Grosse Gefässsysteme
Das Gehirn wird über zwei Hauptstromgebiete mit Blut versorgt:
- Karotissystem (vorderes System). Wird von der rechten und linken Arteria carotis interna gebildet (a. carotis interna). Sie zweigen in Höhe des Schildknorpels von den Arteriae carotes communes ab, verlaufen astlos durch den Halsabschnitt und dringen in die Schädelhöhle ein. Dieses System versorgt Stirn-, Scheitel-, Schläfenlappen und subkortikale Strukturen.
- Vertebrobasiliarsystem (hinteres System). Wird durch die Arteriae vertebrales (a. vertebralis) gebildet, die aus den Arteriae subclaviae entspringen. Nach dem Durchtritt durch die Halswirbel und das Foramen magnum vereinigen sie sich an der Hirnbasis zur unpaaren Arteria basilaris (a. basilaris). Dieses Stromgebiet versorgt Hirnstamm, Kleinhirn und Okzipitallappen der Hemisphären.
Intrakranielles Gefässnetz und Anastomosen
Nach dem Eintritt in die Schädelhöhle bilden die Arterien ein leistungsstarkes Kompensationssystem — den Circulus arteriosus cerebri (Willis-Kreis). Über diesen kommunizieren das Karotis- und das Vertebrobasiliarsystem sowie die rechte und linke Hälfte des zerebralen Blutkreislaufs.
Hauptarterien der Hemisphären:
- Arteria cerebri anterior (a. cerebri anterior): versorgt die medialen Anteile des Frontal- und Parietallappens.
- Arteria cerebri media (a. cerebri media): versorgt die Aussenfläche der Hemisphären und tiefe Strukturen (Basalganglien, Capsula interna).
- Arteria cerebri posterior (a. cerebri posterior): versorgt den Okzipitallappen und die mediobasalen Anteile des Temporallappens.
Das Anastomosesystem ist von äusserster Wichtigkeit: Es ermöglicht die Kompensation eines Durchblutungsmangels bei Verschluss einer der Hauptarterien. Auf Ebene der intrazerebralen Äste führt der Ausfall der Durchblutung jedoch gewöhnlich zur Entwicklung einer lokalen Ischämie.
Akute zerebrovaskuläre Erkrankungen (Stroke)
Eine Verminderung des Blutflusses kann zu akuten zerebrovaskulären Erkrankungen führen. Nach der Dauer der Symptome unterscheidet man:
- Transitorische ischämische Attacken (TIA) — vorübergehende Störung, Symptome bilden sich vollständig zurück.
- Schlaganfälle — anhaltendes neurologisches Defizit.
Schlaganfälle werden unterteilt in:
- Ischämische Schlaganfälle (Hirninfarkt) (70–85 % der Fälle): entstehen durch Atherosklerose, Thrombose oder Embolie (häufig kardiogen). Es entwickelt sich eine ischämische Gewebekrote.
- Hämorrhagische Schlaganfälle: Blutung in das Hirngewebe (intrazerebral) oder unter die Meningen (Subarachnoidalblutung).
Risikofaktoren und Pathogenese der Ischämie
Unter den modifizierbaren Risikofaktoren führen arterielle Hypertonie, Atherosklerose, Diabetes mellitus, Vorhofflimmern, Rauchen und Adipositas.
Intrakranielle Arterien sind am häufigsten an Verzweigungs- und Krümmungsstellen von Atherosklerose betroffen. Als hämodynamisch relevant gilt eine Stenose, bei der das Arterienlumen um 70–75 % oder mehr verengt ist. Das Wachstum und die Ruptur einer atherosklerotischen Plaque provozieren eine Thrombusbildung (Atherothrombose) oder eine arterio-arterielle Embolie, wodurch distal gelegene Gefässe verschlossen werden.
Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema
Welche Arterien bilden den Circulus arteriosus cerebri (Willis-Kreis)?
Den Circulus arteriosus cerebri (Willis-Kreis) bilden die folgenden Arterien und ihre Segmente (von vorne nach hinten):
- Arteria communicans anterior (a. communicans anterior);
- Proximales (A1-)Segment der Arteria cerebri anterior (a. cerebri anterior);
- Distales Segment der Arteria carotis interna (a. carotis interna);
- Arteria communicans posterior (a. communicans posterior);
- Proximales (P1-)Segment der Arteria cerebri posterior (a. cerebri posterior);
- Bifurkation der Arteria basilaris (a. basilaris).
Dieser Gefässring an der Hirnbasis stellt einen geschlossenen Kreis des Kollateralkreislaufs dar.
Welche Äste gibt die Arteria carotis interna nach dem Eintritt in die Schädelhöhle ab?
Nach dem Eintritt in die Schädelhöhle gibt die Arteria carotis interna folgende Hauptäste ab, die das Gehirn versorgen:
- Arteria cerebri media (a. cerebri media) — gibt striäre Äste zu den Basalganglien und zur Capsula interna ab;
- Arteria cerebri anterior (a. cerebri anterior);
- Arteria choroidea anterior (a. choroidea anterior) — beteiligt sich an der Blutversorgung tiefer Strukturen des Temporallappens;
- Arteria communicans posterior (a. communicans posterior) — Anastomose zwischen dem Karotis- und dem Vertebrobasiliarsystem;
- Arteria ophthalmica (a. ophthalmica).
Welche Arterien sind an der Blutversorgung der Capsula interna beteiligt?
An der Blutversorgung der Capsula interna sind Äste des Karotissystems beteiligt:
- Arteria cerebri media (a. cerebri media) — gibt tiefe striäre (lentikulostriäre) Äste ab (rami striati), welche die Capsula interna und die Stammganglien versorgen;
- Vordere Aderhautarterie (a. choroidea anterior) — ist an der Blutversorgung tiefer Hirnstrukturen beteiligt, insbesondere versorgt sie das Gnie der Capsula interna mit Blut.
Dabei ist die Arteria thalamogeniculata an der Blutversorgung der Capsula interna nicht beteiligt, da sie den Thalamus versorgt.
Welche Äste entspringen der Arteria basilaris?
Der Arteria basilaris (a. basilaris) entspringen folgende Äste:
- Arteriae cerebri posteriores (a. cerebri posterior) — Endäste, die an der Bifurkation der Arteria basilaris entstehen;
- Arteria cerebelli superior (a. cerebelli superior);
- Arteria cerebelli inferior anterior (a. cerebelli inferior anterior);
- Arteria labyrinthi (a. labyrinthi) — kann aus der Arteria basilaris oder der Arteria cerebelli inferior anterior entspringen;
- Penetrierende Äste zum Hirnstamm — umfassen paramediane Äste (rami paramediani) sowie kurze und lange zirkumferente Äste (rami circumferentes breves).
Durch welche anatomischen Strukturen ziehen die Arteriae vertebrales auf ihrem Weg zum Gehirn?
Auf ihrem Weg zum Gehirn verläuft die Arteria vertebralis (a. vertebralis) durch folgende anatomische Strukturen:
- Tritt in das Foramen transversarium des 6. Halswirbels ein;
- Verläuft nach oben im Knochenkanal, der durch die Foramina transversaria gebildet wird;
- Gelangt in die Schädelhöhle (intraduraler Teil), wo sie auf Höhe der kaudalen Grenze der Pons mit der gegenseitigen Arterie verschmilzt.
Eine detaillierte Beschreibung des Durchtritts durch andere Strukturen (z. B. das Foramen magnum) ist in den bereitgestellten Quellen nicht enthalten.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Topographie und Äste der Arteria carotis externa
- Anatomische Varianten des Abgangs der großen Gefäße aus dem Aortenbogen
- Pathogenetische Subtypen des ischämischen Schlaganfalls (atherothrombotisch, kardioembolisch, lakunär)
- Venöses Abflusssystem des Gehirns
- Blutversorgung des Rückenmarks
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