Infektionen des Nabelgrundes (Omphalitis)
Omphalitis ist eine bakterielle Entzündung des Gewebes der Nabelregion, die bei verzögerter normaler Epithelisierung des Nabelgrundes auftritt.
- Kataralische Form (einfache Omphalitis): Dies ist das Anfangsstadium. Sie ist durch Hyperämie und Infiltration des Nabelrings gekennzeichnet. Aus der Wunde fließt ein spärliches serös-eitriges Exsudat ab, das sich unter den entstehenden blutigen Krusten ansammelt. Der Allgemeinzustand des Kindes ist stabil, es liegt keine Intoxikation vor.
- Eitrige Omphalitis: Der Prozess schreitet voran, es tritt reichlich eitriges Exsudat auf. Schwellung und Rötung breiten sich über den Nabelring hinaus aus und beziehen das Unterhautzellgewebe ein. Die Nabelgefäße entzünden sich (Thrombophlebitis) und sind als verdickte Stränge tastbar. Es kommt zu einem Intoxikationssyndrom: Fieber, Lethargie, Erbrechen, Gewichtsverlust und Veränderungen im Blutbild. Tiefe Komplikationen (Phlegmone, Peritonitis) oder Nabelsepsis sind möglich.
- Nabelgranulom (Fungus): Eine spezifische Komplikation bei längerem Nässeln. Sie zeigt sich als pilzförmige Wucherung von Granulationsgewebe am Grund der Wunde.
Die Behandlung umfasst die tägliche Sanierung: Reinigung mit 3%igem Wasserstoffperoxid, Trocknen mit 70%igem Ethanol und Behandlung mit 1–2%igem Brillantgrün. Lokale Präparate werden angewendet (Zinkhyaluronat, Bacitracin + Neomycin). Das Granulom wird mit Silbernitrat verätzt. Systemische Antibiotika werden nur bei systemischen Manifestationen und der Gefahr einer Generalisierung verordnet.
Pustulöse Hauterkrankungen
Hautinfektionen variieren von leichten Ausschlägen bis hin zu äußerst schwere, lebensbedrohlichen Zuständen für das Neugeborene.
- Vesikulopustulose: Eine gutartige Erkrankung. Sie lokalisiert sich am Gesäß, an den Oberschenkeln und auf der behaarten Kopfhaut. Kleine Vesikel mit klarem Exsudat trüben sich ein (wandeln sich in Pusteln um) und brechen dann nach 2–3 Tagen auf. Es entstehen Erosionen und trockene Krusten. Nach dem Abfallen der Krusten bleiben keine Narben zurück. Sie wird mit Bädern aus Phytopräparaten (Kamille, Schöllkraut), der mechanischen Entfernung der Pusteln mit 70%igem Ethanol und Mupirocin-Salbe behandelt.
- Pemphigus neonatorum:
- Gutartige Form: Blasen von 0,5–1 cm Größe mit serös-eitrigem Inhalt und einem Hyperämiesaum. Sie lokalisieren sich am Unterbauch, an den Extremitäten und in den Hautfalten. Nach dem Aufbrechen entstehen Erosionen, aber es bilden sich keine Krusten. Das Wohlbefinden ist nicht beeinträchtigt.
- Maligne Form: Multiple schlaffe Blasen (Phlyktänen) mit einer Größe von 2–3 cm. Sie geht mit einer schweren Intoxikation, Hyperthermie und einem hohen Sepsisrisiko einher.
- Dermatitis exfoliativa (Ritter-Krankheit): Die schwerste septische Variante. Sie wird durch das Exotoxin (Exfoliatin) von Staphylococcus aureus verursacht, welches die Epidermis ablöst. Sie beginnt mit Hyperämie und Rissen in den Hautfalten, um den Nabel und den Mund. Das Erythem erfasst schnell den gesamten Körper. Es entstehen großflächige erosive Oberflächen. Der Zustand ist extrem schwer. Die Behandlung des Pemphigus und der Ritter-Krankheit umfasst systemische Antibiotika, die Eröffnung von Effloreszenzen mit dem Auftragen einer Mupirocin-basierten Salbe und die Hautpflege mit Anilinfarbstoffen (Fuchsin).
Entzündung der Drüsen und der Bindehaut
Pseudofurunkulose stellt eine staphylokokkale Entzündung der Ausführungsgänge der Schweißdrüsen dar, die zur Einschmelzung der gesamten Drüse führt. Im Gegensatz zum echten Furunkel (bei dem der Haarfollikel betroffen ist), gibt es hier keinen festen nekrotischen Kern. Der Prozess beginnt mit subkutanen Knötchen, die innerhalb von 2–3 Tagen größer werden (bis zur Größe einer Nuss), sich röten und in der Mitte erweichen (Fluktuation). Eine Eröffnung, eine bakteriologische Untersuchung des Sekrets und eine systemische Antibiotikatherapie sind erforderlich.
Neugeborenenmastitis tritt sekundär vor dem Hintergrund einer physiologischen Mastopathie auf. Der Prozess ist einseitig (asymmetrisch). Die Brustdrüse vergrößert sich, der paraureoläre Bereich rötet sich. Bei eitriger Einschmelzung tritt Fluktuation auf, Eiterabfluss aus den Milchgängen ist möglich. Die Hauptbehandlung ist chirurgisch (Eröffnung und adäquate Drainage) plus konservative entzündungshemmende Therapie.
Neugeborenenkonjunktivitis ist meist mit einer Infektion beim Passieren des Geburtskanals verbunden. Sie äußert sich in ausgeprägter Schwellung, Lidhyperämie und dem Vorhandensein von eitrigem Exsudat. Bei reichlich Eiter sind Mikroskopie und Bakterienkultur obligatorisch. Die Behandlung erfolgt durch Spülung der Bindehauthöhle mit schwacher Nitrofural-Lösung und Antibiotika-Tropfen (20% Sulfacetamid oder Augensalben).
Zur Merkhilfe für die Stadien der Vesikulopustulose: Vesikel (klar) → Pustel (trüb) → Erosion (aufgebrochen) → Kruste (getrocknet). Eselsbrücke: VPEK.
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Worin liegt der Hauptunterschied zwischen Pseudofurunkulose und klassischem Furunkel?
Bei der Pseudofurunkulose entzünden sich die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen, weshalb im Entzündungsherd der für das echte Furunkel des Haarfollikels charakteristische feste nekrotische Kern fehlt.
Wie unterscheidet man gutartigen Pemphigus anhand des Ausschlagverlaufs von der Vesikulopustulose?
Ein diagnostisch wichtiges Zeichen des gutartigen Pemphigus besteht darin, dass sich nach dem Aufbrechen der Blasen an der Stelle der Erosionen im Gegensatz zur Vesikulopustulose keine Krusten bilden.
Wann werden bei Omphalitis systemische Antibiotika verordnet?
Eine systemische antibakterielle Therapie ist streng indiziert bei Beeinträchtigung des Allgemeinzustands des Kindes (Auftreten systemischer Intoxikationszeichen) und bei Entstehen eines Risikos der Infektionsgeneralisierung.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Mechanismen der Infektionsgeneralisierung und Entwicklung einer Nabelsepsis
- Tiefe Komplikationen der Omphalitis: Phlegmone der vorderen Bauchwand und Peritonitis
- Differenzialdiagnostik der physiologischen Mastopathie und der eitrigen Mastitis
- Besonderheiten der Exfoliatin-Produktion durch nosokomiale Staphylokokkenstämme
- Laborchemische Zeichen des Intoxikationssyndroms im Blutbild des Neugeborenen
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Weitere Themen des Kapitels „Kapitel 2. Neonatologie“
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