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Propädeutik

Häuskulturation: Auskultationspunkte, Töne und Geräusche

Redaktion von WhiteCoat Pro11. April 2026Aktualisiert am 16. September 20263 Min. Lesezeit
Inhalt · 7 Abschnitte
  1. Auskultationspunkte des Herzen
  2. Herztöne: Normaler Auskultationsbefund
  3. Zusätzliche Herztöne
  4. Herzgeräusche: Systolische und diastolische
  5. Funktionelle vs. organische Geräusche
  6. Auskultationsmanöver
  7. Häufig gestellte Fragen

Die Herzauskultation ist eine wichtige Methode der körperlichen Untersuchung, mit der die Klappenfunktion, Vitien und hämodynamische Störungen beurteilt werden können. Trotz der Entwicklung der Echokardiographie bleibt die Auskultation der erste und obligatorische Schritt der kardiologischen Untersuchung. Dieser Artikel bietet eine umfassende Übersicht über die Auskultationspunkte, die Eigenschaften von Tönen, Geräuschen und deren klinische Bedeutung.

Auskultationspunkte des Herzens

Die klassischen 5 Auskultationspunkte spiegeln nicht die anatomische Lage der Klappen wider, sondern die Richtung des Blutstroms:

PunktLokalisationWas wir auskultieren
1. Punkt (Mitralklappe)Herzspitze — 5. Interkostalraum (ICR) in der linken MedioklavikularlinieMitralklappenfehler, 1. Ton
2. Punkt (Aortenklappe)2. ICR rechts am SternalrandAortenklappenfehler, 2. Ton (aortale Komponente)
3. Punkt (Pulmonalklappe)2. ICR links am SternalrandPulmonalklappenfehler, 2. Ton (pulmonale Komponente)
4. Punkt (Trikuspidalklappe)Ansatz des Processus xiphoideusTrikuspidalklappenfehler
5. Punkt (Erb-Punkt)3. ICR links am SternalrandAorteninsuffizienz, zusätzliche Töne

Herztöne: Normaler Auskultationsbefund

Normalerweise sind zwei Haupttöne zu hören:

  • 1. Herzton (S1) — Schluss der Atrioventrikularklappen (Mitral- + Trikuspidalklappe). Fällt mit dem Spitzenstoß und dem Puls der A. carotis zusammen. Ist an der Herzspitze am besten zu hören
  • 2. Herzton (S2) — Schluss der Semilunarklappen (Aorten- + Pulmonalklappe). Ist an der Herzbasis (2. ICR) am besten zu hören

Eselsbrücke zur Lokalisation: Der 1. Ton ist an der Herzspitze (1. Punkt) lauter, der 2. Ton ist an der Basis (2. und 3. Punkt) lauter. Ist der 1. Ton an der Basis lauter, besteht der Verdacht auf Pathologie.

Zusätzliche Herztöne

TonWannBedeutung
3. Herzton (S3)Frühdiastole (frühe Ventrikelfüllung)Normal bis zum 30. Lebensjahr. Nach dem 40. Lebensjahr — chronische Herzinsuffizienz (CHI), Volumenüberlastung. „Galopprhythmus“
4. Herzton (S4)Präsystole (Vorhofsystole)Immer pathologisch: Linksherzhypertrophie, arterielle Hypertonie, Aortenklappenstenose, HCM
Öffnungston (OS)Nach S2Mitralstenose (je kürzer das S2-OS-Intervall, desto schwergradiger die Stenose)
Systolischer KlickMistosystoleMitralklappenprolaps (MKP)

Herzgeräusche: Systolische und diastolische

Herzgeräusche werden nach Zyklusphase, Form, Lokalisation und Fortleitung klassifiziert:

GeräuschPhaseCharakteristikFortleitung
AortenklappenstenoseSystolikumCrescendo-decrescendo, rauhZu den A. carotides
MitralregurgitationSystolikum (pansystolisch)Hauchend, konstante IntensitätIn die Axilla
Ventrikelseptumdefekt (VSD)Systolikum (pansystolisch)Grob, lautÜber den gesamten Präkordialbereich
MitralklappenstenoseDiastolischNiederfrequentes Rumoren mit präsysstolischer VerstärkungKeine Fortleitung (mit der Glocke auskultieren!)
AortenklappeninsuffizienzDiastolischHochfrequent, hauchend, decrescendoEntlang dem linken Sternalrand (Erb-Punkt)

Funktionelle vs. organische Geräusche

  • Funktionelle (unschuldige): systolisch, leise, inkonstant, ohne Fortleitung, nicht von anderen auskultatorischen Befunden begleitet. Häufig bei Kindern und Jugendlichen
  • Organische: grob, konstant, fortgeleitet, von Tonveränderungen oder zusätzlichen Tönen begleitet
  • Diastolische Geräusche sind immer pathologisch – dies ist eine Regel ohne Ausnahmen

Auskultationsmanöver

  • Valsalva-Versuch (Pressen) – ↓ Vorlast → die meisten Geräusche werden leiser, AUSSER HOCM und MVP (werden lauter)
  • Hocken – ↑ Vorlast → Geräusche bei HOCM und MVP werden leiser, die übrigen lauter
  • Inspiration – ↑ venöser Rückstrom zum rechten Herzen → rechtsseitige Geräusche werden lauter (Rivero-Carvallo-Zeichen)
  • Linksseitenlage – bringt die Herzspitze näher an die Thoraxwand → Mitralstenose ist besser hörbar

Häufig gestellte Fragen

Wie unterscheidet man Aortenklappenstenose von Mitralinsuffizienz?

Beides sind Systolika, aber: Aortenstenose – crescendo-decrescendo (rautenförmig), am besten im 2. ICR, fortgeleitet in die Karotiden; Mitralinsuffizienz – pansystolisch (bandförmig), am besten an der Herzspitze, fortgeleitet in die Axilla. Valsalva-Versuch: AS wird leiser, MI wird ebenfalls leiser (beide nehmen bei ↓ Vorlast ab). Der Hauptunterschied ist der Charakter und die Fortleitung.

Warum benötigt man bei der Auskultation einer Mitralstenose die Stethoskopglocke?

Das Geräusch der Mitralstenose ist ein niederfrequentes Rumoren. Die Glocke (bell) des Stethoskops leitet niedere Frequenzen besser, die Membran (diaphragm) filtert sie heraus. Die Auskultation in Linksseitenlage in Exspiration verbessert die Hörbarkeit zusätzlich.

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Das Material hat Bildungscharakter und ersetzt keine ärztliche Beratung. Überprüfen Sie Behandlungs- und Dosierungsschemata anhand der geltenden klinischen Leitlinien.

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