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Traumatologie

Frakturen: Klassifikation, Diagnostik und Erste Hilfe

Redaktion von WhiteCoat Pro11. April 2026Aktualisiert am 16. September 20263 Min. Lesezeit
Inhalt · 7 Abschnitte
  1. Klassifikation der Frakturen
  2. Klinische Diagnostik
  3. Apparative Diagnostik
  4. Erste Hilfe bei Frakturen
  5. Therapieprinzipien
  6. Frakturkomplikationen
  7. Häufig gestellte Fragen

Frakturen sind eine vollständige oder partielle Unterbrechung der Knochenkontinuität und gehören zu den häufigsten Vorstellungsgründen in der Traumatologie. Korrekte Klassifikation, Diagnostik und Erste Hilfe bestimmen den Behandlungserfolg. Dieser Artikel bietet eine vollständige Übersicht für Medizinstudierende und Primärärzte.

Frakturklassifikation

KriteriumArtenBeschreibung
Nach HautintegritätGeschlossenDie Haut ist intakt
OffenWunde im Frakturbereich, Knochenkontakt zur Außenumgebung → Infektionsrisiko
Nach FrakturlinieQuerfrakturLinie verläuft senkrecht zur Knochenachse
SchrägfrakturVerläuft im Winkel zur Achse
SpiralfrakturLinie windet sich um den Knochen (Rotations-trauma)
TrümmerfrakturMehr als 2 Fragmente
Nach VerschiebungUnverschobenFragmente behalten ihre anatomische Position
VerschobenIn der Breite, in der Länge, im Winkel, rotationell
Nach VollständigkeitVollständigÜber die gesamte Knochendicke
Unvollständig (Fissur)Nur ein Teil der Kortikalis
Besondere TypenPathologischDurch einen Bereich pathologisch veränderten Knochens (Metastasen, Osteoporose)
Stressfraktur (Ermüdungsbruch)Mikrotraumen durch wiederholte Belastung (Läufer, Militär)
GrünholzfrakturBei Kindern – Knochen bricht unvollständig (Periost einseitig erhalten)

Klinische Diagnostik

Absolute (sichere) Frakturzeichen

  • Pathologische Beweglichkeit – Bewegung an einer Stelle, wo sie nicht sein sollte
  • Krepitation – Knochenreiben (nicht gezielt prüfen!)
  • Extremitätendeformität – Verkürzung, Achsenabweichung
  • Sichtbare Knochenfragmente (bei offener Fraktur)

Relative (unsichere) Zeichen

  • Schmerz bei axialer Stauchung
  • Ödem, Hämatom
  • Einschränkung der Extremitätenfunktion
  • Zwangshaltung

Apparative Diagnostik

MethodeIndikationenWas wird nachgewiesen
RöntgenuntersuchungErste Wahl bei jedem VerdachtFrakturlinie, Verschiebung, Impaktierung. Die Zwei-Ebenen-Regel!
CTKomplexe Frakturen (Gelenkfrakturen, Wirbelsäule, Becken)Genaue Fragmentanatomie, Operationsplanung
MRTStressfrakturen, WeichteilverletzungenKnochenmarködem (frühes Zeichen), Bänder, Menisken

Röntgenregel: immer 2 Ebenen unter Einbezug von 2 benachbarten Gelenken.

Erste Hilfe bei Frakturen

  1. Zustandsbeurteilung — ABC (Atemwege, Kreislauf). Lebensbedrohliche Zustände haben Priorität
  2. Blutstillung — bei offener Fraktur: steriler Verband. Bei arterieller Blutung — Tourniquet (unter zwingender Notierung der Uhrzeit!)
  3. Immobilisation — Schienung in der Position, in der sich die Extremität befindet. 2 benachbarte Gelenke einbeziehen. Fragmente nicht reponieren!
  4. Schmerztherapie — Analgetika (Ketorolac, bei starken Schmerzen Opiate)
  5. Kühlen — für 15–20 Minuten durch ein Tuch (reduziert das Ödem)
  6. Transport — auf einer Trage, in schonender Lagerung

Therapieprinzipien

MethodeIndikationenBeispiele
KonservativGeschlossene Frakturen ohne nennenswerte VerschiebungGipsverband, Cast-Verband, Orthese
SkelettextraktionFemurfrakturen (vorübergehend), präoperative VorbereitungKirschner-Draht durch die Tuberositas tibiae
Operativ (Osteosynthese)Verschoben, Gelenk beteiligt, offen, instabilPlatten, Schrauben, Marknägel, Fixateur externe (Ilizarov-Apparat)

Frakturkomplikationen

Frühkomplikationen

  • Traumatischer Schock — bei Femurfraktur Blutverlust bis zu 1–1,5 l, Beckenfraktur — bis zu 3 l
  • Fettembolie — 24–72 Stunden nach Fraktur langer Röhrenknochen (Dyspnoe, Petechien, Verwirrtheit). Pathognomonische Trias!
  • Kompartmentsyndrom — zunehmendes Ödem in einer geschlossenen Faszienloge → Ischämie → Muskelnekrose. Schmerz, der in keinem Verhältnis zum Trauma steht, Schmerz bei passiver Dehnung → Notfall-Fasziotomie
  • Gefäß- und Nervenverletzungen — Puls und Sensibilität distal der Fraktur überprüfen!

Spätkomplikationen

  • Verzögerte Knochenbruchheilung (verzögerte Konsolidierung) — Heilung > 6 Monate
  • Falschgelenk (Pseudarthrose) — Ausbleiben der Knochenheilung → Bildung eines Neogelenks
  • Malunion (Fehlvereinigung) — mit Deformität, Verkürzung
  • Volkmann-Kontraktur — ischämische Muskelkontraktur des Unterarms (Folge eines Kompartmentsyndroms)
  • Posttraumatische Arthrose — bei intraartikulären Frakturen

Häufig gestellte Fragen

Wie unterscheidet man eine Fraktur von einer Luxation?

Fraktur: pathologische Beweglichkeit, Krepitation, Deformität in der Knochenachse. Luxation: „federnde Fixierung“ (bei passiven Bewegungsversuchen kehrt die Extremität in die Fehlstellung zurück), Deformität im Gelenkbereich, „leere“ Gelenkpfanne bei der Palpation. Die definitive Diagnose erfolgt mittels Röntgen.

Warum darf man Fragmente bei Frakturen vor Ort nicht reponieren?

Laienhafte Manipulationen können: benachbarte Gefäße und Nerven verletzen; eine geschlossene in eine offene Fraktur umwandeln; die Blutung verstärken; eine Fettembolie auslösen. Reposition nur in der Klinik, unter Anästhesie und radiologischer Kontrolle.

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Das Material hat Bildungscharakter und ersetzt keine ärztliche Beratung. Überprüfen Sie Behandlungs- und Dosierungsschemata anhand der geltenden klinischen Leitlinien.

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