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Physiologie

Herzyklus: Phasen, Systole und Diastole im EKG

Redaktion von WhiteCoat Pro11. April 2026Aktualisiert am 16. September 20265 Min. Lesezeit
Inhalt · 12 Abschnitte
  1. 1. Definitionen
  2. 2. Phasen der Ventrikelsystole
  3. 3. Phasen der Ventrikulärdiastole
  4. 4. Drücke in Herzkammern und Gefäßen
  5. 5. Schlagvolumen und Herzzeitvolumen
  6. 6. Herztöne
  7. 7. Korrelation mit dem EKG
  8. 8. Regulation des Herzzyklus
  9. 9. Klinische Korrelate
  10. 10. Wiggers-Diagramm
  11. 11. Myokardiale Durchblutung im Zyklus
  12. 12. FAQ

Auf den Punkt gebracht. Der Herzzyklus (bei einer HF von 75 S/min — 0,8 s) umfasst die Ventrikelsystole (0,33 s: isovolumetrische Kontraktion + Austreibung) und die Diastole (0,47 s: isovolumetrische Relaxation + rasche Füllung + langsame Füllung + Vorhofsystole). Wichtigste Drücke: LV — bis zu 120 mmHg in der Systole, 0–8 mmHg diastolisch; RV — 25/5. Herztöne: S1 (Schluss der AV-Klappen, Beginn der Systole), S2 (Schluss der Semilunarklappen, Beginn der Diastole), S3 (rasche Ventrikelfüllung, bei Jugendlichen oder Herzinsuffizienz), S4 (Vorhofsystole, Linksherzhypertrophie). EKG: P-Welle — Vorhofsystole, QRS — Beginn der Ventrikelsystole, T — Ende der Repolarisation.

1. Definitionen

  • Der Herzzyklus ist die Abfolge mechanischer und elektrischer Ereignisse während einer Kontraktion.
  • Bei einer HF von 75/min beträgt die Dauer 0,8 s (Systole ca. 0,33 s, Diastole ca. 0,47 s).
  • Bei Tachykardie verkürzt sich vor allem die Diastole (was die Füllung einschränkt).
  • Systole = Kontraktion, Diastole = Relaxation.

2. Phasen der Ventrikelsystole

  • Phase der isovolumetrischen Kontraktion: AV-Klappen geschlossen (S1), Semilunarklappen noch geschlossen. Druck steigt steil an, Volumen bleibt konstant.
  • Phase der raschen Austreibung: LV-Druck übersteigt den Aortendruck (~80 mmHg), Aortenklappe öffnet sich, Blut wird ausgestoßen.
  • Phase der langsamen Austreibung: Auswurfgeschwindigkeit sinkt, LV- und Aortendruck gleichen sich fast an.
  • Ende: LV-Druck fällt unter den Aortendruck → Schluss der Aortenklappe (Beginn von S2).

3. Phasen der Ventrikulärdiastole

  • Phase der isovolumetrischen Relaxation: Semilunarklappen geschlossen (S2), AV-Klappen noch nicht geöffnet. LV-Druck fällt rasch ab.
  • Phase der raschen Füllung: Sobald der LV-Druck unter den Vorhofdruck sinkt, öffnen sich die AV-Klappen, Blut strömt aus den Vorhöfen ein.
  • Phase der langsamen Füllung (Diastase): LV- und Vorhofdruck gleichen sich an.
  • Vorhofsystole (P-Welle im EKG): Liefert zusätzliche 15–25 % des LV-Volumens („Vorhofkick“).

4. Drücke in Herzkammern und Gefäßen

Herzkammer / GefäßSystole (mmHg)Diastole
Rechter Vorhof—2–6
Rechter Ventrikel250–5
Pulmonalarterie2510
Linker Vorhof—6–12
Linker Ventrikel1200–8
Aorta12080

5. Schlagvolumen und Herzzeitvolumen

  • EDV (enddiastolisches Volumen) des LV — 120 ml.
  • ESV (endsystolisches Volumen) — 50 ml.
  • SV (Schlagvolumen) = EDV − ESV = 70 ml.
  • EF (Ejektionsfraktion) = SV / EDV × 100 % = 58 % (Norm ≥ 52 % bei Männern, ≥ 54 % bei Frauen).
  • HZV (Herzzeitvolumen) = SV × HF = 70 × 75 ≈ 5,25 l/min in Ruhe.
  • Herzindex = HZV / Körperoberfläche; Norm 2,5–4,0 l/min/m².

6. Herztöne

  • S1 — Schluss der Mitral- und Trikuspidalklappe, Beginn der Systole; am besten an der Herzspitze zu hören.
  • S2 — Schluss der Aorten- und Pulmonalklappe, Beginn der Diastole; am besten im 2. ICR zu hören. Physiologische Spaltung bei Inspiration (Aortenklappe schließt vor der Pulmonalklappe).
  • S3 — in der frühen Diastole (rasche Füllung); physiologisch bei Jugendlichen bis 40 Jahre, bei Erwachsenen pathologisch (Herzinsuffizienz, Volumenüberlastung).
  • S4 — präsysstolisch (Vorhofsystole gegen steifen LV); pathologisch (Linksherzhypertrophie, Aortenstenose, Myokardinfarkt).
  • Zusätzliche Töne: Mitralöffnungston (OS) bei Mitralstenose; systolischer Klick beim Mitralklappenprolaps (MVP).

7. Korrelation mit dem EKG

  • P-Welle → Vorhofsystole (am Ende der Ventrikulärdiastole).
  • PR-Intervall → AV-Knoten-Verzögerung.
  • QRS-Komplex → Beginn der Ventrikelsystole; unmittelbar nach QRS — S1.
  • ST-Strecke → Phase der langsamen Austreibung + Plateau des Aktionspotenzials.
  • T-Welle → Ventrikuläre Repolarisation, Ende der Systole; unmittelbar nach T — S2.
  • QT-Intervall → Dauer der Ventrikelsystole (elektrisch).

8. Regulation des Herzzyklus

  • Frank-Starling-Mechanismus: ↑ EDV → ↑ Kontraktionskraft (bis zu einer gewissen Grenze).
  • „Alles-oder-Nichts“-Gesetz für das Myokard (im Gegensatz zur Skelettmuskulatur).
  • Vorlast (Preload) — enddiastolischer Druck im LV (LVEDP); Dehnung der Muskelfasern vor der Kontraktion.
  • Nachlast (Afterload) — der Widerstand, gegen den der Ventrikel kontrahiert (Aortendruck, SVR).
  • Kontraktilität — eine unabhängige Eigenschaft des Myokards, reguliert durch das sympathische Nervensystem (β1 → ↑) und inotrope Medikamente.
  • Herzfrequenz (HF) — wird durch das vegetative Nervensystem reguliert: Sympathikus ↑, Parasympathikus (N. vagus) ↓.

9. Klinische Korrelate

  • Mitrastenose — Verlängerung der Vorhofdiastole, ↑ Druck im LA → Vorhofflimmern, Lungenstauung.
  • Aortenklappenstenose — ↑ Nachlast, LV-Hypertrophie, S4, späten Systolikum.
  • Mitralinsuffizienz — Pansystolikum, Regurgitation in den LA, Volumenbelastung, S3.
  • Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) — diastolische Dysfunktion, Füllungsstörung.
  • Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) — systolische Dysfunktion.
  • Perikardtamponade — Einschränkung der diastolischen Füllung aller Kammern.

10. Wiggers-Diagramm

  • Grafische Darstellung des Herzzyklus: Drücke in LV, Aorta und LA + LV-Volumen + EKG + Herztöne auf einer gemeinsamen Zeitachse.
  • Ermöglicht die anschauliche Visualisierung von: Klappenöffnungs- und -schließungszeitpunkten, aktiven Phasen, Korrelation mechanischer und elektrischer Ereignisse.
  • Lehrbuchklassiker; nützlich zum Verständnis pathologischer Zustände (AS, MR, MS, AR).

11. Myokardiale Durchblutung im Zyklus

  • Der LV erhält Blut fast ausschließlich in der Diastole (die systolische Gefäßkompression behindert den Blutfluss).
  • Bei Tachykardie (↓ Diastole) — Risiko einer LV-Ischämie.
  • RV — systolisch-diastolischer Blutfluss (niedrigerer Druck).
  • Koronarreserve — Fähigkeit zur Steigerung des Blutflusses um das 4- bis 5-fache unter Belastung.

12. FAQ

Warum ist bei Tachykardie vor allem die Diastole beeinträchtigt?
Die Systole bleibt relativ konstant (~0,3 s), während sich die Diastole proportional zur Herzfrequenz verkürzt. Bei einer HF > 150/min ist praktisch keine Diastole mehr vorhanden, Füllung und Koronarperfusion leiden → Ischämie, ↓ HZV.

Was ist der „Vorhofkick“ und wann ist er wichtig?
Die Vorhofsystole trägt 15–25 % zum enddiastolischen Ventrikelvolumen (EDV) bei. Bei steifem Myokard (LVH, AS, ältere Menschen) steigt dieser Anteil auf bis zu 40 %. Der Verlust (bei Vorhofflimmern) → Abfall des HZV, insbesondere bei AS und HFpEF.

Warum spaltet sich S2 bei der Inspiration?
Inspiration ↑ venöser Rückstrom zum RV → verlängert dessen Systole → Pulmonalklappenschluss erfolgt nach dem Aortenklappenschluss. Normalerweise beträgt die Spaltung 20–40 ms. Paradoxe Spaltung (in der Exspiration) — bei SSSB.

Was bedeutet „Galopprhythmus“?
Ein Drei- oder Viertonrhythmus (S1 + S2 + S3/S4 ± beide). S3-Galopp („protodiastolisch“) — bei Herzinsuffizienz mit systolischer Dysfunktion. S4-Galopp („präsistolisch“) — bei LVH, AS, Hypertonie, Ischämie. Summationsgalopp — bei Tachykardie und dem Vorliegen von sowohl S3 als auch S4.

Wie verändert sich der Herzzyklus bei Vorhofflimmern?
Unregelmäßiger Rhythmus → unterschiedliche Zyklusdauern; Fehlen einer effektiven Vorhofsystole → Pulsdefizit (Differenz zwischen Herzfrequenz an der A. radialis und bei der Auskultation); ↑ Risiko thromboembolischer Ereignisse aus dem LA.

Siehe auch: Normales EKG · Herzauskultation · Herzinsuffizienz · Klvitienfehler · Kardiologie-Katalog

Das Material hat Bildungscharakter und ersetzt keine ärztliche Beratung. Überprüfen Sie Behandlungs- und Dosierungsschemata anhand der geltenden klinischen Leitlinien.

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