Vakuumextraktion: Methode und Instrumente
Die Methode der Vakuumextraktion besteht in der künstlichen Verstärkung der mütterlichen Austreibungskräfte. Im Gegensatz zur Anwendung von Geburtszangen ersetzt dieser Eingriff die Presswehen nicht, sondern unterstützt sie lediglich. Aus diesem Grund ist die aktive Mitwirkung der Gebärenden zwingend erforderlich.
Historisch wurde in der Geburtshilfe das Malmström-Gerät mit Metallglocken (mit einem Durchmesser von 7,6 bis 15,2 cm) und einer Elektropumpe verwendet. Wegen der hohen Traumatisierung des kindlichen Kopfes wird es heute extrem selten eingesetzt. Zum modernen Standard hat sich das Einwegsystem Kiwi mit manueller Vakuumpumpe entwickelt. Dabei werden zwei Glockentypen verwendet:
- Plastikglocke (fest): ist mit einer inneren Schaumstoffschicht versehen. Sie gilt als universell und sorgt für die effektivste Fixierung.
- Silikonglocke (weich): verfügt über eine Schutzkappe, die unmittelbar vor dem Einführen entfernt wird. Sie ist weniger traumatisch, fixiert sich jedoch nicht ausreichend fest am Kopf.
Indikationen und strenge Kontraindikationen
Der Eingriff wird durchgeführt bei Wehenschwäche (wenn eine medikamentöse Therapie wirkungslos bleibt), einsetzender akuter fetaler Hypoxie, tiefem Querstand der Pfeilnaht sowie bei erschwerter Kopfentwicklung während einer Kaiserschnittoperation (Sectio caesarea). Manchmal wird die Methode bei mütterlichen Erkrankungen angewendet, die eine sofortige Beendigung der zweiten Geburtsphase erfordern.
Für einen sicheren Eingriff sind strenge Bedingungen erforderlich:
- Lebender Fetus.
- Vollständige Eröffnung des Muttermundes und stehender beziehungsweise geplatzter Blasensprung.
- Stand des Kopfes im engen Beckenraum (oder beim Übergang vom weiten in den engen Raum), wenn sich die Pfeilnaht dem geraden Durchmesser nähert.
Kontraindikationen umfassen einen toten oder extrem unreifen Fötus, Hydrozephalus, Anenzephalus und Gesichtslage. Das Vakuumextraktionsgerät darf bei unvollständiger Zervixöffnung oder hohem Kopfstand (am Beckeneingang aufstehend oder im weiten Beckenraum) nicht angelegt werden. Ebenso ist die Methode bei schweren mütterlichen Pathologien (Präeklampsie, Eklampsie, Hypertonie, dekompensierte Herzfehler) absolut kontraindiziert, wenn die Presswehen vollständig ausgeschaltet werden müssen.
Operationstechnik und Traktionsregeln
Eine spezifische Vorbereitung ist nicht erforderlich, jedoch muss die Harnblase unbedingt mit einem flexiblen Katheter entleert werden. Intravenöse und Inhalationsnarkose sind streng kontraindiziert — die Frau muss aktiv und effektiv mitpressen.
Vor dem Einführen überprüft der Operateur die Dichtheit der Glocke auf seiner Handfläche. Mit der linken Hand werden die Schamlippen auseinandergezogen, mit der rechten wird die Glocke eingeführt (die feste mit der Seitenfläche, die weiche im zusammengelegten Zustand) und auf dem Kopf platziert. Der Vorgang erfolgt unter strenger manueller Kontrolle der Finger der vaginalen Hand, um mütterliches Weichgewebe (Vaginalwände, Zervixränder) nicht einzuklemmen. Bei vorderer Hinterhauptslage wird das Zentrum der Kiwi-Glocke 3 cm hinter dem hinteren Winkel der großen Fontanelle platziert.
Mit der Handpumpe wird ein Anfangsdruck (100 mmHg) und danach ein Arbeitsdruck (400–600 mmHg) erzeugt, wobei man sich an der grünen Farbe des Indikators orientiert. Die Traktionen erfolgen streng synchron mit den Presswehen nach einer kurzen Pause. Die Zugrichtung ändert sich mit dem Vorschub des Kopfes:
- Vorderes Hinterhauptslage: zuerst nach unten ziehen, bis sich die Hinderhauptsregion unter die Schambeinfuge einstellt, danach nach vorne bis zur vollständigen Geburt des Kopfes.
- Hintere Hinterhauptslage: Traktionen nach unten bis zur Fixierung der großen Fontanelle unter der Schambeinfuge (1. Fixationspunkt, es erfolgt eine Beugung), danach nach hinten, um den Kopf zu entwickeln, nachdem sich die Nacken-Grube dem Steißbein genähert hat.
- Vorderhauptslage (hintere Position): zu sich ziehen bis zur Fixierung der Stirn unter der Schambeinfuge (1. Fixationspunkt), danach nach vorne zur Entwicklung des Hinterhauptshöckers (2. Fixationspunkt), wonach der Kopf sich streckt.
Rutscht die Glocke ab, kann der Versuch wiederholt werden. Bei Misserfolg nach zweimaligem Versuch muss auf das Anlegen von Geburtszangen gewechselt werden. Nach Indikation wird eine Episiotomie durchgeführt.
Entbindung aus Beckenendlage
Dieses manuelle Manöver wird zur schnellstmöglichen Beendigung der 2. Geburtsphase bei Beckenendlage angewendet. Der Eingriff ist indiziert, wenn die Möglichkeit eines Kaiserschnitts verpasst wurde oder als abschließender Schritt nach einer klassischen kombinierten inneren Wendung auf den Fuß.
Je nach Situation werden verschiedene Grifftechniken verwendet:
- Bei Fuß- oder vollkommener beziehungsweise unvollkommener Steißlage wird der Fötus an einem oder beiden Beinen entwickelt.
- Bei reiner Steißlage erfolgt der Griff an der Leistenbeuge.
Historisch wurde die Methode bei vorzeitiger Plazentalösung (Abruptio placentae), Eklampsie und akuter Hypoxie angewendet. In der modernen Praxis greift man zu dieser Operation überwiegend zur Extraktion des zweiten Zwillings oder bei der Geburt eines toten Fötus.
Die Bedingungen für die Durchführung ähneln denen der Vakuumextraktion: vollständige Zervixöffnung, fehlende Fruchtblase und strikte Übereinstimmung der mütterlichen Beckenmaße mit den Parametern des nachfolgenden kindlichen Kopfes. Im Gegensatz zur Vakuumextraktion ist hier jedoch eine vollwertige Schmerzausschaltung erforderlich — eine allgemeine intravenöse oder fortlaufende Regionalanästhesie.
Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema
Welche Komplikationen für Mutter und Kind können nach der Anwendung der Vakuumextraktion auftreten?
Bei der Anwendung der Vakuumextraktion kann es zu Verletzungen der kindlichen Haut und zum Einklemmen von mütterlichem Weichgewebe kommen.
Mögliche Komplikationen:
- Kindliche Verletzungen — das Abrutschen der Glocke (insbesondere der Metallglocke) vom Kopf kann zu Hautverletzungen führen. Die Metallglocken selbst weisen eine hohe Traumatität auf.
- Mütterliche Verletzungen — ein Einklemmen von Weichgewebe (Vaginalwände, Zervixränder) zwischen der Glocke und dem vorangehenden Teil des Fötus ist bei unzureichender manueller Kontrolle möglich.
Aus welchen Schritten besteht das klassische manuelle Manöver bei der Extraktion des Fötus aus Beckenendlage?
Das klassische manuelle Manöver bei Beckenendlage des Fötus besteht aus der nacheinander folgenden Lösung der Armchen und der Entwicklung des Kopfes.
Der Eingriff umfasst folgende Schritte:
- Lösung des ersten Arms — als Erstes wird immer der nach hinten (zum Damm) gerichtete Arm entwickelt.
- Lösung des zweiten Arms — der Rumpf des Fötus wird um 180° gedreht, um den vorderen Arm zum Damm zu verlagern und ihn anschließend zu extrahieren.
- Entwicklung des nachfolgenden Kopfes — Entwicklung des Kopfes entsprechend der Richtung der Geburtsachse des Beckens (z. B. nach der Mauriceau-Smellie-Veit-Methode).
Aus welchen anatomischen Teilen bestehen klassische Geburtszangen?
Klassische Geburtszangen bestehen aus zwei Hälften oder Löffeln. Jeder Löffel umfasst drei Teile: das Löffelblatt, das Schloss und den Griff.
Charakteristik der Instrumentenelemente:
- Schloss — ein einfacher beweglicher Mechanismus zur Verbindung des linken und rechten Löffels.
- Griffe — geradlinig; ihre Außenfläche ist gerippt und wellenförmig, was ein Abrutschen der Hände des Geburtshelfers verhindert.
- Busch-Haken — befinden sich an der Außenfläche der Griffe in der Nähe des Schlosses und dienen als Auflage für die Finger des Geburtshelfers bei der Extraktion des Fötus.
Vektorregel bei vorderer Hinterhauptslage: zuerst „Unter die Schambeinfuge“ (nach unten) ziehen, danach „Direkt zum Bauch“ (nach vorne).
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Worin unterscheidet sich die Vakuumextraktion grundsätzlich vom Anlegen der geburtshilflichen Zange?
Bei der Verwendung des Vakuumextraktors ist die aktive Mitwirkung der Gebärenden obligatorisch (sie muss pressen), da das Gerät lediglich ihre eigenen Anstrengungen verstärkt. Die Zange kann hingegen auch bei völlig ausgeschalteten Presswehen angewendet werden.
Welche Anästhesie wird bei der Vakuumextraktion angewendet?
Inhalations- und intravenöse Narkose sind streng kontraindiziert. Für eine erfolgreiche Fetusextraktion muss die Frau bei klarem Bewusstsein sein und effektiv mitpressen.
Was ist zu tun, wenn die Vakuumglocke vom kindlichen Kopf abrutscht?
Ein wiederholtes Anlegen ist zulässig, jedoch insgesamt maximal zweimal. Wenn der Kopf nach zwei Versuchen den Traktionen nicht nachgibt, muss auf die Operation der Zangenextraktion gewechselt werden.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Biomechanismus der Geburt bei verschiedenen Varianten der Fetteinstellung
- Technik der Episiotomie und deren Indikationen
- Kindliche Komplikationen bei der Verwendung von Metallglocken
- Klassische kombinierte innere Wendung des Fötus auf den Fuß
- Besonderheiten der Geburtsleitung und der Entwicklung des zweiten Fetus bei Mehrlingsschwangerschaft
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