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Die Herzauskultation ist eine wichtige Methode der körperlichen Untersuchung, mit der die Klappenfunktion, Vitien und hämodynamische Störungen beurteilt werden können. Trotz der Entwicklung der Echokardiographie bleibt die Auskultation der erste und obligatorische Schritt der kardiologischen Untersuchung. Dieser Artikel bietet eine umfassende Übersicht über die Auskultationspunkte, die Eigenschaften von Tönen, Geräuschen und deren klinische Bedeutung.
Auskultationspunkte des Herzens
Die klassischen 5 Auskultationspunkte spiegeln nicht die anatomische Lage der Klappen wider, sondern die Richtung des Blutstroms:
| Punkt | Lokalisation | Was wir auskultieren |
|---|---|---|
| 1. Punkt (Mitralklappe) | Herzspitze — 5. Interkostalraum (ICR) in der linken Medioklavikularlinie | Mitralklappenfehler, 1. Ton |
| 2. Punkt (Aortenklappe) | 2. ICR rechts am Sternalrand | Aortenklappenfehler, 2. Ton (aortale Komponente) |
| 3. Punkt (Pulmonalklappe) | 2. ICR links am Sternalrand | Pulmonalklappenfehler, 2. Ton (pulmonale Komponente) |
| 4. Punkt (Trikuspidalklappe) | Ansatz des Processus xiphoideus | Trikuspidalklappenfehler |
| 5. Punkt (Erb-Punkt) | 3. ICR links am Sternalrand | Aorteninsuffizienz, zusätzliche Töne |
Herztöne: Normaler Auskultationsbefund
Normalerweise sind zwei Haupttöne zu hören:
- 1. Herzton (S1) — Schluss der Atrioventrikularklappen (Mitral- + Trikuspidalklappe). Fällt mit dem Spitzenstoß und dem Puls der A. carotis zusammen. Ist an der Herzspitze am besten zu hören
- 2. Herzton (S2) — Schluss der Semilunarklappen (Aorten- + Pulmonalklappe). Ist an der Herzbasis (2. ICR) am besten zu hören
Eselsbrücke zur Lokalisation: Der 1. Ton ist an der Herzspitze (1. Punkt) lauter, der 2. Ton ist an der Basis (2. und 3. Punkt) lauter. Ist der 1. Ton an der Basis lauter, besteht der Verdacht auf Pathologie.
Zusätzliche Herztöne
| Ton | Wann | Bedeutung |
|---|---|---|
| 3. Herzton (S3) | Frühdiastole (frühe Ventrikelfüllung) | Normal bis zum 30. Lebensjahr. Nach dem 40. Lebensjahr — chronische Herzinsuffizienz (CHI), Volumenüberlastung. „Galopprhythmus“ |
| 4. Herzton (S4) | Präsystole (Vorhofsystole) | Immer pathologisch: Linksherzhypertrophie, arterielle Hypertonie, Aortenklappenstenose, HCM |
| Öffnungston (OS) | Nach S2 | Mitralstenose (je kürzer das S2-OS-Intervall, desto schwergradiger die Stenose) |
| Systolischer Klick | Mistosystole | Mitralklappenprolaps (MKP) |
Herzgeräusche: Systolische und diastolische
Herzgeräusche werden nach Zyklusphase, Form, Lokalisation und Fortleitung klassifiziert:
| Geräusch | Phase | Charakteristik | Fortleitung |
|---|---|---|---|
| Aortenklappenstenose | Systolikum | Crescendo-decrescendo, rauh | Zu den A. carotides |
| Mitralregurgitation | Systolikum (pansystolisch) | Hauchend, konstante Intensität | In die Axilla |
| Ventrikelseptumdefekt (VSD) | Systolikum (pansystolisch) | Grob, laut | Über den gesamten Präkordialbereich |
| Mitralklappenstenose | Diastolisch | Niederfrequentes Rumoren mit präsysstolischer Verstärkung | Keine Fortleitung (mit der Glocke auskultieren!) |
| Aortenklappeninsuffizienz | Diastolisch | Hochfrequent, hauchend, decrescendo | Entlang dem linken Sternalrand (Erb-Punkt) |
Funktionelle vs. organische Geräusche
- Funktionelle (unschuldige): systolisch, leise, inkonstant, ohne Fortleitung, nicht von anderen auskultatorischen Befunden begleitet. Häufig bei Kindern und Jugendlichen
- Organische: grob, konstant, fortgeleitet, von Tonveränderungen oder zusätzlichen Tönen begleitet
- Diastolische Geräusche sind immer pathologisch – dies ist eine Regel ohne Ausnahmen
Auskultationsmanöver
- Valsalva-Versuch (Pressen) – ↓ Vorlast → die meisten Geräusche werden leiser, AUSSER HOCM und MVP (werden lauter)
- Hocken – ↑ Vorlast → Geräusche bei HOCM und MVP werden leiser, die übrigen lauter
- Inspiration – ↑ venöser Rückstrom zum rechten Herzen → rechtsseitige Geräusche werden lauter (Rivero-Carvallo-Zeichen)
- Linksseitenlage – bringt die Herzspitze näher an die Thoraxwand → Mitralstenose ist besser hörbar
Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheidet man Aortenklappenstenose von Mitralinsuffizienz?
Beides sind Systolika, aber: Aortenstenose – crescendo-decrescendo (rautenförmig), am besten im 2. ICR, fortgeleitet in die Karotiden; Mitralinsuffizienz – pansystolisch (bandförmig), am besten an der Herzspitze, fortgeleitet in die Axilla. Valsalva-Versuch: AS wird leiser, MI wird ebenfalls leiser (beide nehmen bei ↓ Vorlast ab). Der Hauptunterschied ist der Charakter und die Fortleitung.
Warum benötigt man bei der Auskultation einer Mitralstenose die Stethoskopglocke?
Das Geräusch der Mitralstenose ist ein niederfrequentes Rumoren. Die Glocke (bell) des Stethoskops leitet niedere Frequenzen besser, die Membran (diaphragm) filtert sie heraus. Die Auskultation in Linksseitenlage in Exspiration verbessert die Hörbarkeit zusätzlich.
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