Basismethode des Defektverschlusses
Chirurgische Eingriffe im Gesicht (einschließlich Ophthalmochirurgie, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie HNO-Operationen) erfordern häufig die Beseitigung von Hautdefekten. Bei kleinen Hautdefekten stellt die lokale Gewebeplastik als Basismethode die optimale Wahl dar.
Das Wesen der Methode besteht in einer sorgfältigen Unterminierung und anschließenden Annäherung der Wundränder. Die mobilisierten Ränder müssen durch die gesamte Dicke vernäht werden. Eine kritisch wichtige Regel in dieser Phase ist das Legen der Nähte streng ohne Spannung. Dies ermöglicht eine ideale Adaptation der Gewebeschichten und verhindert die Bildung einer ästhetisch inakzeptablen, eingezogenen Narbe. In Fällen, in denen ein starker Gewebezug nicht vermieden werden kann, greift der Chirurg zu zusätzlichen Entlastungsschnitten, die parallel zur Hauptwunde angelegt werden.
Hautlappenplastik
In Situationen mit ausgedehnteren Defekten kommt die Hautlappenplastik zum Einsatz. Diese Lappen werden so zugeschnitten, dass eine breite Basis erhalten bleibt – eine notwendige Voraussetzung für eine adäquate Blutversorgung und eine vollständige Innervation des zu verschiebenden Areals. Die Verschiebung des Lappens auf die freiliegende Defektoberfläche erfolgt durch Gleiten, wobei ein Abknicken vermieden werden muss.
Für rechteckige Defekte wurde eine spezifische Technik entwickelt:
- An den gegenüberliegenden Wundrändern werden senkrechte Schnitte durchgeführt.
- Es entstehen viereckige Lappen auf breiten Basen.
- Diese Lappen werden unterminiert und auf den Defekt geschoben (gegenseitig von zwei Seiten oder nur von einer Seite).
Vorteil der Verwendung lokaler Lappen ist, dass Defekte mit Vollhaut verschlossen werden, die ein absolut identisches Aussehen (Farbe, Textur) wie das umliegende Gewebe aufweist. Zu den Nachteilen gehören die Bildung neuer Narben im Umkreis des ehemaligen Defekts und die Unmöglichkeit, einen doppelten Lappen zu erhalten, was beispielsweise bei der Formung der Nasenflügel erforderlich sein kann.
Voneinander wegweisende dreieckige Lappen (nach Limberg)
Bei Kontrakturnarben im Gesicht wird häufig die Methode der Verschiebung gegenseitiger dreieckiger Lappen angewandt. Das Wesen dieser Methode liegt in der Plastik mit gegenseitigen symmetrischen Dreiecken. Technisch wird dies wie folgt durchgeführt:
- Von den Enden der zu exzidierenden Narbe werden in entgegengesetzte Richtungen parallele Schnitte geführt.
- Die Narbe wird exzidiert, wodurch zwei gegenseitige dreieckige Lappen entstehen.
- Die Lappen werden mobilisiert und es erfolgt ein gegenseitiger Austausch (Verschiebung des einen über den anderen).
Auf diese Weise erfolgt die Auffüllung des durch die Narbendehnung entstandenen Defekts.
In Fällen, in denen das umgebende Gewebe eine unterschiedliche Verschieblichkeit aufweist, greift man auf eine Plastik mit asymmetrischen Dreiecken zurück. Das Prinzip der Winkelbildung ist hier streng reglementiert: Das Dreieck mit dem größeren Scheitelwinkel wird auf dem weniger beweglichen Hautteil gebildet, während das Dreieck mit dem spitzen Winkel auf dem beweglichen Teil platziert wird. Bei der Beseitigung einer Narbe am inneren Augenwinkel wird beispielsweise das breite Dreieck aus der weniger beweglichen Haut unter dem Augenlid entnommen und das schmale aus dem Gewebe zwischen Nasenrücken und Augenwinkel.
Stiellappenplastik und Hautstreifen
Eine alternative Methode ist die Stiellappenplastik. Ein solcher Lappen wird aus dem Gewebe in der Nähe des Defekts ausgeschnitten und muss in Form und Größe passen. Der Stiel des Lappens kann kurz oder lang sein. Ein langer Stiel gibt dem Chirurgen die Möglichkeit, den Lappen über unbeschädigtes Gewebe zu verlagern. Dabei ist darauf zu achten, dass die im Stiel verlaufenden Gefäße beim Abknicken nicht komprimiert werden. Die Operation schließt mit dem Wundverschluss an der Entnahmestelle ab. Der Nachteil dieser Methode liegt darin, dass sie kein Material zur Deckung großer Defekte oder zur Bildung doppelter Lappen liefert.
Zudem existiert eine strenge Technik zur Bildung eines tubulären Lappens (Hautstreifens):
- Durch zwei parallele Schnitte wird ein Hautstreifen von erforderlicher Länge und Breite ausgeschnitten (das Verhältnis muss für eine adäquate Ernährung 3:1 betragen).
- Der Schnitt wird durch Haut, Subkutis und oberflächliche Faszie geführt.
- Der Streifen wird zu einer Röhre mit der Haut nach außen eingerollt. Die Ränder werden vernäht, wobei das subkutane Fettgewebe nicht über die Hautränder hinausragen und die Adaptation stören darf.
- Der Defekt an der Entnahmestelle des Streifens wird mit knotigen Seidennähten verschlossen.
Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema
Welche Methoden der Verschiebung zugeschnittener Hautlappen auf den Defekt existieren?
- Gleiten – Verschiebung von Lappen ohne Abknicken auf die freiliegende Defektoberfläche.
- Gegenseitiger Austausch – Verschiebung ausgeschnittener gegenseitiger dreieckiger Lappen übereinander, wodurch der Defekt der Narbendehnung aufgefüllt wird.
- Rotationsverschiebung – Drehung eines dreieckigen Lappens zum Verschluss eines Hautdefekts.
- Migration – schrittweise Verlagerung des gebildeten Stiels in die Empfängerzone (z. B. vom Bauch zum Unterarm und weiter ins Gesicht).
„Limberg liebt Symmetrie, das Auge jedoch nicht“: Bei der klassischen Limberg-Plastik sind die Dreiecke symmetrisch, während am Auge (aufgrund unterschiedlicher Gewebebeweglichkeit) asymmetrische Dreiecke zugeschnitten werden.
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Was ist die Hauptregel beim Legen von Nähten während der lokalen Gewebeplastik?
Nähte sollten durch die gesamte Gewebeschicht streng ohne Spannung gelegt werden. Dies gewährleistet eine ideale Schichtenadaptation und verhindert das Entstehen einer eingezogenen Narbe.
Worin besteht die Besonderheit der Plastik mit asymmetrischen Dreiecken?
Das Dreieck mit dem größeren Winkel wird immer auf weniger beweglicher Haut gebildet, das mit dem spitzen Winkel auf beweglicherer Haut. Dies ist erforderlich, um den Unterschied in der Gewebedehnbarkeit auszugleichen.
Welche Anforderungen werden an den Hautstreifen bei seiner Bildung gestellt?
Das Verhältnis von Länge und Breite des Streifens muss 3:1 betragen, um die Ernährung zu sichern. Der Streifen wird bis zur oberflächlichen Faszie ausgeschnitten, mit der Haut nach außen eingerollt, und das subkutane Fett darf nicht über die Ränder hinausragen.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Ophthalmochirurgie: Lidoperationen
- Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie: Lippen- und Nasenflügelplastik
- Topografische Anatomie der oberflächlichen Faszie von Gesicht und Hals
- Arten und Techniken von chirurgischen Knopfnähten
- Blutversorgung der Gesichtshautlappen
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