Allgemeines zum Adjektiv in der lateinischen Sprache
Das Adjektiv (nomen adiectivum) stimmt im Lateinischen wie im Deutschen in Genus, Numerus und Kasus mit dem Substantiv überein. Adjektive besitzen kein eigenes Deklinationsteam: Sie flektieren nach den Mustern der Substantive der I., II. und III. Deklination.
Nach dem Deklinationstyp werden alle lateinischen Adjektive in zwei Gruppen unterteilt:
- Adjektive der ersten Gruppe — flektieren nach der I. und II. Substantivdeklination;
- Adjektive der zweiten Gruppe — flektieren nach der III. Substantivdeklination.
Adjektive der ersten Gruppe
Die Wörterbuchform von Adjektiven der ersten Gruppe weist drei Geschlechtsendungen im Nominativ Singular auf: -us (Maskulinum), -a (Femininum), -um (Neutrum). Die femininen Formen flektieren nach der I. Deklination, die maskulinen und neutrumsformen nach der II. Deklination.
Endungen des Genitivs Singular: -ae für das Femininum, -i für Maskulinum und Neutrum. Zum Beispiel: longus, longa, longum (lang) — Gen. longi, longae, longi; liber, libera, liberum (frei).
Bei einer Reihe von Adjektiven, die im Maskulinum auf -er enden, fällt der Vokal e aus: im Maskulinum ab dem Genitiv Singular, im Femininum und Neutrum in allen Kasus. Bei anderen Adjektiven auf -er tritt dieser Ausfall nicht auf.
Adjektive der zweiten Gruppe
Adjektive der zweiten Gruppe flektieren nach der III. Deklination und haben in den obliquen Kasus einen einheitlichen Wortstamm für alle Genera. Nach der Anzahl der Geschlechtsendungen in der Wörterbuchform werden sie in drei Typen unterteilt.
- Zweiendige Adjektive — kommen am häufigsten in der anatomischen und medizinischen Terminologie vor. Im Nom. sg. haben sie die Endung -is (gemeinsam für Maskulinum und Femininum) und -e (für das Neutrum): brevis, breve (kurz); frontalis, frontale (frontal). Typisches Wortbildungsmodell: Stamm + Suffix -al- oder -ar- + Endung -is/-e.
- Einendige Adjektive — haben im Nom. sg. eine einheitliche Endung für alle drei Genera (zum Beispiel -x, -s): simplex (einfach), teres (rund), biceps (bizepsartig). Ihr Merkmal ist die Abweichung der Stämme im Nom. und Gen. sg., was in der Wörterbuchform angezeigt wird: simplex, simplicis; teres, teretis; biceps, bicipitis.
- Dreiendige Adjektive — haben im Nom. sg. -er (Maskulinum), -is (Femininum), -e (Neutrum): celer, celeris, celere (schnell); celeber, celebris, celebre.
Kongruenz von Adjektiv und Substantiv
Kongruenz — eine Art der subordinativen Bindung, bei der die Attributsfunktion in einer nominalen Wortgruppe durch ein Adjektiv ausgeübt wird; ein solches Attribut wird als kongruierend bezeichnet. Das Adjektiv stimmt immer in Geschlecht, Zahl und Fall mit dem Substantiv überein, weshalb die Endungen in der Wortgruppe oft (aber nicht immer) übereinstimmen.
- processus transversus — Gen. processus transversi;
- linea transversa — Gen. lineae transversae;
- ligamentum transversum — Gen. ligamenti transversi;
- canalis vertebralis — Gen. canalis vertebralis;
- incisura vertebralis — Gen. incisurae vertebralis;
- foramen vertebrale — Gen. foraminis vertebralis.
Steigerungsstufen der Adjektive
Das lateinische Adjektiv hat drei Steigerungsstufen: Positiv (gradus positivus), Komparativ (gradus comparativus) und Superlativ (gradus superlativus).
Der Komparativ wird gebildet, indem man an den Adjektivstamm die Suffixe -ior für das Maskulinum und Femininum und -ius für das Neutrum anfügt: brevior, brevius; latior, latius. Der Komparativstamm stimmt mit der Form des Maskulinums und Femininums im Nom. sg. überein. Er wird nach der III. Deklination flektiert; der Gen. sg. ist für alle drei Genera gleich und wird durch Anfügen der Endung -is gebildet. Das Adjektiv im Komparativ kongruiert mit dem Substantiv: sutura latior, sulcus latior, foramen latius.
Der Superlativ wird durch Anfügen des Suffixes -issim- und der Geschlechtsendungen -us, -a, -um an den Stamm gebildet; er flektiert nach der I.–II. Deklination.
Besondere Fälle und Ausnahmen
- Adjektive auf -er bilden den Superlativ mit dem Suffix -rim- + Geschlechtsendungen -us, -a, -um.
- Eine Reihe von Adjektiven auf -ilis bildet den Superlativ mit dem Suffix -lim- + Geschlechtsendungen.
- Adjektive, deren Stamm auf einen Vokal endet, bilden die Steigerungsstufen periphrastisch: mit dem Wort magis (mehr) für den Komparativ und maxime (am meisten) für den Superlativ.
- Es gibt Adjektive, die ihre Steigerungsstufen suppletiv bilden, das heißt von verschiedenen Stämmen aus (wie im Deutschen „gut — besser — am besten“).
Schlüsselpunkte
- Das Adjektiv stimmt mit dem Substantiv in Geschlecht, Numerus und Kasus überein.
- Adjektive der ersten Gruppe flektieren nach der I. und II. Deklination (-us, -a, -um).
- Adjektive der zweiten Gruppe flektieren nach der III. Deklination und sind ein-, zwei- oder dreiendig.
- In der medizinischen Terminologie überwiegen zweiendige Adjektive auf -is, -e.
- Bei einendigen Adjektiven unterscheiden sich die Stämme von Nom. sg. und Gen. sg.
- Der Komparativ wird mit den Suffixen -ior (m, f) und -ius (n) gebildet.
- Der Superlativ wird mit dem Suffix -issim- nebst Geschlechtsendungen gebildet.
- Adjektive auf -er, -ilis, mit vokalischem Stamm und Suppleativformen bilden die Steigerungsstufen nach speziellen Regeln.