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Mikrobiologie · Spirochäten und spiralförmige Bakterien (Treponemen/Syphilis, Borrelien/Lyme-Krankheit und Rückfallfieber, Leptospiren, Campylobacter, Helicobacter)

Campylobacter

Campylobacter

Bakterien der Gattung Campylobacter sind Erreger von Zoonosen, die vor allem den menschlichen Magen-Darm-Trakt befallen. Sie werden fäkal-oral übertragen und gehören weltweit zu den häufigsten Ursachen akuter Durchfallerkrankungen.

MorphologieGramnegativ, kommaförmig, S-förmig oder wie «Möwenflügel» gebogen
AtmungMikroaerophil und kapnophil (benötigen verminderten O2- und erhöhten CO2-Gehalt)
TherapieEmpfindlich gegenüber Erythromycin und Ciprofloxacin
BedeutungVerursachen 5 bis 14 % aller Durchfallerkrankungen
4 Min. LesezeitFür MedizinstudierendeAktualisiert am 20.09.2026
Material vorbereitet von Redaktion von WhiteCoat Pro gemäß den Lehrmaterialien der PlattformGeprüft von Facharzt/Redakteur: Aulov A. A., Arzt für Innere Medizin · 24.09.2026

Allgemeine Charakteristik und Morphologie

Der Gattungsname leitet sich vom griechischen Wort campylos ab, was „krumm“ oder „gebogen“ bedeutet. Bislang sind etwa 18 Campylobacter-Arten beschrieben, von denen C. jejuni (der Haupterreger), C. fetus und C. coli die größte klinische Bedeutung haben.

Morphologisch handelt es sich um gramnegative Mikroorganismen von geringer Größe: Ihre Länge beträgt 0,5–5 µm und ihre Dicke 0,2–0,5 µm. Die Zellen haben eine charakteristische gewundene Form, die an ein Komma oder den lateinischen Buchstaben S erinnert. In Abstrichen liegen sie häufig paarweise vor, weshalb ihre Ansammlungen an „Möwenflügel im Flug“ erinnern.

Campylobacter-Bakterien sind beweglich dank eines einzelnen terminalen Flagellums (monotrich). Sie sind nicht in der Lage, Sporen und Kapseln zu bilden. Ein kennzeichnendes Merkmal ist der ausgeprägte Polymorphismus: Mit zunehmendem Alter der Bakterienkultur wandeln sich die gewundenen Formen in kokkoide Formen um.

Kulturelle und biochemische Eigenschaften

Die Mikroorganismen gehören zu den mikroaerophilen und kapnophilen Erregern. Für ihr erfolgreiches Wachstum ist eine spezifische Gasmgebung mit verringertem Sauerstoff- und erhöhtem Kohlenstoffdioxidkonzentration erforderlich. Der optimale pH-Wert liegt bei 7,0, wobei die Temperaturpräferenzen artspezifisch sind (am häufigsten 37 °C oder 42 °C, seltener 25 °C).

Campylobacter-Bakterien sind anspruchsvoll hinsichtlich der Nährböden. Sie werden auf komplexen Substraten kultiviert, die mit Blut, Hämin, Aminosäuren und Proteinhydrolysaten angereichert sind. Um das Wachstum begleitender Mikroflora zu unterdrücken (die Selektivität des Mediums sicherzustellen), werden dem Medium unbedingt Antibiotika zugesetzt.

  • Stoffwechsel: streng respiratorischer Typ. Die Bakterien können keine Zucker vergären.
  • Energiequellen: organische Säuren, einschließlich Aminosäuren.
  • Enzymatische Aktivität: schwach. Die Mikroorganismen sind Oxidase- und Katalase-positiv, reduzieren Nitrate und setzen Schwefelwasserstoff ($H_2S$) frei.
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Pathogenitätsfaktoren und Antigenstruktur

Die Bakterien besitzen somatische (O) und flagelläre (H) Antigene. Auf Basis ihrer Kombinationen werden etwa 60 Serovare unterschieden. In den Zellen sind Plasmide vorhanden, die die Resistenz der Mikroorganismen gegen antibakterielle Medikamente bestimmen.

Das pathogenetische Potenzial wird durch folgende Faktoren bedingt:

  1. Endotoxin — eine strukturelle Komponente der Zellwand (Lipopolysaccharid), die beim Absterben des Bakteriums freigesetzt wird.
  2. Exotoxine (werden von einzelnen Stämmen produziert): ein choleraähnliches Enterotoxin, das massiven Durchfall provoziert, und ein Cytotoxin, das die Zellen des Makroorganismus direkt schädigt.

In der äußeren Umgebung weisen Campylobacter-Bakterien eine geringe Widerstandsfähigkeit auf. Sie werden durch Erhitzen, Einwirkung üblicher Desinfektionsmittel sowie anderer physikalischer und chemischer Faktoren schnell inaktiviert.

Epidemiologie und klinische Manifestationen

Die Campylobacter-Infektion ist eine Zooanthroponose mit weltweiter Verbreitung. Die natürliche Empfänglichkeit des Menschen für die Infektion ist äußerst hoch. Die Erkrankung wird das ganze Jahr über registriert, ein sommerlich-herbstlicher Anstieg der Fallzahlen ist jedoch typisch.

  • Reservoir und Quelle: hauptsächlich Nutztiere und Hausgeflügel. Ein erkrankter Mensch fungiert selten als Infektionsquelle.
  • Übertragungswege: alimentär (Nahrungsmittel), über Wasser, Schmierinfektion und sexuell.

Mit Campylobacter assoziierte Erkrankungen werden in vier Gruppen unterteilt:

  1. Gastrointestinale Erkrankungen (Enterokolitis, Diarrhö) mit möglicher Generalisierung bis hin zur Sepsis.
  2. Lokale extraintestinale Formen (Endokarditis, ZNS-Erkrankungen — Enzephalitis und Meningitis).
  3. Eitrig-entzündliche Erkrankungen bei Neugeborenen.
  4. Erkrankungen der Mundhöhle.

Eine klassische Gastroenteritis entwickelt sich nach einer Inkubationszeit von 2–3 Tagen. Die Erkrankung beginnt akut: Es treten Intoxikationssymptome, Fieber, Erbrechen und Durchfall auf. Das klinische Bild klingt gewöhnlich innerhalb von 10 Tagen ab.

Diagnostik, Behandlung und Prävention

Die Hauptdiagnosemethode ist die bakteriologische Untersuchung. Für die Untersuchung werden Stuhl, Erbrochenes oder Magenwaschwasser entnommen. Die Beimpfung erfolgt auf Blut- oder Erythritagar mit Zusatz von Eisen-Sulfit-Pyruvat-Komponenten. Die Artendifferenzierung stützt sich auf die Fähigkeit der Stämme, bei unterschiedlichen Temperaturen zu wachsen.

Bei der Bakterioskopie von Fäkalienabstrichen lassen sich Mikroorganismen mit charakteristischer Morphologie («Möwenflieger/Schwalben») nachweisen. Zudem werden serologische Methoden (KBR, HAHF, Agglutination) und die Schnellbefragung mittels direkter IF mit fluoreszierenden Seren eingesetzt.

Zur ätiotropen Behandlung werden Antibiotika verordnet; die Mittel der Wahl sind Erythromycin und Ciprofloxacin. Eine spezifische Prävention (Schutzimpfung) ist nicht entwickelt. Die Bekämpfung der Infektion stützt sich auf санитарно-противоэпидемические Maßnahmen (sanitätspolizeiliche und antiepidemische Maßnahmen), die den Maßnahmen zur Vorbeugung von Salmonellosen ähneln.

Wie man es sich merkt

Um sich die charakteristische Form des Mikroorganismus im Abstrich leicht einzuprägen, stellen Sie sich das Meer und einen darüber hinweggleitenden Vogel vor: Paarweise angeordnete Bakterien sind so gebogen, dass sie „Flügel einer fliegenden Möwe“ bilden.

Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen

Vergären Campylobacter-Bakterien Kohlenhydrate?

Nein, diese Bakterien vergären keine Zucker. Sie haben einen respiratorischen Stoffwechseltyp und nutzen organische Säuren und Aminosäuren als Nährquelle.

Welche Toxine sind an der Pathogenese der Campylobacter-Infektion beteiligt?

Eine führende Rolle spielen das Endotoxin (LPS der Zellwand) und Exotoxine: das zellschädigende Cytotoxin und das choleraähnliche Enterotoxin, welches Durchfall auslöst.

Wie werden Campylobacter-Arten voneinander differenziert?

Eine der wichtigsten Methoden zur Artidentifizierung im Rahmen der bakteriologischen Diagnostik ist die Kultivierung isolierter Stämme unter verschiedenen Temperaturbedingungen.

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Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt

  • Der Wirkungsmechanismus des choleraähnlichen Enterotoxins von Campylobacter auf Enterozyten.
  • Besonderheiten und Zusammensetzungen selektiver Nährböden zur Anzüchtung von Mikroaerophilen.
  • Die Pathogenese der Entwicklung extraintestinaler Infektionsformen (Meningitis, Endokarditis).
  • Die Rolle von Plasmide bei der Ausbildung von Antibiotikaresistenzmechanismen bei Campylobacter.

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Das Material wurde von Dozenten von WhiteCoat Pro nach dem Lehrplan medizinischer Hochschulen erstellt. Es hat Bildungscharakter.