Allgemeine Durchführungshinweise
Die Untersuchung wird mit beiden Händen in einer für den Patienten bequemen Position durchgeführt. Die Grundregel lautet: Die Hände des Arztes müssen warm sein, um keine reflektorische Muskelanspannung hervorzurufen. Man beginnt die Palpation stets entfernt von der Zone der maximalen Schmerzhaftigkeit und tastet sich allmählich an diese heran. Die Bewegungen erfolgen von leichten, oberflächlichen Berührungen zu tieferem Druck.
Nach der Methode von W.F. Wojno-Jassenezki wird bei der Abdominalpalpation die Hand flach aufgelegt, dann leicht über die Haut verschoben und erst danach beginnt man mit vorsichtigem Druck durch die gestreckten Finger. Ziel dieses Vorgehens ist es, den Widerstand der Bauchdecke und das Schmerzniveau zu beurteilen. Grobe und ruckartige Bewegungen sind unzulässig, da sie eine weitere Untersuchung unmöglich machen.
Beurteilung pathologischer Formationen
Beim Betasten von Tumoren oder Schwellungen bestimmt der Arzt deren Form, Größe, Lage und Konsistenz. Letztere kann je nach Inhalt variieren:
- Fest (vergleichbar mit Holz oder Knochen);
- Weich oder teigartig (der Finger sinkt leicht ein und hinterlässt eine Delle);
- Elastisch (erinnert an einen Gummiknallball / Gummiball);
- Lederartig.
Ein wichtiger Parameter ist die Verschieblichkeit. Gutartige Formationen sind in der Regel gegenüber dem umliegenden Gewebe beweglich, während bösartige durch Infiltration fixiert sind. Gefäßtumoren (Angiome) können bei Kompression aufgrund des Blutabflusses an Volumen abnehmen, während Hernienprivatsvorwölbungen reponierbar sind.
Spezifische Symptome bei der Palpation
Das Fluktuationszeichen (Wogen) weist auf eine Flüssigkeitsansammlung (Eiter, Blut, seröses Exsudat) in einer geschlossenen Höhle hin. Zur Überprüfung werden die Finger einer Hand auf eine Seite der Schwellung gelegt, während die andere Hand kurze Stöße von der gegenüberliegenden Seite ausführt. Die erste Hand spürt dabei die übertragene Welle. Es ist wichtig, die echte Fluktuation von der falschen zu unterscheiden, die bei Lipomen oder erschlafften Muskeln auftreten kann.
Krepitation — ein Knirschen oder Knacken, das bei leichtem Druck entsteht. Mögliche Ursachen:
- Subkutanes Emphysem oder anaerobe Infektion (Gasbildung im Gewebe);
- Blutansammlung mit Gerinnseln («Schneebeben / Schneeknrichten»);
- Tendovaginitis (Fibrinablagerungen in Sehnenscheiden);
- Frakturen (Reibung von Knochenfragmenten aneinander);
- «Pergamentknistern» bei Ausdünnung der Knochenplatte.
Palpation von Puls und Lymphknoten
Periphere Arterien werden an bestimmten Projektionspunkten palpiert. Zum Beispiel wird die A. radialis am Unterarm oberhalb des Handgelenks und die A. dorsalis pedis zwischen der I. und II. Zehe gesucht. Bei arteriellen Aneurysmen lässt sich eine charakteristische, summenartige Vibration ertasten. Pulsierende Hämatome kontrahieren sich synchron mit dem Puls.
Lymphknoten werden mit dem II., III. und IV. Finger durch vorsichtige kreisende Bewegungen betastet. Der Arzt beurteilt deren Größe, Konsistenz, Beweglichkeit, Verwachsung mit Nachbargewebe oder anderen Knoten sowie den Grad der Schmerzhaftigkeit.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Abdomenpalpation nach Obrastzow-Straschesko
- Spezifische Schmerzzeichen (Schotkin-Blumberg, Rosing)
- Bestimmung des `punctum maximum` bei entzündlichen Prozessen und Traumata
- Differenzialdiagnostik von echter und falschen Fluktuation
- Topographie der Pulsationspunkte der peripheren Arterien
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Das Material wurde von Dozenten von WhiteCoat Pro nach dem Lehrplan medizinischer Hochschulen erstellt. Es hat Bildungscharakter.