Topische Diagnostik von Läsionen der Großhirnhemisphären

Analyse der Läsionsebenen der Großhemisphären: Kortex, subkortikale weiße Substanz (Corona radiata) und Capsula interna. Schlüsselsyndrome, Unterschiede zu Hirnstammläsionen und das Prinzip der „2 Hemi“ und „3 Hemi“.

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Die Hemisphären in der Struktur der topischen Diagnostik

Nach der Besprechung der Hirnstammsyndrome ist es logisch, zu Läsionen der großen Hemisphären des Gehirns überzugehen. Nach Häufigkeit des Vorkommens verteilen sich die Läsionen wie folgt: An erster Stelle stehen Hirnstammherde, danach hemisphärische und schließlich spinale. Bevor man den Herd in der Hemisphäre lokalisiert, müssen Anzeichen einer Hirnstammläsion ausgeschlossen werden: alternierende Syndrome (Jackson-Syndrom, Millard-Gubler-Syndrom, Foville-Syndrom, Weber-Syndrom, Benedikt-Syndrom, Claude-Syndrom), bulbäres Syndrom, Hirnnervenbeteiligung, Augenmuskelstörungen.

Wenn keine Hirnstammzeichen vorliegen, aber ein Hemiparese nach dem brachiofazialen (zerebral-leitungsgebundenen) Typ, eine zentrale Parese der Mimik- und Zungenmuskulatur sowie Störungen höherer kortikaler Funktionen vorhanden sind, befindet sich der Herd in der Hemisphäre.

Lateralisierung des Herdes

Der erste Schritt bei einer Hemisphärenläsion besteht darin, die Seite zu bestimmen. Motorische und sensorische Störungen treten auf der dem Herd gegenüberliegenden Seite auf: Eine Hemihypästhesie links weist auf die rechte Hemisphäre hin. Das Vorhandensein einer Aphasie (motorisch, sensorisch, amnestisch) bei einem Rechtshänder deutet auf eine Läsion der linken, dominanten Hemisphäre hin. Die rechte Hemisphäre ist häufiger für visuell-räumliche Störungen und Anosognosie verantwortlich.

Kortikale Läsion

Ein kortikaler Herd äußert sich primär in einer Störung der höheren psychischen Funktionen: Aphasie, Apraxie, Agnosie. Motorische Störungen haben den Charakter einer Monoparese (am häufigsten ist die Hand betroffen, was die Somatotopie des Gyrus praecentralis widerspiegelt).

Subkortikale weiße Substanz (Corona radiata)

Läsionen der Corona radiata kommen häufiger vor als kortikale. Die Eselsbrücke lautet „2 Hemi“: Hemiparese und Hemihypästhesie auf der Gegenseite. Das Besondere ist eine ungleichmäßige Ausprägung der Störungen: Zum Beispiel Kraftgrad 1 im Arm und 4 im Bein oder umgekehrt, je nachdem, welche Fasern der Corona radiata geschädigt sind.

Bei bilateraler Schädigung der Corona radiata entwickelt sich ein Pseudobulbärsyndrom. Im Gegensatz zum echten Bulbärsyndrom, bei dem die Reflexe des oralen Automatismus vermindert sind, sind sie beim Pseudobulbärsyndrom gesteigert. Charakteristisch sind:

Das Pseudobulbärsyndrom tritt häufig bei Multiple Sklerose, rezidivierenden lakunären Infarkten und zirkulatorischer Enzephalopathie auf.

Capsula interna

Läsion der Capsula interna verursacht das klassische „Drei-Hemi“-Syndrom auf der dem Herd gegenüberliegenden Seite:

  1. Hemiplegie (oder ausgeprägte Hemiparese) durch Schädigung des Pyramidenbahnsystems im hinteren Schenkel;
  2. Hemihypästhesie durch Schädigung der thalamokortikalen Fasern;
  3. Hemianopsie — homonym, infolge der Miteinbeziehung der Sehstrahlunsgewebe.

Unterschied zur Corona radiata: Bei der Capsula interna sind motorische und sensorische Störungen in Arm und Bein gleichmäßig ausgeprägt, der Tonus ist spastisch erhöht, und es lassen sich pathologische Fußzeichen auslösen. Zum Kapselsyndrom kann sich eine zentrale Parese der Mimik- und Zungenmuskulatur auf derselben Seite wie die Hemiparese hinzugesellen.

Vergleichsschema der Ebenen

Schlüsselpunkte

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