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Neurologie

12 Hirnnervenpaare: Tabelle, Funktionen, Untersuchung

Redaktion von WhiteCoat Pro11. April 2026Aktualisiert am 16. September 20264 Min. Lesezeit
Inhalt · 7 Abschnitte
  1. Übersichtstabelle der 12 Hirnnervenpaare
  2. Eselsbrücken zum Lernen
  3. Augenmuskelnerven (III, IV, VI)
  4. Nervus trigeminus (V): drei Äste
  5. Nervus facialis (VII): topische Diagnostik
  6. Nervus vagus (X): der längste Hirnnerv
  7. Häufig gestellte Fragen

Die 12 Hirnnervenpaare sind ein fundamentales Thema in Neurologie und Anatomie, ohne das eine neurologische Untersuchung undenkbar ist. Jeder Nerv hat einen einzigartigen Verlauf, spezifische Kerne und charakteristische klinische Ausfälle bei Läsionen. Dieser Artikel bietet eine vollständige Tabelle, Eselsbrücken und klinische Korrelationen für die Prüfung und die klinische Praxis.

Übersichtstabelle der 12 Hirnnervenpaare

№NameTypFunktionSchädelaustritt
INervus olfactoriusSensibelGeruchssinnLamina cribrosa
IINervus opticusSensibelSehenCanalis opticus
IIINervus oculomotoriusMotorisch + parasympathischAugenbewegungen (4 von 6 Muskeln), Lidhebung, Pupillenverengung, AkkommodationFissura orbitalis superior
IVNervus trochlearisMotorischMusculus obliquus superior (Blick nach unten-innen)Fissura orbitalis superior
VNervus trigeminusMischnervSensibilität des Gesichts (V1, V2, V3) + Kaumuskulatur (V3)V1 – superiore orbitale Fissur, V2 – Foramen rotundum, V3 – Foramen ovale
VIN. abducens (VI)MotorischM. rectus lateralis (Abduktion des Auges)Fissura orbitalis superior
VIIN. facialis (VII)MischnervMimische Muskulatur, Geschmack (vordere 2/3 der Zunge), Tränen- sowie Unterkiefer- und UnterzungendrüsePorus acusticus internus → Foramen stylomastoideum
VIIIN. vestibulocochlearis (VIII)SensibelHören und GleichgewichtMeatus acusticus internus
IXN. glossopharyngeus (IX)MischnervGeschmack (hinteres Drittel der Zunge), Würgereflex, Sinus caroticus, Glandula parotideaForamen jugulare
XN. vagus (X)MischnervParasympathische Innervation der Organe bis zur Flexura sinistra coli, Larynx, PharynxForamen jugulare
XIN. accessorius (XI)MotorischM. sternocleidomastoideus und M. trapeziusForamen jugulare
XIIN. hypoglossus (XII)MotorischZungenmuskulaturCanalis nervi hypoglossi

Eselsbrücken zum Lernen

Reihenfolge der Nerven: „Oh, Oh, Oh, To Touch And Feel Very Good Velvet, AH!“ (Olfactory, Optic, Oculomotor, Trochlear, Trigeminal, Abducens, Facial, Vestibulocochlear, Glossopharyngeal, Vagus, Accessory, Hypoglossal)

Nerventyp (S = sensibel, M = motorisch, B = gemischt [sens./mot.]): „Some Say Marry Money, But My Brother Says Big Brains Matter More“ → S, S, M, M, B, M, B, S, B, B, M, M

Hirnnerven der Augenbewegung (III, IV, VI)

Diese drei Nerven steuern die Augenbewegungen:

  • III (N. oculomotorius) – alle Augenmuskeln AUSSER M. obliquus superior und M. rectus lateralis + M. levator palpebrae + Parasympathikus (Miosis, Akkommodation)
  • IV (N. trochlearis) – nur M. obliquus superior (SO). Eselsbrücke: SO₄ (Sulfatformel = 4. Nerv → oberer schiefer Augenmuskel – Superior Oblique)
  • VI (N. abducens) – nur M. rectus lateralis (LR). Eselsbrücke: LR₆ (6. Nerv → m. rectus lateralis – Lateral Rectus)

Formel: LR₆SO₄R₃ – M. rectus lateralis (VI), M. obliquus superior (IV), alle anderen (III).

N. trigeminus (V): drei Äste

AstInnervationsgebietKlinische Hinweise
V1 (ophthalmicus)Ststirne, Oberlid, Nasenrücken, KorneaKornealreflex (afferenter Schenkel — V1, efferenter — VII)
V2 (maxillaris)Wange, Oberlippe, obere Zähne, NasenflügelTrigeminusneuralgie betrifft häufig V2 und/или V3
V3 (mandibularis)Unterkiefer, untere Zähne, vordere 2/3 der Zunge (Tastsinn!) + KaumuskulaturEinziger Ast mit motorischer Komponente

Facialis (VII): topische Diagnostik

Der N. facialis trägt 5 Komponenten, und die Läsionshöhe bestimmt das klinische Bild:

  • Zentrale Parese (Läsion oberhalb des Kerns) — Schwäche nur der unteren Gesichtshälfte kontralateral (Stirn erhalten — bilaterale kortikale Innervation)
  • Periphere Parese (Läsion des Kerns oder des Nervs) — Schwäche der gesamten Gesichtshälfte ipsilateral
  • Läsion im Canalis facialis (Schläfenbein) → + Hyperakusis (Abgang des M. stapedius), + Geschmacksstörung (Chorda tympani), + trocknes Auge (N. petrosus major)

Bell-Paralyse — idiopatische periphere Parese des N. facialis (VII). Akuter Beginn, einseitig, Therapie — Glukokortikoide in den ersten 72 Stunden.

N. vagus (X): längster Hirnnerv

  • Parasympathische Innervation von Herz, Lunge, GIT bis zur Flexura sinistra
  • N. laryngeus superior — der R. externus innerviert den M. cricothyroideus (Anspannung der Stimmlippen). Verletzung bei Schilddrüsen-OP → „ermüdete Stimme“
  • N. laryngeus recurrens — alle übrigen Kehlkopfmuskeln. Der linke zieht um den Aortenbogen, der rechte — um die Arteria subclavia. Verletzung → Heiserkeit (einseitige Parese) oder Stridor (beidseitig)

Häufig gestellte Fragen

Wie unterscheidet man eine zentrale Fazialisparese von einer peripheren?

Zentral (Schlaganfall): nur die untere mimische Muskulatur ist kontralateral betroffen — der Patient kann die Stirn runzeln und die Augen schließen. Peripher (Bell-Paralyse): die gesamte Gesichtshälfte ist ipsilateral betroffen — kann die Stirn nicht runzeln, Auge nicht schließen, Bell-Phänomen positiv (Augapfel rollt beim Versuch, das Auge zu schließen, nach oben).

Warum deviiert die Zunge bei einer Läsion des N. hypoglossus (XII) zur Läsionsseite?

Der N. hypoglossus innerviert den M. genioglossus, der die Zunge nach vorne und zur entgegengesetzten Seite schiebt. Bei einseitiger Läsion kann die gelähmte Seite die Zunge nicht „schieben“ — die gesunde Seite dominiert und drückt sie zur Läsionsseite ab. Eselsbrücke: „Die Zunge leckt die Wunde“ — weist auf die erkrankte Seite hin.

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