapie).
  • MRT des Plexus brachialis — aussagekräftigstens Verfahren; CT-Myelographie bei Bedarf zur Beurteilung der Wurzeln.
  • Thoraxröntgen — Halsrippe, Pancoast-Tumor.
  • Ultraschall — Beurteilung oberflächlicher Strukturen und Kompressionen.

12. FAQ

Warum kommt es bei der Erb-Duchenne-Lähmung zur «Trinkgeldbediensteten-Hand»?
Abduktoren und Außenrotatoren (M. deltoideus, M. supraspinatus, M. infraspinatus) sowie die Unterarmbeuger (Bizeps) und Supinatoren fallen aus. Die Antagonisten – Adduktoren, Innenrotatoren und Pronatoren – sind erhalten, weshalb der Arm in dieser typischen Position herabhängt.

Was ist eine präganglionäre und eine postganglionäre Läsion?
Präganglionär — Ausriss der Nervenwurzel aus dem Rückenmark (Avulsion); Regeneration unmöglich, Neurotisation unter Verwendung eines Spwendernervs erforderlich. Postganglionär — Läsion des Stammes/Faszikels distal des Ganglions; Regeneration oder Naht möglich.

Warum entwickelt sich beim Pancoast-Tumor ein Horner-Syndrom?
Der Lungenspitzentumor komprimiert den unteren Trunk des Plexus brachialis (C8–T1) sowie die benachbarten sympathischen Fasern, die zum Ganglion cervicale superius ziehen. Die Hornersche Trias umfasst Miosis, Ptosis und Anhidrose.

Wie kann man sich die Faszikel und deren Lage schnell merken?
Eselsbrücke: «Real Texans Drink Cold Beer» — Roots, Trunks, Divisions, Cords, Branches. Die Faszikel um die A. axillaris herum heißen Funiculus lateralis, medialis und posterior (entsprechend ihrer Lage zur Arterie).

Wie wird eine traumatische Plexusparese behandelt?
Konservativ: Physiotherapie, Orthesen, Neuroprotektion (B-Vitamine). Chirurgisch: Neurolyse, Naht, Nerventransplantation, Neurotisation (Oberlin-Transfer – Ast des N. ulnaris zum N. musculocutaneus zur Wiederherstellung der Ellenbogenbeugung), in Spätstadien – Muskeltransplantationen.

Siehe auch: Muskeln der oberen Extremität · Karpaltunnelsyndrom · Horner-Syndrom · Pancoast-Tumor · Anatomiekatalog

Das Material hat Bildungscharakter und ersetzt keine ärztliche Beratung. Überprüfen Sie Behandlungs- und Dosierungsschemata anhand der geltenden klinischen Leitlinien.

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