Anmelden
Mikrobiologie · Grampositive sporenbildende Stäbchen (Milzbrand, Clostridien: Tetanus, Botulismus, Gasbrand, C. difficile)

Fusobakterien

Fusobacterium

Fusobakterien sind gramnegative, obligat anaerobe Stäbchenbakterien, deren charakteristisches Merkmal ihre spindelförmige Form ist. Sie besiedeln die menschlichen Schleimhäute und sind in der Lage, infektionsprozesse durch die Freisetzung von Endotoxin und einen ganzen Komplex aggressiver Enzyme zu verursachen.

MorphologieGramnegative, polymorphe Stäbchen, sporenbildend sind sie nicht, unbeweglich.
AtmungstypObligate Anaerobier — sterben bei Kontakt mit Sauerstoff sofort ab.
HabitatMundschleimhaut (Gingivataschen), Darmtrakt, Genitaltrakt.
DiagnostikVerströmen aufgrund der Produktion von Buttersäure und Indol einen stechenden Fäulnisgeruch.
2 Min. LesezeitFür MedizinstudierendeAktualisiert am 25.09.2026
Material vorbereitet von Redaktion von WhiteCoat Pro gemäß den Lehrmaterialien der PlattformGeprüft von Facharzt/Redakteur: Aulov A. A., Arzt für Innere Medizin · 24.09.2026

Taxonomie und Ökologie

Die Gattung Fusobacterium gehört zur Familie der Fusobacteriaceae und umfasst etwa 15 Arten. Typusart ist F. nucleatum. Von medizinischer Bedeutung sind zudem Arten wie F. mortiferum und F. necrophorum.

Im Normalzustand kolonisieren Fusobakterien verschiedene Schleimhäute des menschlichen Körpers. Ihr bevorzugter Lebensraum in der Mundhöhle sind die Gingivataschen. Darüber hinaus sind sie konstant in der Darm- und Genitalflora nachweisbar.

Morphologische und kulturelle Eigenschaften

Fusobakterien sind polymorphe Stäbchen. Ihren Namen verdanken sie der häufig vorkommenden, charakteristischen Spindelnform (in der Mitte verdickt und an den Enden spitz zulaufend).

Hauptmerkmale:

  • Färbung: Gram-negativ (Gr-).
  • Motilität und Sporenbildung: Die Bakterien sind absolut unbeweglich und zur Sporenbildung nicht fähig.
  • Atmung: Es handelt sich um strikte (obligate) Anaerobier.

Bei der Kultivierung auf Blutagar bilden sie kleine Kolonien. Ein charakteristisches Kulturmerkmal ist die Bildung einer $\alpha$-Hämolysezone um die gewachsenen Kolonien herum. Im Stoffwechselprozess produzieren die Mikroorganismen große Mengen an Indol und Buttersäure. Eben diese Substanzen bedingen das wichtigste diagnostische Merkmal der Kultur — einen ausgeprägten Fäulnisgeruch. Zudem besitzen die Bakterien Lecithinaseaktivität.

Überprüfen Sie Ihr Wissen zum ThemaAufgaben aus der Kursdatenbank „Mikrobiologie“ — Antwort und Erklärung sofort.

Pathogenitätsfaktoren und Resistenzen

Die Antigenstruktur der Fusobakterien wird durch das somatische O-Antigen repräsentiert. Obwohl sie zur normalen Mikroflora gehören, verfügen sie über ein starkes Arsenal an Pathogenitätsfaktoren, die bei geschwächtem Immunsystem oder Schleimhauttraumata den Infektionsprozess auslösen.

Schlüssel-Pathogenitätsfaktoren:

  1. Endotoxin — wird bei der Zerstörung der Bakterienzellwand freigesetzt.
  2. Pili — Strukturen, die eine zuverlässige Adhäsion an Wirtszellen gewährleisten.
  3. Flüchtige Fettsäuren.
  4. Aggressine (Enzyme) — Neuraminidase, Phospholipase und Leukocidin (schädigen Gewebe und Abwehrzellen des Wirts).

Umweltresistenz: Die Resistenz von Fusobakterien ist äußerst gering. Als strenge Anaerobier sterben sie bei jeglichem Kontakt mit Luftsauerstoff sofort ab. Darüber hinaus sind die Mikroorganismen hochgradig empfindlich gegenüber Standarddesinfektionsmitteln und Antiseptika.

Wie man es sich merkt

Erinnere dich an die Spindel (fusus), versteckt im Zahnfleisch: Sie hat Angst vor Luft (strenger Anaerobier), kann sich nicht bewegen (unbeweglich) und riecht schlecht (Buttersäure + Indol).

Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen

Warum haben Fusobakterien diesen Namen erhalten?

Der Name leitet sich vom lateinischen Wort fusus (Spindel) ab. Dies hängt mit der charakteristischen Morphologie der Bakterien zusammen — sie erscheinen als polymorphe, spindelförmige Stäbchen.

Anhand welches charakteristischen Merkmals lässt sich das Wachstum von Fusobakterien auf Nährböden vermuten?

Das Hauptdiagnostikmerkmal ist der stechende Fäulnisgeruch der Kultur. Er entsteht dadurch, dass die Bakterien aktiv Buttersäure und Indol produzieren.

Wie verhalten sich Fusobakterien gegenüber der Einwirkung der Außenumwelt?

Sie sind äußerst instabil. Als obligate Anaerobier sterben sie beim Kontakt mit offener Luft praktisch sofort ab.

Etwas unklar? Fragen Sie die KIDer KI-Tutor hat das Material zum Thema „Fusobakterien“ gelesen und erklärt es in einfachen Worten.

Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt

  • Besonderheiten der Pathogenese von Infektionen durch F. nucleatum
  • Die Rolle von F. necrophorum bei der Entwicklung schwerer nekrotisierender Prozesse
  • Wirkungsmechanismus von Aggressinen (Leukocidin und Phospholipase)
  • Besonderheiten bei der Isolierung und Kultivierung obligater Anaerobier
  • Wechselwirkung von Fusobakterien mit anderen Vertretern der Gingivataschen-Mikroflora

Lernen Sie das Thema komplett im Kurs «Mikrobiologie»

Hier ist die Zusammenfassung. Im Kurs finden Sie alles, was in Vorlesung und Prüfung gefragt wird.

  • Vollständiger Leitfaden zum Thema „Fusobakterien“ und 4.383 weitere Seiten des Fachbereichs
  • Aufgaben und Tests nach jedem Thema – wie beim Kolloquium
  • Der KI-Tutor beantwortet Ihre Fragen zum Thema jederzeit
  • 141 Videolektionen zum Fach

Weitere Themen des Abschnitts „Grampositive sporenbildende Stäbchen (Milzbrand, Clostridien: Tetanus, Botulismus, Gasbrand, C. difficile)“

Der gesamte Abschnitt „Grampositive sporenbildende Stäbchen (Milzbrand, Clostridien: Tetanus, Botulismus, Gasbrand, C. difficile)“

Kostenlose Videolektionen: MikrobiologieKurze Lektionen mit Zusammenfassungen — ohne Registrierung.

Lektionen ansehen

Das Material wurde von Dozenten von WhiteCoat Pro nach dem Lehrplan medizinischer Hochschulen erstellt. Es hat Bildungscharakter.