Klinische Besonderheiten und Differenzierung in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Bei entzündlichen Prozessen im Kiefer- und Gesichtsbereich ist es wichtig, die Grenzen der Läsion präzise zu bestimmen. Beispielsweise zeigt sich bei Abszessen und Phlegmonen der Infraorbitalregion eine Verhärtung, Verstreichung der Nasolabialfalte und ein Lidödem, während die Mundöffnung frei bleibt. Im Gegensatz zur eitrigen Periostitis des Oberkiefers fehlt bei solchen Phlegmonen eine ausgeprägte Verstreichung der Schleimhaut im Umschlagfaltenbereich.
Die Jochbeinregion ist bei Pathologien der oberen Prämolaren und ersten Molaren beteiligt. Die Infektion kann sich auf die Schläfen-, Wangen- und Parotideomasseterregion sowie auf die Orbita ausbreiten.
Abgrenzung der Phlegmone vom Erysipel
In der Praxis müssen tief liegende eitrige Prozesse häufig von oberflächlichen Hautinfektionen abgegrenzt werden. Die wichtigsten Regeln für die Differenzierung zum Erysipel:
- Beim Erysipel dominiert eine Intoxikation, die dem Auftreten des Erythems in der Dermis vorausgeht, während die Phlegmone von einer ausgeprägten eitrigen Gewebseinschmelzung begleitet wird.
- Bei Männern handelt es sich bei einer fälschlicherweise als „Erysipel der oberen Extremität“ diagnostizierten Infektion in fast 100 % der Fälle um einen eitrigen Prozess (Phlegmone oder Abszess).
- Das Ausbleiben einer Besserung und eines Therapieerfolgs unter Antibiotika in der ersten Woche weist auf eine initiale Fehldiagnose oder das Hinzutreten eitriger Komplikationen hin.
- Als Labormarker für die Entwicklung einer Phlegmone dienen persistierende Veränderungen im großen Blutbild (Leukozytose, erhöhte BSG).
Chirurgische Behandlung und Drainage
Das Vorgehen bei bestätigter Phlegmone ist streng aktiv:
- Es wird ein chirurgischer Zugang geschaffen (z. B. intraoraler Schnitt in der Umschlagfalte bei Lokalisation in der Fossa canina fossa canina).
- Die stumpfe Präparation der Muskeln erfolgt mithilfe einer Klemme, um in die intermuskulären Räume vorzudringen.
- Ein obligater Schritt ist die adäquate Wunddrainage unter Verwendung von Doppeldrainagen (Gazestreifen mit Wischnewski-Salbe und Gummilasche).
Die Phlegmone unterscheidet sich von der Periostitis durch die Falte: Bei der Periostitis ist die Umschlagfalte deutlich verstrichen, bei der Phlegmone der Infraorbitalregion hingegen nicht.
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Worin liegt der Hauptunterschied zwischen der Phlegmone der Infraorbitalregion und der eitrigen Periostitis des Oberkiefers?
Der Hauptunterschied liegt im Zustand der Umschlagfalte: Bei einer Phlegmone der Infraorbitalregion fehlt eine ausgeprägte Verstreichung der Schleimhaut im Umschlagfaltenbereich.
Mit welchen Pathologien wird in erster Linie die Differentialdiagnose des Erysipels durchgeführt?
In erster Linie müssen dringliche chirurgische Krankheitsbilder ausgeschlossen werden: Abszess, Phlegmone, superinfizierte Hämatome und Thrombophlebitis.
Worauf deutet das Ausbleiben des Ansprechens auf die antibiotische Therapie eines Erysipels innerhalb einer Woche hin?
Dies weist auf die Entwicklung eitriger Komplikationen (Abszesse oder Phlegmonen) oder auf eine initiale Fehldiagnose hin.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Anatomische Grenzen und Ausbreitungswege der Infektion bei Phlegmonen der Jochbeinregion
- Diagnostische Kriterien der nekrotisierenden anaeroben Fasziitis
- Besonderheiten des großen Blutbildes und Urinstatus bei eitrigen und entzündlichen Prozessen
- Symptome und Differentialdiagnose von Agranulozytose und Monozytose
- Lokale und allgemeine Komplikationen des Erysipels
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