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Biochemie · Enzymologie

Cofaktoren und Coenzyme

Den meisten Enzymen reicht eine alleinige Polypeptidkette nicht aus, um katalytische Aktivität zu entfalten. Sie benötigen Cofaktoren – spezifische Substanzen nicht-proteinogener Natur, die sich an das Enzym anlagern und den Ablauf der biochemischen Reaktion ermöglichen. Ohne solche Helfer bleibt das Enzym inaktiv.

ApoenzymDer Proteinanteil eines Holoenzyms, der in Abwesenheit des Coenzyms absolut inaktiv ist.
HoloenzymDer vollständige, katalytisch aktive Komplex bestehend aus Protein und Cofaktor.
BindungEin fest und kovalent an das Protein gebundenes Coenzym wird als prosthetische Gruppe bezeichnet.
3 Min. LesezeitFür MedizinstudierendeAktualisiert am 24.09.2026
Material vorbereitet von Redaktion von WhiteCoat Pro gemäß den Lehrmaterialien der PlattformGeprüft von Facharzt/Redakteur: Aulov A. A., Arzt für Innere Medizin · 24.09.2026

Struktur des Holoenzyms und Klassifikation

Global werden alle Cofaktoren in zwei Hauptgruppen unterteilt: anorganische (Metallionen) und organische (Coenzyme).

Ein Holoenzym arbeitet nach einem streng festgelegten Schema. Seine Struktur umfasst mehrere obligatorische Komponenten:

  • Apoenzym – der rein proteinöse Anteil. Er ist von Natur aus frei von katalytischer Aktivität, d. h. in Abwesenheit des Cofaktors funktioniert das Enzym nicht.
  • Coenzym (oder ein anderer Cofaktor) – der nicht-proteinogene Anteil, der sich im aktiven Zentrum befindet.
  • Holoenzym – der zusammengesetzte, vollständige und katalytisch aktive Komplex.

Der Aktivierungsprozess lässt sich über eine Gleichgewichtsreaktion beschreiben: Das Coenzym verbindet sich mit dem inaktiven Apoenzym, wodurch das funktionetelle Holoenzym entsteht.

Die Bindung zwischen dem proteinösen und dem nicht-proteinösen Teil lässt sich in zwei Typen unterteilen:

  1. Temporär – das Molekül bindet sich ausschließlich zum Zeitpunkt der chemischen Reaktion an das Apoenzym.
  2. Fest (kovalent) – der nicht-proteinogene Anteil ist dauerhaft und sehr stabil an das Protein gebunden. In diesem Fall erhält er eine spezielle Bezeichnung – prosthetische Gruppe.

Funktionen von Metallionen

Metallionen erfüllen die Rolle von Cofaktoren und sind auf vier wesentliche Arten an der Enzymfunktion beteiligt:

  1. Konformationsänderung des Substrats. Das Metall interagiert mit dem Substrat und sorgt für dessen ideale (komplementäre) Wechselwirkung mit dem aktiven Zentrum des Proteins. Ein klassisches Beispiel ist die Situation, in der nicht ein reines Molekül, sondern der Mg²⁺-ATP-Komplex als Substrat fungiert.
  2. Gewährleistung der nativen Konformation des aktiven Zentrums. Metallionen (wie Mg²⁺, Mn²⁺, Zn²⁺, Co²⁺, Mo²⁺) stabilisieren das aktive Zentrum selbst. Dadurch wird die Anlagerung des organischen Coenzyms erleichtert.
  3. Stabilisierung der Quartärstruktur des Proteinmoleküls. Metalle helfen dabei, die komplexe Konformation des gesamten Proteins aufrechtzuerhalten. Beispielsweise sind Zinkionen kritisch für die Stabilisierung des Enzyms Alkoholdehydrogenase, welches die Oxidation von Ethanol katalysiert.
  4. Direkte Beteiligung an der enzymatischen Katalyse. Hierbei können Metalle auf zwei Wegen wirken. Erstens vermitteln sie die electrophile Katalyse (hierzu sind Zn²⁺-, Fe²⁺-, Mn²⁺- und Cu²⁺-Ionen befähigt). Zweitens sind Metalle mit wechselnden Oxidationsstufen an Redoxreaktionen beteiligt, indem sie den Elektronentransfer durchführen. Ein treffendes Beispiel sind Cytochrome (hämhaltige Proteine), bei denen das Eisenion nach dem Schema $Fe^{2+} \rightleftarrows Fe^{3+} + e^-$ kontinuierlich ein Elektron aufnimmt und abgibt.
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Organische Coenzyme und Reaktionstypen

Coenzyme sind komplexe organische Substanzen, die meist als Vitaminderivate vorliegen. Sie befinden sich direkt im aktiven Zentrum des Enzyms und sind unmittelbar am Katalyseakt beteiligt.

Verschiedene Coenzyme sind auf streng definierte Typen chemischer Umwandlungen spezialisiert.

Beispiele für die Zuordnung von Coenzymen und chemischen Reaktionen:

  • Redoxreaktionen: An diesen Prozessen sind traditionell Coenzyme wie NAD⁺, FAD und NADP⁺ beteiligt.
  • Carboxylierung: Reaktionen zur Anlagerung einer Carboxylgruppe verlaufen in der Regel unter zwingender Beteiligung von Biotin.
  • Transaminierung, Acylierung und Acetylierung: Für diese Reaktionstypen sind spezifische Überträger chemischer Gruppen erforderlich, worunter sich Pyridoxalphosphat, Biotin und NAD⁺ (je nach konkretem Stoffwechselweg) finden.

Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema

Von welchen konkreten Vitaminen leiten sich die Coenzyme NAD+ und FAD ab?

Das Coenzym NAD⁺ (Nicotinamidadenindinukleotid) ist ein Derivat von Vitamin PP (B₃, Niacin, Nicotinsäure, Nicotinamid). Das Coenzym FAD (Flavinaudenindinukleotid) ist ein Derivat von Vitamin B₂ (Riboflavin).

Welches Coenzym wird spezifisch für Transaminierungsreaktionen benötigt?

Für Transaminierungsreaktionen wird spezifisch das Coenzym Pyridoxalphosphat (PLP) benötigt. Dieses Coenzym ist die aktive Form von Vitamin B₆ und wird von Aminotransferasen (Enzymen, die Transaminierungen katalysieren) sowohl im Cytosol als auch in den Mitochondrien genutzt.

Wie man es sich merkt

Die Zusammensetzung des aktiven Enzyms lässt sich leicht anhand der Formel merken: APOenzym (Protein, „ruhender“ Apparat) + COenzym (Zündschlüssel) = HOLOenzym (laufende Maschine im Leerlauf, bereit für die Katalyse).

Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen

Worin besteht der Unterschied zwischen einem Cofaktor und einem Coenzym?

Cofaktor ist ein weitreichender Begriff, der alle nicht-proteinogenen Substanzen umfasst, die ein Enzym benötigt (Metallionen und organische Moleküle). Ein Coenzym ist ein Spezialfall des Cofaktors und stellt gezielt eine organische Substanz dar (oft ein Vitaminderivat).

Was ist eine prosthetische Gruppe?

Hierbei handelt es sich um ein Coenzym, das fest (über kovalente Bindungen) an das Apoenzym gebunden ist und sich dauerhaft in dessen Struktur befindet, nicht erst während des Ablaufs der chemischen Reaktion.

Warum benötigen Enzyme Metalle mit wechselnden Oxidationsstufen?

Ionen mit wechselnden Oxidationsstufen (z. B. Eisen in Cytochromen) sind für die Teilnahme an Redoxreaktionen erforderlich, da sie reversibel Elektronen aufnehmen und abgeben können.

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Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt

  • Mechanismen der elektrophilen Katalyse unter Beteiligung von Zink- und Kupferionen
  • Struktur und Funktion hämhaltiger Proteine (Cytochrome)
  • Vitamine als Hauptvorstufen organischer Coenzyme
  • Die Rolle des Mg²⁺-ATP-Komplexes in biochemischen Prozessen
  • Der detaillierte Wirkungsmechanismus von Pyridoxalphosphat bei der Transaminierung

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Das Material wurde von Dozenten von WhiteCoat Pro nach dem Lehrplan medizinischer Hochschulen erstellt. Es hat Bildungscharakter.