Topographie und Nachbarstrukturen
Der Oberkieferhöcker ist an der Bildung der Grenzen mehrerer Regionen des Gesichtsschädels beteiligt:
- Kieferhöhle (Sinus maxillaris): Der Höcker bildet deren posterior-laterale Wand. Nach oben wird diese Wand durch die Fissura orbitalis inferior begrenzt, reicht nach hinten bis zur Fossa pterygopalatina, und ihr dorsokranialer Winkel grenzt direkt an die Zellae ethmoideae und den Sinus sphenoidalis.
- Fossa infratemporalis (Fossa infratemporalis): Der Höcker bildet deren anteriore Begrenzung.
- Intermaxillärer Zellulärraum (nach N.I. Pirogow): Die Tuber maxillae begrenzt diesen tiefen Gesichtsabschnitt von vorne. Nach oben hin befinden sich der Körper und der große Keilbeinflügel, nach innen der Processus pterygoideus, nach außen der Unterkieferast und nach unten der Musculus pterygoideus medialis.
Aufbau und Muskulatur
Auf der Oberfläche der Tuber maxillae befinden sich 3–4 Alveolaröffnungen (foramina alveolaria). Sie führen in intraossäre Alveolarkanäle (canales alveolares), die zu den Wurzeln der Molaren und Prämolaren verlaufen.
Am Höcker setzt der Kopf des Musculus pterygoideus lateralis (m. pterygoideus lateralis) an.
Blutversorgung und Innervation
Durch die Öffnungen am Oberkieferhöcker ziehen Strukturen, die die Blutversorgung und Innervation der hinteren oberen Zähne gewährleisten:
- Arteriae alveolares superiores posteriores (aa. alveolares superiores posteriores): entspringen dem dritten (pterygopalatinen) Abschnitt der Arteria maxillaris. Sie treten in den Höcker ein und geben dentale (rr. dentales) und peridentale Äste (rr. peridentales) an die Mahlzähne ab. Gleichnamige Venen verlaufen gemeinsam mit ihnen.
- Nervi alveolares superiores posteriores (nn. alveolares superiores posteriores): entspringen dem Nervus maxillaris (dem II. Ast des Nervus trigeminus) in der Fossa pterygopalatina.
Die Fasern der hinteren oberen Alveolarnerven teilen sich im Bereich des Höckers in zwei Gruppen auf:
- Extraossärer Teil – tritt nicht in den Knochen ein, sondern zieht an der Außenfläche des Höckers zum Alveolarfortsatz hinab. Innerviert das Periost des Oberkiefers, die Schleimhaut der Wange und der Gingiva von der Vestibulärseite auf Höhe der Prämolaren und Molaren.
- Intraossärer Teil – zieht in die hinteren oberen Alveolarkanäle, die den Höcker durchsetzen. Innerviert die Schleimhaut der Kieferhöhle, die Zahnalveolen, die Periodontalbänder und das Pulpagewebe aller drei oberen Molaren. Bei einigen Patienten innervieren die hinteren oberen Alveolarnerven die mesiobukkale Wurzel des ersten Molaren nicht.
Klinische Bedeutung
Die zweiten und dritten oberen Molaren stellen die primären odontogenen Ursprünge entzündlicher Prozesse dar.
- Diagnostik von Abszessen und Phlegmonen: Bei einer Phlegmone der Fossa infratemporalis ist das Infiltrat unmittelbar dorsal des Oberkieferhöckers tastbar. Bei der Inspektion der Mundhöhle verstärkt sich der Schmerz bei Druck auf das Tuber maxillae deutlich.
- Differentialdiagnostik: Bei einer Affektion der Fossa pterygopalatina zeigt sich keine Gesichtsasymmetrie. Bei einer Phlegmone der Fossa infratemporalis, deren vordere Grenze der Höcker bildet, treten ein kollateraler Ödem in der Wangen- und Infraorbitalregion sowie eine sanduhrförmige Weichteilschwellung der Schläfe auf. Eine Entzündung kann sich von der Fossa infratemporalis leicht in die Schläfenregion ausbreiten.
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Auf welcher Knochenfläche befindet sich der Oberkieferhöcker?
Er nimmt die Facies infratemporalis des Oberkieferkörpers fast vollständig ein.
Welche Öffnungen befinden sich am Höcker und wohin führen sie?
Auf ihm befinden sich 3–4 foramina alveolaria, die in intraossäre Alveolarkanäle zu den Wurzeln der oberen Molaren und Prämolaren führen.
Welcher Muskel setzt am Oberkieferhöcker an?
Am Höcker setzt der Kopf des Musculus pterygoideus lateralis an.
Wie werden die Gewebe über dem Oberkieferhöcker innerviert?
An der Außenfläche des Höckers zieht der extraossäre Teil der nervi alveolares superiores posteriores herab. Er innerviert das Periost des Oberkiefers, die Schleimhaut der Wange und der Gingiva von der Vestibulärseite.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Oberkiefer (Maxilla) und seine Flächen
- Fossa infratemporalis
- Oberkiefernerv (N. maxillaris) und seine Äste
- Oberkieferarterie (Arteria maxillaris)
- Odontogene Phlegmonen des Kiefer-Gesichtsbereichs
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