Aufbau und Fixierung
Der Grundaufbau eines gecoverten Stentgrafts umfasst einen Gewebeschlauch und ein daran befestigtes Metallgerüst. Das Gerüst besteht aus ring- oder zickzackförmigen Streben (Ringstents) aus Formgedächtnislegierungen (Nitinol oder Elgiloy). Das Gerüst wird mit Nähten oder Klebstoff am Gewebe befestigt. An den Enden einiger Modelle befinden sich unbeschichtete Stents für eine bessere Fixierung.
Es gibt zwei Hauptmechanismen zur Verankerung des Grafts in der Aorta:
- Passive Fixierung: Der Stent wird durch radiale Kraft gehalten, die Reibung an der Gefäßwand erzeugt.
- Aktive Fixierung: Das Implantat verfügt über kleine Widerhaken, die sich in die Aortenwand bohren und eine distale Migration zuverlässig verhindern.
Arten von Stentgrafts
Je nach Lokalisation des Aneurysmas und anatomischen Besonderheiten des Patienten werden verschiedene Konstruktionen verwendet:
- Bifurkationsgrafts: Werden für die Aorta abdominalis eingesetzt. Sie bestehen aus einem Hauptkörper (Main Body), einem langen Schenkel und einem kurzen Schenkel (kontralaterales Ostium). Der zweite Schenkel wird separat eingeführt, um eine normale Bifurkation nachzubilden.
- Komplexe Grafts (fenestriert und gebrancht): Erforderlich bei Aneurysmen, die wichtige Aortenabgänge betreffen (z. B. Typ IV nach Crawford oder an der thorakalen Aorta im Bereich der Carotis- bzw. Subclaviarterien).
- Parallele Grafts: Techniken wie „Chimney“ (Chimney-Grafting), „Snorkel“ und „Sandwich“. Sie ermöglichen den Erhalt des Blutflusses in Zielgefäßen, indem sie parallel zum Haupt-Stentgraft verlaufen.
- EVAS-System: Endovaskuläre Aneurysma-Sealing-Methode, bei der rohrförmige Stents von Polymersäcken aus PTFE umgeben sind.
Präoperative Planung und Anforderungen
Für eine erfolgreiche Implantation ist eine präzise Bildgebung erforderlich (Goldstandard ist die CT-Angiographie in der arteriellen Phase mit dünnen Schichten). Mittels multiplanarer Rekonstruktion werden Gefäßdurchmesser und -länge gemessen.
Eine wichtige Voraussetzung ist das Vorhandensein geeigneter Landungszonen (Sealing Zones) (proximaler „Hals“ und distale Zone):
- Halslänge: Mindestens 8–15 mm für die abdominelle und 20 mm für die thorakale Aorta.
- Risikofaktoren: Kurzer Hals, ausgeprägte Atheromatose, Thrombosierung, starke Angulation (Knickbildung) sowie tonnenförmige Halsform.
Der Durchmesser des ausgewählten Stentgrafts sollte den Aortendurchmesser um 15–20 % überschreiten (Oversizing), um eine sichere Abdichtung zu gewährleisten. Bei ungünstiger Anatomie sind komplexe Sonderanfertigungen erforderlich.
Implantationsprozess
Stentgrafts werden komprimiert in einem Einführungssystem (Introducer) eingebracht. Beim Zurückziehen entfaltet sich der Stent durch seine eigene Radialkraft. Zur Verbesserung der Apposition an der Gefäßwand in den Landungszonen kann ein Compliance-Ballon verwendet werden.
Während der Implantation ist der Windsack-Effekt (Windsock Effect) zu berücksichtigen: Der systolische Blutdruck kann das teilweise entfaltete Graft verschieben. Die Lagekontrolle und der Ausschluss von Blutlecks (Endoleaks) erfolgen direkt im OP mittels C-Bogen-CT-Angiographie.
Kurz gefasst: Antworten auf Fragen zum Thema
Welche Arten von Endoleaks gibt es bei der endovaskulären Aneurysmatherapie?
Bei der endovaskulären Aneurysmatherapie werden 5 Typen von Endoleaks (Leckagen) unterschieden.
- Typ I (Type I) — Sekundäre Leckage aufgrund unzureichender Abdichtung an den Fixierungszonen des Stentgrafts.
- Typ II (Type II) — Retrograde Füllung des Aneurysmasacks über Seitenäste.
- Typ III (Type III) — Mechanische Beschädigung des Grafts oder Dislokation seiner modularen Komponenten.
- Typ IV (Type IV) — Sekundäre Leckage aufgrund der Porosität des Graftmaterials.
- Typ V (Type V) — Endotension (Endotension), Größenzunahme des Aneurysmasacks ohne sichtbare Anomalien in der CT-Angiographie.
Fragen aus Vorlesungen und Prüfungen
Was bedeutet Oversizing bei der Stentgraft-Implantation?
Hierbei handelt es sich um die Wahl eines Stentgrafts, dessen Durchmesser den wahren Aortendurchmesser um 15–20 % übersteigt. Dies ist erforderlich, um eine passgenaue Anlagerung und zuverlässige Abdichtung zu gewährleisten.
Worin besteht die CHEVAR-Methode?
CHEVAR ist eine Methode der endovaskulären Aneurysmareparatur unter Verwendung paralleler Stentgrafts (Chimney-Technik). Sie ermöglicht den Erhalt der Perfusion in lebenswichtigen Aortenabgängen (z. B. Nieren- oder Eingeweidearterien).
Wozu dienen unbeschichtete Stentbereiche an den Graftenden?
Unbeschichtetes Metall (Bare-Metal) wird für die proximale Fixierung oberhalb der Nierenarterien verwendet. Dies ermöglicht die Verankerung des Grafts, ohne den Blutfluss zu lebenswichtigen Organen zu blockieren.
Was es zum Thema noch zu wiederholen gibt
- Klassifikation von Endoleaks (Leckagen) und deren Behandlungsoptionen
- Detaillierte Analyse von EVAS-Systemen und deren Unterschiede zu Standard-Stentgrafts
- Einsatz von Endoankern (Endoanchors) zur Prophylaxe von Typ-I-Endoleaks
- Besonderheiten bei der Implantation von Bifurkationssystemen und Modulmontage
Arbeiten Sie das Thema komplett im Kurs „Radiologische Diagnostik“ durch
Hier ist die Zusammenfassung. Im Kurs finden Sie alles, was in Vorlesung und Prüfung gefragt wird.
- Vollständiges Skript zum Thema „Aorten-Stentgrafts“ und 2.199 weitere Seiten des Fachgebiets
- Aufgaben und Tests nach jedem Thema – wie beim Kolloquium
- Der KI-Tutor beantwortet Ihre Fragen zum Thema jederzeit
- 10 Video-Lektionen zum Fach
Weitere Themen des Bereichs „Interventionelle Radiologie“
Das Material wurde von Dozenten von WhiteCoat Pro nach dem Lehrplan medizinischer Hochschulen erstellt. Es hat Bildungscharakter.